Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 46 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- Seite 596 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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596 Uilhre s&ler fchreiben „Till Eulenspiegel“ und „Herzog Ernst“ in Jüdisch-Deutsch Be rlin-Charlottenburg, den 9. November 1930. An die Schriftleitung der „C. V.-Z eitun g“. Der Aufsatz des Herrn Dr. H. Stern in der leizien Nummer der „C. V.-Zeitung“; „Was lasen die deutschen Juden im Mittelalter?“ hat sicher sehr vielen Ihrer Leser eine freudige Ueberraschung gebracht. Wer ahnte, dass schon vor Hunderten von Jahren, ah die Ghetiomauern, wie wir glaubten, jeden starken Strom, und gar literarischer Art, von aussen hinderten, Bücher, wie „Till Fmlenspiegel*\ „Die Schildbürger“, „Kaiser Oktavian“, „Die schöne Magelone“, die wir von unserem Gustav Schwab her kennen und in unserer Jugend mit Freude und Genuss lasen und die grosse deutsche Dichter und Künstler zu bedeutungsvollen Werken begeisterten, von unseren Vorfahren in deutscher Sprache, mit hebräischen Buchstaben geschrieben, gelesen worden sind. Wer sich allerdings in die Geschichte der deutschen Juden einmal vertieft hat und dabei die „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschlanddie seinerzeit von Ludwig Geiger herausgegeben und jetzt dankenswerterweise von den Herren Elbogen, Freimann und Freudenihal fortgesetzt wird, gelesen hat, dem Werden in den Jahrgängen verschiedene umfangreiche Aufsätze begegnet sein, die sich mit dieser Gattung jüdisch-deutscher Literatur befassen; sie enthalten z. B. stattliche Sammlungen von Volksliedern aus alten verklungenen Zeiten in hebräisch-deutscher Sprache — ein Beweis, wie innig verknüpft Fühlen und Denken, aber auch die Geschmacksrichtung der Juden des Ghettozeitalters mit dem ihrer deutschen Umgebung war. Da treten Volkslieder auf, wie sie durchaus in alten Sammlungen deutscher Volkslieder stehen, ah ob es keinen Unterschied zwischen solchen Liedern der Gheitojuden und denen der deutschen Umgebung gäbe. Leider sind solche hochinteressanten und für die innere Verbundenheit mit ihrer deutschen Umgebung Wertvollen Zeugnisse noch lange nicht genug erforscht. Mit den Bibelübersetzungen hat sich Professor S t a er\ in Jena befasst. G r ü n - bäum hat auf diesem Gebiete manches Wertvolle bearbeitet. In alten Jahrgängen der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums befinden sich Abhandlungen darüber, aber im allgemeinen ist eine durchgreifende Untersuchung bisher nicht vorgenommen worden, und in verschiedenen Bibliotheken, so in München, ruhen 'köstliche Schätze, die behoben zu werden verdienen. Wer sich schnell, aber eindringlich, unterrichten will, greife zu Riegers ,,Heimaisrecht der deutschen Juden“, der diese Literatur kurz und übersichtlich behandelt. Es ist ein grosses Verdienst des Centralvereins und des Herrn Dr. H. Stern, unsere Aufmerksamkeit auf diese interessanten Fragen gelenkt zu haben. D r. Gotthold Wolf. Kann die Gemeinde den Äbwehrkampf führen? Kein Platz für Politik1 Berlin, den 6. November 1930. An die Schriftleit u n g der „C. V. - Z e i t u n g“, Die „C. V.-Zeitung“ hat anerkennenderweise unter Zurückstellung der Verdienste des C. V. im Kampfe um die Gleichberechtigung der Juden dennoch ihre Spalten zur Besprechung der Frage zur Verfügung gestellt, inwieweit die heutige Abwehr noch zeitgemäss ist. und was zu geschehen hat, sie so schlagkräftig zu gestalten, um sie in die Lage zu versetzen, allen Angriffen gegenüber gewappnet zu sein. Mir scheint der Vorschlag, den Gemeinden den Abwehrkampf zu übertragen, aus den verschiedensten, nachfolgend kurz begründeten Bedenken undiskutabel. Die Kirchen, und auch die jüdische, ■haben ihre Neutralität auf jeden Fall za behalten. So gut in der Synagoge C. V.-Anhänger und Zionisten oder Orthodoxe und Liberale sich zusammenfinden zu gemeinsamem Gebet, so gut muss die Synagoge der ü b er p ar i e i liehe und neu ir ai e O r i b l e i b e nan dem sich alle Juden zum Gebet brüderlich die Hand reichen. Niemals kunn die Gemeinde der Ort zu politischen Auseinandersetzungen sein. Wir regen uns darüber auf, wenn in den Kirchen unserer christlichen .Mitmenschen Fahnen radikal rechter Verbände geweiht oder nationalsozialistische Gottesdienste statifinden. Wir wundem uns, wenn zu Feldgottesdiensten politischer Kampfverbände Geistliche predigen, und nun sollen wir in die jüdischen Gemeinden noch den politischen Kampf hineintragen. Die Synagoge ist uns allen ein heiliger Ort. Dort darf kein Platz für Politik sein. Und darum schon allein halten wir den Vorschlag, die Gemeinden mit der Abwehr zu betrauen, für unmöglich. Aber auch noch aus anderen Gründen. Um den Abwehrkumpf führen zu können, muss man in ständiger Fühlungnahme mit Parteien, Verbänden und anderen politischen Organisationen leben. Es ist gar nicht möglich, dass die sich neutral verhaltende Kultus gemeinde die Kraft aufbringen kann, diesen politischen Kampf zu führen. Und dann das Aller wichtigste: die Auffassungen über die Abwehr sind bei den einzelnen jüdischen Parteien ganz verschieden. Man kann doch einem einheitlich auf tretenden und FREIE JÜDISCHE VOLKSHOCHSCHULE und Jüllö-iüOISCHE FRIEQENSGEMEINSCHAFI Sonntag, 16. November. Uhr vorm.,Synagoge yrimregenLenstraße 69 20 Rabbiner Br. Leo Bae S : Pazifismus Berlreker F.F.G.: Friede durch dieFugend. (UnkostenüMtrag M. 0,25.) ffltiter, die Sie interessieren THOMAS MANN, Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft.M. 0,50 BERNARD v. BRENTANO, Kapitalismus und Schöne Literatur M. 2,50 BÜLOW, Denkwürdigkeiten I . M. 17,— MORüS, Das Geld in der Politik M. 9,50 LUDWIG STEIN, Aus dem Leben eines Optimisten ...... M.10,— FEUCHTWANGER, Der Erfolg, 2 Bande.. M. 14,50 FINK, Hast Du Dich verlaufen? M. 6,50 HAMSUN, Der Weltumsegler . M. S,— GEORG HERMANN, Grenadier Wordelmann . .M. 6,50 UNGAR, Colberis Reise. Mii einem Vorwort von Thomas Mann M. 5,50 CHAJIM BLOCH, Priester der Liebe. Die Welt der Chassidim M.lö,— liefert portofrei Philo Verlag und Buchhandlung G. m. t>. H. Welche Annehmlichkeit für die rituelle Köche — fleischig und milchig zu gebrauchen! Diese große Erleichterung bieten Ihnen TOMOR und PALMIN koscher DIEKOSCHERENPFLÄNZENFETTF TOM© Et-ws PALMIN die Mandelmilch - Margarine, hergestellt unter Aufsicht seiner Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Wolf. Tomor hat den Vorteil, daß Sie es zu allen Speisen ohne Unterschied gebrauchen dürfen. Mit Tomor zubereitete Kuchen und Torten können unmittelbar nach jeder Mahlzeit gereicht werden. In Tomor haben Sie auch einen Brotaufstrich, den Sie unter Fleischbelag verwenden können. ÜBERRASCHEND AUSGIEBIG KOSCHER das 100°/0 naturreine Cocos-Speisefett. 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