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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 644

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 644 (sequence 4)
Language
German
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644 Landesverbandstagungen des Centralvereins Zum Kapitel „Gemeinden und Abwehr" In Nummer 47 und 48 der „C. V.-Zeitung" veröffentlichten wir Resolutionen unserer Landesverbände Freistaat Sachsen, R Heinl a n d - W e st s a l e n und O st p r e u ß e n, in denen einstimmig die Unmöglichkeit der Uebernahme der Abwehrarbeit durch die Gemeinden erklärt wurde. In gleichem Sinne sprach sich die Sitzung der Ortsgruppenvorstünde des Bezirks- Verbandes Saar aus. Sie faßte eine Entschließung, in der es heißt: „Die Gemeinden seien weder berechtigt noch befähigt, den Politischen Abwehrkamps zu betreiben. Die Abwehrarbeit sei aber auch von den Vertretern verschiedener Weltanschauungen nicht mit Aussicht auf Erfolg zu führen, insbesondere, da sie schnelle Entschlüsse verlange, die von einer Vereinigung verschiedener Organisationen wohl meistens nicht zu erwirken seien." Die Telegiertentagung des Landesverbandes Provinz S a ch s e n faßte in ihrer Sitzung ctnt 30. November den Beschluß: „Der Landesverband Provinz Sachsen des Eentralvereins lehnt die Bestrebungen, die Arbeit des Centralvereins zu neutralisieren oder aus die Gemeinden oder Gemeinde- Verbünde zu übertragen, entschieden ab und fordert seine Mitglieder aus, Plänen dieser Art energisch entgegenzutreten." Die Vertretertagung des Landesverbandes Bayern des C e n t r a l v e r - eins nahm am 7. Dezember einstimmig folgende Entschließung an: „Der Landesverband Bayern des Centralvereins hält die von nationaljüdischer Seite ausgehenden Pläne, die Abwehrarbeit 'aus die Gemeinden und deren Verbände zu übertragen, für höchst bedenklich. Tie religiösen Gemeinden sind nach Wesen und Struktur zur Führung dieses Kampfes nicht geeignet. Ihre Arbeit kann die auf der Erfahrung von vier Jahrzehnten beruhende Tätigkeit des Centralvereins nicht ersetzen. Unsere Krrltirsgerrieirrden würden durch Uebernahme der Abwehr in den politischen Tageskampf hineinge zogen, ihres neutralen Charakters entkleidet und in ihrer öffentlich-rechtlichen Stellung gefährdet. Der Landesverband Bayern des Centralvereins warnt seine Mitglieder vor den gekennzeichneten nationaljüdischen Absichten." Auch di'e L a n d e s v e r b a n d s v e r - 's a m nt lung Ostwestsalen - L i-p p e Des C. B. sprach sich in einer Ent- < schließung e i n ft i m m i g gegen die auf u n - isachlichen Motiven beruhende, lverantwortungslose Parole aus, lim Augenblick der höchsten politischen Not die Abwehrarbeit aus die Gemeinden zu über- Itragen, die weder die Erfahrung noch den Be- Ituf für diese politische Tätigkeit haben. Osiwesifalen-Lippe Ter Landesverband O st w e st f a l e n - L i p p e hielt unter Leitung seines Vorsitzenden, des Rechtsanwalts Tr. K a tz e n st e i n (Bielefeld), am 7. Tezember in Herford seine gutbefuchte Jahresversammlung ab. Der Landesverband blickt aus ein zwanzigjähriges Bestehen zurück. Mit Rücksicht auf dieses Jubiläum war der langjährige erste Vorsitzende und Mitbegründer des Landesverbandes, Direktor I. Barn ch (Berlin), Vorsitzender des Verwaltungsansschusses des Eentralvereins, erschienen. Die Tagung war mit Referaten über die Lage und politische Arbeit des Landesverbandes (Syndikus G o l d m a n n (Herford) und die allgemeine politische Lage (stellvertretender Syndikus Tr. Hans R e i ch m a n n (Berlin) als Vertreter der Zentrale) erfüllt. In der Aussprache wurde angeregt, daß alle jüdischen Wohlsahrtsinstitutionen durch sofortige Mitarbeit in den Ausschüssen der einzelnen Städte tatkräftig zur Steuerung der Erwerbslosennot beitragen sollen. Bayern (Rechtsrhein) Am Sonntag, den 7. Dezernber, fand in München unter dem Vorsitz des Landesverbandsvorsitzenden, Saniiätsrat Dr. Baron, eine stark besuchte Tagung des Landesverbandes Bayern (Rechtsrhein) des Eentralvereins statt. Als erster Redner zeigte der bisherige stellvertretende Syndikus des Landesverbandes, Rechtsanwalt Wilhelm L e v i n g e r, in seinem Tütigkeits- und Rechtsschutzbericht dm fruchtbringende Arbeit, die der Landesverband im vergangenen Jahr, oor allein aber anläßlich der letzten Reichstagswahlen geleistet hat. Ausführlich behandelte Rechtsanwalt Levinger die Frage des Rechtsschutzes und der Abwehr gegen die in bedenklichem Maße zunehmenden Boykottbestrebungen. In einem großangelegten Aortrag gab hieraus Syndikus Dr. Alfred Wiener (Berlin) ein Bild der gegenwärtigen politischen Strömungen und ihrer Bedeutung für das deutsche Judentum. Nach dem Kassenbericht des Herrn Karl Adler (München) gab der neue Syndikus des Landesverbandes, Dr. Werner C a h n m a n n , verschiedene Anregungen zur praktischen Ausgestaltung der Arbeit des Landesverbandes. Am Nachmittag fand eine ausgedehnte Aussprache statt, zu deren Beginn Sanitätsrat Dr. Baron der Versammlung bekanntgab, daß er sowie der zweite Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, Justizrat Dr. G a l l i n g e r (Nürnberg), im Interesse einer Verjüngung des Vorstandes sich entschlossen hätten, von ihren Aemtern zurückzutreten. Ta die beiden Herren trotz lebhafter Proteste aus ihrem Entschlüsse beharrten, nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der sie mit Bedauern von dem Rücktritt der bisherigen Borsitzend-en Kenntnis nahm. Beide Herren wurden zu Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes ernannt und der Vorstand nengewählt. Er setzt sich jetzt aus folgenden Herren zusammen: Erster Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner (München), erster stellvertretender Vorsitzender: Rechtsanwalt Dr. Walter Berlin (Nürnberg), zweiter stellvertretender Vorsitzender: Justizrat Dr. Eugen Strauß (Augsburg). Die Versammlung nahm dann noch eine Entschließung zur Frage „Gemeinden und Abwehr" an, die wir an anderer Stelle wiedergebcn. GM es jüdische Geheimlehren? Rcligiorrswiffenschaftliche Vorträge in Essen Eine bedeutsame Veranstaltung, die weit über den Rahmen der Essener Gemeinde hinaus Allgemeininteresse beanspruchen darf, fand in der Essener Synagoge statt. An drei aufeinanderfolgenden Sonntagen wurde von bedeutenden Rednern das Thema „Gibt es jüdische Gehe i m l e h r e n?" behandelt. Die Vortragsreihe war sowohl an den Litfaßsäulen wie im Annoncenteil der Zeitungen angekündigt worden. Ter Eintritt war frei für jedermann. Etwa zweieinhalbtausend Menschen füllten jeweils «den wundervollen Raum der Essener Synagoge. Die Zuhörerschar bestand durchschnittlich aus 90 Prozent Nichtjuden, die mit wachsendem Interesse den Ausführungen der Redner folgten. Als Referenten waren gewonnen worden: Rabbiner D r. Dienemann, der in pädagogisch-hervorragender Weise die Erundlehren des T a l m u d behandelte, wobei er durch geschickte Heranziehung von Beispielen aus dem modernen Völker- und Privatleben auch dem talmudisch Nichtvorgebildeten ein wahrheitsgetreues Bild dieses für die Entwicklung des Judentums so bedeutsamen Literaturwerkes zu vermitteln verstand. Rabbiner D r. B a e ck , der über die Kabbala sprach, faszinierte die Zuhörer durch die Innerlichkeit seiner Sprache, die dazu angetan war, den atemlos lauschenden Zuhörern einen Einblick in die eigenartige Lebens- Welt der jüdischen Mystiker zu gewähren. Zuletzt sprach Professor D r. Martin B u b e r über -den Chassidismus. Tie Synagoge vermochte die Fülle der Zuhörer, von denen viele nicht mehr Einlaß bekommen konnten, kaum zu. fassen. Buber deutete den Chassidismus als den gigantischen Versuch des Judentums, die „Heiligung des Alltags" durchzusühren, und der Vortrag wurde durch die Glut des Buberschen Wortes zu einer „Heiligung Gottes" inmitten des jüdischen Gotteshauses. Bezeichnend für den Geist der Zuhörer war, daß sie nach jedem Vortrag Herrn Rabbiner D r. H ahn, in dessen Hand die Leitung der Veranstaltung lag, bitten ließen, eine Erklärung der synagogalen Gebräuche anzuschließen. Alle Essener Tageszeitungen brachten genaue Berichte über den Inhalt der Referate und gaben ihrer Freude darüber Ausdruck, daß die Synagogengemeinde es unternommen hatte, gerade in dieser an Schmähungen gegen das Judentum nicht armen Zeit Aufklärung über den wahren Gehalt der jüdischen Lehre in die breitesten Vvlksmassen zu tragen. Es wäre zu wünschen, daß viele Gemeinden Deutschlands dem vorbildlichen Beispiel Essens folgen wollten. Han trifft sich im internationalen Kurort Bad Weisser Hirsch auf den Elbhöhen bei Dresden. Verlangen Sie ausführlichen Prospekt S.W. 30/31 von der Stadt. Kurverwaltung Bad Weisser Hirsch-Dresden, F&m Weihnachten und liK« Neujahr

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