Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 51 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- Seite 661 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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LITERARISCHE UMSCHAU Die Juden in der deutschen Wirtschaft Befrachtungen zu Kurt Zielenzigers neuem Buch Von Professor Dr. Theodor Plaul (Hamburg) Juden finden sich heute in allen Lagern der 'deutschen Wirtschaft als große Industrielle, als Kaufleute, .als Handwerker, als Angestellte, als Arbeiter. In manchen Wirtschaftszweigen stärker als in anderen. Dies sagt also nichts aus über die Rolle, die sie in der Wirtschaft spielen; hört man aber aus das Geschrei der Gegner, voran der Apostel der völkischen Bewegung, dann beherrschen sie die deutsche Wirtschaft, dann raffen sie nur und schaffen nichts. Stimmt das? Die Anhänger dieser Auffassung können sich dabei nur aus S o m b a r t stützen, der ja mit recht untauglichen Mitteln versucht hat, ihre Nolle in der gegenwärtigen Wirtschaft klarzulegen, ja, sie zu Vätern des Kapitals ernennt, wobei allerdings noch offen bleibt, ob es ein Vorwurf wäre, den Kapitalismus geschaffen Zu haben. In der Tat wird man fragen: Waren es nicht jüdische Männer, die führend die Entwicklung der modernen Wirtschaft beeinflußt, ihr die Wege gewiesen haben auf dem Gebiete des Geldwesens (Rothschil d), der Industrie (Nathenau, Loewe, Orenft e i n), der Schiffahrt (B a l l i n)? Stammen nicht von jüdischen Männern Schöpfungen, die als vorbildlich zu gelten pflegen, z. B. die größte deutsche Handelsflotte, die ausgebreitete Elektrizitätswirtschaft? In der Tat geht S o m b a r t zu weit, viel Zu weit. Seine Behauptungen find schon von Brentano zurückgewiesen worden. Man könnte also fragen, was soll ein neues Buch, dem diese Problemstellung zugrunde liegt? Handelt es sich etwa nur um eine allgemeinverständliche Darstellung der Sombartschen These und ihrer Widerlegung durch Brentano u. a.? Rein. Zielenziger will bewußt eine Lücke ausfüllen, ohne den Nahmen der Sammlung, in der das Buch*) erscheint, zu sprengen, ein streng wissenschaftliches Werk schreiben, ob¬ *) Erschienen im Welt-Verlag, Berlin 1930. schon er sich mit seinem Buch an alle gebildeten. Deutschen wendet. Denn er ist ein wissenschaftlicher Autor, kein Feuilletonist. Er hat einen flüssigen Stil, der sein Buch für jedermann lesbar macht, aber er schreibt nichts, über dessen wissenschaftlichen Gehalt er nicht Rechenschaft zu geben in der Lage ist. Der wissenschaftliche Gehalt liegt hier in der Methode. Sombart, wie Brentano u. a., haben das Problem der Juden in der Wirtschaft historisch und theoretisch angesaßt. Zielenziger greift eine Reihe typischer Gestalten aus dem Wirtschaftsleben heraus, schildert ihren Werdegang und ihre Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, wie sie geholfen haben und in die Bresche gesprungen sind, wo Not am Mann war, für Deutschlands Größe Schulter an Schulter mit ihren nichtjüdischen Mitbürgern eintretend: um auf diese Weise dem alten Problem eine neue Seite abzugewinnen. Wir erfahren, wie B a l l i n stets bemüht war, die Wolken zu zerstreuen, die den Weltfrieden bedrohten, wie er stets für Frieden und Deutschlands Ehre und Weltgeltung gerungen hat und wie er, als der Zusammenbruch unabwendbare Tatsache geinorden war, freiwillig die Augen schloß, da er Deutschlands Fall nicht überleben wollte. Zielenziger schildert, um ein weiteres Beispiel Herauszugreisen, wie Carl Melchior bei Kriegsausbruch mit seiner Truppe ausgerückt ist; wie er, durch einen Unglücksfall kriegsuntauglich gemacht, in die Heimat zurückkam, um wichtige politische Missionen, insbesondere im Getreideeinkauf in Rumänien, abzuwickeln, bis er wieder kriegsverwendu'gsfähig war und der Front zueilte. Schließlich, als der Krieg verloren war, war er einer derjenigen, die sich gegen die Unterzeichnung dos Versailler Vertrags gestemmt haben, und noch heute arbeitet er unermüdlich an der Umgestaltung jener Diktate. Zielenziger läßt Bilder von einundzwanzig Persönlichkeiten an uns vorüberziehen. Es würde Zu weit führen, sie alle aufzuzählen; neben den schon Genannten seien jedoch erwähnt: Hermann T i e tz, Julius Berger, Jakob G o l d s ch m i d t u. a., deren arbeitsreiches Leben im Dienste der deutschen Wirtschaft hier geschildert wird. Doch hat der Autor ganz bewußt sich auf einzelne Personen beschränkt, um dem Leser nicht zu viel auf einmal zu bieten. Wenngleich Nebensächliches oft bewußt stilisiert ist — es kouuut Ztelenziger nickt so sehr auf das Individuelle an —, so weiß er doch meisterhaft das Charakteristische und Typische hervorzuheben. Neben diesen Charakterbildern ist die Einleitung des Buches besonders hervorzuheben, weil in musterhafter Weise im engen Rahmen von 28 Seiten ein Entwicklungsbild der deutschen Juden seit der französischen Revolution, also ein Abriß der Geschichte seit der Emanzipation gegeben wird. Dieser Abriß der Geschichte der Emanzipation ist zugleich die Geschichte der Juden im Wirtschaftsleben. Vorher steben die Juden abseits. Beschränkt auf bestimmte Erwerbszweige, bilden sie einen Staat im Staat; denn sie sind zwar Einwohner der Städte, in denen sie leben, aber nicht deren Bürger. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht das Geldgeschäft. Vom Handwerk und vom Handel waren sie ausgeschlossen. Erst in die Wirtschafts- und Bevölkerungspolitik des Merkantilismus beginnt man die Juden bewußt einzureihen. So nahm der Große Kurfürst "n-K v>or «V'v zipation in Preußen die Juden bereitwillig in seinem Staat auf. Seine Nachfolger folgten ibm auch in der milderen Beha.wut ui u* r Inden, aber von einer Emanzipation im eigentlichen Sinne konnte damals noch nicht die Rede sein. Doch sobald der Kapitalismus die Welt reorganisierte, ergab sich für die Juden, die von Zünften und Gilden ausgeschlossen waren, eine neue unpersönliche Produktionsweise. Mit Recht zitiert Zielenziger Brentano: „Nicht wo Israel hinkommt, sprießt ein neues Leben empor, sondern wo ein wirtschaftlicher Aufschwung stattfindet oder zu erwarten ist, zieht Israel hin." Die jüdische Bauernwelt Palästinas dachte ganz unkapitalistisch. Kampfgenoffen germanischer Stämme BilDer aus Der Zeit Der Völkerwanderung Von Dr. Kurt Oppenheim Als die Germanen in die alten Provinzen des Römischen Reiches eindrangen und aus den Trümmern der alten Cäsarenmacht ihre Stammeskönigreiche errichteten, trafen sie dort neben Römern und den romanisierten Urbewohnern auch auf Angehörige des jüdischen Stammes, die in zahlreichen zum Teil bedeutenden Gemeinden in den Städten Italiens, Galliens und Spaniens seit Jahrhunderten saßen. Teils als freie Einwanderer, teils ursprünglich als Kriegsgefangene in diese Länder gelangt, hatten sie sich bedeutend vermehrt, trieben Handel und Schisfahrt und befanden sich in den ersten Jahrhunderten der römischen Kaiserherrschast trotz der blutigen Aufstände und Kümpfe ihrer Stammesbrüder in der alten Heimat in Palästina und den anderen Ländern des Orients in erträglichen Verhältnissen. Erst mit dem Erstarken des Christentums und mit dessen endgültigem Siege begann die Aera der Bedrückungen mit Ausnahmegesetzen und Versuchen zur Zwangsbekehrung. Die Ost- und Westgoten standen als Arianer, d. h. als Anhänger der christlichen Lehre, die Jesus nur als gottähnlich, nicht als gotrgleich gelten ließ, im Gegensatz zu den athanasianischen Römern, deren Lehre die Gottgleichheit Christi behauptete. Beide Sekten standen sich feindlich gegenüber, und so kam es, daß die germanischen Machthaber die von der athanasianischen Geistlichkeit und Bevölkerung verfolgten Juden in ihren Schutz nahmen. Theuderich der Große hatte keineswegs besondere Sympathien für die Juden. Auch er mahnte sie, von ihrem angestammten Irrglauben zu lassen und die Heilslehre des Christentums anzunehmen. Aber er wünschte keine Gewaltanwendung hierbei und zeigte sich, als in der Stadt Rom ein Aufruhr gegen die Juden losbrach, als strenger und gerechter Richter. Der römische Senat bekam eine ernste Rüge und den Auftrag, die Schuldigen zu ermitteln und zu bestrafen, und als man die Aufrührer nicht finden konnte oder wollte, mußte die Stadt Rom den angerichteten Schaden bezahlen. Die Juden vergalten den königlichen Schuh mit anhänglicher Treue an das gotische Herrscherhaus. Als Justinian zur Wiedereroberung Italiens schritt und Velisar, der Feldherr Ostroms, im Jahre 536 -vor Neapel erschien und sich dort zwei Parteien bildeten, deren eine die Stadt übergeben wollte, waren es die Juden, die, unter keinen Umständen gewillt, unter die Herrschaft des ihnen besonders feindlichen oströmischen Reiches zu kommen, darauf drangen, daß mit aller Kraft Widerstand geleistet wurde. Die Furcht der Bevölkerung Neapels, ausgehungert zu werden, beschwichtigten sie, indem sie sich anheischig machten, die nötige Verpflegung herbeizuschaffen, und damit nicht genug, griffen sie selbst zu den Waffen und verteidigten die Seefeite der Stadt mit solcher Tapferkeit, daß die Byzantiner hier völlig abgewiesen wurden. Als es schließlich Velisar gelang, durch die Wasserleitung einzudringen und weiterer Widerstand nutzlos schien, kämpften die Juden noch immer weiter fort, so zeigend, daß die alten kriegerischen Tugenden, die sie in früheren Jahrhunderten den Römern furchtbar gemacht hatten, noch nicht erstorben waren. Gegen Men Mundgeruch. „Ich will nicht versäumen, Ihnen Mitteilung zu machen, daß ich seit dem Gebrauch Ihrer Zahnpaste „Chlorodont" nicht nur reine, weiße Zähne besitze, sondern auch den bei mir sonst üblichen Mundgeruch verloren habe. Ich werde Ihr „Ehlorodont" auss beste empfehlen." gez. E. G., Mainz. Man verlange nur die echte. Ch l o r o d ont-Zahnpaste, Tube 60 Pf. und 1 Mk., und weife jeden Ersatz dafür zurück. Vorkriea^vrelse.