Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 49 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- Seite 635 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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persönlich gekonnt oder gesprochen. haben, nie in einer jüdischen Familie die rührende Liebt der Eltern zu ihren Kindern gesehen, nie von dem Judentum etwas anderes gehört haben ah die Leidensgeschichte auf Golgatha! So etwas wirkt ganz bestimmt. Darum ist es Pflicht eines jeden jüdischen Deutschen: ,,Hinein in den Centraberein!“, und dann: „Heraus mit der ,C.V.-Zeitung' in Massenausgaben, Aufklärung tut not." Artikel wie die des „Stürmer" finden Glauben und schaffen immer wieder Anhänger für die Braunhemden. Darum erlaube ich mir noch einen Vorschlag: Die Ortsgruppen des „C.V." müssen bei Monatsversammlungen oder ähnlichen Gelegenheiten Nichtjuden, d. h. nicht nur akademisch gebildete, sondern auch einmal die anfangs erwähnten Gruppen einladen. Den jüngeren C.V.-Mitgliedern und denent die sich noch rüstig fühlen, möchte ich aber zurufen: Kommt zu um in die Turn- und Sportvereine, damit wir uns kennenlernen, damit wir uns verstehen! Ein deutscher Turner. Meine Vereinserfahrungen An die Schriftleitung der „C. V. - Z ei tun M ittw ei d a, den 1 6. November 1930. Zu dem Artikel in der Nummer 46 der „C. V-Zeitung', „Hinein in die Vereine", möchte ich aus meiner Erfahrung in einer Mittelstadt folgendes bemerken: Es ist wohl leicht gesagt, „Hinein in die Vereine", das geht wohl in der Grossstadi an, aber der Verfasset sollte steh mal in eine Mittelstadt versetzen, wie z. B. in die, in der ich wohne. Dass hier der Antisemitismus stark ausgeprägt ist, will ich allerdings vorausschicken. Ich möchte hier besonders mal auf den Absatz emgehen, der lautet: „Der Vorgang des persönlichen Boykotts und des Hinausdrängens aus solchen Vereinen ist eine Seltenheit. Auch hier sollte men nicht dem ersten. Drucke weichen, sondern man zwinge den betreffenden Verein zu einer klaren Stellungnahme. Es bedeutet für jeden Verein einen schweren Entschluss, ein tadelfreies Vereinsmitglied durch Mehrheitsbeschluss auszuschliessen. Dabei wird doch manchem einstigen Kriegskameraden, der den Juden vom Felde her kennt, das Gewissen pochen." Mir persönlich ist diese „Seltenheit“ passiert! Ich glaube, dass man sich in einem V er ein nicht wohlfühlen kann, in dem der Jude ah „überflüssig“ gilt oder es, wie es mir ergangen ist, heisst: „Wir wollen den Juden aus unserem Vorstand haben!" Wenn man Ehrgefühl hat, so zieht man sich dann von selbst zurück, und wenn ich nicht meinen Austritt erklärt hatte, wäre beschlossen worden, mir an h e i m zu stellen, dass ich meinen Austritt erkläre. Dabei lässt man sich gar nicht erst darauf ein, einen Grund anzugeben, zumal wenn man als einziger Jude in einem Verein, mag es ein MililÖrverein oder ein anderer sein, Mitglied ist. Vielleicht spürt man dies in der Grossstadt, wo ja selbstverständlich mehrere jüdische Kameraden einem Verein angeboren, nicht so. Aber cs ist heute leider auch so: auf die frühere Kameradschaft wird /ferne Rücksicht genommen, und man macht sich absolut keine Gewissensbisse darüber, wenn man den Juden zurückdrängt, mag er noch ein so tadelfreies Verein&mitglied sein. Das hat mich manche schlaflose Nacht gekostet, und meine Ansicht ist heute, dass man sich ah Jude etwas zurückhalten und solche 635 Vereine meiden und nicht noch finanziell unterstützen muss, die einmal koine Juden haben wollen. Josef Kosterl itz. Held Chlumberg An die Schrif Heilung der „C. V. - Z ei tun g". Wien , 10. November 1930. Zu dem Nachruf, den Ernst Lissauer in der „C.V.-Zeitung" dem hoffnungsvollen Dichter Chlumberg gewidmet hatte, möchte ich eine Ihren Lesern wohl unbekannte Tatsache nachtragen. Chlumbergs Vater, W ol f B a r d a c h , war der einzige Kavallerist in der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee, der vor dem Weltkriege d i e goldene T ap f et k o it s m e d ai 11 e erhalten hat. Er stammte aus einem armseligen galizischen Nest, war aus dem Cheder davongelaufen und zunächst bei der Artillerie als Freiwilliger eingeireten. 23jährig, machte er als Kadett den Feldzug von 1866 mit, und bet Königgräiz (Chlum, daher später sein Adehprädikat „von Chlumberg") deckte er den Rückzug der geschlagenen Armee auf die Festung durch heldenmütige Bedienung eines Geschützes so erfolgreich„ dass er auf Befürwortung eines Erzherzogs, der Zeuge, dieses Vorganges gewesen war, die erwähnte hohe Auszeichnung erfuhr. Einige zwanzig Jahre später erhielt Bardach, inzwischen zur Kavallerie versetzt, zum Rittmeister befördert und geadelt, auch einen preussischen Orden. Ah er in den neunziger Jahren seinen Abschied nahm, wurde ihm der Majorsrang verliehen. Bardach, stets ein treuer Bekennet seines Glaubens und Jahre hindurch bis zu seinem Ableben ''' hl' y. Y - Qualität und nochmalsQualität! Es ist heute noch wichtiger denn je, nur gute Schuhe - weil sie länger halten - zu tragen. 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