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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. Seite 618

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
Seite 618 (sequence 6)
Language
German
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bU Oik„OemscheAeizte Zeilung" (1930 Stummer 207) jäjrei&t* «. 1 Liter v41i/cftkathi*einer ist ebenso nahrhaft wie ein halbes Pfand kinüfIeiSih,Lber—viel leichter verdaulich / u "RezeptzurtzÄste -oppeljmrker Kathreiner. zurtzälfteMch/ ftaltet. Den daraus erwachsenden GcsaHreit dürfen wir unsere Sünagogengenreinden nicht anssetzen. Erfolgversprechende Aufklärungs- und Abwehrarbeit kann nicht von einer durch ihren Charakter als Behörde behinderten Stelle geleistet werden. Ter Kampf gegen den Judenhaß muß von einer freien Vereinigung auf der weltanschaulichen Grundlage der Zugehörigkeit zur deutschen Volksgemeinschaft geführt werden." Die von dem Bezirkstag des Landesverbandes Ostpreußen des E. V. am 23. November angenommene Entschließung lautet: „Ter Landesverband O st p r c u ß e n des Centralvereins bekämpft entschieden die Bestrebungen, die darauf Hinauszielen, die Abwehrarbeit durch die Gemeinden bzw.-die Gemeindeverbände leisten zu lassen. Tie Gemeinden und deren Verbände find Körperschaften des öffentlichen Rechts, die auf Grund ihres Aufgabenkreises den Antisemitismus als eine politische Bewegung unmöglich bekämpfen können. Diese religiösen Körperschaften müssen unbedingt aus dem politischen Kampf des Tages herarrsbleibcn. Auf Grund ihrer komplizierten Organisation sind sie auch nicht in der Lage, die im Kampf erforderlich werdenden Maßnahmen schnell und erfolgreich zu treffen. Die Abwehr kann lediglich auf Grund der deutsch-jüdischen Einstellung erfolgen. Alle übrigen Maßnahmen find von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Nebertragnng der Abwehr auf die Gemeinden und ihre Verbände würde jede praktische Abwchrarbeit in Wirklichkeit lalunleaen und dem Ansehen der Gemeinde aufs höchste schaden." Palästina vor dem Unterhaus A. W. Palästina hat, wie wir bereits ankündigten, am 17. November das englische II nter h a u s ausführlich beschäftigt. Die „Großen des Reiches", Persönlichkeiten wie Lloyd George, der liberale Führer, unter dem als Ministerpräsident einst die Balfour- Erklärung erging, Mac Donald, der Ministerpräsident. Sir Herbert Samuel, der erste palästinische Oberkommissar, A m e r y, der frühere Kolonialminister, Dr. Shiels, der Unterstaatssekretär des Kolonialamts, kamen neben, anderen zu Wort. Lloyd George scharf gegen das Weißbuch, Samuel warm für das jüdische Nationalheim. Die Negierung hatte keinen leichten Stand. Das Weißbuch sei mißverstanden, das Mandat bliebe unangetastet, Juden wie Arabern würde ihr Recht. Wenn keiner benachteiligt werden soll, müssen wir die Ueberschrist unseres Aussatzes vom 31. Oktober (Nr. 44) wiederholen: Eine unlösbare Ausgabe. Bei den Negierungsvertretern herrschte der Wunsch vor, den Inden nicht wehe zu tun. Der Rücktritt Weizmauns, Felix Marburgs und Melchetts, der jüdische Proteststurm allüberall konnten nicht leicht übersehen werden. Shiels Schlußerklärung: „Das Weißbuch, wie es heute von mir erläutert und ergänzt worden ist, bleibt in Kraft", war der Arbeiterregierung letztes Wort. Die nächsten Monate werden lehren, was englisch - palästinische Regierungsarbeit geistig und sachlich daraus gestalten. Zranz Oppenheimer: Raffenprobleme Im Philo-Verlag, Berlin W 15, erscheint soeben eine Schrift „Rassenprvbleme" von Professor Dr. Franz Oppenheimer. Dieser wichtigen 'Arbeit entnehmen wir nachstehende - ^chlutzansführungen: „Wenn ich versuchen soll, zum Schluß noch einiges über die Geschichte der menschlichen Rassen überhaupt und vor allem in Europa zu sagen, so muß ich vorausschicken, daß wir hier noch nirgend ans völlig festem Boden stehen. Wir sind ganz oder fast ganz auf die Wissenschaft des Spatens angewiesen, die Prähistorik. Aber viele Länder der Erde sind noch so gut wie unerforscht, und jeder neue Fund kann unsere Vorstellungen umwälzen. Unter diesem Vorbehalt sei gesagt, daß die meisten Forscher der Vorstellung zuneigen, daß alle Völker von einer einzigen zoologischen Art abstammen. Nur Klaatsch und einige andere glauben, daß der sogenannte Neandertaler, der „Tierschnauzenmensch" der ältesten Steinzeit, dem Gorilla näher verwandt sei, während die späteren Nassen dem Schimpansen oder Orang näher stünden. Da der Neandertaler später völlig verschwunden ist, ist die Frage soziologisch ohne Belang. Die ältesten Menschen gehörten dem Kulturkreise der primitiven Jäger an, der „Urkultur", wie Schmidt sie nennt, die über die ganze Erde hin gleichmäßig verbreitet war. Daraus entwickelten sich drei sogenannte „Primärkulturen": die der höheren Jäger oder Totemisten, der Hackbanern und der Viehzüchter. Nach den neuesten Forschungen, wie sie namentlich von Oswald Menghin in Wien vertreten werden, haben sich diese drei, an verschiedenen Stellen der Erde gleichzeitig entstandenen Kulturen schon sehr früh, schon vor dem Jahre 5000 vor Christo, in Nordeuropa gemischt, und er glaubt, daß es sich dabei auch unr die Mischung dreier verschiedener Rassen gehandelt hat. Daraus sei die nordische Rasse entstanden, die seit dem Neolithikum, der Zeit der polierten Steingeräte. in unveränderter körperlicher Beschaffenheit diese Länder bewohnt. Schon diese Nordrasse wäre also eine sekundäre, ursprünglich gemischte, aber durch die Umwelt und die Inzucht einheitlich gestaltete Nasse. Es scheint nun, daß diese nordische Nasse, die unter den Einflüssen des Klimas abgeblaßt und zur weißen Rasse geworden sein mag, später in drei verschiedene Sprachgruppen auscinandersiel. Die Hypothese, die ich jetzt Vorträge, will nichts mehr sein als eben eine Arbeitshypothese. Immerhin darf ich sagen, daß ich in langer Gedankenarbeit keine andere Möglichkeit gefunden habe, die bis jetzt bekannten Tatsachen in Zusammenhang zu bringen, und daß ganz unabhängig von mir Professor Kern in Bonn zu fast übereinstimmenden Vorstellungen gelangt ist. Die erste Gruppe der weißen Rasse ist das Volk der sogenannten Megalithbauten, der Hünengräber, Ganggräber, Dolmen, Menhirs usw„ die sich an den Küsten von fast ganz Europa, von der Ostsee an, und in Nordafrika, Palästina und sogar in Indien und Südamerika in charakteristischer Ausbildung und immer unr in einer Situation vorfinden, die ihre Errichtung durch ein Volk von Seefahrern zur Gewißheit macht. . . Die zweite Sprachgruppe der weißen Nasse ist die der Jndogermanen, die nicht, wie man früher annahm, aus Indien nach Europa gelangt. sondern . irgendwo im Binnenlande, südlich des großen Eiszeitgletschers, vielleicht in r-üdrnßland, zu ihrer Ausbildung gelaugt ist. um sich dann mit dem Rückzüge des Gletschers nördlich bis an die allmählich freiwerdende See anszudehnen, während andere Teile sich oft- und südwärts autzdehnten und sich dabei sprachlich immer stärker differenzierten . . . Die drücke Sprachgruppe der weißen Rasse sind die Semiten, denen man -neuerdings die afrikanischen Hamiten - als ihre nächsten Verwandten, vielleicht Vettern, vielleicht gar Brüder, zu gesellt. Die Herkunft der Semiten ans der arabischen Wüste ist heute aufgegeben; damit fällt, nebenbei gesagt, die ebenso kühne wie falsche Hypothese Werner Sombarts von dem „heißen Wüsten-Wandervolk" der Inden, das zwischen die „naßkalten Waldoölker" Nordenropas versprengt sei. Semiten, Jndogermanen, Polynesier und Hamiten gehören, das ist heute unbestritten, einem einzigen Kulturkreise an. Kern sagt davon, daß die Einheitlichkeit dieser sogenannten jüngeren vaterrechtlichen Völker, „ihre Uebercinstimmnng im Sagenbesitz, in der Weltanschauung, im Verfassungswesen sowie im sachlichen Kulturbesitz oft von geradezu überraschender Deutlichkeit ist". Daß auch die indogermanischen und die semitischen Sprachen nahe verwandt sind, wird seit langer Zeit von ausgezeichneten Linguisten behauptet, von anderen heftig bestritten, scheint sich aber doch immer mehr zu bestätigen. Wer die Wissenschaftler kennt, wird es nicht für unmöglich halten, daß manche Sprachforscher sich dieser Erkenntnis ans Gründen der Germanomanie verschließen. Aber schon ans der Tatsache des gleichen Kultnrbesitzes geht mit Sicherheit hervor, daß. wie Kern sagt, „diese verwandten Völker in der Vorzeit einmal näher beieinander gewohnt haben als heute". „Der arme Columbus" Eine Erklärung -es Intendanten -er Charlottenburger Städtischen Oper Die „B. Z. am Mittag" hatte in ihrer Kritik der Oper „Armer Columbus", deren Uraufführung in der Charlottenburger Städtischen Oper vor einigen Tagen stattsand, u. a. geschrieben: „Aber man muß zugeben,^ daß diese Dichtung allen modernen Bedürfnissen eritgegenkomlnt. Von der Windmaschine bis zum Antisemitismus ist alles ausgenutzt, was man im heutigen Deutschland gern hat." Wir haben den Intendanten der^Städtifchen Oper, unser Mitglied Dr. Kurt Ringer. 1111t Stellungnahme zu dieser Behauptung gebeten. Er schreibt uns: Die Bemerkung in der Kritik der „B. Z." vom 24. d. M. über den Antisemitismus, der im „Armen Columbus" zutage tritt, ist so abwegig, daß ich nur zur Abwehr und ans besondere Aufforderung zur Feder greise. Der spanische Finanzmann, um den es sich in dem Werk handelt, ist samt seiner Umgebung eine historische Persönlichkeit, sozusagen ein Roth- 1 schild der Jsabella. Er macht in der deutlich parodistischen Fassung des Werkes ans der - Entdeckung Amerikas ein Geschäft. Was man als Regisseur abwenden konnte, um eine, wenn auch noch so ferne antisemitische Tendenz herauszuhörew ist geschehen. Ich darf mich wohl frei suhlen von den Vorwürfen, ähnliches auch nur bei anderen durchgehen zu lassen, geschweige denn selbst meine Hand dazu zu geben. Alles was z. B. am Anfang mit orientalischen Handbeweguugen vorgesehen war, ist ausgemcrzt. Ebenso eine Stelle im Text. Dieselbe lautete ursprünglich: „Seh ich ein gutes Geschästchen taufen, sängt meine Nase, an zu krausen." Hier habe ich redigiert: „Seh ich ein gutes Geschäftchen laufen, möcht ich mir einen Anteil kaufen." Dieses sowohl bei dem Solisten wie auch bei den Begleitchoristen. Im übrigen ist Santagel als eine ulkige Figur ausgestellt, wie auch der König und die Königin. Statt eines Nur-Geschüftsmannes wurde die Figur in vielen Proben möglichst ans leise Pfiffigkeit und Dämonie gestellt, Dr. Kurt Singer.

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