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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-07 · 45 (7.11.1930) · p. Seite 581

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
45 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
Seite 581 (sequence 5)
Language
German
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5$ I besonders in ihren Dienst zulassen. Es sind nicht die rechten Juden, und es können, da es ja doch Juden find, mit einem Wesensgrund, den sie nicht wahrhaben wollen, auch keine ganz rechten, wahrhaftigen Menschen sein . . . ... Es können nun freilich hier begreifliche Zweifel sich erheben, und sie werden auch oft und heftig genug geäußert, ob Juden fähig sind, den Wesenssinn der sie einschließenden Nation aus dem Wachstum heraus und in die gemäße Zukunft hin zu verstehen, wahrhaft sinngetreu für sie einzutreten, zu denken, zu fühlen, zu handeln. Voraussetzung zu einem solchen Verstehen ist nun natürlich eine innige heimathafte Verwachsenheit dieser Juden mit dem Land und dem Volk, eine Verwachsenheit, die zu einer großen seelischen Beziehung, zu einem Teil des Eristenz- und' Schicksalsbestandes dieser Juden geworden ist. Daß eine solche Einkörperung in den irdischen Wuchs der Nation keinen Widerspruch zu dem metaphysischen Judentum dieser Menschen bedeutet, sondern im Gegenteil eine Erfüllung, boffen wir im vorangegangenen überzeugend gemacht zu haben. Prinzipiell die Möglichkeit eines 'wesensgerechten Verstehens zwischen Inden und Deutschen leugnen, das hieße überhaupt die Möglichkeit leugnen, daß Menschen anderes Wesen als ihr eigenes verstehen, daß schicksalsverbundene Menschen, die in physischer, seelischer und geistiger Sprache dauernd miteinander umgehen, füreinander zu sorgen und einzustehen fähig find. Betrachten wir die Ergebnisse der Geschichte, so finden wir zunächst, daß die romanischen Völker wie auch England mit ihren Juden, bewußten und sich bekennenden Juden, in den höchsten Rängen und Aemtern, die ein Volk zu vergeben hat, nicht schlecht gefahren sind und dies dadurch anerkannt haben, daß in allen diesen Ländern ein Antisemitismus entweder überhaupt nicht besteht oder doch im Leben der Gesamtheit zu keiner spürbaren Bedeutung aufgekommen ist. Die Unterdrückung und Vertreibung der Juden in früheren Zeiten, die dort wie überall gespielt hat, war religiös begründet und hat dann später durch die Abschließung der Geächteten in soziale Folgen sieh fortgesetzt. Aber nichts hört man seit der Aufklärung und der Emanzipation in Frankreich, in Italien, in England darüber, daß der jüdische Geist die Nation verderbe, daß jüdische Politiker, Denker und Künstler die Seele des Volkes mißbraucht, verraten, in falsche Bahnen geleitet hätten . . ." y. Kahler erörtert dann Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten im Wesen des jüdischen und nichtjüdischen Deutschen und fährt fort: „. . . Diese Unterschiede wie diese Gemeinsamkeiten sollten bewußt werden, Deutschen wie Juden, sie sollten klar gefaßt, abgegrenzt, behalten werden. Dann würden die Juden versteheil, daß sie nicht nur die Wahl haben, ihre jüdische Blutsart zu verhehlen, um Deutsche zu werden, oder sich ihres Deutschtums zu entschlagen und jüdische Nationalisten zu werden, um Juden zu bleiben. Dann würden aber auch die Deutschen erkennen, daß die Auseinandersetzung mit dem Judentum nicht so einfach ist, daß das nicht nur eine äußere, sondern eine innere Auseinandersetzung des Deutschen mit sich selbst und seinem ganzen geschichtlichen Werdegang bedeutet. Sie müßten erkennen, daß das Deutschtum, soweit es vom Christentum ausgebildet wurde, als geistige, ja als volkskörperliche Eristenz jüdische Elemente schon kaum mehr ausscheidbar in sich trägt, ebenso wie das deutsche Judentum von jahrhundertealter deutscher Bildung genährt und durchzogen ist. Wollte inan tatsächlich den Germanisierungs-, den Nordungsprozeß bis in die letzte Konsequenz durchführen, dann müßte sich das gesamte Deutschtum in seine Elemente auslösen. Würde diese Zurückführung auf eine imaginäre „reine Linie" überhaupt gelingen, wäre es möglich, alle jüdisch-christlichen: romanischen, antiken, alle südhaften Webestränge und Wirkströme überhaupt auszuscheiden, dann bliebe von der deutschen geistigen Existenz wenig, vom deutschen Weltberuf aber schlechthin nichts übrig. Die Deutschen müßten aber auch erkennen, daß sie den verhängnisvollsten Irrtum begehen, wenn sie von ihren Juden ein Entweder-Oder verlangen, die Wahl Zwischen Judentum und Deutschtum. Diese Wahl ist gerade den wahrhaftigsten, verantwortlichsten, wesentlichsten Juden unmöglich. Sie kann nicht aus dein Willen heraus unternommen werden, und diejenigen, die sie sich anmaßen, wissen von sich selber nichts oder wollen von sich nichts wissen. Ein rechtes Lebenswerk wird diese Wahl an seinem Ende ansheben, einlösen, unnötig erscheinen lassen, aber freilich nur auf dem Grunde eines vorhergehenden guten und scharfen Wissens um das Auseinander und Zusammen der beiden Weseithei ten ..." hören wir auf, Deutsche zu sein! Die gesetzestreue „Deutsche Israelitische Zeitung", das Organ für die Gesamtinteressen des Judentums, beschäftigt sich in einem Leitartikel „Hören wir auf, Deutsche zu sein" mit der Polemik, die die „Jüdische Rundschau" gegen den Centralverein führt, weil dieser auch nach dem Wahlergebnis die Auffassung vertritt, die in Aufsätzen von Dr. Ludwig H o l l ü n d e r und Dr. E. L. stark zum Ausdruck gekommen ist, daß die deutschen Juden sich auch durch die nationalsozialistischen Erfolge ihr Deutschtum nicht nehmen lassen. Die „Jüdische Rundschau" hatte n. a. geschrieben! „Dr. E. L. möge sich beruhigen, Deutschland wird nicht zugrunde gehen, aber die jüdische Assimilation, welche nicht nur in einer Bataille, sondern im Feldzuge geschlagen wurde, hat ihre Existenzberechtigung verloren." Die „D c u t f ch c I s rae - l i t i s ch e Zeitung" entgegnet darauf mit Recht: „Jüdisches Bekenntnis zum Deutschtum wird also hier mit jüdischer Assimilation' gleichgesetzt, welche ihre Existenzberechtigung verloren Habel Wir fragen: Wie stellt sich das gesetzestreue Judentum zu derartigen Gedankengängen?" Nach eingehenden Untersuchungen der Begriffe „Volk" und „Nation" kommt sie zu dein Schluß: „Tie deutschen Juden sind Deutsche und bleiben Deutsche, weil sie seit vielen Jahrhunderten in Deutschland wohnen, weil sie die deutsche Heimat, deutsche Sitte und Ordnung lieben, weil sie deutsch sprechen, deutsch Menschen sind zu beeinflussen Wer diese Tatsache durch eine wirksame Reklame ausnutzt, erschliesst sich neue Absatzgebiete und vergrössert seinen Kundenkreis. Anzeigen, ais Grundlage jeder erfolgreichen Reklame, müssen besonders gut vorbe-eitet werden. Rudolf Mos3e berät Sie bei der Abfassung Ihrer Anzeigen, suchtaie richtigen Zeitungen für Sie aus und sorgtfürgünstige Erscheinungsdaten der Inserate. Annoncen-Expedition RUDOLF MOSSE Mehrleistung ohne Mehrkosten Der Roman eines einfachen Mannes von JOSEPH ROTH 1.—10. Tausend . Kartoniert RM 3.80, Leinen RM 6._ Man erlebt, statt zu lesen. Und man schämt sich nicht, endlich auch einmal von einem wirklichen Kunstwerk ganz sentimentaliseli erschüttert zu sein. Stefan Zweig in der Neuen Freien Presse Wien GUSTAV KIEPENHEUER VERLAG

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