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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 645

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 645 (sequence 5)
Language
German
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H4S S Das Heimaterlebms Entscheidung der deutschen Juden wir nicht ZU ihr konnnen mit der f e e I i f ch e n K r a f t, die sie von uns will und braucht: nur dem Mut zur Wahrheit. Wir alle, Inden und Nichtjuden, haben aber noch mancherlei Zu!nn, um frei zrr sein für den Mut Zur Wahrheit. * Von Dr. Müller-Claudius Wir haben (vgl. Nr. 48 dieser Zeitschrift) vargelegt, daß das „Heimatrecht" .ein lebensfremder, sinnentleerter, bloß konstruierter, und Zwar mit unzureichenden Mitteln konstruierter, Begriff bleibt, wenn wir ihn nicht auf das Heimat e r l e b n i s Zurückführen. Zwischen Erleben und Sein besteht ein unmittelbarer, eindeutiger, endgültiger, undiskutierbarer Zusammenhang. Die Stadt, die Landschaft, die Atmosphäre und im weitesten Sinne: das Land, das ich als meine H e i m a t erlebe, ist meine Her m a t, ganz gleichgültig, ob es mir von irgendeiner Theorie der Feindseligkeit abgesprochen wird oder nicht. Man halte an dieser Erkenntnis fest. Man baue auf ihr Aufklärungsarbeit auf, denn von dieser Erlebnispsychologie kann viel Verstehen und viel Friede ausgehen. Ebenso aber gilt: Habe ich jenes Heimaterlebnis nicht, so ist dies Land auch nicht meine Heimat im eigentlichen, d. h. soelenhaften und seelenverbindenden Sinne, gleichviel, ob freundschaftliche Ueberredung und Verschleierung es mir vermöge irgendeiner juristisch-geschichtlichtheoretischen Konstruktion Zuspricht oder nicht. Auch dieses muß man sesthalteu, denn auch hiervon kann viel Friede und neues Verstehen ausgehen. Und viel Mißverständnis ist deshalb im öffentlichen Bewußtsein stehen geblieben, weil man diesen E l e m e n t a r z u s a m m c n - h a n g zwis ch e n H e i m a 11 x l e b u i s u n b Beheimatelsein nicht vollständig eingesehen und bekannt hat, vielleicht, weil mancherlei Menschen die Zweite Konsequenz nicht so gern hören wie die erste. Aber in dieser Zeit drängt alles nach Entscheidung, und Entscheidung kommt nur aus der einfachsten, d. h. schlechthin eindeutigen Wahrheit: denn diese trägt die Entscheidung bereits in sich. Das Chaos droht über uns hereinzubrechen. Die unselige Affektverirrung des Antisemitismus ist der heiße, verwüstende Sturm, der dem Chaos voranfliegt und das Chaos in die Hirne und Herzen wirft. Wie entgehen lvir dem Chaos? Allein durch das schöpferische Licht der Wahrheit, das alles heiligt und in dem auch die Giftstoffe des Antisemitismus verbrennen werden, weil sie in ihm Verbrennen m ü s f e n. Aber die Wahrheit kann nicht wirken, wenn Wahrheit? Nun wohl: schon der Begriff Jude enthält in seiner Kompaktheit mehr Verwirrung als Wahrheit. Die volle Wahrheit liegt erst in der Wahrhaftigkeit der Unterscheidung. Denn es gibt — von subtilen Sonderdifferenzierungen abgesehen zwei deutlich unterschiedene Erlebnistypen unter den deutschen Inden. Der eine Typus ist dadurch charakterisiert, daß der Inhalt seines Heimaterlebnisses das deutsche Land, die deutsche Kultur, die deutsche Volksgemeinschaft ist. Seine Heimat ist also Deutschland, gleichviel, wie sehr oder von wem sie ihm bestritten werden mag. Wer sie iljm bestreitet, tut ihm elementares Unrecht. Und wenn der Jude trotz dieses Unrechtes und trotz der hämischen Verleumdungen, die aus diesem Grundunrecht fließen, unerschüttert dabei verharrt: das Land, aus dem mir Unrecht fließt, ist dennoch meine Heimat, dies Volk, das mich kränkt, ist dennoch mein Volk, ihm gehöre ich an in Leid und trotz Pein, alles, was dies Land anrührt, rührt mich an, weil es mich mitgeprägt hat von Anfang an, fein Schicksal erlebe ich als mein Schicksal, in diesem Land ist mein Sein und Sehnen umschlossen als Deutscher und als Jude — nun denn: dieser Jude ist damit ein deutscher Volksgenosse im £w AmUkammmes Qeschmk zu ChamMah ELECTROLA Musikplatten u. Musik-Instrumente Aufnahmen von: Kantor H. John, Bariton: Chanukkah.EG 1518 U’w nuchau jaumar . Mk. 3.75 L’cho daudi .... Kiddusch für Freitag EG 1347 abend ...... Mk. 3.75 N’ilah Kaddisch ... EH 379 Joh schimcho .... Mk. 5.50 Joseph Rosenblatt, Tenor: Ribono shel olom . . M. Lewandowski, Bariton: Chanukkah-Hymnef Hebr.) Lewandowski, Rosenfeld Matowil. Lewandowski . EG 1503 (Hebr.) Gern. Chor m. Orgel Mk. 3.75 Wie schön sind deine Zelte. Lewandowski Chanukkah-Hymne Lewandowski, Rosenfeld . EG 1504 Gemischter Chor mit Orgel Mk. 3.75 ELECTROLA-Instrumente zu Monatsraten von M. 9,90 an ELECTROLA BERLIN W 8, Leipziger Straße 23; W 15, Kurfürstendamm 35 KÖLN a. Rh. FRANKFURT a. M. LEIPZIG P.M.VILLAIN/PARIS 1015 rue de l’Ahhe Groult, Abtlg.C.V, Einzige Pariser Buchhandlung, die speziell für die Bedienung deutscher Kunden organisiert ist. Ka.ta.loge auf Anfrage. Nächster Anzeigenschluss am Montag, dem 15. Dezember, für die Nummer 5t vom 19. Dezember. Ein sorgfältig ansgestattetes Gesdhenkbudi! Josef Kastein Sabbatai Zewi Der Messias von Ismir Mit 12 Kupfertiefdrücken Leinenband M. 10,— Die jCentral-Yereia Zeitu ng* schrieb über dieses Bu di: „Selten ist die erregende Lebensgesdiidite des messianisdien Schwärmers von Smyrna so faszinierend geschildert worden wie in diesem Budi. Kastein verfügt über eine intime Kenntnis der kabbalistisdxen Welt. Er beherrsdit mit grosser Souveränität die Geschehnisse des 17. Jahrhunderts. Er versteht es, ein lebensnahes Büd des damaligen Judentums zu geben. Er kennt sidi aber audi vorzüglich in der gleichzeitigen nichtjüdisdien Umwelt aus. Und er kann „schreiben“! Es lohnt sich, diesen Lebensroman zu lesen, nicht nur 11m der grandiosen Deutung jüdischer Vergangenheit willen, sondern auch wegen der unausgesprodienen Aktualität, die diesem Budi in grundlegenden tragen heutiger Lebensgestaltung innewohnt.“ Soeben ersdiienen * I11 jeder guten Buchhandlung vorrätig Ernst Rowohlt Verlag-Berlin W50

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