Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 45 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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SS4 ^ustizrat Skalier öS ^ahre alt Vor wenigen Tagen feierte der Vorsitzende unseres Landesverbandes Oberschlesien, das Mitglied unseres Hauptvorstandes Justizrat Skalier, seinen 60. Geburtstag. Wir beglückwünschen unseren verehrten Freund zu diesem Ehrentage in dankbarer Verbundenheit. Wir kennen seine hingebungsvolle Arbeit im Dienste des Centratvereins und besonders sein nie ermüdendes Interesse für alle Probleme, die die Stellung der deutschen Juden auch im innerjüdischen Leben betreffen. Möge Justizrat Skalier, der in seinem Leben und Streben ein lebendiges Beispiel engster Verflochtenheit deutschen Fuhlens und Seins mit der Religion uub der Ueberlieferung des Judentums darstellt, noch viele Jahre knlnpfesfreudig dem Centralverein erhalten bleiben. der jüdischen Uebertragungen vom „Jiddisch" noch weit entfernt. Uebrigens haben die Juden sich auch wisfenschasckich an der Entwicklung der mittelalterlichen Ependichtung beteiligt. So stattet der Parzival-Fortsetzer Philipp C oll in im Jahre 1846 dem Juden Sampson P i n e seinen Dank dafür ab, daß er ihn: bei seinem Werke behilflich war, indem er den (französischen) Urtext ins Deutsche übertrug. Es wird heute in den Auseinandersetzungen um die Judenfrage von nichtjüdischer Seite oft mit dem Argument operiert. die kulturelle NaudstelllMg der deutschen Juden sei u. a. auch auf den Umstand Zurückzuführen, daß die Juden die entscheidenden Epochen der deutschen Entwicklung nicht miterlebt hätten. Das trifft in vieler Hinsicht gewiß zu. Anderseits beweist aber die Verjüdischung der großen Kunst- und Volksdichtung der Deutschen zur Zeit, als die Juden völlig außerhalb des sozialen und politischen Lebens in Deutschland standen, eine Fähigkeit und einen Willen zur Eindeutschung, wie man es wohl nicht zum zweiten Male in der Kulturgeschichte findet. Und diese Tatsache läßt eine Ahnung davon aufdämmern, welchen Verlaus die kulturelle Entwicklung bei den deutschen Juden wohl genommen hätte, wenn ihr nicht von der anderen Serke künstliche Schranken und Dämme entgegengesetzt worden wären. Dr. H. Stern. Hans Chlumberg Ein Gedenkwort von Ernst Lissaner In Leipzig, bei den Proben seines neuen Drarnas, „Wunder um Verdun", ist der junge Wiener Dramatiker Hans Chlumberg verunglückt und an den Folgen einer Gehirnerschütter ung gestorben. Er war erst 33 Jahre alt; er stand am Anfang. Ich bin ihm, dem um 15 Jahre Jüngeren, in Freundschaft verbunden gewesen und möchte an dieser Stelle für sein Gedächtnis zeugen. Sein eigentlicher Name war Hans Barlach, Edler v o n C h l u m berg. Die Barlachs sind Juden. Der Vater diente als Offizier in der österreichisch-ungarischen Armee;, er zeichnete sich 1866 beim Rückzug von Chlum ans, wurde gegeadelt: im Namen Chlumberg ist die Erinnerung au Chlum bewahrt. Als Barlach, der als einer der ersten Offiziere des Heeres galt, geadelt werden sollte, wurde ihm nahegelegt, sich taufen zu lassen, er weigerte sich und nahm seinen Abschied. Ein älterer Bruder fiel als Berufsoffizier im letzten Kriege; der jüngere, Hans, wurde auf der Militärakademie ausgebildet und machte ihn als ganz junger Leutnant mit. Oft hat er erzählt, welche Widerstände er als Jude auf der Akademie zu überwinden hatte, wie ihm aber gerade das Bekenntnis zu seiner Abstammung die Achtung der Offiziere errang. Chlumberg war eine lichte und lautere, freundschaftlich offene Natur, von liebenswürdigen, festen Formen, seine schriftstellerischen Anfänge standen unter günstigen Zeichen. Eins seiner ersten Werke, „Eines Tages . . ein theatermäßig sicheres Schauspiel von der Torschlußpanik eines alternden Arztes, wurde sofort von Bassermann gespielt und erhielt den Preis des Wiener Deutschen Bolkstheaters. Seine nächste Arbeit, deutlich von Pirandelto angeregt, leicht hingestellt, „Das Blaue vom Himmel"", ward sogleich von Jarno herausgebracht, ging über viele Bühnen, ward mehrfach übersetzt. Nun nahm er sich zu bedeutender Leistung zusammen: im August beendete er das Drama „Wunder um Verdun", und schon Ende Oktober ward es vom Leipziger Schauspielhaus herausgebracht. Als die Uraufführung ftattsand, lag er bereits auf den Tod; wenige Tage danach starb er. Das Stück beruht auf der Bi fron, daß die Toten des Weltkrieges auferstehen und in die entseelte, durch den Krieg nicht belehrte, auf neue Gewalttat sinnende Welt zurückkehren und daß in ihr für sie kein Raum ist. Diesen gewaltigen, apokalyptischen, dantischen Vorwurf hat Chlumberg in manchen Bildern mit starker Eindringlichkeit behandelt; sie bezeichnen den eigentlichen Anfang feiuc§ Weges. Und nun: er, der den Krieg überstanden hat, schreibt dies Stück von den Gefallenen; er lehnt sich während einer Probe an ein Versatzstück, vergißt, daß es nur Pappe und Leinwand ist, und stürzt ins Orchester. Ein Kritiker schreibt in dem Bericht über dies Drama von den Toten: „Uebrig geblieben ist ihr Sprecher: Hans Chlumberg." Er ist nicht übriggeblieben. Er starb, seltsam, den Tod aus den Brettern, die das Schlachtfeld bedeuteten. Ein reiner, hochgesinnter, zukunstsvoller Mensch ist dahingegangen. Jacob Rofenheim zum 60. Geburtstage Am 5. November wurde Jacob Rosenheinr in Frankfurt a. M. 60 Jahre alt. Rosenheim ist anerkannter Führer der Orthodoxie, treu der Samson Raphael Hirsch'schen Synthese von Glauben und Wissen, Thora und Bildung, Religion und Webt. Er beschränkte sich aber nicht, wie andere, darauf, epigonenhafter Sachwalter des Hirschschen Erbes zu sein, sondern wurde Mehrer und genialer Gestalter in diesem Reiche, das sich, nach Jahrzehnten religiösen Niederganges, Genreinden und Institutionen, Werte und Werke geschaffen hat, die auch andersgearteten Kreisen ehrliche Bewunderung abringen. Ein grandioses Sammelwerk, das dieser Tage (bei I. Kau ff mann, Frankfurt am Main, 900 Seiten stark) erscheint und Aufsätze und Essays von Jacob R o s e n h e i m, entstanden in einem Zeiträume von bald dreißig Jahren, enthält, zeigen die Entwicklung, ben Ausstieg eines großen Menschen und Juden, von den ersten tastenden Versuchen bis zu den höchsten Höhen jüdischen Lebens und Denkens. Rosenheim ist zunächst Kind seiner Gemeinde, der Frankfurter Israelitischen Rel i g i o n s g e s e l l s ch a f t, der die ganze Liebe seines Herzens gehört. Von da aus holt der schöpferische, nie rastende Geist zum Schaum ge aus nach der Richtung einer Sammlung der gesamten orthodoxen Judenheit in Deutschland, und so entsteht die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in Deutschland". Diese aber ist wiederum nur eine Vorstufe für, die Sammlung der g e - samten Orthodoxie in der religiösen Weltorganisation der A g u d a s I i s r o e I. Der Zweite Kongreß der Agudas Jisroel, die „Kenessio Gedaulo“ in Wien, hat voriges Jahr Jacob Rosenheim, trotz seines Wider- ÄVf&öV feit 34*Jahren anerkannt beste M lllinittniliiniiiilmvra» ttmuimfiMitmiiiuiHwiiimi färbt echt und natürlich in allen Nuancen vom hellsten Blond bis zum tiefsten Schwarz Probekarton zu 1 Portion_ M. 1,85 Probekarton zu 2 Portionen .. M. 3,30 Original-Karton zu 4 Portionen M. 5,50 J.F.SCHWÄRZLOSE SOHNE BERLIN, Markgräfenshv26- CßvifyMUt- Versicherten-Dividende 1931 nach den Tarifen A, B und a: 38,5°jo des Jahresbeitrags und 4,3 °\o des Deckungskapitals Umwandlung der Darmfflora ist nicht nur durchaus möglich, sondern müsste für jeden, der KÖRPER-KULTUR pflegt, selbstverständlich sein. mit mimiifanimuffun Aci«tos»hiius beseitigen Fäulnis bakterien und deren Grifte, chronische Verstopfung, geben reines Blut, reinen Teint, Gesundheit, Rüstigkeit. - Seit 19 Jahren bei Verdauungsleiden von Aerzten und Publikum anerkannt. Dr. E. Klebs, Joghurtwerh, München, Schillerstrasse 28. In Apotheken, Drogerien, Reformhäusern. — Drucksachen kostenlos. Berlin Lvipztgep Sit* 122-12h Firmen* welche der „ C. V.-ZEITUNG”ihre PROSPEKTE beilegen Hessen, haben uns wiederholt den Erfolg dieser Propaganda bestätigt. 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