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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-02 · 1 (2.1.1931) · p. Seite 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
1 (2.1.1931)
Date
1931-01-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 r nww:.rnijgw» V1- , litk. Kartete limiämgML-IL Ursprung 1835 i Lelens-, BsrofeaaslJilöanös- und Töciferansslener-lersidienmgea. Mitarbeiter gesucht.! 1 __ _J V .' ■J Brechung der Zinsknechtschaft" zu beglücken. Es ist bezeichnend, daß ja jetzt kapitalistische und antikapitalistische Kreise gleichzeitig aus die Unsinmgkeiten Hinweisen, die der wirtschaftliche Teil des nationalsozialistischen Programms enchält. Leider ist es reichlich spät. Seit Jan reu haben wir die große Oeffentlichkeit auf die Dinge Hingelviesen, seit Jahren haben wir'gezeigt, daß 'hier eine Quelle des großen Uebe.s liegt und daß Patiiotismtls zur Gefahr wird, wenn er sich anheischig macht, die letzten und schwierigsten unrtKiuft* lichen Fragen'durch ein gebrauchsfertiges Rezept zu lösen. Als wir den wagemutigen Herrschaften wiederholt mibotcn, vor einem nncharw'iischen Forum wissenschaftlich über diese Fragen zu diskutieren, verfranzten sie sich hinter die billige Ausrede: „Mit Inden diskutieren wir nicht." Die Mitläufer denken auch über diese schwerwiegenden Dinge nicht nach. Darum ist es unsere Aufgabe, die Verantwortungsbewußten unter ihnen darauf hinzuweisen, welche gefährlichen Programmpnnkte sie zu unterstützen beginnen. wenn sie mit dem Nationalsozialismus paktieren. Wir sind nur wenige und wir können keine Macht in die Waagschale werftn. Wer wir können warnend und wegweisend unsere Pflicht tun. Die Durchführung dieser Grundsätze schützt vor der letzten großen Täuschung. Neutralität in innerjüdischen Fragen kann es da nicht geben wo der Lebensnerv einer Gemeinschaft getroffen wird. Wer nicht weiß, wo er steht und wohin er gehört, befindet sich aus einem Loden, der sofort einsinken muß, sobald er nur der geringsten Belastung ausgesetzt ist. Wer politisch arbeiten will, er soll sein Antlitz zeigen, und er muß es klar. und deut.ich hin. Der Ausgabcnkreis ist ungeheuer. Wir setzen Verzerrung, Lügen. .Jrrtümer bei Verleumdern und Jrregenihrten. Den letztere:!, der überwiegenden Mehrzahl aller, aut es, ein Urteil zu ermöglichen, das sie über die Verhetzung hiuausführt. Ziehen wir uns zurück., bleiben wir versteckt, dann können wir uns nicht wundern, wenn wir politisch, gesellschaftlich wad kulturell nicht gekannt sind, wenn wir immer mehr ins Hintertreffen gelangen. Es ist die Macht der größten Täuschung, die uns cinznreden versucht, je sanfter wir uns verhalten, desto ruhiger würden unsere Gegner werdtz.l. Wir haben nur eines zu beklagen: Die Tatsache, daß unser Gedankengut nicht von allen Juden anerkannt wird. Wäre dem so, dann würde ein großer Teil des deutschen Volkes, der heute zur ^billigen Beute judenfeindlicher ^chlagworte wird, gegen verzerrte Darstellungen unseres Zeins besser gefeit sein, als cs heute der Fall ist. Die Zukunft wird zeigen, daß eine einmütige Verbundenheit mit Staat und Volk den nationalsozialistischen Nebel beseitigt. Das ist die klare und unverrückbare Grundlage eines Standpunktes. der uns unerschütterlich ist und bleibt. Weihnachtsstimmung und Jahreswende lassen auch den Politiker Rückblick und Vorschau halten. Im Mittelpunkt aller Sorgen der Politiker steht die Frage: Wie bekommen wir eine feste, arbeitsfähige Regierung? Eine Frage, welche die „Deutsche Allgemeine Zeitung" in die Form gekleidet hat: .Mas halten Sie von einer Regierungsdeteiligung Hitlers?- „I a!" sagt klar und deutlich Generaloberst von Seeckr. M. d. R.: . .das, was in dieser Bewegung den echten Kern bildet, das nationale Empfinden, der Wehrwille, das soziale Verständnis, alles getragen von einem jugendlichen, rewrmbcsrrebtcn Austrieb, alle dicke Elemente sind ein notwendiger Bestandteil der Regierung der Zukunft. . . . Bei dem Stoß dieses Keils werden Späne fliegen, das ist unvermeidlich. Das werden die Feigen sein und die Lauen und Undeutschen, die Formalisten und Bureaukraten, und cs wird nicht schade um sie sein." „Ja" — möchte auch der ehemalige Reichsbankpräsident Schacht sagen. Aber . . . „wenn es unmöglich ist, gegen die Sozialdemokratie zu regieren, dann ist es auch nicht möglich, gegen die ebenso starke extreme Rechte zu regieren, die am 14. September durchaus nicht für Hitlers Wirlschastsvrogramm gestimmt, sondern nur chrem Lebenswillen Ausdruck gegeben und so dem Ausland hat bekunden wollen, daß sie nicht eine zugrunde gehende Nation sein, wollte/ „Zu frisch!" meint der Rostocker Univerfitätsprofepor Tr. W. Schüßter, nicht aus Politischen Rücksichten, sondern weil ihm die NSDAP, zu gut dafür ist. im politischen Kamps geschädigt zu werden. „Cs ist zu befürchten, daß eine Beteiligung an der Verantwortung scheu jetzt die .Bewegung' zu einer politischen Linie zwingt, die ihr notwendig ihre Zugkraft raubt. Jede Idee erleidet das Schicksal, durch Formung in der harten politischen Wirtlichkeit an Reinheit einzubüßen. Ta zudem de: wirüchaftliche Teil des Progrannus wohl unausführbar ist, würde der Gegensatz von Idee und Wirklichkeit die Bewegung schwäck-en." . Also: die „Parteien" mit Verantwortungs- Willen dürfen sich in der Sisyphusarbeit des Alltags zugrunde richten. Zu gebrauchen ist „der wirtschaftliche Teil des nationalsozialistischen Programms" auch nicht. Und Hitler möge deshalb sein Augenmerk richten . . nicht aus die Innenpolitik, sondern in erster Linie auf die Außenpolitik. Ticjenige Partei, die das außenpolitische Befreiungswerk energisch in Angriff nimmt und zum glücklichen Ende fühlt, hat die ganze Nation dinier sich. Aber — nicht aus Gesinnung und Abncht kommt es an, sondern auf Männer, die fr-ft politischen Scharfblicks und zugleich mit Löloenkühnheit die Stunde zu nutzen wißen. Lolche Männer aber sind Gnadengeschenke und können mit Reden, Hoffnungen und heißem Wollen nicht vom Himmel erzwungen werden." Herr von Oldenburg-Jan ujfd) a u billigt selbstverständlich auch der NSDAP, das Recht zu, „an den Regierungsbildungen der Zukunft" beteiligt Zu werden. „Ihre Zusammensetzung ist als einheitlich noch nicht zu bezeichnen, und sie werden den Beweis erbringen müpcn, daß sie hinlänglich über Persönlichkeiten verfügen, welche Ministcrqnalität besitzen, und zwar eine Ministcrgnalität. wie wir sie früher an kaiserliche und königliche Beamte zu stellen gewohnt waren. Tie Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat ihre Position mit großem Schwung erobert, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß der nationale Gedanke in ihr stark genug sckn und bleiben wird, um die Unklarheiten zu überwinden, welche in ihrem Programm als Hindcrnipe für die Teutschnati.mcke Volkspartei enthalten sind, nicht nur den Marcksmus gemeinsam mit den Nationalsozialisten vom Thron zu stoßen, sondern auch nach einem solchen Erfolg in gemeinsamer Arbeit dem Vaterl.rr.de wertvolle Ticnste zu leisten." A Iso: uneinheitliche Zusammensetzung, unzulängliche Persönlichkeiten, unklares Programm — worauf gründet sich da das Recht auf Regierungsbeteiligung noch? Alles in allem genommen: Vielfach S Y m - pathien für die NSDAP. Aber Vertrauen in ihre Regierungsfähigkeit — nirgends. Für den Kulturpolitiken ist auch Staatspolitik in letzter Hinncht Auswirkung der Seelenverfassung der Massen. Zwei unserer geistig führenden Männer, der ehemalige preußische Kultusminister Tr. Decker und Professor Dr. W. H e l l p a ch, geben sich redliche Mühe, auch den radikalen Bewegungen Verständnis entgegen zubringen, aber sie können ihre schweren Sorgen'nicht verhehlen. Kultusminister Tr. Becker sucht im „Berliner Tageblatt" als Heilmittel gegen die Radikalisierung der Politik nach „G r e n z e n d e r P u b l iz i L ä t\ „Individuen und Völker haben sich immer aehaßt oder zum mindesten nicht verstanden, aber sie haben es nie gewußt, daß sie sich so haßten, daß sie einander so fremd waren, und sie haben es jedenfalls nie so laut und ungehemmt in die Welt geschricn wie heute. Tie Hemmungslosigkeit ist eine der charakteristischen Neuerungen, durch die der politische Radikalismus der Gegenwart unserer öffentlichen Diskussion eine früher unbekannte Bitterkeit gegeben hat. Kampf der Meinungen muß sein, der publizistische Kamps kann der Schärfe nicht entbehren, aber könnte man sich der Friedensbotschaft der Engel auf dein Felde, nicht auch im Ablauf des Jahres gelegentlich entsinnen? Sind wir nicht alle Menschen? Gibt es keine Grenzen der Publizität?" Hellpach schneidet in einem Artikel „Unfriede auf Erden" in der „Neuen Zürcher Zeitung" das brennende Problem Rationalismus und Irrationalismus an. „Nun soll man alle historisch-politischcn Tinge niemals nur von einer Seite her sehen. Vernunft und Leidenschaft sind gleichwertige bewegende Kräfte aller Politik: im politischen Genius pftegen sie verbunden zu sein — aus jene geheimnisvolle Art, in der das gestaltende Ingenium überhaupt das Gegensätzliche, zutiefst Tämon und Acon, vereinigt: unterhalb der schöpferischen Sphären, in der Alltagsmasie des Vollsdurchschnitts, haben sie nebeneinander ihren Platz, und ihre Resultante bezeichnet den Weg alles frisch voranschreitenden Staatslebens. Ein Volt kann aus die Tauer nicht bloß verständig, noch so verständig verwaltet werden. . . . Tie rund zehn Millionen in Teutschland, die während der Wahlen^ der letzten Wochen und Monde für den Radikalismus votiert haben, kennen fast alle kein positiveres Programm, als daß ,alles ganz anders* werden müsie. . . . Hier eben stoßen wir ans eine tiefe Tragik des Menschengeschlechts, indem selbst die Entfaltung der Vernunft nur aus dem mit^Leidcnschaften gebahnten Wege möglich schreint. sollte ein ausgerütteltes und aufgewühltes Volk am Ende immer noch wertvoller sein als ein sattes und stumpies? Millionen junger Menschen bejahen heute diese Frage und sind des Glaubens, daß es gerade die wahre Vernunft in der Geschichte sei, die am Ende der Leidenschaft in der Politik stehe: in ihnen lebt vor allem die Ueberwugung, daß kern Führer sein Werk verrichten könne, der nicht die Leidenschaft seines Gefolges hinter sich wisse." . Warum, trotz aller innerer Bereitschaft, kein Bund mit den Nationalsozialisten zu knüpfen ist, das hat der Papst in seiner Weihnachtsansprache an seinen Hofstaat so deutlich zum Ausdruck gebracht/daß seine Worte (nach der „Germania') den Abschluß unserer Umschau bilden sollen: „Noch schwerer, wenn nicht gar unmöglich, sei ein dauernder Friede zwischen den Völkern, wenn an Stelle der wahren und ursprünglichen Vaterlandsliebe ein egviftistk-er und harter Nationalismus vorherrsche, der an die Stelle des gegenseitigen Wunsches nach Wohlcrg'.l-cn Haß und Neid setze und den Ehrgeiz nach Hegemonie und Vorherrschaft an die Stelle der Wahrung und des Schutzes der Rechte aller Völker.*

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