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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-14 · 46 (14.11.1930) · p. Seite 595

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
46 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
Seite 595 (sequence 7)
Language
German
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wanger steht. Der bayerische Katholizismus hat gewrh spät genug begriffen, um was es ging. Aber auf einen: nichtkatholischen Boden hätte sich die Bewegung sicher noch viel rascher ausgebreitet, vor allem stärker verwurzelt. Feuchtwangcr erwähnt flüchtig den Kampf der bayerischen Sozialdemokratie gegen Hitler. Diesen Kampf kenne ich aus eigener Erfahrung sehr genau. Die Sozialdemokratie wäre in diesem Kampf erfolglos geblieben und die Hitler- Bewegung hätte München als dauerndes Aktionszentruni erobert, wenn sie aus Erbitterung über alles Unrechts vergessen hätte, was sie vorn bayerischen Wesen wußte. Tie ganze Agitation der Sozialdemokratie war darauf eingestellt, denn bayerischen Volk , den ungeheuren Widerspruch Zwischen seiner eigenen Art und Unser Haupivorstandsmitgticd Kommerzienrat Dr. Ludwig Wassermann (München) hat in der „Jüdischliberalen Zeitung" zu Feuchtwangers Werk Stellung genommen. Seinen Ausführungen entnehmen; wir folgende Sätze:. . . Lion Fenchtwanger hat die politische Kritik so unlösbar mit seinem Roman verknüpft, daß er sich gefallen lassen muß — eben wegen dieser politischen Kritik eines deutsche!: Landes und wegen der Tatsachen, auf welchen er sie äusbant —, politisch beurteilt zu werden. Fenchtwanger scheint seine historischen Kenntnisse nicht ans der ersten Quelle bezogen 31t haben. Er scheint die Kreise, die er schildert, nur aus Zeitungsberichten undnoch dazu aus recht einseitigen'zu kennen. Aber er tut, so, als ob er über die Politischen Verhältnisse, über die er schreibt, wirklich informiert wäre. Seine Leser . . . aber folgen gläubig seinen Ausführungen. Gerade wir Inden beklagen so oft, das? einzelne Handlungen von Glaubensgenossen von unseren Gegnern der breiten Masse des Volkes als Handlungen der Jude:: schlechthin, also der jüdischen Gesamtheit, hingestellt werden. Genau so macht es Feuchtwanger mit Bayern, seiner Bevölkerung und seinen Staatsfunktionären. Sätze wie: „Er gibt die ganze Skrupellosigkeit, den falschen Patriotismus, die schlaue Bauernpolitik, die konfessionelle Intoleranz, die Judenverfolgungen und vor allem aber die Erschütterung der Justiz im Lande Bayern dem Urteil der Geschichte ltnb der Nachwelt unbarmherzig preis" oder „der Begriff des Rechtes war abgeschaffk in dem Lande Bayern der Jahre 1920 bis 3 924" sind eine Verallgemeinerung einzelner, ganz weniger Falle, die geradezu unden Mord- und Totschlagsparolen der Hitler- Leute und der anderen Rechtsradikalen zu zeigen. Nur so hat sie verhindern können, daß Hitler die Münchener Arbeiterschaft gewann — sie ist ihm immer fremd ^geblieben, er hat selbst in der Zeit, als er die Straßen, Münchens beherrschte, »noch nicht in einer einzigen Münchener Fabrik über einen einzigen Arbeiterbetriebsrat verfügen können. Dem endlich erwachten Gefühl des Volkes, daß die Hittersche Haßpropaganda so u n b a y e r i s ch, wie möglich ist, darf man es danken, daß Hitler heute, da er. in ganz Deutschland einen unerhörten, Sieg erfochten hat, in München über die Stimmenzahl von 1924 nicht wieder hinausgekommen ist und daß er aus die Landespolitik keinerlei Einfluß mehr besitzk. geheuerlich ist. Die wenigen Ausnahmen — wie sie doch nicht nur in Bayern, — sondern auch in allen andern deutschen Ländern vorgekommen sind, werden hier zur Regel gemacht. Es ist einfach nicht wahr, wenn man die bayerische Justiz in ihrer Allgemeinheit so charakterisiert. Diese Justiz, in der doch auch zahlreiche jüdische Richter rechtsprechen. Es ist lächerlich, von Judenverfolgungen zu schreiben und die antisemitischen Ausschreitungen einer Partei damit zu Ausschreitungen des ganzen Landes zu machen . . . Feuchtwangers Buch ist. . . eine geschichtliche Betrachtung subjektivster Art . . ." Zrauengruppe öes C.v. in Hannover An: 5. November, begann die Frauengruppe des E. V. Hannover ihre diesjährige Winterarbeit mit einem Tcenachmittage, 31t dem sie außer den hannoverschen Damen auch Vertreterinnen aus dem Landesverbandsbezirke eingeladen hatte. 120 Damen, darunter Freundinnen aus Braunschweig, Hildesheim, Goslar und Hameln, waren der Einladung gefolgt. Nach einer Begrüßungsansprache der Vorsitzenden, Dr. Elisabeth Müller, führte Life Leibh 0 lz (Berlin) alle die Gebiete vor, welche zurzeit unsere Frauen als Deutsche, Jüdinnen und Frauen beschäftigen, und wies die verschiedenen Wege zu befriedender und befriedigender Arbeit. Abends fand eine vertrauliche Besprechung zwischen Frau Leibholz und den Damen des Frauenausschusses Hannover und den Vertreterinnen der eingeladenen Ortsgruppen statt. Die Richtlinien für die Arbeit, für die Erfassung der Frauen und die Möglichkeit der Landesorganisation wurden besprochen. Auch hier zeigten sich lebhaftestes Interesse und der feste Wille der Frauen zur Mitarbeit. Tagung öesLan-esverban-es Ha-en -es C. v. Dr. ^acob Marx Ehrenvorsitzenüer Am Sonntag, den 9. November, fand in Karlsruhe unter Vorsitz des Landesverbandsvorsitzendcn Dr. Jacob 1K a x x eine stark besuchte Tagung des Landesverbandes Baden des Centralvereins statt. Tr. Marx erstattete zunächst einen Tätigkeitsbericht, ans dein hervorging, mit welcher Umsicht und mit welchen finanziellen Opfern der Landesverband Baden während des letzten Jahres seine Tätigkeit ansgeübt hat. Verschiedene Prozesse wurden dnrchgesührt, Aufklärungsarbeit, wo notwendig, in großem Umfange geleistet, durch persönliche wie durch schriftliche Vorstellungen Zurücksetzungen entgegengetreten, kurz, es geschah alles, umsichtig und eifrig, was zur Verteidigung unserer Rechte und zur Aufklärung unserer christlichen Volksgenossen zweckmäßig und an: Platze war. Der Syndikus des Centralvereins, Dr. Alfred Wiener (Berlin), gab sodann einen Ueberblick über die politische Lage und die Lage des Judentums im besonderen. Das Referat löste eine ausgiebige Aussprache aus, die sich bis in die Nachmittagsstunden hinzog. Bei den: Punkte „Neuwahlen" erklärte Dr. Al a r x , daß er sich nach achtzehnjähriger Tätigkeit für den C. V. aus beruflichen und persönlichen Gründen genötigt sehe, sein Amt niederzulegen. Er werde nach wie vor den: Centralverein iu Treue verbunden sein, halte es aber für richtig, jetzt einem Jüngeren und Unverbrauchten Platz zu machen. Trotz stürmischer Vertranensknudgebnngen verharrte Tr. M a r x bei seinem Entschlüsse. Der Lande s v e r b a n d s a u s s ch n ß wurde b e a u s t r a g t, innerhalb vier Wochen den geeigneten Alaun für die führende Stelle des C. B. in Baden zu wählen. Tr. Marx, der den: Landesverbandsausschutz angehört, wurde daraus auf Vorschlag von Dr. Moritz S t r a n ß einstinunig :n:d unter lebhaftesten Beifallskundgebungen zum Ehrenvorsitzenden des Landesverbandes ernannt. Am Sonnabend vor der Landesverbandstagung fand in Karlsruhe eine überfüllte Gemeindeversammlung des Centralvereins statt, in der Rechtsanwalt Dr. Erich Kehr (Kaiserslautern) sprach. An der lebhaften Aussprache beteiligte sich auch ein Zionist, der leider in Angriffen, die der Würde ermangelten, gegen den C. B. vorging. Tr. M a r x (Karlsruhe) und Tr. K e h r (Kaiserslautern) gaben dem Diskussionsredner in ihren Ausführungen den Bescheid, den er verdiente. äusTriä MÜNCHEN1 Regie-Zigaretten sind anders als andere. V/er sie kennt, liebt sie und bleibt ihnen sein Leben -,-lang treu III. SORTE die Ideale 6-Pfennig-Zigarette MEMPHIS.5 Pfg. ROSENKAVALIER.5 Pfg. KHEDIVE ..:.8 Pfg. Wer etwas von Zigaretten versteht und einen hohen Genuss in ihnen sucht, findet unter diesen 4 Austria-Marken seine Standardmarke.

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