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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-14 · 46 (14.11.1930) · p. Seite 591

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
46 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
Seite 591 (sequence 3)
Language
German
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5di Die Ergebnisse der österreichischen Wahlen Sonderbericht für Wien, den 10. November 1930. Unter ungeheurer Beteiligung (über 94 Prozent) fanden am Sonntag die österreichischen Nationalratswahlen statt, die in dem Kampfe Zwischen Faschismus und Demokratie die Entscheidung Zugunsten der Demokratie gebracht haben. Als stärkste Partei ist aus dem erbitterten Wahlkampfe die sozialdemokratische hervorgegangen; sie hat trotz allgemeinen Stimmenrückganges von 1 539 635 auf 1 517 603 in Wien ein weiteres Mandat errungen, so das; sie jetzt 72 Sitze innehat. Die Haupterfolge dieser Partei waren also insbesondere in Wien zn verzeichnen, und cs ist nach den Einzelergebnissen anzunehrnen, daß auch viele Wiener Juden dieser Partei die Stimme gegeben haben, vor allem ans der Ueberzeugung, daß es in dieser Zeit, da die Judengegnerschaft so gewaltig ihr Haupt erhebt, vor allem die Reihen jener ie „C. V.-Zeitung". wohnern dieses Staates zu kennen, den Christlichsozialen den Rücken kehrte. Diese Partei hat bei den Wahlen sehr schlecht abgeschnitten. Sie hat rund 25 Prozent ihrer Stimmen verloren. Daß sie nur sieben Mandate einbüßte, verdankt sie ihrem ganz besonderen Wahlglück, das den Stimmenverlust mandatsmäßig verschleiert. Manche Juden haben dagegen dein unter Führung des Altbundeskanzlers Dr. Johannes Schober stehenden Nationalen W irisch a f t s b l o ck und L a n d b u n d ihre Stimmen gegeben. Er hat 429 425 Stimmen und 19 Mandate errungen. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Wahlgemeinschaft eigentlich nicht dem Geschmack aufrechter Juden entsprach; denn dieser Block umschloß neben dem auch von den Juden wegen seines strengen Gerechtigkeitssinnes verehrten Altbundeskanzler und Polizeipräsidenten Dr. Schober, und unpolitischen Vertreter der Wirtschaft die rassenland errungen hatte, trugen wesentlich dazu bei, auch in Oesterreich ihre Erwartungen zu steigern. Die Wahlpropaganda wurde in besonders geräuschvoller Weise geführt und von den reichsdeutschen Anhängern Hitlers lebhaft unterstützt. Es wurden zahllose Versammlung gen abgehalten, in denen wiederholt reichsdeutsche Nationalsozialisten sprachen, so zwei Tage vor der Wahl der thüringische Innenminister Dr. Fr ick. Wenn auch diesen vereinten Bestrebungen der gewünschte Erfolg nicht beschieden war, so ist doch die eroberte Stimmenanzahl größter Beachtung wert, denn sie zeigt, daß die Hitler-Verführung von Deutschland her in Oesterreich ihre Früchte getragen hat. Es ist sicher, daß der Kampf gegel?diese Bewegung künftighin nicht nur von den Sozialdemokraten, sondern von allen bürgerlichen Parteien, die sich nicht selbst ihr Grab grabeil wollen, wird ausgenommen werden müssen. Noch ist die Zusammensetzung der neuen österreichischen Regierung nicht bekannt. Es besteht wohl die Hof'snung/daß nach dem schweren Verluste, den die Christlichsoziale Partei erlitten, und nach denr Scheitern der Erlvartungen, die man in gewissen Kreisen auf die radikalen reaktionären Parteien gesetzt hat, die Vernunft siegen und endlich wieder eine Politik der Ruhe und Ordnung verfolgt werden wird. Die österreichischen Jllden würden eine solche Jüdische Wahlen am 30- November! Jedes Mitglied des Central-Vereins erfülle seine... und wähle nur eine der religiösen Parteien! Partei zu stärken gilt, die ihr mit Entschiedenheit entgegenzutreten gewillt ist. Seitens der Führer der Heimwehr, also jener Partei, der vor allem der Kampf der Sozialdemokraten galt, waren in den letzten Wochen Reden gehalten worden, die in der österreichischen Judenschaft starke Beunruhigung hervorriefen, zumal die Redner jene beiden Männer waren, die Bundeskanzler V a u g o i n in sein Minderheitskabinett berufen hatte. Der junge Innenminister Fürst Rüdiger S t a r h e m b e r g imd der Justizminister Dr. H u e b e r, ein bisher ganz unbekannter Notar aus dem österreichischen Marktflecken Mattsee, besaßen die Stirn, in öffentlichen Versammlungen die schamlosesten Drohungen gegen die Juden auszusprechen. Solche aufhetzende Reden verstärkten die bestehende Verängstigung, und so kam es, daß in Wien ein großer Teil auch nichtsozialistischer Juden der sozialdemokratischen Partei Gefolgschaft und dem Rufe anderer freiheitlicher Parteien nicht Folge leistete. Insbesondere wurde die Kandidatur der Demokratischen M i t t e l p a r t e i wegen des Wahlrechtes als aussichtslos angesehen. Der Wahlausgang hat diesen Befürchtungen leider recht gegeben. Die C h r i st l i ch s o z i a l e Partei kam für die Juden nicht in Frage, da sie in ihrem Parteiprogramm noch immer den „Kamps gegen den zersetzenden Einfluß des Judentums auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete" fordert. Die erwähnte Berufung der beiden Heimwehrminister in das christlichsoziale Minderheitskabinett V a u g o i n wirkte aus die Judenschaft auch derart empörend, daß sie trotz aller Lockungen des Regierungschefs, der letzthin erklärte, keinen Unterschied zwischen den Beantisemitischen G r o ß d e u t s ch e n, deren Programm den „Kamps gegen die Uebersremdüng durch das Judentum" predigt. Allein auch in diesem Falle ließen manche Juden mit Rücksicht auf die drohende Gefahr ihre politischen Privatansichten beiseite und wählten den Mann, der zu wiederholten Malen erklärt hat, daß er und seine Partei „auf dem Boden des Rechtes und der Ordnung stehen und daher selbstverständlich auch die Rechte der Juden niemals antasten werden". Dem Heimatblock, das ist die Partei der Heimwehren, ist es erst nach mühevollem Ka rupfe gelungen, in Obersteiermark ein Grunduiandat zu erlangen und dadurch die Möglichkeit zu finden, in den österreichischen Nationalrat, in dem er bisher nicht vertreten war, acht seiner Mannen — lauter notorische „Nassen" aut isemiten — einziehen zu sehen. Sie werden dort ihre 228 358 Anhänger sicherlich zusriedenzustellen suchen, indem sie die lautesten antisenritischen Rufer darstellen werden. Der u a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n A r - beiterpartei aber ist es trotz heftigen Bemühens nicht gelungen, ein Mandat zu erringen. Sie vermochte wohl 87 620 Stimmen aus ihre Kandidaten zu vereinigen, es gelang ihr jedoch nicht, das nach unserem Wahlgesetze notwendige Grundmandat in einem Wahlkreise zu erobern, und so ging diese immerhin erkleckliche Stimmenanzahl restlos verloren. Von stolzen Hoffnungen beseelt, war die nationalsozialistische Partei in den Wahlkamps eingetreten. Sie hatte sogar ein Angebot des Heimatblockes bezüglich einer Wahlgemeinschast mit Entschiedenheit abgelehnt, was insbesondere der Justizminister Dr. H u e b e r öffentlich lebhaft bedauerte. Die großen Erfolge, die diese Partei bei den letzten Wahlen in Deutsch- Einstellung mit Freuden begrüßen, denn mit allen anderen Bürgern dieses Staates erkennen auch sie die Notwendigkeit einer ruhigen Entwicklung zum Wöhle des Staates und seiner Wirtschaft. Oskar Hirschfeld. » Ml«lA MMuiig Ser IMAli WM Der nationalsozialistische Schriftleiter der Zeitschrift „Der Sturm", Wolsgang Bergern a n n in Kassel, wurde vorn Schöffengericht Kassel in den Akten 3 J 471/29 wegen Vergehens gegen ß 166 Str.G.B. an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Monaten zu einer umgewandelten Geldstrafe von 180 Mark rechtskräftig verurteilt. Bergemann hatte in einer Versammlung das Bestehen eines jüdischen Gesetzes des Inhalts behauptet, daß die jüdischen Fleischer nichtkoscheres Fleisch vor dem Verkauf an Christen in einer hier nicht wiederzugebenden Weise verunreinigen dürfen. Mit Recht hat das Gericht in dieser Aeußerung eine rohe und verletzende Form der Mißachtung gegenüber der jüdischen Religionsgemeinschaft und ihren Gebräuc'aen erblickt und auf den vom C. V. gestellten Strafantrag das oben erwähnte Urteil gegen den Angeklagten gefällt. Rote Hände oder brennend rotes Gesicht wirken unfein. Ein wirksames Mittel dagegen ist dis kühlende, reizmildernde und schneeig-weitze Creme JLeodor, auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Ueberrafchender Erfolg» Tube 1 Mk., wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseise, Stück 60 Pf. In allen Chlorodont-Verkaussstellen zu haben. 797119

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