Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 51 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- Seite 663 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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**£ Zeit, an der Wende des eigenen Daseins. Als ein Mann, der Liebesglück' findet mit einem jungen, beglückenden Wesen, ein sehr reifer Mann, der noch vorausblickt, aber auch zurückschaut, auf sein geliebtes Berlin von . ehedem, auf alternde Menschen, mit -denen eine ganze Schicht ausstirbt, eine ganze Epoche. Es tauchen da köstliche Menschen auf, wir müssen sie gekannt haben, so lebendig treten sie uns vors Auge. So ist das Buch: ein Idyll inmitten des Zusammenbruchs, eines ins andere gewebt, dieses von jenem, jenes von diesem gehoben, bald Bild, bald Rahmen, und beides zugleich und wesentlich genug, um m Gegenwart und Zukunft gelesen zu werden. Fritz Engel. Robert GraveS: „Strich drunter". Deutsch von Reichsminister Treviranus. Transmare Verlag, Berlin. In der lebendigen, fesselnden Autobiographie von Robert Graves, die jetzt auch in Deutsch unter dem Titel „Strich drunter" erschienen ist (übersetzt und eingeleitet von Reichsminister Treviranus), gibt es eine Gestalt, die der Leser so bald nicht vergessen wird: den Leutnant Siegfried Sassoon. Zwei junge Dichter, der eine ein Großneffe Leopold von Rankes, der andere ein Sprößling der Bombayer jüdischen Familie Sassoon, treffen sich in den englischen Graben von La Bassee, spazieren zusammen nach Bethune, essen Cream Buns und streiten sich über die beste Methode, Kriegsgedichte zu schreiben. Graves beschäftigt sich sehr eingehend mit den weiteren Erlebnissen seines Freundes. Er erzählt, wie Sassoon mitten im Kriege den Ruf „Die Waffen nieder!" erhob, wie er die Unschuld Deutschlands verteidigte. Aber alles das erscheint bei Graves mehr als ein Akt nervöser Ueberreizung. Erst die Gedichte Sassoons geben den erläuternden Kommentar und zeigen, daß hier eine klare, fest begründete Ueberzeugung zum Ausdruck kam. Zivilcourage und militärische Tapferkeit finden sich bei Sassoon in einer seltenen Weise gepaart. Er war der beste Patrouillenosfizier des Regiments; als einziger Offizier seines Bataillons erhielt er — für die heldenhafte Rettung eines Kameraden — eine Kriegsauszeichnung. Sassoons offene Empörung galt in erster Linie der Kriegsverlängerungspolitik des englischen Kabinetts. Sie erschien im Juli 1917 in einem pazifistischen Blättchen, zu einer Zeit, als dem schwer verwundeten Leutnant Sassoon ein Ruheposten in der Heimat angeboten wurde. Man ist erschüttert, wenn man nach all dem. literarischen Wust der letzten Zeit — die Verse Sassoons liest, die in den Jahren 1917 und 1918 geschrieben und zum Teil auch veröffentlicht wurden. Me Bitterkeit, die der Soldat hüben und drüben im Herzen spürte, wird hier laut, der Jammer des trostlosen Sterbens im Dreck der Granatlöcher, die Gemeinheit der Hetzprefse, die Lüge der Kriegsberichte. Man hört den Aufschrei der Empörung, wenn Sassoon in einer Satire auf die „patriotischen" 'englischen Frauen die deutsche Mutter ausrust, die für ihren Sohn Strümpfe strickt, während seine Leiche im. Schlamm vermodert, oder wenn er die nationalistischen Pöbeleien der Music-halls verflucht und eine Parade der Tanks im Parkett herbeiwünscht. Die Kriegsgedichte Sassoons erschienen später gesammelt in den „War poems“ (1920) und den „Selected poems“ (1927). In „The Hearts Journey“ (1928) suchte Sassoon sich von der noch immer auf ihm lastenden Kriegspsychose zu befreien. Aber das ist nur unvollkommen gelungen. In seinem ersten Prosabuch ,Memoir8 ok a fox-hunting man" kehrte er zu seinem alten Thema zurück und in den soeben erschienenen „Memoirs of an Infantry Qfficer“ gibt er die Fortsetzung und den Abschluß dieser Kriegsdichtung in Prosa. Sassoons letzte Bücher werden hoffentlich recht bald auch dem deutschen Publikum zugänglich gemacht werden und damit die Bekanntschaft mit einer Persönlichkeit vermitteln, die für die angelsächsische Welt heute in der vordersten Front der jungen Literatur steht und von der man noch manches starke Werk erwarten darf. L. Steinleid. Vor einem knappen halben Jahr hat Hanns Reißner in diesen Blättern in einem Artikel „Das Gesicht des Philo- Verlages" dessen geistige Linie gezeigt und eine Gesamtübersicht über seine Werke gegeben. Seine Ausgabe, die Weltanschauung des C. V. und feine praktische Arbeit durch das gedruckte Wort allen Kreisen nahezubringen, bedingt eine Vielheit der Verlagserscheinungen, die erst bei näherer Betrachtung die systematische Einheitlichkeit erkennen läßt.- Die Produktion des Philo-Verlages ist frer von jener gewissen Starrheit und , Abgegrenztheit, welche; eine literarische oder wissenschaftliche Verlagsanstalt durch die Pflege eines einzigen Gebietes als Aufgabenkreis zeigt. Durch die Tatsache, daß das Lebensrecht der deutschen Juden als deutsche Staatsbürger in immer neuen Formen bedroht wird, zwingt den Philo-Verlag, auf alle dadurch entstehenden Ereignisse und Probleme, fei es in wissenschaftlicher oder polemischer Form, sofort einzugehen. Unbeeinträchtigt von den politischen Ereignissen der letzten Monate und ohne daß die Linie des Verlages durch sie in eine andere Richtung gedrängt worden wäre, hat sich die Verlagsarbeit im letzten halben Jahre weiter entwickelt. Wir haben eine Anzahl von Arbeiten der Oefsentlichkeit übergeben, über die von sachkundiger Seite berichtet werden wird, soweit das noch nicht geschehen ist. In den vorliegenden Neuerscheinungen tritt die apologetische Note zugunsten der. positiven Gestaltung der Probleme erfreulicherweise m. den Hintergrund — ein Vorzug, der durch 'die Tatsache ermöglicht wurde, daß in einer großen Zahl früherer Erscheirnmgen die Probleme ausschließlich. vom apologetischen Standpunkt behandelt worden sind und so eine Basis geschaffen! wurde, von der aus die positiv darstellenden Arbeiten folgen konnten. In erster Linie ist Felix Goldm anns neuestes Buch „Der Jude im deutschen K u l t u r k r e i s e" zu rannen. Das Ergebnis jahrzehntelanger Untersuchungen: aller mit der Existenz der deutschen Juden ans? deutscher Erde zusammenhängender Fragen imfr die Betrachtung der gegenwärtigen Lage ließenein Werk entstehen, das jüdische Inhalte nach: ihrem Eigenwert schätzen lehren und Nachweisen will, welch positiv aufbauenden Bestandteil der jüdische Kulturanteil innerhalb der deutschen:, Kultur bildet. Das Buch kann als eine Art weltliche Ergänzung des im Jahre 1927 erschienenen Werkes von Michael Guttmann „Das Judentum unb seine Umwelt" angesehen werden.. Auch eine zweite außerordentlich wichtige Neuerscheinung ist, obwohl es nach dem Titel, paradox erscheinen mag, von reiner Apologetik weit entfernt. Ale x ander G u 11 m a n m hat unter dem Titel „E n th ü l l te T a l m u d - zitate" aus Gutachten, die'von seinem Vater, Professor Dr. Michael Guttmann, undvon' anderen hervorragenden Gelehrten über angegriffene Stellen des jüdischen Schrifttums erstattet worden sind, sowie auf Grund eigener Untersuchungen 110 Zitate zusammengestellt., die gewissermaßen als „der eiserne Bestand" des pudenfeindlichen Arsenals anzusehen sind. Es handelt sich hier um ein Werk, das, aus der Praxis entstanden, von größter Bedeutung für die Praxis ist: Wir sind sicher, daß jeder, der es einmal irr die Hand nimmt, von der Fülle der Anregungen und Ausschlüsse gefesselt, es nicht so rasch wieder fortlegt. Mit ganz besonderer Freude kann der Verlag erstmalig den großen Soziologen Franz Oppenheimer als seinen Autor begrüßen, der kürzlich als Vorergebnis umfassender und bedeutungsvoller Arbeiten eine Betrachtung des Ra s s e n p r o b l e m s bei uns erscheinen ließ. Aus 20 Seiten wird in temperamentvoller, aber unpolemischer Form ein großes Maß von Wissenschaft gegeben. Die jüdisch-wissenschaftliche Reihe des Verlages ergänzt sich durch zwei Arbeiten von Rabbiner Dr. B. Jacob „Die biblische S i n t f l u t e r z ä h l u n g, ihre literarische Einheit, Vortrag gehalten auf dem Internationalen Orientalrstenkongretz zu Oxford am 30. August 1928", und „M i s ch e h e n", eine biblische Studie zu I. B. M. c. 36. 38, die als 7. Schrift der Morgenreihe nach ihrem Erscheinen im „Morgen" aufgelegt worden ist. Ter gleichfalls im ^.Morgen" veröffentlichte, viel beachtete Aufsatz von Erich Stern, „Krankheit und religiöses Erleben", liegt als 8. Schrift der „Morgenreihe" vor. Zwei bekannte Kanzelredner kommen mit ganz verschiedenartigen Arbeiten zu Wort: Der Trierer Oberrabbiner D r. A d o l f A l t m a n n Von Rauchersorgen befreit ist, wer Oesterreichische Regie-Zigaretten raucht, Zigaretten von Wohlgeschmack und Rasse. Memphis, III. Sorte, Khedive, Harun, Coronas. Sie werden unter diesen fünf Sorten sicherlich die ihrem Geschmack entsprechende finden. Dabakwaren. Sec CSüSTRIiV tö-m-fHfj-jtflünfhßa — ' . — —.— , :; -— ' .. — -~~ 9