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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-05 · 49 (5.12.1930) · p. Seite 626

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
49 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
Seite 626 (sequence 2)
Language
German
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Ursprung 1835 TOohieraossteaer-VersicberiugeD. Mitarbeiter gesucht. Menschengewinnung von der Jntercjsierung des Einzeljuden ü b e x, bk Erzwingung seiner Stellungnahme zur jüdischen Arbeit und schließlich zum Zionismus. Es besteht in diesem Zusammenhänge kein Anlaß, die Theorie aus ihre Richtigkeit hin zu prüfen, jedenfalls aber ist „Ereignis" eine sehr vorsichtige llmschreibung für die schwere Enttäuschung der Jüdischen Volkspartei über den Wahlausgang. Es ist zu hoffen, daß, nachdem der erste Schritt des jüdischen Wählers in einer dem Zionismus abgekehrten Richtung erfolgte, auch der zweite Schritt, die aktive Anteilnahme a nr j ü d i s ch e n L'e b e n, auf diesem Wege weiterführen wird. Jedenfalls ist es Blumenseld zu danken, daß wenigstens er nach den Wahlen deutlich sagt, worum es bei den Wahlen ging, nämlich um „die zionistische Sache". Wir wußten das, und daraus ergab sich unsere Wahlparole: „Gegen das Nationaljuden tum". lltn so überraschender aber ist dann, daß Herr Blumenseld trotz dieser Erkenntnis sein Erstaunen über unser moralisches Eingreifen in den Wahlkampf ausdrückt und sich gegen den Aufsatz von Justizrat Brodnitz und gegen unsere Wahlaufrufe wendet. Blumenfeld unterstreicht seinerseits, daß es sich bei den Wahlen um die Entscheidung: Zionismus oder Antiziouismus gehandelt habe. Wir haben das gleiche gesagt und unsere Freunde entsprechend aufgeklärt. Wenn zwei dasselbe tun, ist es nach Herrn Blumenfeld nicht dasselbe. Herr Kurt Blumenfeld ist eine Persönlichkeit, zu deren Ehrlichkeit wir durchaus Vertrauen haben, und wir glauben, daß es seiner inneren Ueberzeugung entspricht, wenn er die nationaljüdische Idee höher bewertet als die deutschjüdische und demgemäß auch den C. B.-Gedankeu. In seiner Freude ander Polemik gegen den C. V.-Standpuntt spricht Blumenseld seine letzten Erkenntnisse über die Unvereinbarkeit dieser beiden jüdischen Anschauungen aus und zwingt dadurch die deutsche Judenbeit zu einer Entscheidung i m deutschjüdischen Sinne. Die zentrale jüdische Zukunstshosfnung, von der Btumenseld spricht, kann und wird niemals die unsrige sein. Sie stellt nur eine Teillösung dar und damit eine Gefährdung der anderen Teile, die nicht durch den Zionismus erlöst werden können oder wollen. Somit war unser letzter Warnungsruf „Zurück ins Ghetto?" eine vorweggenommene Antwort an Herrn Blumenfeld, für den jüdische Isoliertheit Weltweite ist, während wir sie als eine Rückbildung anseben, deren Ueberwindung eine menschliche Gesamtausgabe wie eine besondere jüdische Verpflichtung darstellt. Es ist und bleibt der Gegensatz Zwischen Form und Gei st. Wir wünschen die Erhaltung des Judentums durch Pflege seiner geistigen und sittlichen Inhalte, und wir vertreten die Auffassungdaß das Judentum niemals wieder als nationale Gemeinschaft zum Leben zu erwecken sei. Für uns ist und bleibt die „nationale" jüdische Aufgabe die Erhaltung des Judentums als religiössittlicher Wert. Wir glauben weder an das nahe Ende des nur aus dieser Basis beruhenden Judentums, noch meinen wir, daß dieses lediglich durch Schaffung eines sogenannten Gesamtjudentums in rein voltlich-politischem Sinne verhindert werden kann. Wir wünschen nach Beendigung der Wahl dem deutschen Judentum innere Ruhe, die freilich durch eine sachliche und vornehme Austragung der nun einmal vorhandenen gegensätzlichen Auffassungen nicht gestört zu werden braucht. In dieser Zeit höchster Rot rufen wir unseren Freunden und Gegnern zu, sie mögen sich von einer unsachlichen und ungerechten Karnpsesweise fernhalten, die die Schicksalsgemeinschast der deutschen Juden zerreißen muß. Auch die Stellung zu Palästina darf nicht als ein Kriterium der Stellung des einzelnen zum Deutschtum angesehen werden. Darum unterlassen wir auch, aus Ausführungen zu antworten, die während des Wahlkampfes in verschiedenen jüdischen Blättern gegen uns veröffentlicht worden sind. So reizvoll es auch wäre zu untersuchen, warum man alte, längst widerlegte Behauptungen wieder aufstellt, wie etwa die: „Die Ideologie des Centralvereins ist unwahrhastig. Er selbst glaubt nicht mehr au sie. Sie macht uns unfähig im Kampf gegen den Antisemitismus und schädigt ihn." Nur ans eine besonders interessante Episode möchten nur zurückkommen, auf die von maßgebenden Bolksparteileru immer verfochtene sogenannte Uebernahme der Abwehr durch die Gemeinden. Gemeint ist damit in Wirklichkeit ein Dolchstoß gegen den Centralverein, während er im schärssten Kampfe für die Rechte aller Juden steht. Es ist hier oft genug dargolegt worden, daß jüdische Gemeinden unmöglich in den tausendfältigen politischen Kampf, der unsere tägliche Arbeit ist, ein greisen können. Einsichtige Mitglieder der Zionistischen Vereinigung haben dies auch immer anerkannt. Aber für die Bekämpfung des Centralvereins wird die Forderung immer wieder hervorgeholt, obwohl die ganze Gedankensührung der Jüdisch-Nationalen den Kampf gegen den Judenhaß für ergebnislos halten müßte und auch hält. Nichtpolitische Kreise Haben ihre Stellungnahme zu diesen Fragen mit wirtschaftlichen Erwägungen verknüpft und aus der Gesinnung des Centralvereins einen Geldhandel machen wollen. Eines aber hat der Wahlkampf in voller Deutlichkeit erkennen lassen: die Gefahren, die aus unklaren Bezeichnungen und verschwommenen Grundbegriffen herrühren. Nur diese Unklarheit und Verschwonunenheit bringt mitunter in die Auseinandersetzungen der gegnerischen Gruppen Persönliche Schärfe. Was versteht man beispielsweise unter „Klal"? (Ist der Klal im alten Sinne heute überhaupt noch möglich?), unter „Vol ks g ernei n d e" (Volk im religiösen oder nationalen Sinne?), unter „j ü d i s ch e Schul e" (deutsche Schule für jüdische Kinder mit besonderer Unterstreichung der jüdischen Religion oder aus der Basis jüdischen Volkstums?), unter „G es am t j u d e nheit" (religiöse oder volkliche Zusammenhänge?), unter „A s s i m i l a t i o n" (charakterlose Angleichung oder Hineinwachsen, in die Kultur der Umwelt?), unter „Entjudun g" (Aufgabe der jüdischen Religion und ihrer sittlichen Werte oder Ablehnung einer nationalen Wiedergeburt?), unter „j ü d i s ch e L e i st u n g" (Leistung von Inden oder für Juden und auf welchem Gebiete?). Kurz, schon diese kleine Blütenlese ergibt, welche Verwirrung durch die wahllose Verwendung dieser Begriffe angerichtet wurde und welches Unheil in Zukunft verhütet werden kann. Alle diese Begriffe sind objektiv definierbar, obwohl zu jedem eine subjektive Auslegung möglich ist., Das ist zu bedenken, wenn die „Jüdische Rundschau" in ihrem Wahlaufruf schreibt: „Der Kampf gegen die Feinde' des Judentums ist in würdiger Form zu führen, nur jüdische Leistungen, nicht Beteirerungen erzwingen Achtung." Die Meinungen über die Frage, was man unter „würdiger Form" und unter „Beteuerungen" zu verstehen habe, werden sehr geteilt sein. Aber selbst dann, wenn sie aus dem gleichen Grundempsinden beruhen, -könnte die Beurteilung des aus ihm entspringenden Verhaltens völlig verschieden sein. Die „Jüdische Rundschau" bezeichnet beispielsweise als würdelose Beteuerung, was der Centralverein im Oktober 1918 tat. Damals haben wir ans Wunsch der Regierung ganz im Geiste und in Nebereinstimmung mit der Mehrheit des deutschen Volkes zum Durchhalten aufgefordert, ohne damit irgendwelche staatsrechtlichen Probleme anschneiden zu wollen. Jetzt wurde wieder versucht, uns ans dieser selbstverständlichen Pflichterfüllung einen Strick zu drehen. Das beweist nichts gegen uns, aber es stellt klar, daß eine Unterschiedlichkeit der Stellungnahme vorhanden ist, die trotz aller Zusammenarbeit in Einzelfragen unüberbrückbar ist: die Frage des Zusammenhanges mit unserer U m w e l t. Die Jüdische Gemeinde dient nach unserer Auffassung ihrer Ausgabe nur, wenn sie ihre Einrichtungen ebenso dem Wohl des deutschen Gesamtvolkes wie dem — ich scheue mich nicht, den falschverstandenen Ausdruck im Sinne des Centralvereins zu gebrauchen — dem jüdischen Volke widmet. Eine große Anzahl von Juden und gerade von solchen, die auf dem Boden unbedingter Gesetzestreue stehen, hat diese Auffassung von jeher, angesangeir bei Samson Raphael Hirsch, bis zum heutigen Tage, vertreten. Ihre gefaulte Lebensführung ist der Beweis dafür, daß Deutscher sein und Jude sein durchaus in unlösbarer Vereinigung möglich ist, und daß die Einheit des Judentums in aller Welt in der Gleichartigkeit seiner religiösen und sittlichen Ueberzeugungen liegt. Das ist llicht wenig, sondern ungeheuer viel. Eine ungeheure Forderung! Die Berliner Gemeindewahlen vom 30. November, verglichen mit den Gemeindewahlen vom Mai \m 30. Nov. 1930 16. Mai 1025 Stimrnen- Man¬ Stimmen- Manzahl date Zahl date Liberale Partei . . « . 41797 24 23 166 10 Indische Volkspartei . „ . 25 836 14 16 392 7 Aelig öse Mittelpartei . . 1788 1 5 543 2 Konservative Partei . . . 1411 2 902 1 Deutsche Liste. 1337 — OstM; ch? Liste Klal Zisroel ...... 114 _ Uebe^parreiliche Vereinigung . .. 2 339 1 Positiv! berale jüdische Vereinigung .... 723 Ostjüdisch - demokratischer 121 — — — 41 21 30. Nov. 1980 16. Mai 1925 Wahlberechtigt waren rund 135 000 130 000 Zahl der abgegebene« Stimmen. 77 962 50 000 Davon ungültig .... 565 Wahlbeteiligung etwa . . 60 % 40 %

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