Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 50 (12.12.1930)
- Date
- 1930-12-12
- Page
- Seite 647 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ö47 Der Psychologe vermerkt ferner, daß in diesem Erlebnisthp der jüdischen Nationalisten nicht nur Indifferenz, sondern eine gewisse starte Neigung zur Aggression besteht sowohl gegen das „Wirtsvolk" wie gegen diejenigen Stammes- und Glaubensgenossen, die kraft des unvertretbaren Heimat- und Volksverbundenheiterlebnisses echte deutsche Volksgenossen sind. Es ist da ein Wort im Umlauf von CH. Z. Klötzel: „Wie wir Juden von jedem Nichtjuden wissen, daß er irgendwo in einem Winkel seines Herzens Antisemit ist und sein mutz, so ist jeder Jude im tiefsten Grunde seines Seins ein Hasser alles N i ch t j ü d i s ch e n. In Wirklichkeit ist nichts in mir so lebendig, als die Ucberzeugung davon, daß, wenn es irgend etwas gibt, was alle Juden der Welt eint, es dieser große, erhabene Hatz ist." Auch von Klötzel sagen die Nationalisten wieder, er sei ein Außenseiter, der zu weit gehe. Er habe als junger Mann unbedachte und unüberlegte Worte geschrieben, und sie lehnen ihn deshalb durchaus und grundsätzlich in der schärfsten Weise ab. Aber ich sage noch einmal: das wissen die anderen nicht. Und dies ist nicht ein verborgenes Wort, irgendwo aufgestöbert, sondern ein Wort in lebhaftestem Umlauf, ein wirklich volkstümliches Wort. Man kann es bei Günther ebenso lesen, wie man es in den Diskussionen der Primaner hören kann. Und also ein verhängnisvolles Wort, denn hier ist der alte Aberglaube von dem ewigen Haß der Juden bestätigt von einem Juden selber, und wie soll etwa ein Nichtjude etwas dagegen sagen? Kann er besser wissen, ob die Juden die „Hasser alles Deutschen" sind, als die Juden selber? Abermals entsteht hier die böseste Verwirrung daraus, daß die beiden Wahrheiten nicht wahrhaftig unterschieden werden, daß hier ein Nationalist nicht für seinen besonderen Erlebnistyp spricht, sondern für die Juden schlechthin. Er spricht sein Erlebnis aus und tut io, als ob es gar kein anderes Erlebnis Ln jüdischen Menschen gäbe. Das ist das Unrecht und die Unwahrheit. Aber da sitzen dieses Unrecht und diese Unwahrheit nun im öffentlichen Bewußtsein, und deshalb ist es Zeit, daß man beginne, mit derselben Leidenschaft, mit der die Nationalisten ihren Erlebnisthp zeigen, ins öffentliche Bewußtsein des Volkes den anderen- Erlebmstyp zu prägen, der dennoch deutsch ist, ganz deutsch, weil er Deutschland als seine Heimat erlebt und nicht aufhören kann, sie so zu erleben, obgleich sie ihm alle Tage und alle Stunden Schmerz und Ungerechtigkeit antuk. * Das deutsche Volk will nicht Unrecht tun. Auch nicht mit dem Antisemitismus. Haltet es nicht für so gering. Es ist verblendet. Aber habt ihr es erhellt? Viel zu lange habt ihr geduldet, daß beide Wahrheiten durcheinandergeworfen und also zur Umvahrheit verwirrt wurden. Das Volk glaubt, was es sieht und hört. Was soll es anderes tun? Die Stimme des jüdischen Nationalismus ist sehr laut, sehr leidenschaftlich, sehr eindringlich. Sie bekräftigt uralten ererbten Aberglauben immer wieder im Volk. Sie ist da. Sie ist echt. Denn sie ist die Stimme eines wirklichen Erlebnisses. Aber warum ist der andere Erlebnistyp des deutschen Hermatbesitzes nicht mit derselben Kraft und demselben Reichtum, derselben Eindringlichkeit, derselben Unaufhörlichkeit, derselben künstlerischen Plastik dem Volksdenken hörbar, sichtbar, unausweichlich vernehmbar gemacht worden? Warum ist nicht zum allgemeinen Wissen gemacht worden, daß es zwei Erlebnistypen der deutschen Juden gibt, und daß gar keine Wahrheit und Einsicht haben kann, wer nicht zuvor diese Grundwahrheit hat? Das Volk glaubt, was es sieht und hört. Es kann nicht anders sein. Und es hat die Stimmen der einen Gruppe mehr gehört, ihre Verkündigung ist sinnfälliger gewollt und gelungen. Und diese Stilnmen haben alten Aberglauben neu gestärkt, erweckt, bekräftigt und — zur Volksüberzeugung gemacht. Die Idee der Ungedruckte Verse eines großen Dichters werden immer willkommen geheißen werden, auch wenn sie an Wert Zurückstehen und mit längst bekannten keinen Vergleich vertragen. Das Neue, das nicht mehr erwartet wurde, hat fernen besonderen Reiz, und wiederholt ist der Kall eingetreten, daß bei Gelegenheit solcher Veröffentlichungen auch Lebensbe^iehnngen aufzudecken waren, von denen uns bisher nicht das Geringste bekannt war. Bei den etwa acht bis zehn Gedichten Heines, die im Laufe der letzten zehn Jahre von Friedrich Hirth, Erich Loeweuthal, Rudolf Schade und mir selbst an das Licht des Tages befördert wurden, konnte z. B. Schade auf eine sonst nirgend erwähnte Jugendbekanntschaft Heines mit dem Dichter Rudolf von Beyer Hinweisen, und ich hatte die Freude, den Verehrern unseres Dichters einen von ihm recht herzlich besungenen Berliner Universitätssreund Heinrich Falkenberg neu vorzustellen. Bei dem kleinen Gelegenheitsgedicht, das ich im folgenden bekanntgebe, ist mir's nicht so wohl Zumute wie in früheren Fällen; ich weiß nicht recht, woher und wohin; ich kann trotz ehrlicher Bemühungen und obwohl ich mich manches Rates dankbar erfreuen durfte, keinen ganz sicheren Boden unter den Füßen gewinnen. Auch fällt mir der neue Ertrag von ganz anderer Seite zu als die früheren. Bisher habe ich immer aus Heines Nachlaßpapieren geschöpft. Fremdheit des jüdischen Menschen ist befestigt worden im Volksdenken. Es ist zu wenig geschehen, die andere Wahrheit vom Erlebnis der Volksverbundenheit mit der gleichen Energiegeladenheit ins Volksbewußtsein einströmen zu machen. Das hat uns Nichtjuden die Mitarbeit oft so schwer gemacht, so viele gute Anfänge int Keim zerstört. Man kann nicht ernten, lvas man nicht gesät hat. Aber wenn nicht alle Zeichen trügen, rüsten die deutschbewußten Juden zu neuer Saat der Wahrheit, der Entscheidung, der Selbstentscheidung und der Verkündung auf dem Boden einer Gemeinschaft aller derer, die guten Willens sind. Zu einer Saat der Entwirrung, die der Anfang aller volkstümlichen Aufklä-rung ist. Keinern der beiden Erlebnisthpen soll Unrecht geschehen. Jeder hat seine Geltung und sein Eigenrecht. Aber keiner soll dem anderen Geltung und Eigenrecht bestreiten. Hier ist der Weg zum Frieden, der Weg echter Humanität, die sich niemals iur „engsten Kreise", sondern in der unerbittlichen Wahrhaftigkeit zu sich selber und der ritterlichen Wahrhaftigkeit zum Andersdenkenden bewährt. die mir seit 30 Jahren zur Verfügung stehen, und aus denen ich noch manches Schöne und Wissenswerte hoffe mitteilen zu können. Ich habe über diese Papiere vor einigen Monaten in meiner Schrift „Die Heine-Sannnlung Strauß" (Marburg 1930) genauere Angaben gemacht. Heute habe ich ein paar Blätter in der Hand, die ich der Güte des Herrn Salli Kirschstein in Berlin, eines ausgezeichneten Sammlers und Kenners, verdanke. Und nicht ohne Wehmut verrichte ich die kleine Arbeit der Veröffentlichung; denn sie sollte eigentlich einem jungen Fachgenossen, dem Sohne des Herrn Kirschstein, Dr. Max Kirf ch st e i n, einem Schüler Gustav Roethes, anvertraut werden. Mar Kirschstein, der sich mit einer Arbeit über Klopstocks „Gelehrtenrepublik" vorteilhaft in der wissenschaftlichen Welt eingeführt hatte und sich der akademischen Laufbahn hoffte widmen zu können, wurde aber zu Anfang dieses Jahres durch einen allzu frühen Tod abberufen, noch ehe er seine weitausschanenden Studien über Heine (besonders auch die Beziehungen Heines zu seinem Verleger Julius Campe) zu fördern vermocht hatte. Nun tritt das Alter an die Stelle, wo die Jugend hätte stehen sollen. Und ich fühle, wie gesagt, keinen so sicheren Boden unter den Füßen wie sonst. Freilich, die kleine Schwierigkeit, die mir an§ der mir nicht geläufigen Schlußwendung des Gedichtes An nngedrmttes Gedicht WnrtchWnes Mitgeteilt von Geheimrat Ernst Elster Marburgs KRUPP KMilRtll- KASSEN sind deutsch. Wer deutsche Erzeugnisse kauft, vermindert die Zahl derArbeitslosen und hebt die Kaufkraft im Lande. Krupp Registrier-Kassen Gesellschaft Essen. Musterlager und Vertreter in allen grösseren Städten. B A H N HOf H c R MANN F i. A T Z BAHN HOF K A RS T A D T