Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Lerlin, 2.Januar 1931 X. Jahrgang ♦ Nr. 1 (injtlnummec 20 Pfennij \ Allgemeine Zeifung desDudenfums Bierteliabrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). ——^ -r , - « , Verlag und Schriftleitung: Berlin W15, Gmfer 61t. 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Sunffonto: Dresdner Dank, - ep2;Ue.UL^e a v, Berlin.Wilmersdorf 1. Hohenzollerndamm 136, und von Eoldschrnidt - Rothichrld L Co., Berlin S. - r , Ma^es Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expeoition Rudolf Masse, Berlin SW ioo, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 die .geipaltene Seoe rraq NormalZeilennrener Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nichr Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvererns v,4o &<>., die 6mm. ore.te i.e von Ludwig Holländer Die Frage, was man Lun könne, um den tollen Hokuspokus unserer heutigen Tagespolitik zu entlarven und der gefährlichen .Spielerei mit den rollenden Köpfen ein Ende zu machen, ist ebenso oft wie ungenügend erörtert worden. Sowohl die Politischen Parteien als auch wir selbst sind dabei allzu häufig trügerischen Phantasien verfallen. Bedenklich liegen die Dinge vor allem insofern, als man im öffentlichen Leben beginnt, mit Plänen zu kokettieren. die das Grundgesetz des Staatslebens zur Aufhebung bringen wollen, den Grundsatz der Gleichheit aller Bürger. Das uationalsozialiftische Programm enthält deutlich diese Forderung. Tie Gruppen und Erüppchen, die mit ihm zu paktieren gedenken, schieben zwar den Gedanken an eine Unterwühlung unserer Staatsfundamente beiseite, aber sie glauben, man könne diese doch nicht ernstlich zu stellende Frage der Entrechtung von Volksgenossen vorläufig ruhig übergel-en, wenn man angebliche Vorteile auf dem Gebiete der Politik und der Wirtschaft eintau sche. Hier schiebt sich für den jüdischen Deutschen die Hauptfrage vor. Wir leisten ein gut Stück vaterländischer Arbeit, wenn wir, als die zuerst Betroffenen, auf die ungeheure Gefahr Hinweisen, die für die Dolksgesamtheit heraufzieht, sobald man den Nationalsozialisten entscheidende Machtfaktoren im Reiche oder in einem deutschen Groß- oder Mittelstaat überantwortet. Was geschehen würde, wenn etwa im Reich der Posten des Innenministers einem Nationalsozialisten eingerüumt würde, kann schon von diesem einen Gedankengang aus unschwer gefolgert werden. Das Grundgesetz jedes modernen Staates, die Krönung einer staatsrechtlichen Entwicklung von Jahrhunderten würde zerstört werden. Das gerade wollen .die Nationalsozialisten. Aber die andern, die heute durch Verbindung mit den Nazis aus der Zeiten Wirrnis entfliehen zu können glauben, diese andern wollen es nicht. Niemals war die „C. V.-Zeitung" ein Tummelplatz der Verständnislosigkeit und des Vorurteils. Wir wußten und wissen genau, daß die Welt und insbesondere unsere Heimat nicht durch eine Patentlösung von allen Nebeln befreit werden kann. Wenn ein Mann von dem Anstand der Gesinnung, die Generaloberst von Seeckt ohne Zweifel auszeichnet, jetzt Nationalsozialisten in die Regierung wünscht, so liegen seine Gründe in allem anderen als etwa in dem Wunsche, die Hitler-Leute möchten mit ihren Entrechtungsplänen ernst machen. Der Gedanke kommt ihm sicher nicht an. Er' glaubt mit seinem Wunsche nur den Willen nach einer starken Außenpolitik und auch nach einer Zertrümmerung bolschewistischer Richtungen zu offenbaren und durchzusetzen. Hier beginnt die große Täuschung. Gewiß: Vieles hat sich gewandelt. Seit dem Weltkriege sind Entwicklungen in ungeahnter Schnelligkeit vorwärts geschritten, die man früher nur von weitem gesehen hat. Die Grundanschauungen der Gesellschaft haben sich geändert: Das Verhältnis von Kindern zu Eltern, von Mann zu Frau, von Schülern zu Lehrern, vom Kapital zur Arbeit, vom Staatslenker zum Staatsbürger, all dies und noch viel mehr ist in stetem Wandel begriffen. Sollte aber die Welt so weit kommen, daß sie den Unsinn der „Vlütigkeit" zur Grundlage des Staatsbürgerrechts macht, dann ist der Bürgerkrieg für lange Zeit hinaus entfacht. Bei den Juden sängt man an; wo es anfhört, weiß niemand. Hier liegt die e r ft e großeTäuschung. Wer glaubt, der Nationalsozialismus rverde sich durch Uebernahme einer Verantwortung mausern, der-irrt sich. In dieser Frage sichrlich Denn die Bewegung hat ihre Stellung zum guten Teil nicht durch ein klares Programm, sondern durch Bolksverhehung begründet und befestigt. Jetzt rächt es sich am deutschen Bolle, daß es in seiner großen Zahl den Judenhaß zwar nicht ernst genommen hat, daß es ihn aber hat gewahren und AUS DEM INHALT: Zeitungsquerschnitt. — Oberstudiendirektor Dr. K. Müller (Potsdam): Klassikerfeindschaft der jüdischen Schüler? — Professor Basnizki (Heidelberg): Zum Kapitel „Fridericus“. — Artur Schweriner: Lasst euch nicht entmutigen! 42 4iou.. ms Kraut schießen lasten. Schon Bismarck ist diesem Fehler verfallen. Man wünscht in unseren Kreisen ein großzügiges Programm. Es wurde of: gegeben, unter ausdrück lick^r Betonung, daß die „Abwehr" und die Begründung einer „Abwehr"- Front nur Nebensachen bedeuten können. Es ist notwendig, über sie h i n a u s.zugehen. Hier müssen einige elementare Tmge wiederholt werden. Ter Kampf ums Recht bleibt ewig jung. Und es wäre schllegrnin unverständlich. wenn gerade die junge Generation das uner'chütterliche Bedürfnis nach die chm Kamps nicht mehr.in alter Selbstverständlichkeit, in alter Ursprünglichkeit empfinden würde, wenn sie, durch Enttäuschungen ennnutigt, vielleicht auch durch falsche Auffassungen von Wesen und Sein der Juden verwirrt, aus der harten Not der Gegenwart nicht mehr die Berpsiichumg erwachsen fühlte, sich Mann für Mann zu diesem letzten Kampfe zusammenzuschließen. Würden wir deutscher und würden wir jüdncher sein — von beiden wird nicht ein Tüpfelchen preisgegeben —, so würden wir stärker und bester in all den Lebensnotwendigkeiren dastehen. Ter Kampf ums Recht bleibt unser Erbe und unsere große Aufgabe. Tie Stimmung, die dahin geht, heute von ihm abzulM'en. einer vermeintlichen Ueberrnacht wegen sich selbst auszugeben, ist die z w e i te große Tan f ch n n g. Mit ihr hängt der Glaube zusammen, daß mm dem Gegner dann am besten beikrmmen könne, wenn man ihm in Grundfragen recht gibt, namentlich wenn man sich derselben Redensarten bedient, die die Gegner anwenden. Es gibt keine „Arier", es heißt ein schweres Unrecht begehen, ivenn man von „Ariern* in einer Zeit spricht, wo törichte Worte und Phantasiebilder die Menschen in feindliche Lager spalten. Blau kann sich eine falfd>c Vorstellung so lange einreden, bis sie zum Wcsensl^estandieil wird. Ter deutsche Jude i st ein deutscher Mensch. Und er bleibt es, wenn auch ungezählte Millionen von Nationalsozialisten es bestreiten. Tic Ergebnisse der Wisten schuft lasten sich nichr von Menschen, die in ihrem seelischen Zustand und in ihrem Intellekt gestört sind, umstoßen, mag es sich auch um Personen verschiedenster und oft entgegengesetzter Richtung handeln. An unserer Uelu'rzengung, deutsch und jüdische Menschen zu sein und zu bleiben, lassen wir genau so roenig rütteln wie an unserem alten und immer wieder jungen Kampf um das Recht unserer deu tsch-jüdisichn Gemein schuft. Eine dritte schwere Täuschung würde nran. cinfehen lernen. n>eni! die Nationalsozialisten anfangen wollten, uns mit der „stählernen Achse" ihres Programms, mit der 7