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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. Seite 619

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
Seite 619 (sequence 7)
Language
German
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„&ttm -ev GvMung^ 3u Franz Rosenzweigs erstem Todestag am 28. November Von Eduard Strauß (Frankfurt a.M.) Zum Mschievon/lrturWolff Bon Profeffor Leopold Jeflner. Nach ben Klängen von „Jerusalem, du hochgebaute Stadt" und den Weiheworten des Rabbiners, nach einer religiösen, tief menschlich empfundenen Analyse durch Professor Georg Bernhard für den Freundeskreis sprachen Vertreter von Ländern und Ministern, des Präsidiums des Deutschen Bühneuvereins, der deutschen Theaterinteudenten, insonderheit der Berliner Bühnenleiter, Vertreter der deutschen Schauspieler, der deutschen Autoren, der Anwaltschaft, der Zeitungsverleger und Polizeivizeprüsident Dr. Weiß wehmütig und männlich als der langjährige Freund und Kommilitone der „Freien wissenschaftlichen Vereinigung". Mit der feierlichen Aussegnung und dem Schlußgebet des Rabbiners nehmen wir Abschied von Artur Wolfs, dem noch nicht 50jährigen. Der Charakter dieser Abordnungen und ihre Reden, umrahmt von den Gebeten seiner angestammten Religion, geben Inhalt und Umriß seines Lebens. Artur Wolfs war der Direktor des Deutschen Bühneuvereins. lieber die Verpflichtung seines Berufes hinaus war er die Seele dieser Vereinigung, in der Länder und Städte, die in eigener Regie Theater fuhren, und auch die privaten Theaterleiter zusammengeschlossen sind. Durch seine überlegene Geschäftsführung und durch die seltene Art der Verhandlungssührung mit gegnerischen Organisationen wußte er die oft widerstreitenden Elemente und Interessen der Theaterdirektoren, der Schauspieler, der Musiker, der Komponisten, der Verleger, der Autoren immer wieder zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen. Und wie er vor der Staatsumwälzung, als ein großer Teil der heutigen Theater aus fürstlichen Schatullen erhalten wurde, oft als Freund von Fürsten und Großwürdenträgern, für das Wohl der Theater besorgt war, und dies ohne Liebedienerei, mit der Sprache seines Humors und seiner Klugheit, so löste er seine größte Aufgabe nach der Staatsumwälzung, als diese Theater aus fürstlichem Besitz in staatliche oder städtische Regie übergeleitet wurden. Die deutschen Theater haben ihren Großorganisator verloren, der seine Kämpfe nicht mit dem Ziel führte, der alleinige Sieger zu sein, sondern in weiser Neberlegung den klugen Ausgleich bevorzugte. Dieser Mann, aus alter jüdischer Theologensamilie stammend, wirkte in seiner abgeklärten Art für den sozialen Frieden, für die Ueberbrückung Politischer und wirtschaftlicher Gegensätze. Ueber den Parteien stand diesem Menschen, dessen Leben ein Bekenntnis und eine hohe Mission für das deutsche Theater und damit für die deutsche Kultur bedeutet, das Wohl und das Glück seines, des deutschen Vaterlandes. Der Centralverein betrauert in Artur Wolfs einen Freund, der ihm in künstlerischen Dingen in steter Bereitschaft mit Rat und Tat zur Seite stand. Es gilt als ein fruchtloses Bemühen, der Allgemeinheit ein Buch zu empfehlen, das sich nach Form und Inhalt an irgendwie „sachlich" geschulte Leser zu wenden scheint. Dem Meister fällt es ja leicht, mit einer bedauerud-verzichtenden Geste oder in dem selbstsicheren Gefühl des nichtbedürsenden „praktischen" Menschen ein Werk des sogenannten reinen Denkens abzulehneu. Philosophischen Büchern widerführt es gemeinhin, daß mau ihren sachlichen Wert zwar als unbestritten glaubt, aber den in löblichem Eifer gemachten Versuch des Lesens nach den ersten paar Seiten aufgibt. Franz Rosenzweig hat das wohl gewußt, als er den Lesern seines Hauptwerkes den bündigen Rat erteilte, sich gerade nicht beim ersten Sah und beim ersten auftauchenden Ja — aber aufzuhalten, sondern einfach — er sagt „rasch!" — weiterzulesen, weil ja das Wichtige erst noch komme; denn der Autor hätte kein ganzes Buch zu schreiben brauchen, wenn ihm einige Sätze zur Darlegung seiner Gedanken genügt Hütten. Einen weiteren Kreis erneut aus den „Stern der Erlösung" als einen Lebenswert hinzuweisen, ist der Zweck dieser Zeilen; denn diesem Buche genügt der scheue Respekt nicht, der ihm entgegeugebracht wird, und das Wissen um seine denkerische Bedeutung, die ihm soundso oft schon bestätigt wurde, nützt noch nichts für seine Verlebendigung. Der „Stern der Erlösung" ist ein philosophisches Buch, gewiß; er ist es sogar im ganz strengen Sinne und er macht keinerlei Konzessionen an die Beliebtheit eines gewissen „populärphilosophischen" Stils; daß Rosenzweig in einer wundervoll belebten und belebenden Sprache schreibt, daß Farben und Rhythmen und oft auch leiser Humor seine ernstesten und gründlichsten Gedankengänge überleuchten und umspielen, besagt nichts für die „Leichtlesbarkeit" des Buches. In seinen drei wuchtig gebauten Teilen enthält der „Stern" ein ganzes System der Philosophie und es fehlt nichts — von der Metaphysik bis zur Aesthetik, von der Logik bis zur Staatslehre, wenn auch die Anordnung und der Stellenwert dieser Teile sich aus der Konzeption heraus anders ergibt, als man sie hertömmlicherweise zu finden gewohnt ist. Aber doch ist dies Buch nicht einfach nur — geschrieben ,, um nun die Zahl der Philosophiesysteme'um ein weiteres zu vermehren; sondern es ist als ein Werk des lebendigen, zu uns Menschen wirklich gesagten Wortes in die Welt e i n g e t r e t e n : als ein Zeichen und als ein großer Ausbruch des jüdischen, des deutschen, des europäischen Geistes. Seine Wirkung und . damit die Rechtfertigung seines Kommens in dieser Zeit beruht auf einer neuen Art, die Wirklichkeiten Gott, Welt, Mensch zu sagen, sie hör- und sichtbar zu machen, um dann diese drei „Elemente", die kein abstraktes Denken aufeinander zurückzuführen oder miteinander zu verschmelzen vermag (so sehr gerade dies das eifrigste Bemühen aller Philosophie bildete), in jener ivahrhast g e s ch i cf) 11 mH e n Bewegung zu erfahren, die von der Schöpfung zur Offenbarung und von der Offenbarung zur Erlösung foyt£citet — vom stummen Dunkel zur klaren Sprache und zum schweigenden Licht. Ein neues sprechendes Denken wirkt in dem Werk und ergreift den Leser mit der Kraft der Erfahrung, vom Tode und von der begrifflichen Philosophie zum Leben und zur ergreisbaren Wirklichkeit^hinleitend. Wir sind, wenn wir Seite um Seite lesen, niemals allein und niemals glauben wir, das Selbstgespräch eines einsamen Denkers zu erlauschen; ein solcher ist Rosenzweig wahrhaftig nicht gewesen. Rein: in lebendigster Zwiesprache gehen nur Menschen gemeinsam — und nicht nur mit dem Autor gemeinsam — durch die Welt, die jetzt nicht mehr bloß „eine" oder „die", sondern unsere Welt wird, und wir begegnen Gott — u n fere m Gott. Dies aber ist das Tiefste und Stärkste an dem Buch: von dem verborgenen „Gott" spricht er zuerst, von Ihm, dem Offenbaren, erzählt es daun — bis zu dem Augenblick, da wir Nüssen, daß mit noch so gläubigem Sprechen von der „dritten Person" noch nicht alles geschehen ist und da wir mit einer wunderbaren Selbstverständlichkeit Ihn ansprechen — Du aber, Gott, bist die Wahrheit. . .. Wer auch immer dem Buche jenes zuhörende Lesen widmet, das es verlangt, der wird erfahren, daß dies Werk nottat, daß es zur rechten Stunde zu ihm, zu uns allen gekommen ist, so wie es — das wissen wir — einst schicksalhaft zu seinem Schöpfer kam. In wenigen Tagen jährt es sich, daß Franz Rosenzweig von uns gegangen ist. Zur gleichen Zeit erscheint sein „Stern der Erlösung" neu: in der Gestalt, wie er sie wünschte, mit führenden Zusätzen und Verzeichnissen, die er selber noch geschrieben und angeordnet hat; und dem hebräischen Motto „Reite für die Sache der Treue" ist nach dem Willen des Heimgegangenen das segnend-grüßende „Heil Dir" vorgefügt. Die treuesten Hände geben uns das Werk nach fast zehn Jahren zum zweitenmal, auf daß der Geist, dessen bewährtes Zeugnis es ist, unter uns weiterwirke. SI. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. tofcmtjlch die ÄigLwetten-nurr mit Tündern Kiu-Znsdmrnentun PlackungM-Uovte fo hat beisammen wev baraudtt' was ee doch stets MsÜmmenbrauebL Hl. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. HL SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF. III. SORTE 6 PF»

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