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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-19 · 51 (19.12.1930) · p. Seite 660

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
51 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
Seite 660 (sequence 4)
Language
German
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Jüdisches Wahlergebnis Ln Polen Niederlage -er Zionisten / Siegreicher Marsch -er -lgu-ah mit -em Regierungsblock Das En-e -er staatsunwirtschaftsfrem-en MinSerheitenpolitik von Dr. §ritz Geister lDielitz) öö0 In Nr. 6 der „E. V.-Zeiinng" von 1930, S. 63, hatten wir die Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm veröffentlicht, die der Zeitschrift „Der Hei m atfreund" verbot, zu einem Bohkott jüdischer Geschäfte auszufordern. Die Entscheidung war vom Oberlandesgericht in der BesHlverdeinstanz gefüllt worden. Gegen den vorstehenden Beschluß des Oberlandesgerichts hatten die Redakteure der Zeitschrift Widerspruch erhoben, der vor dem Landgericht Bielefeld zur Verhandlung gelangte. Die Zeitung hatte inzwischen ihr Erscheinen eingestellt, so daß die eigentliche Streitfrage als erledigt galt und nur noch über die Kosten des Rechtsstreits zu entscheiden'war. Diese Kosten wurden den früh e re n Redakteuren des „Heimatfreund" auferlegt und in den Urteilsgründen die Berechtigung der einstweiligen Verfügung erneut bestätigt. (Urteil des Landgerichts Bielefeld vom 16. Mai 1930 2 0. 130/29.) H. L. Professor v. öfter gegen Rafseantisemitlsmuz Der Gießener Umversitätsprofessor Ernst v. A st e x sprach kürzlich im überfüllten Sitzungssaal des preußischen Staatsrats über das Thema: „Karl Marx und die Gegenwart". Ter Vortragende geißelte im Verlauf seiner interessanter: Ausführungen auch den Mißbrauch, der heute mit dem Worte „Sozialismus" getrieben werde. Sogar die arbeiterfeindliche rmd reaktionäre Partei Hitlers nehme den Sozialismus für sich in Anspruch. Die Nationalsozialisten wollen ihren Scheinsozialisrnlis weltanschaulich unterbauen. Ihre Weltanschauung beruhe auf der völkischen Rassetheorie. Diese ist, wie der Vortragende darlegte, seit den Tagen Houston Stewart Chamberlains bis heute der T u m m elplatz f o u r n a l i st i s ch geschickter Dilettanten gewesen. Mit Wissenschaft hat diese Lehre nicht das geringste zu tun. Entkleidet man die völkische Rassenlehre ihres scheinwissenschaftlichen Gewandes, so bleibt als ihr wahrer Kern nichts als ein primitiver Judenhaß längst vergangener Zeiten. Durch die Flucht in diese angebliche Weltanschauung ward die klare Erkenntnis der großen Gegenwartsaufgaben unmöglich gemacht. Als kürzlich einige sehr angesehene Nationalökonomen an die nationalsozialistischen Theoretiker die Frage richteten, wie sie sich die von ihnen verkündete „Brechung der Zinsknechtschaft" in ihrer Verwirklichung denken, da erhielten sie die Antwort, man könne Probleme der Weltanschauung nicht durch ausgetüftelte Fragen zur Lösung bringen. Diese Antwort zeigt deutlich, daß der Nationalsozialismus mit verschwommenen, unausführbaren Vorstellungen arbeitet, daß er an Stelle einer klaren Einsicht in wirtschaftliche Zusammenhänge einen weltanschaulichen Nebel setzt, der für die Gesamtheit eine große Gefahr bedeutet. 8. W. Die für mitteleuropäische Begriffe kaum vorstellbare Verelendung der breiten jüdischen Massen hat bei den polnischen Wahlen zwei bemerkenswerte Neuerscheinungen gezeitigt: eine-auffallende A b s ch w ä ch u n g des t n n e r j i t b i [ ch e n K a tu pses und eine n engeren An schlklß an d en Regierungsblock. Der Appell des Marschalls Pilsudskis an die Juden zu einem engeren Zusarnmenschluß mit dem Negierungsblock siel auf fruchtbaren Boden, und die Agudah, gegenwärtig wohl die stärkste jüdische Organisation, ließ sich von der schwer widerlegbaren Erwägung leiten, daß man sich gerade heute, - angesichts des wirtschaftlichen Dahinsiechens von mindestens zwei Dritteln der polnischen Judenschaft, weniger denn je den Luxus einer Gegnerschaft gegen die Regierung leisten könne, zumal da das herrschende System auch in Wirtschaftsfragen das Heft vollkommen in der Hand hat. Und nicht zuletzt: -unter der Aera Pilsudski, der die judenfeindlichen Rechtsparteien dauernd in. Schach hält, ist zumindest der Straßenantisemitismus verschwunden, was für den polnischen Juden unter Umständen schon viel bedeutet. Anders dagegen die Zionisten, die in ihrer stets dogmatischen Einstellung zur Galuthpolikik auch diesmal die Parole für „Kampf um politische Sonderrechte und national-kulturelle Autonomie" in die Massen warfen und umfassende Wahlvorbereitungen trafen. G r ü n b a u m, dessen Persönlichkeit im polnischen Zionismus vorherrscht, zerschlug alle Einigungsversuche und führte „Krieg gegen alle", wobei -er sämtliche Karten auf die Zugkraft seiner Schlagworte setzte. Wie im Jahre 1928 traten auch diesmal vier jüdische Gruppen in den Wahlkampf. Die Agudah, die Zioni sten, die B n n d i st e n (jüdische Sozialdemokraten) und linke Poale Zion. Die Agudah, die früher mit der zionsgegnerischen Volkspartei zusammenging, vereinigte sich diesmal mit den Wirtschafts- und Handwerkerorganisationen, nachdem sich die Volkspartei mit ihren Führern Szabbad und P r y l u ck i vom politischen Kamps ganz zurückgezogen hatte, und kandidierte vorwiegend ans der Regierungsliste. Die Zionisten marschierten in zwei getrennten Reihen, und zwar in Galizien unter Führung von Dr. Thon und Dr. Schmarak und in Kongreßpolen unter G r ü n b a u m, während die Bundisten und linke Poale Zion getrennt ans den Plan traten. Im Endergebnis müssen die Inden als Gesamtheit eine starke Einbuße ihres Mandatsbesitzes buchen. Am schwersten geschlagen verließen jedoch die Zionisten das Schlachtfeld — wobei die G r ü n b a u m - Partei einen völligen Zusammenbruch erlitt während die rnchtzionistischerr Gruppen, insbesondere die Agudah, einen erheblichen Stimmen- und Mandatsgewinn zu verzeichnen haben. Im vorletzten Sejm waren die Juden mit insgesamt 34 Abgeordneten vertreten, davon 24 Zionisten, im Senat saßen 12 Juden, vorwiegend Zionisten; in das letzte, 1928 gewählte Parlament zogen nur noch 12 Zionisten und drei Nichtzionisten und in das Oberhaus sechs Senatoren, von denen noch immer fünf auf die Zionisten entfielen. In dem neuen Sejm sind im ganzen nur 12 Juden gewählt, und zwar sechs Nichtzionisten (einschließlich L ö w e n h e r z, der aber nicht von einer jüdischen Gruppe ausgestellt wurde) und sechs Zionisten, darunter vier galizische und zwei aus der Grünbaum-Grnppe, während Bundisten rmd linke Poale Zion ganz leer ausgegangen sind. Der Mandatsbesttz der Zionisten ist also seit dem ersten Sejm jetzt gerade ans ein Viertel gefunken, während die Nichtzionisten seit 1928 ihre Mandatszahl fast verdoppeln konnten. Rechnet man jedoch noch die zwei bekannten Führer der polnischen Dozialdenwkratie, nämlich D i a m a n d und Liebermann, beide jüdischen Glaubens, hinzu, so stehen acht nichtzionistische ^ejmmandate sechs zionistischen gegenüber. Die Grünbaum- Gruppe konnte bei einem Verlust von fünf Mandaten gegenüber 1928 jetzt noch fctum zwei Sitze retten. Für den Senat haben die Zionisten diesmal überhaupt keinen Vertreter durchbringen können; als einziger jüdischer Repräsentant zieht der Agudist Mendelssohn in das Oberhaus ein. Das Wahlergebnis wird nun voraussichtlich die Entwicklung der jüdisch-polnischen Verhältnisse in Polen in neue Bahnen lenken. Vor allem wird der gesamt-jüdische Einfluß im Sejm rein zahlenmäßig jetzt zur völligen Bedeutungslosigkeit herabsinken und der allgemeine jüdische Klub alten Formats, in welchem in unsere Berliner Milffiete! Vom 1. Januar 1981 ab werden wie aus Ersparnisgründen die Mitgliedsbeiträge nicht mehr durch Kassierer ciiizielieii lassen, sondern sie durch schriftliche Aufforderung erheben. Wir bitten, uns in dem Bestreben, unsere Spesen soweit wie möglich herabzudrücken, zu unterstützen. Die Postscheck n ummer für unsere Berliner Mitglieder ist vom 1. Januar 1981 ab: 115 301. Landesverband Gross-Berlin gez. Dr. Glaserfeld. die Zionisten die Vorherrschaft ausübten, gehört jetzt wohl schon endgültig der Vergangenheit an. Der Bruch Zwischen Zionisten und Nichtzionisten ist nunmehr ein vollkommener geworden, und während erstere ihren eigenen Klub ausmachten, haben sich die Nichtzionisten zu einer Fraktion des Negierungsblocks zusainmengeschlossen und damit vor aller Welt bekundet, daß sie von nun an in allen jüdischen Fragen eigene Wege gehen wollen. Als ein erfreuliches, wenn auch zunächst nur negatives Ergebnis muß das völlige und voraussichtlich dauernde Ausscheiden Grünbaums vom jüdischen politischen Leben Polens angesehen werden; dieser fanatische Verfechter einer radikal-nationalen Minderheitenpolitikwird nämlich, wie sich herausstellt, zufolge eines noch vor den Wahlen geschlossenen Uebereinkommens von den zwei Mandanten seiner Partei das seinige an den Zionisten Färb - stein abtreten müssen. Mit Grünbaum verschwindet nunmehr auch schon formell der von rhm seinerzeit ins Leben gerufene „Oberste jüdische Nationalrat", der schon seit Jahren nur ein Scheindasein auf dem Papier führte. Der geschlagene Zionistenführer kündigt jetzt nun in der jüdischen Presse jdjoii selbst seinen Rücktritt von der politischen Arena an. Mit seinem Abgang dürfte die schon längst angestrebte Zusammenfassung aller Kräfte des Judentums zur Rettung von wirtschaftlichem »Siechtum durch Zusammenarbeit mit der Regierung — wohl das höchste Gebot der Stunde — endlich möglich werden. F. M. Feiler: Antisemitismus Eine psychoanalytische Lösung des Problems. Aus dem Inhalt: Zivilisation, Kultur und Triebleben Arische und jüdische Zivilisation Der Konflikt des Ariers mit dem Juden Die jüdischen Gebrauche Das „Lächerliche" am Juden Die Jüdische Schlauheit" Der unheimliche Jude Jude — Vater Der gekreuzigte Christus, Jude und Vaterkomplex Das erotische Verhältnis zum Juden Die jüdische Gebärde Der jüdische Witz Asket, Künstler und Antisemitismus uaw. usw. Das Buch ist erschienen im „Archiv für angewandte Psychologie4*, F* M« Feiler, Berlin—Wilmersdorf Nassauische Strasse 42. Preis M. 4,-. Lieferung durch Nachnahme. . -

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