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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 583

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 583 (sequence 7)
Language
German
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.Aä iUats&rf* 5*3 Was lasen die deutsche« Luden im Mittelalter? Wm darf es als ein Verdienst des Eentralvereius buchen, daß er die allgemeine Ausmerksamkeit i:nu:er wieder auf die weitgehende Beeinflussung des jüdischen Geisteslebens durch die deutsche Kultur schon im Mittelalter hingelenkt hat, und wenn Nur in den letzten. Jahren mehrfach wissenschastliche Arbeiten aus den^ Fachgebieten der Geschichte, Philosophie und iLprachwissenschast begrüßen konnten, die auch dem Laienpublikum einen Begriff vom Wesen ltnö vom Umfang der kulturellen Eindeutschung der Juden in ihrer deutschen Frühzeit vermitteln, so ist das Interesse dafür gewiß in nicht geringen: Maße aus die Vorarbeit des Centratvereins zurückzuführen. Kulturhistorisch und auch Psychologisch am interessantesten ist wohl die Ausnahme der alten germanischen Heldensagen und -lieder sowie der mittelalterlichen Volkssagen in das jüdische Geistesleben. Tenn diese an die breiten Massen sich wendende Volkskunst setzt eine ganz andere seelische Bereitschaft für eine in: Grunde doch fremde Kunstgattung voraus als eine abstrakte und damit übernationale Wissenschaft, wie z. B. die Philosophie. Eine der ansschlußreichsten Untersuchungen über die Uebernahme der mittelalterlichen und spateren deutschen Dichtungen durch die Juden verdanken Nur Professor Tr. Meier S ch n lerer hat sie als „Beiträge zur Kenntnis der alten jüdisch-deutschen Profanliteratur" in der „Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgemeinschaft Frankfurt a. M." (1928) veröffentlicht. Die Ausnahme der deutschen Dichtungen setzt natürlich die Beherrschung der deutschen Sprache voraus, die für die breiten jüdischen Massen schon frühzeitig das Hebräische ersetzte und bei ihnen als Muttersprache— „Mammeloschen" — galt. Darum waren auch die meisten jüdischen Erbammgsuu.d Gebetbücher in -deutscher Sprache verfaßt, gedruckt allerdings mit jüdischen Lettern. Wie notwendig dies für die Inden war, erhellt ans der Vorrede zu einen: solchen Buche ans dem Jahre 1602: „Das Buch wert geinacht teutsch den Weibern urll Mannen die da seien as Weiber ui:' kennet: nit vil lernen . . . da Hab ich tnich derbarmt und schreib auf teutsch do mit sie solen auch wisse:: was ein Mensch :s." So wurde selbst das Buch Samuel („Schmulbuch") schon früh ins Deutsche übertragen, und zwar in der Nibeluugenstrophe; für Sabbat-Liede r wurde schon in: 14. Jahrhundert der „H e rzog - E r n st - N i g u das Bersmaß des Epos vom Herzog Ernst von Schwaben, verwandt. Beweise dafür, daß den Juden die mittelalterlichen Dichtungen der Deutschen in: allgemeinen bekannt waren. Für die Uebertragung dieser Werke :vareu verschiedene Gründe maßgebend. Zunächst sollten vor allem die „Weiber und Meidlich" (Mädchen) lesen und richtig sprechen lernen. Ausschlaggebend war aber wohl das Uuterhaltungsbedürsnis bei den Juden, vornehmlich bei den: weiblichen Geschlecht — „man kann nit alle Zeit in göttliche Bücher lesen" — und endlich war es auch der ethische und lehrhafte Grundgehalt vieler Erzählungen. Bei manchen Autoren war auch das Geschäftsinteresse maßgebend, was in den Schluhstrophe:: zu der: einzelnen Dichtungen manchmal ganz offen zun: Ausdruck gebracht wird. Uebertragen wird schon von: 15. Jahrhundert ab ans allen Literaturgattungen: u. a. aus den Sagenkreisen des Königs Artus, Dietrichs und Hildebmnds, später von den alten Volksbüchern „Kaiser? Oktavian", „Die schöne Magetone", „Flor und Blancheslor", „Fortunatus", „Die sieben weisen Meister"; der „Til Eulenspiegel", die „Schildbürger", von ausländischen Stosseu „Preziosa" und Teile des „Dekamerone". Dazu Balladen, Volkslieder aus Kriege, Pest, Verfolgungen, Kaiserkrönungen, Prinzengeburten usw., Schlager und Fabelsammlungen. Jedes? ÜEegg will sich rasch und gründlich rasieren. Er setzt deshalb den: Rasierwasser eine Messerspitze zu, der das Rasieren ungemein erleichtert, die Schaumbildung fördert, lästiges Brenne:: mährend und nach dem Rasieren verhindert und die .Haut elastisch und glatt werden läßt. Die köstliche Parfümierung trägt dazu bei, das Präparat nie wieder zu missen. — Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. Verlange!: Sie Gransprobe und Prospekt mittels dieser Anzeige. — Heinrich Mack Nachf., Alm a. D. Wie jede Uebertragung geistiger Güter ans einen: Kulturkreis in den andern mit einer mehr oder minder gewaltsarnen Anpassung verbunden ist, so mußten sich auch die deutschen Dichtungen hin und wieder leichte, aber auch gewaltsame Aenderungen gefalle:: lassen. So werden oft religiös gehaltene Einleitnngs- und Schlußstropheu angefügt, letztere in der Regel in die Zions- und Messtashossnnng einmündend. So z. B. die Einleitung zum „Artushvf": Got alein die ehr Ten er is der ganzen Welt ein her. Er dat bischasn himl im' erd, ’ Trum is er lob, Preis mi' eren Word. Und der Schluß: . To mit hat das buch ein eud Das Nus got moscht ach send bimhero (bald) amen. Daß alles Ehristologische ausgemerzt und ins Allgemein-Religiöse :m:gebogen wird — statt zu Christus wird zu Gott gebetet- - erscheint selbstverständlich. Mit einer gewissen Naivität sind aber auch nicht selten solche Partien ins I ü - di sehe umgesetzt, so daß sich manchmal ganz kuriose Situationen ergeben; ' so z. B., wenn eine Heidin statt zum Christentum sich zun: Judentum bekehrt, was im Zusammenhang sinnlos wirkt. Auch werden hin und wieder, wie die oben angeführten Beispiele zeigen, hebräische Wörter aus der Umgangssprache eingeflochten. Jedoch ist die so entstehende Sprache tltflliit Vorkrjegspreise! Tube 60 Pf. u. 1 Mk. Mietf -MS | FELIX GOLDMANN, Der Jade im deutschen Kultur" kreis. Ein Beitrag zum Wesen des Nationalismus. M. 4,60 B. JACOB, Mischehen. Eine biblische Studie zu 1. B. M., c. 56—38. Morgen-Reihe 7. Schrift... M. 0,90 E. STERN, Krankheit und religiöses Erleben. Morgen- Reihe 8. Schrift . M. 1,— JELSKI, Im Wandel der Zeiten. Predigten. Vorzugspreis bis zum 15. November M. 4,75 IMMANUEL BERNFELD, Eid und Gelübde nach Talmud und Schulchan Aruch. 3., vermehrte Auflage M. 0,95 MÜLLER, Von jüdischen Brauchen und jüdischem Gottesdienst. M. 2.— * TRAUB, Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege. Broschiert M. 6,—, karton. M.7,50, Leinen M. 9, — ALTMANN, Aus ringenden Welten, Dichtungen. M. 3,— Philo Verlag und Buchhandlung G.m.b.H. Berlin SW 68 Lindenstrasse 13. bin ich in kur- SerZeit 20 Pfd. leichter geworden durch ein eins. Mittel, welches ich jedem gernkostenl.mitteile.Frau Karla Mast, Bremen b. 6t. Inserate!llilI!II!!!ii!l!i!lllll!!l!!!!ii!ii[!l! für die „CI-ZeitHiif nehmen alle Geschäftsstellen der xAmnoncen- Expedition Rudolf Mosse entgegen. OhneDiflt WMMI1W.W menallee 56. Riesige Aus» wahl.Zahl.-Erleichterung. Warum blass und gealtert? 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