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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · p. Seite 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Von Artur Schweriner I I gn der letzten Kummer dieses Blattes habe ich mich cn Kopf und Herz der deutschen Juden gewandt: „Labt euch nicht entmutigen! Arbeitet unverzagt mit uns!" Wieviel Leser, die guten Willens sind, mögen wohl gefragt haben: „Was kann ich an meinem bescheidenen Teile praktisch Wertvolles für Aufklärung und Abwehr leisten? Was ich vollbringen könnte, wäre doch nur eitel Stückwerk!" Und ich behaupte. E. D.-Arbeit ist so umfangreich und vielseitig, daß jeder^ mit raten rann. Im kleinen rvre inr großen. Nach innen und außen. Für den Tag und auf weite Sicht. In deinem Wohnort findet eine große Kundgebung gegen den „Bolksbetrug unter dem Hakenkreuz" statt. Tu findest diese Kundgebung sehr wichtig und sehr nützlich, nimmst aber nicht an ihr teil. Bist du ntcfjt mehr wetterfest genug, dich einem Bersammlungsfturm auszusetzen. bleib ruhig zu Hause. Aber halte in übertriebener Vorsicht nicht deine Jungen zurück, die nur ihre Pflicht tun, wenn sie kampfbereit sind. Muttersöhnchen, auch wenn sie in der Schule Wundertaten an Eifer und Begabung zeigten, sind Luxus in der Generation unserer kämpferischen Zeit. Gelehrsamkeit in Ehren, aber Wehrsamkeit ist auch eine Forderung des Tages. E. D.-Geist in der Jugend wecken nud stärken, heißt Mitarbeit am E. D. Tu bist im Kreise von Verwandten oder Freunden. Politisch»? Fragen werden erörtert — wo geschieht das heute nicht — und das Gespräch kommt aus die Notwendigkeit energischer Abwehr nationalsozialistischer Hetze. Tu hebst die Arbeit des G. B. in diesem Kampf hervor, und siehe da — deine nächsten Freunde wissen nichts vom C. V. S i e b e i dieser glanzenden Gelegenheit für die Mitgliedschaft im (KD. zu gewinnen, i st b e d e u t s a m st e G.V.- Arbeit, durch die du die Kampsfront stärken und ausbauen hilfst. Mit wachsender Sorge siehst du. wie im Kreise ehemaliger guter nichtjüdischer Freunde nationalsozialistische Ideen Eingang finden. Tu entrüstest dich, und damit ist die Angelegenheit für dich erledigt. Du machst es dir sehr leicht und brauchtest nur ein wenig tun. um praktisch im Sinne des C. V. zu arbeiten. Nimm dir das Verzeichnis der Aufklärungsschriften des Philo-Verlages zur Hand! Du kennst das geistige Maß der Aufnahmefähigkeit dieses Kreises. Für wenig Geld wirst du Lektüre finden, die dem andern etwas zu sagen hat und ihn zum Nachdenken zwingt. Ist es dir überhaupt bekannt, daß es eine Monatsausgabe u n f e r < r „E. V. - Zeitung" gibt, die in vielen Lausend Exemplaren zu Aufklärungszwecken in die Hände christlicher Volksgenossen kommt? Ter für deine Ortsgruppe zuständige Landesverband wartet aus die Angabe solcher Adressen. Ein wenig Interesse, ein bißchen Mühe und ein winziges pekuniäres Opfer — und du hast wirksame C. V.- Arbeit getan. Beim Studium deiner Tageszeitung in der Bahn hörst du Bruchstücke einer Unterhaltung neben dir. die deine ganze Aufmerksamkeit beanspruchen sollte. Tie „Judenfrage" wird wieder einmal erörtert. Politische Gegner liegen in heftigem Streit. Tu willst dich nicht einmischen. Man kann ja nie wisten, wie so etwas ausgeht. Wenn man dir mildernde Umstände zubilligt, könnte man von Gleichgültigkeit sprechen. Sonst müßtest du dir den Vorwurf der Feigheit gefallen lagen. Hättest du n u r einen ÖQud) unseres G. V.- Geistes verspürt, du hattest in diese A u s e r n a n d e r s e tz u n g offen und ehrlich cingcgtiffen. Und auf die Mitreisenden hatte die Sachlichkeit deiner Argumente aus dem Waffenarsenat des C. V. besten Eindruck gemacht. Tie Not des jüdischen Mittelstandes schreit zum Himmel. Nationalsozialistische Hetze will diese traurige Zeiterscheinung, von der Juden und Christen gleichmäßig betroffen werden, nicht wahr haben. „Der Jude kennt keine Notzertck Systematische Lügenarbeit in Wort und Schrift fängt schließlich auch Vorurteilslose ein. Eine einzige Jüdin, deren Aufgeputztheit der Not der Zeitlohn spricht, kann judenfeindlichen Einflüsterungen Nahrung geben. Zum Schaden der Gesamtheit. C. V.-Geist unserer Tage heißt tiefinnerliches, soziales Verständnis für das Wirtschaftselend. in dem der größte Teil des deutschen Volkes, also auch der deutschen Juden, lebt. Jüngst wurde mir in einer Ortsgruppen- Versammlung des (5. B. m Gelsenkirchen ein Mitglied vorgestellt, das lm Verband der Schützenvereine bester Schütze und als solcher in einer gänzlich christlichen Umwelt geachtet und beliebt ist. Dieser Mann ist ein Pionier der C. V.-Arbeit. Viel zu leicht haben wir uns oft vereinsmäßig, beruflich und gesellig von unserer christlichen Umwelt abgeschlossen und nicht daran gedacht, daß das Persönliche von Mensch zu Mensch durch Flugblätter und Aufklärungsschriften nicht ersetzt werden kann. Es ist nur zu bekannt, wie in sehr vielen Fällen judenfeindliche Umtriebe Hinausdrän - gung jüdischer Vereinsmitglieder direkt oder indirekt zur Folge harten, Aber ich wage zu behaupten, daß vielfach ohne Rot Vorpostenstellungen geräumt wurden. Wertvolles Befriedungsterrain ist dadurch verlorengegangen. Jeder arbeitet im Sinne des C. V.. dessen Persönlichkeit i n nt i 11 e n chri stlicher Umwelt lebendiges Zeugnis für die Unwahrhaftrgkeit judenhetzerischer Verallgemeinerungen ist. Ein dritter Aufsztz folgte Stephan Stemharter 50 )ahre Am 10. Januar wird Tr. med. Stephan Steinharter (Verlink 50 Jahre alt. Wir freuen uns. in diesen Blättern diests Tages gedenken zu -dürfen: gehört Sreinharttr doch zu denjenigen unserer Mitarbeiter, die seit Jahren in vorderster Linie, dabei in aller Stille. Werbe- und Organifationsarbeit in vorbildlicher Weife für uns treiben. Wie viele unserer Freunde kam er, von frühester Jugend für unsere Gedanken begeistert, aus dem Kreist des K. E. zu uns. Tie freie Zeit, die ihm seine -chwere Berufsarbeit bisher ließ, widmete er ausschließlich dem Wohle unserer Glaubensgeno'M: mancher, dem die Sonne des Glücks an seiner Wiege nicht geschienen, hat ihm viel zu verdanken. Ten Krieg machte er von Anfang bis zu Ende in den versthiedensten Stellungen mit. Ter Unterfertigte ist Augenzeuge davon, mit welcher aufopfernden Pflichterfüllung er fein reiches medizinisches Wipen und seine gütige Menschenfreundlichkeit unseren Soldaten zuteil werden ließ. Seit mehreren Jahren ist er Vorsitzender unserer Berlin-Schöneöerger Ortsgruppe. Selbst in den schweren wirt'chaftlichen Zeiten hat er es verstanden, das Leben irn Verein^ durch die mannigfaltigsten Veranstaltungen wipenschastlicher und politischer Art wach zu halten und insbesondere unseren Nachwuchs zur Fortführung des Werkes unserer Väter anzufeuern. Möge Stephan steinharter noch ungezählte Jchre für das Wohl der deutschen Juden arbeiten' Dr. Bruno Glaserfeld. n „Oie falsthrn Propheten" Die grundsätzliche Stellungnahme des Vorsitzenden der deutschen Zentrum-Partei. Prälat Dr. Kaas, zum Nationalsozialismus, hat größtes Aufsehen erregt. Auf einer Tagung der Reichsbeamten der Zentrumspartei am 4. Januar {v. I. in Kassel gab er unter stürmischem Beifall der Versammlung den Nationalsozialisten den Rat: „Nehmen Sie Urlaub von der Politik! Aber möglichst ohne Retourbillett! Tenn nur so können Sie dem deutschen Volk einen Dienst erweisen. Wenn uns nicht die Verantwortung abhielte, dann würden wir ans pädagogischen Gründen den Nationalsozialisten Platz machen, damit das deutsche Volk ihre blutige Ignoranz erkennt. Aber das Experiment scheint uns zu gewagt, denn ich glaube nicht, daß cs nachher noch etwas zu retten geben würde." Diese Haltung des führenden Zentrumspolititers kann nur den überraschen,- dem entgangen '.st. wie katholische Kirchenfürsten und Politiker stets auf die fundamentalen Irrlehren des Chauvinismus und des Rassenkampfes hingewiesen haben. Im September v. I. konnten wir von der Stellungnahme des bischöflichen Ordinariats in Mainz berichten, demzufolge cs innerhalb der Diozest jedem Katholiken verboten ist. eingeschriebenes Mitglied der Hitler- Partei zu sein. Nach einer Mitteilung des „Bayer! sch e n Kuriers" hat der Bischof v o n Au g s - bürg gegen einen katholi'chcn Pfarrer ein „st r i k t e § R e d e c r b c t" erlasstu, »veil dieser wiederholt bei nationab'ozialisti sichen Veranstaltungen als Redner aufgetreten war. In seiner Werhnachtsansprache hat sich der Pap ft mit dem Irrtum des Nationalsozialismus auseinandcrgesetzt und auf seine ungeheuren Gefahren für Volts- und Völkerleben hingcwieseu. Wir haben im Zeitungsguerschnitt der letzten „G. B.-Zeitung" wichtige Satze daraus gebracht. Ter Breslauer Erzbischof. Kardinal Bert« r a m, lehnt in seiner Jahresstchlußanstrache. die ausdrücklich auf der oben erwähnten Wstihnachtsanspnacho des Papstes fußt und die sich mit der deutschen Gegenwart beschäftigt, mit aller Entschiedenheit „den übertriebenen Nativ n a l i s m u s, d i c R a s s c n Verherrlichung" ab. und führt weiter aus: „Zerschlagen ist leicht, aus Trümmern Neues aufbauen ist unsagbar schwer. Tarum hütet euch vor falschen Propheten, deren Hauptwaffe aufreizende Schlagwörter sind. Stehet zusammen zu einer festen Mauer zum Schutze unserer heiligsten Erbgüter. Seid eingedenk eurer Verantwortung. Bewahret die Treue zur staatlichen Ordnung, deren Hut in erfahrener und bester Hand liegt. Weiset jene zurück, dst in auf. reizendem Tone zu Gewalttaten anstacheln, selbst aber keineswegs jene Erfahrung, Weisheit und Selbstlosigkeit besitzen, um Misiständm Abhilfe schassen zu können." Das sind Worte von überkonfessioneller und überparteilicher Wirkung. Mögen sie einen Nach, hall finden, vor das neueJahr überdauert'. Ä..L.

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