Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 44 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- Seite 572 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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S72 Das ist nationale Musik• Und wenn heute behauptet wird,^ Offenbachs Musik zu „Orpheus in der Unterwelt wäre „echt jüdisch", ja, man spüre direkt den Juden heraus, so wird man sich von dem Unsinn dieser Behauptung überzeugen können. Wie könnten auch sonst so viele bedeutende deutsche Dirigenten Juden sein: ich nenne nur Namen wie Gustav Mahler, Erich Wolf gang Korngold, Blech, Kl e Viper e r, Kleiber, Bruno Walter. Geradezu grotesk ist cs, dass der erste Dirigent des ,,Parsivat der Jude Hermann Levv war, dem Wagner so viel zu verdanken hatte. ln der Musik gibt es nur eine Selbstverständlichkeit: die Musik zü werten, und nicht den Schöpfer. Felix Bing (Ha m bürg). Neue Sucher Dr. Jos. Wohlgemuth: DasTier und seine Wertung im alten Judentum. I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M., 1930. Im Hinblick auf die starke Agitation der Schächtgegner ist es sehr zu begrüßen, daß jetzt ein Buch des Dozenten am Berliner Rabbinerseminar Dr. Josef Wohlgemuth crfcfjiencn ist, das die ganze Tiersrage im Judentum auf Grund der Quellen (Bibel, Talmud und Midraschsammlungen) untersucht. — Das Buch beginnt mit einer kurzen IIeberblick über die wechselnde Auffassung des Tieres in der europäischen Wissenschaft von der Antike bw aus die Tierpsychologie unserer Zeit. W 0 h l g e m u t h hebt besonders die wichtigeil Ausblicke hervor, die sich aus den Forschungen des- Münchener Geologen Edgar Dacquv ergeben. Tie genaue Analyse der talmudischen Auffassung von: Wesen des Tieres führt zu dem Ergebnis, daß das jüdische Schrifttum eine durchaus moderne und humane Einstellung vertritt. Das alte Judentum ist weit entfernt von der Meinung des Philosophen D e s c a r t e s, der die Tiere nur als gefühllose Maschinen betrachtet wissen wollte. Eingehend behandelt W o h l - g e m u t h die zahlreichen talmudischen Vorschriften, die Rücksichtnahme auf die Tiere verlangen, und ferner das bekannte Verbot, den Lebewesen Schmerz zuzufügen, „zaar baale chaim“. Sehr interessant sind auch die Nachweise über die negative Bewertung des Jagdvergnügens im alten Judentum. Gutachten berühmter Rabbiner bezeichnen die Jagd auf Tiere, soweit sie nur zum Vergnügen und Zeit- Vertrieb betrieben wird, als eine verpönte Grausamkeit gegen die Tiere. Der Talmud verbietet sogar das M i t a n sehen von T i e r h e tz e n und T i e r k ä m p f e n in der Arena, wie sie in alter Zeit, besonders in Noin Und heute noch in Spanien, als Volksbelustigung stattfinden. Das Schlußkapitel des Buches befaßt sich mit der „Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere". In den talmudischen Legenden und Fabeln spielt das Tier eine große Rolle, überall zeigt sich Verständnis für das Leben der Tiere. Grausamkeit unb Roheit auch gegen Tiere waren im Judentum stets verpönt. Liebevolle Beobachtung der Tiere geht auch aus zahlreichen Sprichwörtern, Gleichnissen und Redewendungen hervor, die im Talmud und Midrasch enthalten sind. Das Gefühl der Verwandtschaft aller Kreatur und die dadurch bedingte ethische Einstellung zu allem Lebenden ist ein wesentlicher Bestandteil der jüdischen Sittenlehre. Wer sich über die Bewertung des Tieres im Judentum objektiv unterrichten will, dem sei die Schrift von Wohlgemuth warm empfohlen. vr. 8. Weinberg. Die biblische SintflnterZählung. Ihre literarische Einheit. Vortrag, gehalten auf dem internationalen Orientalistenkongres; zu Oxford am 30. August 1023 von B. Jacob. Philo-Verlag G. m. b. H., Berlin, 1030. Das wissenschaftliche „Dogma", daß die fünf Bücher Moses aus einer Unzahl von Quellen künstlich zusammengesetzt seien, hat Diese neue, schöne Abteilung ist der Anziehungspunkt alier Hausfrauen. 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Den Zuschriften ist außer der genauen, deutlich geschriebenen Adresse und der Lösung keinerlei Text beizufügen. Die Einsendungen haben in verschlossenen» Brief mit einer Freimarke versehen innerhalb 10 Tagen nach Erscheinen de» Inserates za erfolgen und ist auf dem Briefumschlag oben links das Kennwort „Werbe-Ausschreiben“ zu vermerken, f Zur Lösung steht die Frages Jluf welches Volkslied bezieht sich dieses Bild? Die Beteiligung ist tut jedermann kostenlos und unverbindlich ß Die Lösungen sind zu senden an: Rechtsanwalt Dr. Beisner* Syndikus der Hmgstmann & Co. G. m. b, H.,. Hannover 60 lesm!«raas ijddter, die Sie interessieren THOMAS MANN, Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft.M. 0,50 BERNARDv. BRENTANO, Kapitalismus und Schöne Literatur M. 2,50 BÜLOW, Denkwürdigkeiten I . 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