Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 52 (26.12.1930)
- Date
- 1930-12-26
- Page
- Seite 671 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Neues vom L.v. im Nach einer vortragsreise / von Mur „Die Ortsgruppen wünschen Vorträge Mer die politische Lage/ Welche Wandlung der Dinge! Noch vor einem Jahr hatten viele Ortsgruppen des C. V. Bedenken, ein politisches Thema für ihre Mitgliederversammlungen änzu kündigen. Politisch' Lied sei ein garstiges Lied und stoße ah. Das soüte in C. V.-Aufklärungsveranstaltungen und vor politischen Parteien gesungen werden. Vor den Parteien? Diese betrachteten lange, viel zu lange die Sorge um Hitler als ureigenste Angelegenheit des C. V., um die man sich nicht zu kümmern brauchte. Zwei Beispiele: Es sind noch nicht zwölf Monde ins Land gegangen, da erklärte mir der Vorsitzende einer Berliner Ortsgruppe. „Nicht so viel vom Nationalsozialismus. Man sagt damit die Leute aus unseren Versammlungen!" Und als ich im Frühjahr 1928 in einer großen republikanischen Beamtenversammlung in Breslau über das Thema: „Was will Hitler?" sprach, fragte gleich der erste Diskusstonsredner ironisch, ob Republikaner keine anderen Sorgen hätten. is Wir haben wirklich umgelernt. Auch unsere Frauen besuchen jetzt politische Vorträge in unseren Ortsgruppen. Zu recht ungünstiger Zeit, kurz vor Weihnachten, waren Me Zwölf Vorträge m größeren Städten des Westens glänzend besucht. Man betet an, was man früher verbrannt hat: politische Aufklärung in den eigenen Reihen. Man steht ein, daß man uns im C. V. Unrecht getan hat, wenn man von unseren Pflichten zum Miesmachen sprach. Man erkennt jetzt, daß es uns nicht in erster Linie auf das von dielen Engherzigen so gefürchtete, gewiß notwendige Sammeln von Mitgliedsbeiträgen und Kampsschätzen ankam. Mitkämpfer wollten wir sammeln, auf den Kampf vorbereiten, für den Kamps stählen. Und mit Genugtuung stellen wir heute eine Aktivität im C. V. fest, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. & B O N N. Schon in der Rhein-Ufer-Bahn von Köln nach Bonn muß nationalsozialistische Herausforderung zurückgewiesen werden. Studenten machen für den „Völkischen Beobachter" Reklame. Tun so, als ob sie ihn lesen. Die Hauptsache ist aber, daß die Titelseite recht deutlich in Erscheinung tritt. Für solche Fälle sollte man immer eine Berliner Kampfschrift zur Verfügung haben, die auch eine weithin sichtbare Titelseite hat: den „Alarm". Besonders erfreulich war an den überfüllten Versammlungen in Bonn der verhältnismäßig starke Besuch Jugendlicher, darunter etwa 30 Studenten. Die Zustände an der Bonner Universität sind noch einigermaßen erträglich, obwohl auswärtige Studenten am Werke stnd, dem Berliner Vorbild nachzueifern. Hier wie in Koblenz, dem rheinischen Koburg, ist man besonders dankbar für die politische Aufklärungsarbeit des C. V. 'Wie groß das Verlangen rst, sich über die Lage unterrichten zu lassen, zeigte sich anschaulich in Koblenz. Weil in der stark besuchten Mitgliederversammlung nicht alles erläutert werden konnte, wurde nachher im „Continental-Hodet" ein vertraulicher Kreis gebildet, der aus mehr als 40 C. V.-Mitgliedern bestand. Sie kamen noch zu sehr später Abendstunde dorthin, um zu fragen und zu hören. Ein Zeichen der Zeit. * Krefeld. Der Handelskammersaal dicht gefüllt. Die ganze Gemeinde war eingeladen. Selten wohl sind die ruhigen Krefelder so aus sich herausgegangen wie an diesem Abend. Wie in Krefeld surd auch in der gutbesuchten München-Gladbacher Gememdeversammlung einige Zionisten mit ihren Führern anwesend, die den Vorträgen mit Interesse folgen. In der verhältnismäßig kleinen Clever Gemeinde hat man geglaubt, mit dem 80 Personen fassenden Gemeindesaal auszukommen. Drangvoll fürchterliche Enge bis zur Treppe. Ueberall nichts von kleinlichen Streitigkeiten während der Aussprache, die früher sehr oft die Ortsgruppenveranstalbungen „belebten". Das Wort findet offene Herzen: „Mit Pessimismus ist nichts getan. Nur wer arbeitet, darf hoffen!" Es gibt nichts Vollkommenes auf dieser Erde. Zwischen unserer wohlgelungenen Landesverbandstagung in Köln und einem Stelldichein fast der ganzen Gemeinde in Düren beim C. V.-Vortrag fand für den Westerwald in A'u a. d. Sieg eine Bezirkstagung statt, wo der geschätzte und beliebte Syndikus des linksrheinischen Landesverbandes, Eugen Jacobi, seine Getreuen vom Lande begrüßen konnte. Glänzende Stimmung, die uns ein Zionist — in einer C. V.- westen Schweriner Versammlung doch nur Gast! — scheinbar nicht gönnte. Unsere Abfertigung des Parteisüppchenkochers wurde durch den Vorsitzenden des Frontbundes wirksam ergänzt, der dem Störenfried aus seiner Lokalkenntnis der Dinge manche Wahrheit sagen konnte. * Dortmund wird immer mehr zum Tummelplatz einer gewissen Sorte Nationalsozialisten, die mit Stinkbomben und weißen Mäusen sympathisieren. Ein Zeitungshändler an dem belebtesten Platze Dortmunds, der den Nazis nicht behagt, wird allabendlich bedrängt, so daß das Ueberfallkommando schon immer in Bereitschaft liegt. Bedauerlich ist es, daß die einst so angesehene „Dortmunder Zeitung" heute ein nazifreundliches Gesicht zeigt. Hofft man dadurch für Dortmund eine eigene nationalsozialistisä)e Tageszeitung zu verhindern, die Essen, Bochum und Duisburg in Gestalt der „Nakionalzei-tung" seit dem 15. Dezember bereits haben. Auf die gutbesuchte Dortmunder Veranstaltung folgte Essen. Im Krupp-Saal des städtischen Saalbaues konnten vom Landesverbandsvorsitzenden ' Krombach 600 Personen begrüßt werden. Ausgezeichnete Stimmung, an der „Anklagen" — glatte und platte Verleumdungen — eines betrübten Zionisten wirkungslos abprallten. In Bochum ist es die Rdde eines Oberprimaners, der sich in diesen Notzeiten nicht zurechtfinden kann, die die Aussprache vor der interessierten Zuhörerschaft auf ein hohes Niveau bringt. Und — Ende gut, alles gut. In G e l s e n k i r ch e n der künstlerrsch schöne Versammlungssaal überfüllt mit C. V.ern, die, wie die Aussprache zetgt, ein einmütiger Wille zur Aufbauarbeit beseelt. Dem Landesverbandssyndickus Waldstein wird für die umsichtige Wahlarbeit herzlich gedankt. & Ehrliche Zustirmnung und lauter Beifall erfreuen den Redner. Aber ich sage hier noch einmal, was ich in allen Versammlungen zum Schluß meiner Ausführungen betont habe, daß eine einzige Anmeldung von anwesenden Nichtmitgliedern mehr Wertung der Arbeit des C. B. bedeutet als billiger Beifall. In Essen meldeten sich sechs neue Mitglieder. Hier wie in anderen Orten will man unverzüglich mit einer großzügigen Mitgliederpropaganda beginnen. Ans Werk zur Neubelebung und Stärkung der Kampffront! Wir haben keine Zeit zu verlieren. den anderen den Wind aus den Segeln zu nehmen, muß Aufgabe jedes einsichtigen Familienvaters sein. Hat man sich erst einknal durchgesetzt, dann wird der Jude auch vom Andersgläubigen geachtet und anerkannt. Hauptsache jedoch ist, daß man sich auch als Jude moralisch seiner Sendung bewußt bleibt und im geschäftlichen wie privaten Leben niemandem Grund zum Angriff gibt. Natürlich gibt es auch Menschen, die gar nicht aufgeklärt sein wollen. Das beste Beispiel gab mir der Leiter des hiesigen staatlichen Gymnasiums. Auf meine Anfrage wegen des Synagogenbesuchs lehnte er für sich die Lehrerschaft und die Schüler der Oberstufen ab. Eine Aufklärung war hier aus ganz erklärlichen Gründen nicht erwünscht. Die Gründe sind nämlich folgende: Als vor fünf Jahren die Frage für mich akut wurde, auf welche höhere Schule ich meinen Sohn geben sollte, kam das staatliche Gymnasium für mich nicht in Frage, weil diese staatliche Anstalt vollkommen antisemitisch verseucht war. Unter meiner Führung wurde mit Hilfe eines geeigneten Pädagogen und unter Unterstützung seitens der Stadt durch Hergabe von Schulräumen ein privates Neform- Roalgymnasium aufgemacht. Hier konnte der damals einzige schulpflichtige jüdische Junge ungestört die Schule besuchen. Der Zuspruch zu dieser Anstalt, die unter den gröbsten Anfeindungen und Belästigulngen der Schüler sich immer weiter entwickelte, war ein ungeahnter, sodaß zurzeit die Schule ganz bedeutend stärker besucht wird als das Gymnasium und nunmehr von der Stadt als staatlich anerkannte Vollanstalt mit neun Klassen als öffentliche städtische Anstalt übernommen wurde. Daß dies nun «das Werk eines Juden ist, war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge, zumal auf der städtischen Schule scharf aufgepaßt wird, daß sich keinerlei hakenkreuzlerische Schülerbewegungen entwickeln. Mvt dem Ueb-ergang der Schule auf die Stadt mußte erstmalig ein Elternbevrat gewählt werden, und als Anerkennung meiner Bemühungen wurde mir das Amt eines Vorsitzenden für den Elternbeirat von den Eltern der diese Schule besuchenden vierhundert Kinder einstimmig angetragen. Dabei besuchen nur drei jüdische Kinder die Schule. Außerdem hat man mir als Juden gegen schärfste Opposition der Nazionalsozwlisten in Magistrat und Stadtverordnetenversammlung die Vertretung als Bürger im Schulausschuß zuerkannt. Das beweist, daß auch einem Juden die Anerkennung in einer immerhin ziemlich stark antisemitisch eingestellten Einwohnerschaft vom rechtlich denkenden Publikum nicht vorenthalten wird. Auf Grund meiner Erfahrungen kann ich immer nur betonen: Hinein in die Set« e.tne, sondert eure Kinder nicht ab, gebt allen ein gutes Beispiel in (Fortsetzung von MDie kleine Stadt* auf Seite 672) Rote Sands oder brennend rotes Gesicht wirken unfein. Ein wirksames Mittel dagegen ist die kühlende, reizmildernde und schneeig-weitze Creme licodor, au<§ als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Aeberraschender Erfolg, Tube 1 Ml, wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseise, Stück 50 Pf. Ln allen Worodont-Verkanfsstellen zu haben.