Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 48 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- Seite 615 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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615 Nie Entscheidung M die BerlmerMischeGemelnde an diesemSonntag! Achtung vor nationaWdischer Nernebelung! Wenn diese Nummer unserer Zeitung in die Hände unserer Mitglieder kommt, steht die E n L s ch e i d u n g i n d e r B e r l i n e r Jüdisch en G emei n de unmittelbar bevor. Wahlversammlungen in großer Zahl haben stattgefunden, Wahlflugblätter in ungezählten Massen sind in die Häuser unserer Gemeindemitglicder geflattert — fast könnte man annehmen, daß nun für die Aufklärung genug geschehen ist, daß nun die Ziele jeder einzelnen Gruppe klar zutage liegen. Leider ist dieser Jdealzustand keineswegs erreicht. Man könnte im Gegenteil sagen, daß der Aufwand an gesprochenen und geschriebenen Worten viel mehr der Verwirrung als der Klarheit gedient hat. P f l i ch t d e s C e n t r a l v e r e i ns ist es, ganz besonders einer Unklarheit abzuhelfen, die durch die W a h l p r o p a g a n d a derbe i d e n n a t i ona lj üd i sch e n P arte i e n, I ü d i s ch e V o l k s p a r t e i und P o a 1 e Zion, verschuldet worden ist. Im sicheren Bewußtsein der mangelnden Volkstümlichkeit der nationaljüdischen Idee haben diese Parteien es mit großer Zielsicherheit verstanden, die Abhängigkeit ihrer Gemeindepolitik von dem Gedanken der jüdischen Nation zu verschweigen, ja sogar sie durch andere Schlagworte vollständig zu verdrängen. Während in der „I ü d i s ch e n R u n d s ch a it" (Nr. 92) Siegfried Moses in anzuerkennender Offenheit die Gemeindewahlen als „zionist i s ch e s Ereig n i s bezeichnet und auf 1% Spalten auf die höhere Uebereinstimmung der eigentlichen zionistischen Arbeit mit der Gemeindearbeit der Zionisten verweist, wird ein solcher Hinweis bei den Wahlflugblättern und Aufrufen der Jüdischen Volks- Partei peinlichst vermieden. Es werden vielmehr mit lückenloser Folgerichtigkeit einzig und allein Praktische Forderungen in den Vordergrund gerückt, die sich äußerlich fast in nichts von den Programmpunkten der anderen Parteien unterscheiden, weil eben das in Wirklichkeit Gegensätzliche, der Geist, in dem diese Maßnahmen durchgeführt werden sollen, mit systematischem Stillschweigen übergangen wird. Besonders auffallend ist diese Verschleiermrgstaktik bei der uationaljüdischeu Arbeiterpartei Paole Zion Sie firmiert ganz offiziell als „Sozialdemokratische Liste", wendet sich mit Vorliebe an die Wähler, die sich bei der Neichstagswahl als Sozialisten bekannt haben und stellt überhaupt ihre gesamte Propaganda auf die sozialpolitische Betätigung ab, ohne von ihrem nationaljüdischen Charakter ein Wort verlauten zu lassen. Der Zweck dieser Vertuschungsmanöver ist klar: man weiß, daß in einer Zeit, in der die Aussichten des Palästinaausbaus mehr als problematisch geworden sind, mit einem Hinweis auf dort aufsteigende Hoffnungen, die noch dazu mit einer Preisgabe der innerdeutschen Bindungen erkauft werden müßten, nichts erreicht werden kann. So setzt man an seine Stelle werbende Versprechungen, die im Gegensatz dazu einen sicheren Widerhall in den Wählermassen finden. Und doch besteht, wie ja auch Siegfried Moses in der „Jüdischen Rundschau" ausspricht, ein unlösbarer innerer Zusammenhang zwischen nationaljüdischer Politik und der Gemeindearbeit der Jüdischen Volkspartei und der Poale Zion. Ihn festzustellen, wenn er auch in den Wahlaufrufen aus durchsichtigen Gründen unterdrückt wird, ist die Pflicht, die wir als überparteiliche deutschjüdische Organisation der Wahrheit gegenüber haben. Ein C.V.er kann nur am 30. No* vember eine der religiösen Parteien wählen. Er muss zur Wahl gehen und seine Familie und Freunde dazu unbedingt verananlassen, wenn er nicht will, dass an Stelle religiöser und sozialer Arbeit nationaljüdische und zionistische Zielsetzungen das Gemeindeleben verhängnisvoll beeinflussen. öerlchtkgung Herr Dr. Jsmar Freund legt Wert auf die Feststellung, daß das unter „Unsere Leser schreiben" in Nr. 47 der „C. V.-Zeitung" abgedruckte Schreiben nicht an die Schriftleitung der „C. V.-Zeitung" gerichtet war: es war vielmehr ein Auszug aus einem Antwortbrief des Herrn Dr. Freund an den Vorsitzenden des Centralvereins auf dessen Anfrage, ob auf der Liste der Ueberparteilichen Vereinigung ausgesprochene Nationaljuden als Kandidaten verzeichnet sind. Geheimrat Dr. Otto Wiesenthal Unser altbewährter Vorstandskollege, unser Ehrenmitglied, Geheimrat Otto Wiesent h a l, ist vor wenigen Tagen von uns gegangen. Otto Wiesenthal war einer unserer ältesten Mitkämpfer. Er gehörte zu den Getreuen aus jener Zeit, in welcher noch ein kleiner Kreis mit einer Begeisterung und einer Aufopferung, von der unsere jüngeren Freunde kaum eine Ahnung haben, die ganze Arbeit des Centralvereins erledigte. Otto Wiesenthal stand all die Jahre hindurch in vorderster Reihe bei uns. Der Umfang seiner Arbeit war nur den Nüchststehenden bekannt. Er selbst hielt sich immer in fast übertriebener Zurückhaltung im Hintergründe. Wenn er aber seine Stimme erhob, so wußte man, daß er in wenigen Minuten das sagte, wozu andere lange Reden nötig zu haben glauben. Sein kluger Rat fand stets offene Ohren, weil, was er auch tat Hegen die Trebnitzer Zrie-hofsfchärröung Eine Kundgebung öes Reichsbanners Am Sonntag, den 23. November, hatte das Reichsbanner S ch w a r z - N o t - G o l d die Bürgerschaft von Stadt und Landkreis Trebnitz zu einer Kundgebung gegen die kürzlich von nationalsozialistischer Seite erfolgte Schändung des Friedhofs und der Leichenhalle der Synagogengemeinde Trebnitz (vgl. Nr. 45 und 46 der „C. V.-Zeitung") eingeladen. Der große Saal des Trebnitzer Konzerthauses, der 600 Personen saßt, war bis in alle Ecken hinein gefüllt. Als Redner traten auf das Mitglied des Reichsbanners, Rechtsanwalt F o e r d e r aus Breslau, der auch dem Hauptvorstand des Centralvereins angehört, und der Geschäftsführer des Reichsbanners, Gau Mittelschlesien, Herr Steiner, Breslau. Rechtsanwalt Foerder beschäftigte sich in seiner Ansprache mit der Ausführung der Tat selbst nud den Umstünden, die derartige Exzesse veranlassen. Er beklagte es, das; die Spitzen der Kreis- und Stadtbehörden cs nicht für nötig gefunden hätten, der Aufforderung der Versaurmlungseinbernfer zu folgen, in ein paar Worten vom rein menschlichen Standpunkt zu der Tat öffentlich Stellung zu nehmen. Der Landrat hatte erklärt, er sei verhindert; der Bürger m e i st e r, er w ü r d e dadurch die Unparteilichkeit (!) des Magistrats g e f ä h r d e n. Das ser um so weniger begreiflich, als auch das Grab eines bekannten Wohltäters der Stadt Trebnitz, des verstorbenen jüdischen Mitbürgers Hiller, geschändet worden sei, welcher der Stadtgemeinde ein B ü r g e r h e i m errichtet habe. Der Redner wies weiter auf die 95 voransgegangenen Friedhofsschändungen hin. und was er auch sprach, der Ausdruck einer in sich geschlossenen großzügigen Persönlichkeit war, die mit Begeisterung und mit der alles Große auszeichnenden Selbstverständlichkeit unseren Ideen diente. Es ging allen, die ihm in unserer Arbeit näher getreten sind, wie mir. Ich habe ihm bei ernsten Anläßen aus innerstem Empfinden sagen dürfen, daß, solange man i h n bei der Arbeit sieht, der Gedanke, die Arbeit zu verlassen, nicht auskommen könne. Auch als diesen Mann, der aus Stahl zu sein schien, Krankheit an die Begrenztheit aller menschlichen Arbeitskraft erinnerte, fand er immer wieder den Weg zu unserer Arbeit zurück. Noch als ich vor wenigen Wochen ihn um die Erlaubnis bat, ihn trotz seiner schweren Erkrankung auf einige Minuten besuchen und wieder einmal mit ihm mich unterhalten zu dürfen, schrieb er mir zwar, daß sein Gesundheitszustand ihn nötige, ganz zurückgezogen zu leben. Aber, ganz der Alte, fetzte er hinzu: „Vielleicht rappelt sich das zermürbte Herz noch einmal wieder zusammen, und dann bin ich wieder auf dem Kampfplatz." Das Herz versagte seinen Dienst, und Otto Wiesenthal schied in die Ewigkeit. Konnte er sich auch nicht, wie er es ersehnte, auf dem Kampfplatz wieder melden, so wird sem Geist doch immer auf dem Kampfplatz sein, solange noch einer von denen lebt, die mit ihm zusammen arbeiten durften. Otto Wiesenthal ist eine Parole, die alles enthält, was an geistigen und seelischer Werte:: in unserer Arbeit enthalten ist. Dr. Julius Brodnitz. Note Hände oder brennend rotes Gesicht wirken unfein. Ein wirksames Mittel dagegen ist die kühlende, reizmildernde und schneeig-weiße Creme!Lcodors auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Ueberraschender Erfolg, Tube 1M!., wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseife, Stück 60 Pf. Ln allen Chlorodont-Verkaufsstellen Zu haben.