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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 649

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 649 (sequence 9)
Language
German
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H4H Meister Sußmann Blte Spnagogen-Malereien Die Erforschung der jüdischen Kunstdenkmäler vergangener Jahrhunderte liegt immernoch erst in den Anfängen. Es fchlt bis. Zum heutigen Tage an umfassenden, das Material in großen: Stil aussammelnden Kompendien. Es fehlt an erschöpfenden und ausführlichen Beschreibungen der weitverstreuten Einzelheiten, an Darstellungen der Zusammenhänge aller dieser Kunstübungen unter sich sowie mit der gemeinsamen Ueberlieferung und mit den Einwirkungen der verschiedenen Länder, in denen das Judentum sich ausbreitele. Tie Ergebnisse, die sich einst darstellen werden, wenn diese allzu lange vernachlässigten Bestrebungen einmal systematisch ausgenommen und durchgesührt sein werden, lassen sich in ihrer Tragweite noch gar nicht übersehen. Sie werden uns vielfach ganz neue Ausschlüsse über das Wesen des Judentums, über die künstlerische Befähigung seiner Bekenner und deren Ausdrucksart bringen und damit zugleich wertvolle neue Erkenntnisse des künstlerischen Schaffens überhaupt vermitteln. Zu den willkommenen Beiträgen, die das Fundament zu einer künftigen wahrhaft erschöpfenden Geschichte des jüdischen Kunstschaffens zu bilden geeignet sind, darf die Studie von Erich Töplitz über „Die Malerei in den Synagogen (besonders in Franken)" gezählt werden, die als drittes Heft der „Beiträge zur jüdischen Kulturgeschichte", herausgegeben von der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M., erschienen ist. Töplitz' Untersuchungen sind um so interessanter, als sie sich nicht nur im allgemeinen um ihr Thema bemühen, sondern die Persönlichkeit eines künstlerischen Menschen in den Mittelpunkt stellen können. So rückt uns die Tätigkeit dieser Meister, denen die alten Synagogen ihren dekorativen Schmuck dankten, und über die wir bei der Lückenhaftigkeit der Ueberliescrungen meist im Dunkel tappen, ganz besonders nahe. Der Mann, der sich hier heraushebt, ist E l i e s e r S u ß m a n n, der, wie die Inschrift bezeugt, im Jahre 1733 die Synagoge in B e chhofen, nahe bei Ansbach, ausgemalt hat. Wir wissen noch mehr von ihm, nämlich daß er ein Sohn des bereits als verstorben bezeichneten Salomo war, der Kantor in Brod gewesen. Welcher Ort dieses häufigen Namens damit gemeint ist, wird von Äiplitz nicht sestgestellt. Aber um welches „Brod" es sich handeln mag, es war auf alle Fälle ein Orr des europäischen Ostens, in jenen ungarischen oder bosnischen oder kroatisch-slowenischen Gegenden, in denen die Bezeichnung vorkommt. Das bedeutet, daß Elieser Sußmann zu den aus dem Osten nach iLüddeutschland eingerückten Emigranten gehörte, die im 17. Jahrhundert durch die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse Polens langsam nach Westen abgedrängt wurden. Ein erheblicher Teil dleser Auswanderer siedelte sich in Franken an, wo wir am Ende des 17. Jahrhunderts Zahlreiche neugegründete Judengemeinden vorfinden. In dem genannten kleinen Bechhofen wird 1564 nur ein einziger Jude erwähnt, aber schon 1607 gibt es dort einen jüdischen Leichenhof und 1681 wird bereits eine Synagoge genannt. Töplitz vermutet, daß es das gleiche Gebäude ist, das noch heute dort benutzt wird und das Sußmann mit ungewöhnlicher Kunstfertigkeit dekorierte. Die Tatsache dieser Einwanderung ist wichtig, denn es liegt eine deutlich erkennbare Verwandtschaft der Anordnung und der Motive Sußmanns mit der Ausmalung der zwischen 1650 und 1670 erbauten Synagoge in Jablonow am Pruth vor. Aber Bechhofen steht nicht allein. Von dem gleichen Meister rührt die 1707 fertiggestellte Ausmalung der Synagoge in Horb, unweit des Marktfleckens Klips bei Bamberg, und die in K i r ch h e i m nahe Würzburg (um 1740) her. Die beiden letztgenannten Arbeiten lassen sich heute -bequem studieren, da die Horber Synagoge jetzt im Treppenhanse des Museums auf dem Michelsberg in Barnberg teilweise eingebaut ist und die'Synagoge von Kirchheim im Luitpold-Museum zu Würzburg wieder hergerichtet und somit erhalten wurde, während Bechhofen, wie schon erwähnt, noch heute als Stätte der gläubigen Gemeinde dient. Die Abbildungen, die den Darlegungen von Töplitz beigegeben sind, liefern anschaulichsten Bericht von der stattlichen Begabung, die hier am Werke war. Sußmann verfügte über einen Formennud Farbenreichtum, der erstaunlich ist, namentlich seine Geschicklichkeit in der Darstellung der Tierwelt beansprucht hohen Rang. Dichtes Rankenwerk überspinnt die gewölbten Decken und die Wand teile, von einer so feinen und kunstreichen Verwebung, daß unsere lebhafte Bewunderung wachgerufen wird. Sußmann hat zum Teil Zweifellos nach den aus alten Handschriften, daneben auch nach den aus Renaissancedrucken entnommenen Typen gearbeitet. Aber er hat unverkennbar auch fleißige Naturstudien getrieben. Man kann genau zwischen den Tierschilderungen unterscheiden, bei denen er die Wirklichkeit vor Augen hatte, und den anderen, bei denen er sich an Vorlagen hielt. Der Gesamteindruck des üppig entfalteten Pslanzenwerks ist durchaus barock, aber die langausgezogenen Ranken der Blumen erinnern oft unmittelbar an gotische/ mitunter sogar noch an ältere Zeiten. Durchaus eigenartig, ganz persönlich ist die Verbindung von überliefertem Typenschatz mit neuen Erfindungen und Auffassungen. Die Löwen, die ja in der jüdischen Kunst als Symbole der Kraft eine so große Rolle spielen, und •Xa MM PREUSSISCHE LANDESPFANDBRIEFANSTALT Körperschaft des öffentlichen Rechts Berlin W8, Mohrenstrasse 7/8 — Fernsprecher: Zentrum 8033-37 Zweigstellen: Frankfurt a. Main, Essen und München Goldmark- Pfandbriefe u. -Kommunalobligationen Reichsmündelsicher * Hochverzinsliche Kapitalsanlage Grundkapital und Reserven über 31 Millionen Reichsmark

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