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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 641

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 641 (sequence 1)
Language
German
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cntrol «rein Vlätter für deutfrhtum und Jiiwntttw S erlin, 12. Dezember 19Z0 IX. Jahrgang * Ar. 50 Einzelnummer 20 Pfennig Hryan öes tentral-Vereins öeukfekex^ ötaotsdürHerJüöifeiren ölauvens e.P, Allgemeine Zeifung des ^Judentums Biertelrährsabonnement 2,50 NM. (zuzügl. Bestellgeld). __ Verlag und Schriftleitung: Berlin W 15, Emscr Str. 42. Fernsprecher: 2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Depositenkaffe II 2, _rjv . Berlin-Wilmersdorf 1, Hohenzollerndamm 196, und von Goldschmidt - Rothschild L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin 8^" 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die Igespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilcnmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 die C2 mm breite Neklamezeile 3,o0 Stt das deutscher Ausland? Berichterstattermethoden des „Angriff" — Drohbriefe der Nationalsozialisten in Ingolstadt — Merkwürdige „Aufklärung" in Berliner Lokalen u. a. m. M.E. Seit einigen Tagen berichten die Tageszeitungen täglich zweimal über nationalsozialistische Unruhen im Mozart-Saal und auf dem Nollendorfplatz in Berlin. Ursache ist 'die Aufführung des Films „Im Westen nichts Neues" nach dem Roman von Erich Maria Remarque. Je llach der politischen Richtung nennen die einen Blätter den Film einen Hetzfilm und sprechen die anderen „von der Vornehinheit der Gesinnung, dem Respekt vor dem Mann im Schützengraben, der über jedem dieser Bilder walre". Damit wiederholt sich die Erörterung, die noch aus der Zeit der Veröffentlichung des Buches in Jedermanns Erinnerung ist. Wir haben zu dem Film als solchem nicht Stellung zu nehmen. Es gibt keine einheitliche deutsche Stellungnahme zu dem Problem, das dieser Film behandelt, sondern jeder wird ihn vom Standpunkt seiner Weltanschauung ans beurteilen. Und ebensowenig gibt es einen jüdischen Standpunkt zu ihm. Wohl aber muß ein Wort zu den Ereignissen gesagt werden, die sich an diese Filmvorführung angeschlossen haben. Zunächst grundsätzlich: Die nationalsozialistische Revolte mit ihrer stark judenfeindlichen Tendenz, die sich in Zurufen aller Art Luft macht, ist geradezu ein Schulbeispiel dafür, wie jeder allgemein-politische Anlaß von den Nationalsozialisten zu judenfeindlicher Hetze mißbraucht wird. Daß diese judenfeindlichen Zuruse nicht zufällig, sondern gewissermaßen organisiert erfolgen, beweist die Ausgabe des „A n g r i f f" vom 6. Dezember, der seinen Bericht über die Vorgänge im Mozart- Saal unter die Ueberschrist „Deutsche Frontsoldaten gegen perverse Juden, einmütiger Entrüstungssturm über den jüdischen Sudelfilm ,Jm Westen nichts Neues'" stellt und an anderer Stelle des Blattes von „der Judenaustreibung im Mozart-Saale" spricht. Den abstoßenden Eindruck dieser Berichterstattung vermag auch ein Artikel des „Ang r i f s" vom 8. Dezember nicht abzuschwächen, in dem zu dem Thema „Grosz, Remarque und Freiheit der Kunst" Grundsätzliches zu den Begriffen deutsche Kultur und deutsche Kunst im nationalsozialistischen Sinne gesagt wird. Es ist da die Rede davon, daß die Kunst nie objektiv, sondern immer tendenziös sei, daß sie aber einer Gesinnung, und zwar der Gesinnung „des im deutschen Sinne anständigen Menschen" entspringen müsse. Dieser Ansicht sind wir auch, daß Kunst und Kultur in jeder Auswirkung einer a n st n n - di gen Gesinnung entsprechen müssen. Und gerade deshalb fragen wir den „Angriff": Ist es im deutschen Sinne anständig, Wenn der „Angriff" behauptet: „es entwickelten sich von Juden provozierte Schlägereien", während Augenzeugen beweisen können, daß die Provokationen ausschließlich von Nichtjuden, und zwar zu allererst von einem mchtjüdischen Herren im Parkett, anscheinend einem früheren Offizier, ausgingen? „Im Westen nichts Neues" sei ein „jüdischer Sudel film", mährend der Film nach übereinstimmendem Urteil auch der Gegner eine getreue Wiedergabe des Romans des chr i st l i che n Deutschen Erich Maria Remarque darstellt? Die Tatsache der Provokation der Juden wäre dadurch bewiesen, „daß diesmal ausnahmslos Juden den Weg zum Polizeipräsidium antraten", während die Pressestelle des Polizeip r ä s i d i u m s erklärt, daß kein einziger Jude, sondern lediglich Nationalsozialisten unter den Zwangsgestellten' waren? Und noch anderen Vorgängen gegenüber müssen wir unsere Frage „ist das im Sinne der deutschen Kultur anständig?" wiederholen. Der I n g o l st ä d t e r „D o n a u b o t e" bringt in seiner Ausgabe vom 2. Dezember einen Aufsatz „R a s s e n s cha nde in Ingolstadt", in dem es u. a. heißt: „Derjenige, der die Rassenfrage kennt, weiß, daß die Vermischung deutschen Blutes mit dem Blute der jüdischen Köterrasse einer Verurteilung zum Tode gleichkommt... Es ist bekannt, daß der Jude eine armeborene Gier nach der blonden Frau hat. Während die gleichmütige Jüdin die Fortpflanzung, seiner Rasse gewährleistet, sucht der Jude sich das höher geartete arische Weib für seine asiatischen Triebe dienstbar zu machen. Es kommt sehr vereinzelt vor, daß der Jade eine Christin heiratet. Hier sprechen meist geschäftliche Gründe mit. Eine träge, schmierige Jüdin kann man nicht im Geschäft venoenden ... Es ist Tatsache, daß eine unverdorbene deutsche Frau instinktiv eine Abneigung gegen die Juden hat. Nur solche Frauen, die durch moderne Literatur und Modenarrheiten perverse Anwandlungen haben, finden nichts dahinter, mit Juden zu verkehren. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir schon einmal im „Donauboten" angedroht, solche Frauen öffentlich anzuprangern, die sich gegen die Vollblutgemeinschaft vergehen lind mit Juden anbandeln. In Ingolstadt ist es eine gewisse Thea D., die es scheinbar sich zur Ehre anrechnet, als erste genannt zu werden. In ihrem eigenen Interesse warnen nur sie, denn das Ende ist meistens die Schande. Nur mit Rücksicht auf ihre hochanständigen Eltern, deren Namensnennung ein Unglück für sie wäre, sehen lvir für diesmal von der Bloßstellung ab. Wird sie mit dem Juden noch einmal gesehen, wird sie gebrandmarkt. Wir bitten alle rassebewußten Deutschen, au: christliche Judendiener zu achten und uns ihre Adressen und die der/ Juden einschließlich des Tatbestandes mitzuteilen. Ingolstadt muß von der jüdischen Knltnrschande gereinigt werden." Wie wir hören, hat sich der Vorsitzende der Ortsgruppe Ingolstadt der NSDAP., Neichsbahnobersekretär Bergler, nicht gescheut, namens der Ortsgruppe Aus dem Inhalt: Fabius Schach : Idee und Persönlichkeit (Chanukka-Betrachtung). S. 643. — Dr. Müller-Claudius: Das Heimaterlebnis und die Entscheidung der deutschen Juden. 8. 645. — Geheimrat Ernst Elster (Marburg): Ein «ungedrucktes Gedicht Heinrich Heines. 3. 647. — Max Osborn: Martin Sussmann. S. 649.

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