Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 51 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- Seite 665 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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öhS %Inlire £clcr Ichreiben Jeder Pfennig ist wichtig! Berlin, den 24. November 1930. An die Schriftleitung der V.- Zeitun g“. Ah ick am letzten Sonntag die „C. V Zeitung“ von Anfang bis zu Ende gelesen hatte, legte ich sie beiseite in dem Gedanken, Ihnen ein paar Zeilen zu schreiben. So sehr hatte mir Herr Heinrich Stern aus K iss in gen mit seinem Aufruf; „Schafft Aufklärung*} onds!“ aus der Seele gesprochen! Es ist richtig, die Vergiftung des politischen Lebens, die Zersetzung und Verhetzung grosser Massen des Volkes, der täglich stärker werdende, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens sich fühlbar auswirkende Judenhass in den Städten und namentlich auf dem Lande machen es uns zur ernsten Pflicht, unsere Mitmenschen in Wort und Schrift* in Vorträgen, Versammlungen und Kundgebungen, durch Leitungen und Zeitschriften, Broschüren und Flugblätter über das Wesen des Judentums und viele ähnliche Fragen in geeigneter, sachlicher und leidenschaftsloser Form zu unterrichten und aufzuklären. Wenn man sich dieser ungeheuren, umfassenden und wichtigen, aber auch ebenso schwierigen Aufgabe bewusst ist, dann erst vermag man die Bedeutung eines Aufklärungsfonds für den Centralverein zu erkennen. Saalmieten, Rednerhonorare, Reisespesen, Druckkosten und alles, was damit zusammenhängt, gehen, wie man zu sagen pflegt, mächtig ins Geld. Ich Weiss, die Mitgliedsbeiträge sind schon knaPP genug, um die Erfüllung der wesentlichsten Aufgaben des C. V. sicherzustellen. Es kommt meines Erachtens weniger auf eine bestimmte Höhe des zu entrichtenden Beitrages ah vielmehr auf’die Tatsache und den guten Willen an. Eine Mark pro Woche m den C. V. abzuführen, wird in der heutigen Zeit für viele Mitglieder des Vereins, an denen die wirtschaftliche Not nickt vorübergegangen istt einen tüchtigen Griff in die Tassche bedeuten. Die Bemittelteren sollen ruhig eine Mark und mehr pro Woche zahlen, sie sollen den gerechten Ausgleich dafür schaffen, dass weniger gut Situierte ein ihren wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechendes kleineres Scherflein beitragen. Damit will ich aber alles andere, als den guten und brauchbaren Vorschlag Heinrich Sterns in den Wind schlagen. Ich trete mit Leib und Seele f ür d en Aiifklär ungsf ond s ein+ mögen nun Pfennige, Mark oder Taler gezeichnet werden, Je mehr, um so besser/ Für mich und meine Freunde lautet die Parole: Aufklärung tut not/ Es geht um Recht, Gerechtigkeit, Ansehen und Ehre unserer selbst und unserer Kinder, um die Erhaltung, von Sitte, Würde und Anstand im politischen Leben. Jeder tue nach seinen Kräften, aber er tue es wirklich und begnüge sich nicht mit schönen Worten! Ich hoffe, dass der Gedanke der Schaffung eines Aufklärungsfonds lebhaften Widerhall in den Reiken Ihrer Mitglieder f indet und dann bald zur Tat geschritten wird! Georg Metzger. Schafft Bildungszelten! M ii l h e im (R u h r), den 9. November 1930. An die Schriftleitung der „C. V. - Zeit an g\ Schwere politische Sorgen am Horizont, nicht minder drückende wirtschaftliche Not, niedergeschlagene Stimmung, Verzweiflung am eigenen Geschick und an dem des ganzen Volkes ■— das ist das Stigma unserer Zeit. Wir Juden fühlen alles doppelt, ist doch der 14. September ein leuchtendes Fanal für uns gewesen, ist doch nach der Meinung vieler der Jude an allem schuld! Einer sagt 'es, der zweite hört es — der dritte lallt es nach — Massenpsychose. Was sollen wir Juden nun dagegen tun? Wie sollen wir uns zu diesen neuen Machiverhälinissen unserer Gegner einsiellen? Vor allem soll besonders hervorgehoben und dreifach unterstrichen werden, dass eine fatalistische Stimmung weder etwas nutzt noch berechtigt ist. Ja, sie ist sogar gefährlich, sie bedeutet Selbstaufgabe. Wer da meint, nun dürfe man gar. nichts tun, es nutze doch alles nichts, der versündigt sich an unserer Achtung vor uns selbst, der fällt allen denen, die für unsere Rechte ah Menschen £ämp/en, in den Rücken. Solche pessimistischen Auffassungen in unseren eigenen Reihen müssen wir mit allen Kräften ab - wehren. Dass die Zeiten schwer sind, weiss jeder; sie sich aber durch Mutverlieren und graues Ausmalen einer bösen Zukunft noch schwerer zu machen, ist gefährliches Spiel, und es liegt dazu trotz alledem keine Veranlassung vor. Die 6 Millionen gegnerischer Stimmen sind nicht alle Zeichen von Judenfeindschaft, sondern viele von ihnen wollten durch sie nur mit dem gegenwärtigen politischen System, das nach ihrer Ansicht falsch ist, abrechnen. Aber'sie können noch sämtlich antisemitisch werden, wenn wir in fatalistischer Stimmung die Hände in den Schoss legen. Wiederum sagen die Umrigen: „Wenn die Wirtschaftslage besser wird, hört auch der Nationalsozialismus auf.“ Zugegeben, dass darin eine TeiLwahrheit enthalten ist, so werden doch gerade jetzt durch den Aufruf der Hitlerwähler zu den Versammlungen nach der Wahl die Menschen mit dem antisemitischen Geiste infiziert, der nicht so schnell wieder zu beseitigen ist. Darum folgt als unabweisbares Resultat aus allen diesen Erwägungen, dass wir uns zu der gegenwärtigen politischen Situation in aktivistischer Form einstellen müssen. Wenn wir wirklich die Zeichen der Zeit verstehen, so erwächst uns die schwierige Aufgabe, mit allen unseren Kräften der V erhetzüng unserer Gegner ent ge genzuwirken. Dabei müssen wir uns der zeitlichen und zeitigen Arbeit unserer Gegner in der Gegenwart anpassen. Dieser niederen Art der Verleumdung muss — so vornehm wir den Kampf führen wollen — leider mit scharfen Mitteln begegnet werden. Dazu gehört vor allem Aufklärung; sie tut uns bitter not angesichts des Hochwassers der gegnerischen Flugblätter und Flugschriften. Nur durch die Ueberschwemmung mit solchen war es dem Gegner bei aller Berücksichtigung der wirtschaftlichen Depression möglich, solche Erfolge zu erzielen. A ufklörung in höchstem Umfange tut not, durch Versammlungen, durch Bücher, durch Schriften in kleineren bestimmten Fach- und Berufskreisen — in weitem Ausmass und Umfang in Dorf und Stadt. Wir lesen und hören in den nationalsozialistischen Zeitungen von Zellenbildungen in allen Schichten; wir müssen dagegen Bildungszellen schaffen, von denen aus das Wissen um d a s Judentum und die Judenheit gestaltet w ir d. An alle richtet sich diese Mahnung; jeder, der nur über etwas Wissen um das Judentum verfügt, hat heute die Pflicht, auf dem Posten zu sein, um sein Judentum gegen böswillige und irrtümliche Ansichten zu verteidigen. Aber nur der, der es fcennf, soll es verteidigen; der nichts über seine angestammte Lehre weiss, soll lieber schweigen und es anderen überlassen, da der Nichtwissende oft sehr grossen Schaden anrichten Hunn. Das Rad der Wirtschaft werden w i r nicht herumwerfen können, Konzerne und Trustbildungen nicht aufhalien. Dazu sind wir im Gegensatz zu der uns angedichteten wirtschaftlichen Macht viel zu schwach. Aber so viel wird jeder dem anderen wohl noch auseinander setzen können, dass — und das ist zurzeit der Brennpunkt aller Probleme — diese gegenwärtige wirtschaftliche Umbildung die miitelständlenschen Juden genau so — vielleicht sogar noch in erhöhtem Masse — trifft wie den nichtjüdischen Angehörigen des Mittelstandes. Diese Aufklärung ist nicht alles — aber sie dient doch der Friedensarbeit unter den Menschen. Rabbiner Dr. Neuhaus. Nachwi Küche desWeslens ■iardenberg-StE#?, gegenüber Ufa-Palast, StadtkBehe — Einzelplatten — PräsentfeSrbe — eigene Bäckerei. PROSPEKTE beilegen liessen, haben uns wieder- Firmen, welche der „C.V. Zeitung” ihre hott den Erfolg dieser Propaganda bestätigt, lieber die Beilagebedingungen gibt die Anzeigenverwaltung der „C.V.-Zeitung”, Berlin SW 100, oder jedes Büro der Annoncen-Expedition Rudolf Mosse unverbindliche und kostenfreie Auskunft. Marke bür^f für Qualifäf Gemme - Obsi - undi GurkenkonseiVeii, fonfifiiifeii.Mahtieladen, Gelee» und ItUch{iö£b Helvetia Konservenfabrik. Groß-Gerau Aki.-Gea» Alleinige Inseraten-Annahme? Annoncen-Expedition Rudolf Mosse Berlin SW 100, Bieleield, Breslau, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt a. M., Halle a. d. S., Hamburg, Hannover, Karlsruhe i. B., Köln a. Rh., Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart* Amsterdam, Barcelona, Basel, Belgrad, Bern, Brünn, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Bukarest, London, Madrid, Mailand, New York, Paris, Prag, Sydney, Tokio, Warschau. Wien, Zagreb, Zürich.____