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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. Seite 617

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
Seite 617 (sequence 5)
Language
German
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Aus der Arbeit des Centralvereins Zwiesprache Bab—Stern Interessanter Abend des Landesverbandes Gross-Berlin In neuartiger und, wie es sich zeigte, sehr lebendiger Form wurde am vergangenen Montag auf Veranlassung des Landesverbandes Groß- Berlin eine Frage behandelt, die im Mittelpunkt der heutigen Arbeit des C. V. steht. Julius Ba b und Dr. H. Stern diskutierten vor einer zahlreich erschienenen Zuhörerschaft im Gartensaal des Logenhauses Kleiskstrahe über das Thema: „Gedanken über die geistige Bewegung der Gegenwart und ihre Beziehung zum Antisemitismus. An Stelle einer einzigen geschlossenen Darstellung war so das Publikum Zeuge einer Debatte, in der sich die Redner von verschiedenen Standpunkten aus schließlich zur Verständigung durcharbeiteten. Zunächst einigten die beiden Herren sich über die eigentliche Bedeutung des Themas, in dem Sinne, daß der kulturpolitische Charakter der Judenfrage zwar außerordentlich bedeutsam sei, daß er aber letzten Endes nur eine n Träger des politischen Antisemitismus darstelle. Nachdem dann auf diese Weise die Debatte, die sich in erster Linie aus Fragen der Kulturpolitik erstrecken sollte, ihre Stellung dem Gesamtproblem zugewendet hatte, kristallisierte sich in Rede und Gegenrede die eigentliche' Fragestellung heraus, die man folgendermaßen fassen kann: Sind die Spannungen, die auf kulturellem Gebiete Zwischen Juden und Nichtjuden empfunden werden, begründet durch eine tatsächliche Wesensverschiedenheit, und wenn ja, worin besteht diese Wesensverschiedenheit. Die Erörterung dieser Frage kreiste stark um den Gegensatz Nationalismus— Irrationalismus. Beide Redner waren sich einig, daß beim Juden eine gewisse auch in seiner religiösen Tradition zum Ausdruck kommende Neigung zum Nationalismus bestehe, während aber Julius Bab in dieser Hinneigung zum Nationalismus eine feststehende, stark positiv zu wertende und zu einer jüdischen Mission befähigende Tatsache sah, stellte Dr. Stern zu diesen theoretischen Erkenntnissen die Gegebenheiten des praktischen Lebens in Gegensatz und betonte die Notwendigkeit, daß der jüdische Mensch den entarteten Nationalismus überwinden müsse. Als Symbole eines solchen entarteten Nationalismus brandmarkte er ein gewisses Asphalt-Literatentum, eine gewisse nickst ernst zu nehmende Großstadt-Journalistik. Die äußerst anregende Debatte klang aus in dem Wunsch, die guten ewigen Ideen des Rationalismus nicht vom Zeitgeist überwuchern zu lassen. Eine Diskussion, in der besonders die Reden von Dr. Herzberg (Herford), Dr. Karl Rosen th al und Dr. Alfred Wiener die Gesichtspunkte der beiden Redner klärten und erweiterten, schloß den Abend, der von sämtlichen Teilnehmern als eine Erfrischung und Anregung zu selbständigem Weiterdenken empfunden wurde. Landesverbandstagungen Hannover Am Sonntag, den 16. November, fand in Hannover unter Vorsitz des Landesverbandsvorsitzenden, Rechtsanwalts Lichtenberg, eine aus den meisten Ortsgruppen des ausgedehnten Bezirkes besuchte Landesverbandstagung statt. Der Vorsitzende schilderte in seinen Begrüßungsworten die allgemeine innen- und außenpolitische Lage und skizzierte in großen Zügen die Ausgaben, die der Centralverein und seine Ortsgruppen nach den Wahlen des 14. September zu erfüllen haben. Sodann gab der Geschäftsführer des Landesverbandes, W i t t e l s h ö f e r, einen Bericht über die Tätigkeit des letzten Jahres, die abgehaltenen Versammlungen, die Prozesse, die Wahlen und besonders den Aufbau der Frauenarbeit. Als Vertreter der Berliner Centrale hatte der stellvertretende Syndikus Dr. Alfred H i r s ch b e r g das Hauptreserat übernommen. Nach einer Untersuchung über die Gründe für den Ausgang der Reichstagswahlen behandelte er die allgemeinen deutschen innerpolitischen Fragen, die Stellung der jüdischen Deut-? schen zu diesen Fragen und streifte -auch die innerjüdischen Belange. Rechtsanwalt Lichtemberg betonte nochmals die Wichtigkeit der politischen Schulung und Heranziehung der Jugend. Eine mehrstündige angeregte Aussprache, an der sich Vertreter aus allen Gegenden beteiligten, zeigte die Arbeitsbereitschaft aller Freunde im Lande. Bei der Vorstandswahl wurden zwei jüngere, seit Jahren in der Bewegung bewährte Herren, Herr v. d. Walde (Emden) und Herr Schickt er (Lüneburg), in den engeren Vorstand bzw. in den Vorstand gewählt. Rheinland- W estf alen Ueber 100 Delegierte und Gäste versammelten sich am Bußtag in Elberfeld, um der an diesem Tage traditionellen Tagung des Landesverbandes Rheinland-Westfalen des C. V. beizuwohnen. Nach Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden, Rechtsanwalts Dr. Krombach (Essen), und des Elberfelder Ortsgruppenvorsitzenden, Rechtsanwalts Brück, erstattete Syndikus Tr. Alfred Wiener (Berlin) einen Bericht über die politische Lage und die Arbeit des Vereins, Frau Leibholz (Berlin) einen solchen über die Ausgaben und Ziele deutschjüdischer Frauenarbeit, Tr. Krombach (Essen) über die Tätigkeit des Landesverbandes. Eine mehrstündige Aussprache, die sich bis in den späten Nachmittag hinzog, behandelte eine Reihe wichtiger Probleme, so die Notwendigkeit der Aufklärungsarbeit, das Verhalten der Generalanzeiger- Presse, antisemitische Vorgänge im Nationalsozialistischen Schülerbund, die Unmöglichkeit der Uebertragung der Abwehr auf die jüdischen Gemeinden, unsere Stellung zu den verschiedenen Parteien und dergleichen mehr. Auf Antrag aus der Versammlung wurde den Bestrebungen nationaljüdischer Kreise, die leider auch in einem jüdischen Wochenblatte ihren Niederschlag finden, eine scharfe Absage erteilt. Wir geben den deswegen gefaßten einstimmigen Beschluß an anderer Stelle dieses Blattes wieder. * Am 19. November, abends, fand in Elberfeld eine stark besuchte Gemeindeversammlung statt, in der Syndikus Dr. Wiener (Berlin) auf die Frage: „Wie stellen wir uns zur gegenwärtigen politischen Lage", ausführliche und von den Anwesenden anerkannte Antworten erteilte. Frau L e i b h o l z (Berlin) zeichnete klar die Verpflichtung der jüdischen Frau, sich einzugliedern in den Aufklärungsfeldzug, besonders nach der christlichen Seite hin. Linksrhein Am 19. November hielt der linksrheinische Landesverband in Köln seine Delegiertentagung ab. Das auf Grund der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Lage erhöhte Interesse zeigte sich in einer starken Beteiligung. 24 Ortsgruppen waren durch 72 Herren und Damen vertreten. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Rudolf Callm a n n (Köln), der die Tagung leitete, gab den Verhandlungen in seinen Begrüßungsworten Ziel und Richtung. Ernst, Tatwille und Zuversicht klangen aus seinen Ausführungen als Grundforderungen heraus; an sie konnte der Hauptredner, der ftellvertredende Syndikus Artur Schweriner (Berlin), in seinem Vortrage über die allgemeine und unsere Einstellung anschließen. In ernster Würdigung der Lage, jedoch frei von jeder tatlähmenden Schwarzfeherei, gipfelten seine Ausführungen in der Forderung energischer Weiterarbeit, denn: ,Nur wer arbeitet, kann auf Erfolg hoffen!' Als zweiter Referent beschäftigte sich Nechtsanwalt Karl L ö w e n st e i n (Aachen) mit dem Thema: „Gemeinde und Abwehr." Ausgehend von den verschiedenen Versuchen der letzten Zeit, die wohl nicht immer von rein objektiven Gründen diktiert waren, die gesamte Abwehr in den Aufgabenkreis der Gemeinden bzw. Landesverbände einzubezieheu, wies der Referent in seinen klugen, logisch aufgebauten Darlegungen die Unmöglichkeit nach, auf diesem Wege zu einer Intensivierung der Abwehr zu gelangen. Er fand restlose Zustimmung in der Auffassung, daß die bestehenden Abwehr- Vereine nach wie vor Träger des Abwehrgedankens im Interesse einer gedeihlichen Arbeit bleiben müßten. Zu Beginn der Nachmitiagssitzung sprach Syndikus Eugen I a c o b i (Köln) über die letzten Wahlen und die Zukunftsarbeit. Er gab eiir übersichtliches Bild über die geleistete Wahlarbeit im Rahmen der C. V.-Bestrebungen und entwickelte ein Arbeitsprogramm für die nächste Zukunft. Die lebhafte Aussprache Zeigte ein ungewöhnlich hohes Niveau, besonders fesselten die Ausführungen des Landtagsabgeordneten Justizrat Bernhard Falk (Köln). Ostpreussen Unter guter Beteiligung aus den verschiedensten Teilen der Provinz ging am Sonntag, den 23. November, der außerordentliche Bezirkstag des Landesverbandes Ostpreußen des Centralvereins vonstatten. Nach einführenden Worten des Landesverbandsvorsitzenden Sanitätsrat Tr. Leo Pvlln o w (Königsberg) gab der Syndikus des Landesverbandes, Kurt Sab atzky (Königsberg», einen Bericht über die nationalsozialistischen Terrorakte, die sich in letzter Zeit in Ostpreußen abgespielt und den Landesverband zu einer Reihe energischer Gegenmaßnahmen veranlaßt haben. Sodann referierte der stellvertretende Syndikus des Ceutralvereins, Dr. Hans Reich m a n n (Berlin), über „Die politische Lage", wobei er insbesondere ans die Lage des Judentums einging. Der Redner führte dabei den schlüssigen Beweis dafür, daß auf Grund einer anderen als der E. D.-Einstellung der Abwehrkamps nicht möglich und seine Ilebernahme durch die Gemeinden und deren Verbünde für das gesamte deutsche Judentum überaus verhängnisvoll wäre. Einstimmig wurde die umseitig wiedergegebene Entschließung angenommen. Kaufmann Leo Zacharias (Lötzen) gab im Anschluß an das Referat Dr. Reichmanns wertvolle Anregungen für die künftige Gestaltung unserer Aufklärungsarbeit. lieber die Wahlen zum Rat des Landesverbandes jüdischer Gemeinden berichtete hierauf Syndikus Sabatzky. Er wies darauf hin, daß bei diesen Wahlen unter allen Umständen der deutsch-jüdische Standpunkt gewahrt werden müsse. Nur die weltanschauliche Einstellung dürfe den Ausschlag geben, kleinliche Gemeindeinteressen müßten Zurücktreten. Die Tagung bewies, daß unsere oftpreußischen Freunde in ihrer überwältigenden Mehrheit in den Fragen der Abwehr und Aufklärung wie auch in denen der innerjüdischen Politik hinter dem Centralverein stehen. Gemeinde und Abwehr Einstimmige Entschließung der Landesverbände Rheinland-Westfalen und Ostpreußen des Eentralvereins. In der ordentlichen Telegiertentagung des Landesverbandes Rheinland-Westfalen des C. B. in Elberfeld am 19. November wurde der folgende Beschluß einstimmig gefaßt: „Die Uebertragurrg der Abwehrarbeit an die Gemeinden und ihre Landesverbände ist abzulehnen und zu bekämpfen. Durch die Uebernahme dieser Aufgaben würden die Religionsgemeinden mehr und mehr zn politischen Gebilden uwge- Immer weiße Zähne. «Ich möchte Ihnen mlU teilen, daß wir schon über 15 Jahre die Zahnpaste Chlorodont benutzen. Noch nie hat sie uns enttäuscht! Wir hatten immer weiße Zähne und einen angenehmen Geschmack im Munoe, umsomehr, da wir schon längere Zeit das Chlorodont-Mundwaffer benutzen. Auch benutzt die ganze Familie nur Chlorodont- Zahnbürsten?' gez. C. Chudoba, Fr..» Man verlange nur dis echte Chlorodont-Zahnpaste, Tube 60 Pf. und x SJtt; und weise jeden Ersatz dafür zurück.

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