Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 50 (12.12.1930)
- Date
- 1930-12-12
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Landesverband Gross-Berlin des C. V. Die Ortsgruppen Charlottenburg und Wilmersdorf laden ihre Mitglieder ein zu einem Vortrag des Psychoanalytikers Dr. med. Walter Schindler, Berlin, über Tiefenpsychologische Bemerkungen zum Antisemitismus, Dienstag, den 16, Dezember, 8V% Uhr pünktlich, Plenarsaal des Oberverwaltungsgerichts, Hardenbergstrasse 31. Mitglieder der Gross - Berliner Ortsgruppen als Gäste willkommen. N. Hamburger. Dr. Caro. Kommerzienrat Sanitätsrat tiefsten Sinne, in einem Sinne, der durch Leid und- Anfechtung gegangen und bewährt ist; er ist ein lebendiges und organisches Glied der deutschen Volksgemeinschaft, mit Herzeleid und Herzblut in sie eingewachsen und also doch wohl mit den tiefsten Diesen des Erlebens.^ Und denken wtr dies zu Ende und sagen wir die vollständige Wahrheit: ein bewährterer Volksgenosse ist er als sehr viele Nichtjuden, die ihre Heimat haben und lieben dürfen ohne dies Leid" und Angefochtensein, und also aus eine sehr viel leichtere, mühelose, unbekümmerte und unangefochtene Art. Ties ist die Wahrheit, und wenn dieser Deutsche sich zugleich als Jude weiß, so sagt das gegen diese Wahrheit ebenso wenig wie dies, daß ein andrer Deutscher sich Zugleich als evangelisch, katholisch, als Bayer oder Preuße oder als nordisch weiß. Daß aber diese Wahrheit noch sehr verhüllt und wirkungsschwach in der Ecke steht, liegt daran, daß ‘ sie nicht genug von der anderen Wahrheit unterschieden wird, sondern daß zwei Wahrheiten blindlings durcheinandergeworfen werden — nicht nur von den Nichtjuden, sondern von den Juden selber, womit alles Mißverstehen ansängt und woran also die Juden selber sehr viel Mitschuld haben. * Ties aber ist die andere Wahrheit: Es gibt neben dem eben bezeichneten noch einen zweiten Typ der Juden mit einem anderen Heimo terlebnis. Der Inhalt ihres Heimaterlebens ist nicht das deutsche Land, die deutsche Kultur, die deutsche Volksgemeinschaft. Sie bekennen, daß ihre „eigentliche Hermat" Palästina tst; sie bekennen ausdrücklich, daß die deutsche Nation nicht ihre Natwn, das deutsche Volk nicht ihr Volt ist, sondern: die jüdische Nation und das jüdische Volk. Sie bekennen gewiß auch, daß sie gesonnen sind, loyale deutsche Staatsbürger Zu sein, und darin ist nicht der geringste Zweifel zu setzen, aber auch darein ist nicht der geringste Zweifel zu setzen, daß sie andere sind als diejenigen, deren Heimat Deutschland ist, andere als die Nichtjuden, andere als die Juden, die mit .Herzeleid und trotz aller Anfechtung und Verleumdung das deutsche Land als ihre Heimat erleben. Menschen anderer Heimat sind nach ihrem eigenen Bekenntnis diese Juden des zweiten Typus, und also in einer tiefen und elementaren Erlebniszone unterschieden von der deutschen Volksgemei n - [ ch a s t, deren g e nt e i n s ames Erlebnis und seelisches Schicksal eben die g e m e i n s a m e Heimat ist. Es sind die jüdischen Nationalisten, int össentliehen Bewußtsein „Zionisten" benannt und geachtet durch die Konsequenz und unverschleierke Aufrichtigkeit ihres Bekenntnisses, wie überhaupt das volkstümliche Empfinden stets und sofort warm wird, wenn ihn« starke, ehrliche, klare Bekenntnisse entgegengerusen werden. Daß wir uns hier nicht mißverstehen: Wir meinen hier und im folgenden nicht das, was man den charitativen Zionismus nennen könnte, eine durchaus noble Angelegenheit, die an sich mit dent Heimaterlebnis nichts zn tun hat und auch mit dent deutschen Heimaterlebnis nirgends unverträglich ist. Tenn sie steht wie alle echte und große Caritas jenseits aller Grenzen, weil sie Ethos linb also überzeitlich, übernational und selbst überreligiös ist. Auch der Gustav- Adolf-Verein der -evangelischen Kirche, gegründet „zur brüderlichen Unterstützung in Not geratener protestantischer Gemeinden in und außer Deutschland", reicht ausdrücklich über die Nation hinaus, ohne daß er zn irgendeiner Zeit und in irgendeiner Nation als Gegensatz zu dem volthasten -Verbundenheits- und Heimatgefühl empfunden worden wäre. Wir meinen vielmehr den ganz konsequenten jüdischen Nationalismus. Die Heimat der jüdischen Nationalisten ist nicht Deutschland, weil sie es nicht als ihre Heimat erleben. Sie wünschen auch ehrlicherweise nicht, daß Außenstehende ihnen mit wohlmeinender und beschwichtigender Miene dennoch Deutschland als ihre Heimat theoretisch zuerkennen. Sie wollen keine Halbheit und Heuchelei.. Sie wissen: Heiinaterleben ist Heimatbesitz, und da der Inhalt ihres Heimaterlebnisses nicht Deutschland ist, so sprechen sie die Wahrheit, wenn sie sagen: Unsere Heimat ist nicht Deutschland, sondern Palästina. Sie sind Gäste, gewiß ehrenwerte, pflichtbewußte Gäste des deutschen Volkes, aber nicht organisch verbundene Glieder der deutschen Volksgemeinschaft, und sie wollen auch nicht so genannt sein; denn ihr tiefstes Heimatnnd Gemeinschaftserlebnis gehört ihrer Nation, der jüdischen Nation, und mit keiner Silbe wollen sie diesem Erlebnis untreu werden. ^ie bezeichnen also die anderen Völker der Erde ausdrücklich als ihre „Wirtsvölker", und wie sehr sie sich von der deutschen Volksgemeinschaft unterschieden wissen und also außerhalb ihrer stehen fühlen, das hat Gerhard H o l d - heim, ein repräsentativer Schriftsteller der jüdischen Nationalisten, in feiner Schrift „Palästina, Idee, Probleme, Tatsachen" (Verlag C. A. Schwetschke & Sohn, Berlin, Seite 27/28), unumwunden gesagt: „Palästinaaufbau ist kein 'Hilfswerk für notleidende Juden; sein immanenter <üinn ist Erlösung des ganzen Volkes von dem Druck der Heimatlos i g k e 11." Damit ist also von den Juden ausgesagt, daß sie sich in den „Wirts-Völkern" heimatlos suhlen; von den deutschen Juden ist eindeutig gesagt, daß sie das deutsche Land, sein Volk, seine Kultur zu keiner Zeit als ihre Heimat im physischen oder seelischen Sinne erlebt haben. Es ist das gleiche, nur in letzter Konsequenz zu Ende gedacht und zu Ende gesagt, wenn der jüdische Nationalist Jacob Klatzkin bekennt: „Wir sind niemals gute Juden und gute Deutsche, gute Juden und gute Franzosen: die eine Güte schließt die andere aus, es sei denn, wir beginnen die Frivolität, die Begriffe Deutscher Franzose ihres historisch-nationalen Gehaltes zu entleeren und sie in einem formell staatsbürgerlichen Sinn zu gebrauchen. Heißt es nicht falsches Zeugnis ablegen, wenn sie den Wirtsvölkern ängstlich versichern: Wir sind gute deutsche, französische nsw. Patrioten? .... Welchen hohen Grad muß die nationale Entartung erreicht haben, daß auch Nationaljuden deutsche, französische, englische Patrioten sein oder sich als solche gebärden konnten?" .. . Man sagt mir, diesem Autor werde selbst von den Nationalisten vorgeworfen, daß er ,.zu weit gehe" und daß er in keiner Weise als maßgebender Vertreter des zionistischen Gedan-' ken-s an gesprochen werden dürfe. Nun wohl, es ist immer so, daß man erschrickt, wenn einer kommt und ganz klar unb ohne diplomatische Ausbiegungen zu Ende denkt, was man unklar angefnngen hat zu denken. Jrn klaren Endgedanken wird aber nur die Gefahr des unklaren Anfanges offenbart, auch wenn die jüdisch-na tiottalen Kreise Klatzkin noch sehr ablehnen. Die konsequenten Nationalisten halten also, stellt der objektive Psychologe fest, das Bewußtsein ihrer Fremdheit aufrecht, sie propagieren es, schärfen es, rufen es aus, und sie tun damit nur, was folgerichtig und aufrichtig ist. Hier aber, tnuß der Psychologe innehalten. Denn von hier an tim sie, was nicht mehr folgerichtig, sondern ein unrecht und eine Unwahrheit ist. Unrecht und Unwahrheit beginnen dann, wenn sie nicht in ihrem Namen, d. h. int Namen ihres Erlebnistyps, sondern im Namen aller Juden sprechen. Wenn sie den Juden schlechthin als den „Fremden im Wirtsvolk" aus geben, der infolgedessen notwendig „die Quellen der fremden Kultur trüben, verflachen" muß, auch wenn er „tief in ihnen zu bohren scheint", der die „Ursprünglichkeit fremder Kultur verletzen", ihre „Urwüchsigkeit verkümmern" muß. Hier ist zweierlei verkannt: Zum ersten, daß jede Volkskultur synthetisch geworden ist, auch die altjüdische, auch die deutsche, die aus vielen Rasseelementen sich bilden mußte, und aus der immer wieder gelingenden Umwertung und Einformung fremder Einflüsse in nationales Eigengut. Urwüchsigkeit bewährt eine Kultur gerade in der Fähigkeit zur Synthese. Die Kraft zur organischen Synthese ist die urwüchsigste biologische Volkskraft. Vermöge ihrer erst wird alle große Leistung der Erde zugleich zur nationalen Leistung und Produktivität eingesormt. Zum zweiten ist hier verkannt oder besser: verschwiegen, daß Fremdsein oder Beheimatetsein eben allein im Erlebnis gegeben ist und vernommen wird. Weil der jüdische Nationalist nicht das Heimaterlebnis, sondern das Fremdheiterlebnis hat, ist gar nichts ansgemacht über andere, die eben deshalb andere sind und bleiben, weil sie gegenüber Deutschland nicht das Fremdheit-, sondern das H e i m a t erleb n i s haben. Oder doch: es ist etwas damit ansgemacht über die echten jüdisch-deutschen Volksgenossen. Daß nämlich ihr Hermaterlebnis nicht durch die jüdisch-nationalistische Leugnung beeinträchtigt wurde, sondern u n b e sch a t t e t und unversehrt blieb —- gerade das zeigt, daß dies deutsche Herma terlebnis eben ein ganz "urwüchsiges seelisches Element im deutschen Juden ist.