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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-05 · 49 (5.12.1930) · p. Seite 634

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
Seite 634 (sequence 10)
Language
German
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ö34 cUn(kre &(er fchreihen Verbreitet die C.V. - Zeitung f An die Schriftleitung der „C. V.~Zeitun g". Wir sind ein Teil des deutschen Volkes!’ A n die Schriftleiiung der „C. V.-Z eitun * Wilmersdorf , im November /930. Die Ausführungen des. Dr. Müller'■Claudius in Nr* 46 der „C.V.-Zeitung“ stnd nicht minder Wertvoll ah die in der vorhergehenden Nummer pnd für uns um so beachtenswerter, ah ivir darin die Stimme eines massvollen, kenntnisreichen Mannes von aussen her hören. Wenn Müller-Claudius uns in seinen ersten Ausführungen zur Selbsterkenntnis mahnt und sagt, seht zu, ob nicht auch ihr in manchem falsch gehandelt habt, tvas rvir gerne beherzigen wollen, so sagt er jetzt, dass das Judentum sich zu sehr auf sich zurückgezogen habe, zu sehr im Vergangenen, im Historischen lebe. Er sagt, dass die wachen Kreise, das soll doch wohl heissen, em kleiner Teil von uns, am Werke seien, diese Gefahr abzu- Wenden. Je mehr sie das tun, um so mehr Brücken des Verstehens und der echten Gemeinschaft bauen sie. Das ist nicht richtig. Weder hat das j^identum sich freiwillig auf sich zurückgezogen, um im Historischen zu leben, noch sind es enge Kreise, die jene Brücken der Verständigung bauen wollen. Der Jude — ich spreche hier nur von dem westeuropäischen Judentum, und auf dieses haben der ganzen Sachlage nach die Ausführungen von Müller-Claudius auch wohl Bezug — isoliert sich keineswegs freiwillig. Er ist bestrebt, voll und ganz am Volksleben teilzunehmen. Allerdings ist zu berücksichtigen, das Judentum in religiösem Sinne ist zum grossen Teil Tradition, Althergebrachtes. Ohne dieses ist das Judentum nicht möglich und nicht denkbar. Aber das, was Müller-Claudius meint, ist nicht das religiöse, sondern das bürgerliche Erleben des Juden, und in diesem hangt er keineswegs am Althergebrachten. Es wird ja gerade dem Juden so vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er zu den treibenden Kräften gehöre, die im Staalsleben Neues gestalten wollen. Er ist immer bestrebt, sich in der Umwelt einzuleben und mit dieser zu leben. Aber er stösst auf Hindernisse. Diese Widerstände sind zum Teil wirtschaftlicher ^Naiut, zum Teil in der Entwicklung der Technik begründet, die immer mehr Menschen ArheitsmÖglichkAt nimmt. Die Menschen stehen sich heute im Wege, und dieses Einander-im-Wege-Stehen ist neben all den sonstigen Sentiments und Ressentiments nicht zuletzt die Ursache des heutigen Antisemitismus, nein, Wahrscheinlich dessen ursächlichster Ansioss. Wie es ein bequemes Dogma für die Massen ist zu sagen, „der Jude hat schuld“, so auch „der Jude steht mir im Weg“; nicht Müller und nicht Schulze tut es, nein, der Jude. Und jetzt setzt, eben aus diesem Imwegestehen heraus, eine brutale Agitation gegen ihn ein. Der Jude war seit seiner Emanzipation immer bestrebt, ein gleichwertiger Teil des Volkes zu werden, in dem er lebt. Er hat in seinem Willen, sich einzuleben, nicht zu wenig getan, nein, vielleicht zu viel. Dem Juden wirft man eben alles vor. Tut er zu wenig, ist es Inieressenlosigkeii und Fremdbleiben, tut er zu viel, ist es Aufdringlichkeit und Eindringen in Sphären, die man ihm nicht zubilligen will. Otto Neumann. Erfurt, den 25. N ovember 1930. Als Leser der „C.V.-Zeitung“, die in der Volksbücherei ausliegt, verfolge ich stets mit grösstem Interesse die Abwehr, jie der „C. V.“ auf allen Gebieten, wo einer Verleumdung der Juden entgegenzutreten ist, leistet, ja sogar vor dem letzten Mittel, einer Klage, nicht zurückschrecki. Meinerseits bedauere ich nur, dass die Zeitungen ebenso die Abwehrblätter des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus“ so wenig der Oeffenilichkeii bekannt sind. Gerade weiten Kreisen der Bevölkerung, wie Handwerkern, Beamten, Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden, müssen derartige Zeitungen recht oft zu Gesicht Kommen. Glaubt man doch als Nichtjude, dass sämtliche jüdischen Belange streng geheim gehalten werden. Verfolgt man die Zeitungen der Antisemiten, so liest man in schreienden Lettern: „Das Geheimnis der Weisen von Zion“, „Gibt es Ritualmorde“ u. a. Jeder Zeitungskiosk, jeder Händler führt dererlei Schriften bzw. Zeitungen und hängt sie sichtbar aus, so dass sie gekauft werden. An jedem Zeitungsstand suche ich die „C.V.-Zeitung“; der Einzelpreis ist doch so schön darauf angegeben, aber sie ist nirgends zu erhalten. Jetzt sucht man zu guter JLetzt die Volksbücherei 'auf, wo man oft nicht einmal die letzte Ausgabe vorfindet, sondern eine von vor vierzehn Tagen oder vom vorigen Monat; diese durch Zusätze oder Fragezeichen usw. verunstaltet. Da nun am Montag die „C.V-Zeitung“ nicht auslag, nahm ich zufällig den „Stürmer“, da steht gross und breit mit einem bezweifelnden und zweideutigen Fragezeichen: „Gibt es Riiualmorde?“ Hier wird ein „Ritualmord“ aufs bestialischste geschildert. Mil Entsetzen liest man den Artikel zu Ende; Tränen in den Augen, dann ein langes Sinnen. Gibt es oder gab es je so etwas Grausames? Man denke sich, wieviel Gift solch ein Artikel in die Seele der Menschen träufelt! Menschen, die nie einen Juden FÜR WEIHNACHTEN 5 FLASCHEN: BIETEN WIR AN: GESCHEHK-KISTCHEN EXPORTBIER LL BOCKBIER ORMHRZEH, BOPPEL-SPATEH 10 FLASCHEN; 53 DOPPEL-SPATEN FRAN2ISCIIS-BIER DER VERSAND IN FÄSSERN UND FLASCHEN UNSERER UNÜBERTROFFENEN STARKBIERE DOPPEL-SPRTEN RM. 5,- RM. 10,— FREI HAUS MÜNCHEN RM. 6,- RM. 11,— FRACHTFREI RECHTSRHEIN. BAYERISCHER BAHNSTATIONEN RM. 7,- RM. 12,— FRACHTFREI JEDER ANDEREN DEUTSCHEN BAHNSTATION EINSCHLIESSLICH FLASCHEN. STROHHÜLSEN UND KISTEN, WELCHE NICHT ZURÜCKGENOMMEN WERDEN UND FMNZISCIIS-BIER BEGINNT MITTE DEZEMBER AUSSCHANK IN BAYERN BEGINNT AM 28. FEBRUAR 1931 GABRIEL II. JOS. SEDLMAYR SPATEN-FRARZISKARER-LEISTBRAU A.-G. MÜRCHEH BESTELLUNGEN RECHTZEITIG ERBETEN AN: SPATENBRÄU, MÜNCHEN 2 BS, MARSSTRASSE 17, TEL. 52606, 59432 BESTELLUNGEN AUF WEIHNACHTSKISTCHEN AN: SPATENBRÄU, FLASCHENBIER, MÜNCHEN 2 BS, MARSSTRASSE 17 POSTSCHECKKONTO MÜNCHEN 803.

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