Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 47 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- Seite 608 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m Zur die Ehre des jüdischen Schrifttums! Dr. Alexander Huttmann: „Enthüllte Talmu-zitate" Im Philo - Verlag ) erscheint in diesen Tagen ein bedeutsames Werk: „Enthüllte Talmndzitate. Eine Auswahl aus Gutachten, erstattet von Professor Michael Gnttmann und aus anderen Werken", gesammelt und ergänzt von Dr. Alexander GutLmann. Dieses Buch zeigt auf streng wissenschaftlicher Grundlage die unwahrhaftige Tendenz, mit der vor allem Stetten aus Talmud und Schulchan Aruch von judengegnerischer Seite verwendet werden. Wir drucken nachstehend das Vorwort des Verfassers ab. Die Schriftleitung. Eisenmenger hat durch sein „Entdecktes Judenthum" (1711) den zünftigen Judenfeinden eine neue Waffenart geliefert, den Angriff durch gehässige Ausbeutung von mißdeutbaren Zitaten, vornehmlich von solchen, die dem jüdischen Schrifttum entnommen sind. Man versprach sich, nicht ohne Grund, gerade von jüdischen Zitaten gesteigerte Wirkung, weil man sie doch als Selbstgeständnisse ausgeben konnte. Zur allgemeinen Wertung solcher Zitate möge zunächst gesagt sein, daß ihre Herstellung durch ein zweckentsprechendes Losreißen aus dem quellengegebenen Zusammenhang vor sich geht. Der vom Angreifer unterdrückte Zusammenhang ist in vielen Fällen ein syntaktischer, ein Verschweigen des Anfangs oder der Fortsetzung des ausgewählten Zitats. In diesem Falle braucht nicht erst gesagt zu werden, daß es sich um eine Fälschung handelt. Es können fraglos ans jedem Literaturwerk Texkelemente herausgerissen werden, die in ihrer getrennten Isoliertheit einen neuen Sinn bekommen, oft das Gegenteil von dem besagen, was im Zusammenhang an Ort und Stelle gemeint war. Es gibt aber noch einen anderen nicht minder wichtigen Zusammenhang, dessen Aus- *) Philo-Vevlag, Berlin W 15. Preis etwa 6 Mark. fchaltung für den Sinn des Zitats ebenfalls verhängnisvoll werden kann. Und das ist der historische Zusammenhang. „Es denkt dasselbe Volt in den ersten Anfängen seiner Entstehung anders als im Zustand seines schon entwickelten Volkstums, in Kriegszeiten anders als in Friedenszeiten. Derselbe Prophet, derselbe Seher hat andere Worte für Leidende und Unterdrückte und wieder andere für Stolze und Pflichtvergessene. Nimmt man noch hinzu, daß es sich zum weitaus größten Teil um alte Literaturen handelt . . so wird man begreifen, daß sich durch ein zielbewußtes Manövrieren eine Auswahl von Zitaten treffen läßt, die dem Uneingeweihten das beweist, was der Apologet zu beweisen wünscht). Die Kampsmethode Eisenmengers wurde schon von den Zeitgenossen richtig eingeschätzt. Der damalige Erzbischof und Kurfürst von Mainz hat genug treffend auch vom Standpunkt des Christentums auf die Gefährlichkeit der zwei schweren Quartanten des „Entdeckten Judenthums" hingewiesen. Er meinte, nicht mit Unrecht, daß ein Buch, welches „aus den schlimmsten Motiven hervorgegangen, die 2) M. Euttmann, „Das Judentum und ferne Umwelt". 1. Band, Berlin 1927, S. 295. schlimmsten Folgen haben müsse und auch der katholischen Kirche Schaden bringen könne" Z. Das gehässige Werk Eisenmengers hat übrigens auch anderen Kirchen keinen Nutzen gebracht. — Ueber die unlautere Kampfesart Eisenmengers äußerte sich ein neuerer Kultur- Historiker, der keineswegs judenfreundliche Otto Henne am Rhyn, in seiner „Kulturgeschichte des jüdischen Volkes"^) folgenderweise-. „Der gelehrte Protestant Eisenmenger schämte sich nicht, geradezu ins beschränkte Mittelalter zurückzukehren und auf den Standpunkt des gemeinsten sanatisierten Pöbels hinabzusteigen, indem er alles, was den Juden zur Last gelegt worden, das Unsinnigste nicht ausgenommen, mit Dummgläubigkeit und Bosheit zugleich als bewiesene Tatsachen hinstellte und durch diese vorgefaßte Tendenz sein sprachgewandtes aber nicht scharfsinniges Wissen schändete." Eisenmenger hat nach 1711 keine Neuauflage mehr erlebt. Die Zeiten haben sich geändert. Was vor zwei Jahrhunderten als Sprengstoff gebraucht werden konnte, verlor zu einem großen Teil seine Zündkraft. Vieles von den zwei Quartbünden Eisenmengers ist heute so gut wie überwunden, in ausgebrannte Asche verwandelt. Vor einem halben Jahrhundert versuchte es August Rohling, königl. Professorin Prag, mit Hilfe eines getauften Juden, Aron Briemann (Justus), einen neuen, zeitgemäßen „Zitatenschatz" an Stelle des alten zu setzen („Der Talmudjude"). Durch offene und versteckte Zusammenhangsstörungen, Sinnunterschiebungen und Fälschungen wurde Eisenmenger stark nachgeholsen. — Nach dem schniählichen Fall Rohlings, der im Jahre 1885 sich gezwungen sah, seinen gegen I. S. Bloch beim Wiener Landesgericht angestrengten Prozeß im Hinblick aus das ihn belastende und kompromittierende Veweismaterial zurückzuziehen, wurde das Material von den damals zur Partei erstarkten Antisemiten vom „Kehrichtsaß" — wie sich L) A. a. O. -*) „Kulturgeschichte des jüdischen Volkes". 2. Auflage, Zeua 1892, S. 391. Als vorteilhafte Bezugsquellen für den Haushalt empfehlen sich Bessere Milch für weniger Geld! 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