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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 642

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 642 (sequence 2)
Language
German
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' H42 Die Wahlen vom 30. November 1030 Wir haben in der letzten Nummer der „C. V. - Zeitung" die Ergebnisse der Neprüsentantenwahlen in Berlin in einer Tabelle wiedergegeben. Inzwischen sind nun auch die Ltimmenzahlen und Mander tsziffern für den Preußischen Landesverband offiziell bekanntgegeben worden. Während in Berlin die Wahlen stattfanden, sind in sämtlichen übrigen elf preußischen Wahlkreisen Einheitslisten zustande gekommen. Nachstehend deren Ergebnis:!! 30. Rover Stimme rrzahl Groß-Berlin aber 1930 | 1. Febr Stimmen- Mandate i zahl uar 1925 | Mandate! Uebrige Wahlkreise j 30. 11. 1930 j Mandate j * Irrsge 1 30. 11. 1930 | Mandate samt 1. 2. 1925 Mandate Liberale Partei. . . . 41904 35 24692 28 36 | 71 59 Jüdische Bolkspartei . Religiöse Mittelpartei . 25949 22 14491 16 14 36 24 1751 1 4990 5 2 3 5 Konservative Partei. . 1419 1 2756 3 12 13 5*) Paale Zion. 1932 1 1715 1 1 2 2 Deutsche Liste . . . . 1341 1 — — — i! s Ostjüdische Liste Mal Jisroel ...... 129 _ -§?r Ueverparteiliche Vereinigung . 2443 o i! 3 | '^4 Pf Positiv-liberale jüdisches Vereinigung . . . . 650 i : 1 Misrachi ..1 —! — — i i! 1 i 63 j 53 [ i 67 | | 130 [ 124 *) Bei den Landesverbandswahlen vom 1. Februar 1925 bestanden in einzelnen Wahlkreisen Listenverbindungen der Konservativen mit anderen Parteien bezrv. Parteigruppen. der NSDAP. an die Eltern der angedeuteten Dame mit einer Art Drohbrief heranzutreten. Dieser unerhörte Vorgang steht aber nicht einzig da. In Berliner Gastwirtschaften werden auf die Tische, an denen junge, christlich aussehende Damen mit jüdisch ausschenden Herren zusammensitzen, gedruckte Karten folgenden Inhalts gelegt: „Sie verkehren mit einem Juden! Wir nehmen an, daß Sie sich der Tragweite Ihres Tuns nicht bewußt sind. Da wir nicht wünschen, daß Sie nt absehbarer Zeit moralisch und körperlich die Folgen zu tragen haben, werden Sie hiermit gewarnt. Es ist einer deutschen Frau unwürdig, überhaupt einen Juden Zn beachten, geschweige gar sich mit ihm Zn vermischen. Falls unsere Beobachtungen ergeben, datz diese Warnung ohne Einfluß auf Sie geblieben ist, resp. Sie weiter verjuden, wird Ihr Name in das Register derjenigen Frauen ausgenommen, die keinen Raflestolz besaßen und sich an einen Inden wegwarfen. Raus Inden. Zur Kennzeichnung für jeden deutschen Mann wird diesen Personen in einem neuen Deutschland ein sichtbares Zeichen ins Gesicht eingeätzt und tätowiert werden. Glauben Sie ja nicht, dies wäre ein Scherz oder leere Drohungen. Sie sind gewarnt — und werden weiter beobachtet." Und schon werden in einer Berliner Druckerei rote Klebezettel mit Hakenkreuzen hergestellt, auf denen in weißer Prägung zu lesen ist: „Deutsches Mädchen, schäme dich des Inden!" Oder: „Deutsches Mädchen, verweise den Inden an seine schwarze Sarah und Rebekka!" Wir fragen noch einmal: „Ist das anständig?" Wir sind der Ansicht, daß die Leute, die solche Zeitungsartikel und Karten drucken, schlechte Hüter der deutschen Kultur sitld, und wir rufen die wahrhaft Anständigen auf. daß sie um des Ansehens des Deutschtums in der ganzen Welt willen gegen solche Mißhandlung deutscher Kultur und deutschen Anstands mit uns kämpfen! # Die Herliner Unruhen Die Berliner Straßenunruhen, die unter der Vorwände des Protestes gegen den Remarque- Film ansingen, haben sich im Berliner Westen weiter ausgedehnt. Planmäßige Auflehnung gegen die Staatsgewalt ist seit einer Reihe von Tagen die Regel. Mit dem Rufe „JuHa verrecke" ziehen brüllende Massen durch die Straßen, belästigen Fahrgäste in'den elektrischen Bahnen und behelligen in gemeinster Weise harmlose Cafebesucher. Zustände, die eines Kulturstaates unwürdig sind, spielen sich so täglich an weltbekannten Plätzen Berlins ab. Tie Polizei hat es schwer. In der ungeheuren politischen Hochspannung ruht aus ihr die Verantwortung, den Ausbruch des offenen Bürgerkrieges zu verhindern. Sie sieht sich hemmungslosen Agitatoren gegenüber, in deren Programm die Autorität des Staates zwar höchstes Gesetz ist, die aber mit ihren Demonstrationen die Erschütterung dieser Autoritär erstreben. Wen trifft die Schuld daran, 0aß es soweit kommen konnte? Sicherlich jene geistigen Menschen unserer Gesellschaft, die das Feld der Unter den in den Landesverband gewählten Gemeindevertretern befinden sich folgende Hauptvorstandsmitglieder des Centralvereius, darunter aus Berlin: .Justizrat Dr. Julius B r o d n i tz, Rechtsanwalt Dr. Heinrich E l k e - l e s, Direktor Dr. Ludwig Hollände r, Dr. Jsmar Freund, Professor Dr. Julius >v i x s ch, Rabbiner Dr. Joseph Lehman n, Bi in na Schwa r Z, Arnold Stein, Rechtsartwalt Heinrich Stern, Rechtsanwalt Dr. Bruno W e i l, Rechtsanwalt Dr. John W e r tf] c i m, Kammergerichtsrat Leo Wolfs und Gustav Zamory; aus dem Reiche: Rechts- Politik Schreiern und Demagogen überlassen haben, weil sie sich selbst zu vornehm für den politischen Kampf dünkten. Bor allem aber die Masse der Menschen, die, obschon sie sich über den inneren Charakter der nationalsozialistischen Propaganda klar waren, dieser Partei bei den letzten Wahlen ihre Stimme gegeben haben und damit das Risiko der Unterstützung einer Katastrophenpolitik auf sich genommen haben. Und schließlich auch unsere j ü d i s ch e n F reu ube selb st. Gewiß, sie bilden keine Macht, die etwa allein ein wirksames Bollwerk gegen die -Hetze aufzurichten vermocht härte. Wir mußten in diesen Blättern oft genug daraus Hinweisen, wie häufig es an persönlicher Energie, an Nachdruck in der Arbeit, an energischem Willen und Opfermut in jüdischen Kreisen für diese politischen Aufgaben fehlte, lind es ist vielleicht nicht zu viel gesagt: Gerade in der N e i ch s h au p t st a d t hätten manche durch den Einsatz ihrer Persönlichkeit und ihrer Stellung, ihres Charakters und ihres Wissens viel mehr verhindern können. Es wäre zu vermeiden gewesen, daß die Straße in diesem Maße zum Tummelplatz der NaLionalsozialisten geworden ist, wie es heute der Fall ist. Unsere Freunde im Berliner Westen mögen noch heute erkennen, daß eine Vogel-Strauß- Politik sinnlos ist und sie mögen sich nun endlich noch in letzter Stunde ihrer Pflicht, nicht mir gegen ihre jüdischen Mitbürger, sondern vor allem auch der deutschen Volksgemeinschaft gegenüber bewußt werden, noch jetzt alle Kräfte linznsetzen für die Ausrechterhaltung der Ordnung. anwält Ludwig F o e r d e r (Breslau), Rechtsanwalt Dr. H e i n r i ch F r a n k (Köln), Rechtsanwalt Dr. Willy K a tz e n st e i n (Bielefeld), Rechtsanwalt Dr. Heinrich M a r c u s e (Stettin) und Rechtsanwalt Dr. Ernst Merzbach (Magdeburg). In die Repräsentantenversanunlung der Berliner Jüdischen Gemeinde ziehen folgende Mitglieder des Hauptvorstandes des C. V. ein: Dr. Kurt Fleis ch e 'r, Dr. Jsmar Freu n d, Wilhelm G r a e tz, Direktor Dr. h. c. Wilhelm K leemann, Dr. Sally London und Rechtsanwalt Heinrich Ster u, verabscheuungswürüige Schändung einer katholischen Kirche An den katholischen Erzpriester Schnei-» der in F e st e n b e r g in Schlesien war das Ansinnen gestellt worden, Hakenkreuzfähnen zu weihen. Erzpriester Schneider weigerte sieh. Die Antwort darauf war — eine verabscheunngswürdige S ch ä n d u n g der F e st e n b e r g e r katholischen Kirche durch Nationalsozialisten. Fenster und Türen zum Kirchenschiff der katholischen Kirche wurden beschädigt und die Gedenktafel für die gefallenen Krieger mit roten Hakenkreuzen besudelt. Der Absehen gegen die kirchenschänderische Handlungsweise rst allgemein. Merkwürdigerweise findet aber die deutschnationale „Schlesische Zeitung" bisher kein Wort der Ablehnung gegenüber diesem schamlosen Verhalten der Festenberger Nationalsozialisten, obschon sie sonst kirchliche Belange vertreten zu müssen glaubt. Das Urteil gegen Hörmann und AlafL-crg rechtskräftig. In Nr. 18 der „C. V.-Zeitung" vom 2. Mai 1930 haben wir die Verurteilung des Abgeordneten Müttchmeyer wegen Beleidigung der Vorstandsmitglieder unserer A m berger Ortsgruppe, Bloch und Godlewfky, bekanntgegeben. Gegen die Verurteilung hatten Münchmeyer und die mitverurteilten Täter, Stadtobersekretär Josef H ö r m a n n und Malermeister Emil A l a f b e r g , Berufung eingelegt. Hörmann und Alafberg haben -die Berufung Zurückgenommen. so dos; gegen diese beiden das Urteil rechtskräftig geworden ist.

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