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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 571

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 571 (sequence 7)
Language
German
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571 Lebensversiciierungsgesetlschaft PHONIX gegründet 1882 Veriragsgesellschaft grosser jüdischer Organisationen Versicherungsbestand.....1 Milliarde 500 Millionen Goldmark Garautiemittel ... ca. 180 ,» „ Neuzugang 1929.über 360 ,, »» Lebens-, Aussteuer-, “ " _ V Schutz der Familie — Sicherung des Alters — durch Phönix, Sondert euch nicht ab! F r an\en au, im Oktober 1930. A n die Schriftletiung der „C. VZ ei tun g“. ln letzter Zeit wird von der N ationalsozialisiisehen Partei auf dem Lande kolossale Propaganda getrieben; sie ziehen von Ort zu Ort und halten öffentliche Versammlungen ab. Es gelingt ihnen auch, Fuss zu fassen; deshalb ist es Pflicht eines jeden jüdischen Mitbürgers, und hauptsächlich der jüdischen Jugend, sich an der Abwehr zu beteiligen. Doch, wie sieht es auf dem platten Lande aus. Einer verlässt sich auf den andern und denkt, was soll ich mich darein stecken. Soll ich mein Geschäft durch Politik ruinieren, soll ich den Kopf ins Feuer hallen? Gewiss, es gibt oft Fälle, wo man als jüdischer Geschäftsmann nicht in die Oeffentlichkeit treten kann; aber kann man nicht ohne Politik den Antisemitismus bekämpfen? Deshalb möchte ich der jüdischen Jugend auf dem Lande zurufen: Gehen Sie in die in Ihrem Orte bestehenden Vereine, egal ob Turn -, Sport- oder Gesangverein, und .sei en Sie treue Mitglieder. Seien Sie nicht stolz in Ihrem Wesen, sondern einfach und zurückhaltend, dann können Sie versichert sein, dass Ihre Vereinskollegen stets zu Ihnen halten. Auch möchte ich den selbständigen Geschäftsleuten sagen, sorgen Sie dafür, dass in Ihrem Geschäfte nur die grösste Reellität herrscht; das ist gerade in der heutigen, politisch gespannten Lage das Allerwichtigste! Denn, haben Sie als Geschäftsmann einen Kunden nicht richtig bedient, so heisst es nicht, so macht e^ der Geschäftsmann N„ sondern es heisst, so machen es d i e Juden. Der Grundsatz muss sein: erst Reellität, dann V er dienst, denn solch Verhalten ist auf dem Lande der beste Bekämpf er des Antisemitismus. Deshalb seien Sie nicht träge, heran an die Front, für Aufklärung sorgen und streiten für das deutsche Judentum. Fritz Plaut (Frankenau). Ebenso wichtig: Selbsterziehung Berlin-Charloitenburg, den 13. Oktober 1930. An die Schriftleitung der „C. V.-Zeiiun g“. In einer Zeit, in der der einzelne von uns mehr denn je verantwortlich für die Gesamtheit der Juden gemacht wird, scheint es mir ganz besonders wichtig, dass unsererseits alles vermieden wird, was die Aufmerksamkeit in unerfreulicher Weise auf uns lenkt. Oft ist es nur eine Gedankenlosigkeit, die dazu führt, und es wäre meines Erachtens ein Verdienst der „C. V.-Zeitung*', wenn Ihr vielgelesenes Blatt gegen solche Gedankenlosigkeit — oft sind es auch Taktlosigkeiten — mit anl(ämpfen würde. Ein Beispiel: Ich steige heute nachmittag in Nikolassee in einen übervollen Stadtbahnwagen. Vor mir sitzt ein junger Herr, ihm gegenüber — dazugehörig — zwei junge Damen, offenbar Jüdinnen, dem guten Mittelstände angehörig; neben mir steht eine einfache Frau von mindestens 70 Jahren, den starken Körper schwer auf einen Stock gestützt. Die alte Frau tut mir leid, und da ich selber keinen Platz besitze, den ich ihr anbieten kQnn, sage ich laut: „Will denn nicht jemand der alten Frau Platz machen?“ Meine drei Glaubensgenossen lächeln mokant, aber niemand erhebt sich. Eine Stimme hinter mir sagt: „N atürlich Juden!“ Was bleibt mir übrig, als stillzuschweigen; denn weiteres Verhandeln mit meinen drei Glaubensgenossen hi im Augenblick zwecklos, es kann nur schaden. Dgss christliche junge Männer es nicht besser machten, ist keine Entschuldigung. Und die Moral? Ich glaube, es wäre gut, diese kleine Episode bekanntzugeben, damit andere unter uns, die vielleicht nur aus Gedankenlosigkeit ähnliche Rücksichten vermissen lassen, daraus die Konsequenzen ziehen. \j „5^ Wells und Rosen Berlin, im Oktober 1930. An die Schriftlei iung der „C.V. - Z ei tun g“. Bei dem Lesen der Besprechung des Buches von Rüsen und Bertram, „Das antike Judentum als Missionsreligion“, durch Herrn Professor Elbogen erinnerte ich mich, dass ganz dieselben Gedenkengänge über das Auf gehen der phönizisch-karthagisehen Kolonien in das Judentum bei H. G. Wells zu finden sind. In der Geschichte unserer Welt (Paul Zsolnays Bibliothek, Bern) schreibt er in dem Kapitel „Priester und Propheten in Judäa“, Seite 110: „Ist es ein Wunder, dass in den Tagen der Niederlage und Unterjochung viele Babylonier, Syrer und andere, und späterhin viele Phönizier, die eine sehr ähnliche Sprache redeten und zahlreiche Bräuche und Gepflogenheiten, ihre Ge- ~ schmacksrichtung und Tradition mit den Juden gemein hatien, sich von jenem erhebenden Kult angezogen fühlten und an seiner Bruderschaft und an seiner Verheissung teilzuhaben wünschten? Nach dem Fall von Tyrus, Sidon, Karthago und den phönizischen Städten in Spanien verschwinden die Phönizier mit einem Male aus der Geschichte, und ebenso plötzlich tauchen neben der Judenschaft Jerusalems in Spanien, Afrika, Aegypten, Arabien, im Osten, überall, wo die Phönizier Fuss gefasst hatten, jüdische Gemeinden auf. Sie alle wurden durch die Bibel, durch das Lesen der Bibel zusammengehalten Eine Beeinflussung Wells’ durch Rosen ist wohl nicht anzunehmen, da das Buch von Rosen erst jetzt erschienen ist, während die Geschichte unserer Welt von Wells viel älter ist. Meine deutsche Ausgabe ist von 1926. S.-R. Dr. Arthur L eib h 0 l z. Wer deutsch spricht ist — Jude Wien, 5. Oktober 1930. An die S ehr if tl eiiun g der „C. V.- Z eitun g“. In Nr. 40 der „C. V -Zeitung“ beschäftigen Sie sich mit den Ausschreitungen in Prag, bei denen wieder einmal die Juden für ihr Deutschtum zu leiden hatten. Vielleicht interessiert es Sie, Wenn ich Ihnen folgende Fälle, in denen von Aussenstehenden Deutsch gleich Jüdisch gesetzt wird, mitteile. Wirih, „WeltverkehrSeite 77, handelt von den Juden ah Trägern des Deutschtums in Nordamerika, Ostsibirien und sonst und erwähnt u. a. ein Erlebnis des Barons Weber, der Anfang der 70er Jahre sich in Südafrika auf hielt. Als er Sonntags in die Kirche gehen wollte, fragte man ihn ganz verwundert, wie er, der doch deutsch spreche, dazu £o/wne; er sei doch Jude. Irre ich nicht, so erzählt auch Bismarck aus seinen Petersburger Erinnerungen, dass der MuscRk die Preussen für Juden hielt. In Madrid wird als „Grab des Juden* die Grabstätte des im Jahre 1805 dort verstorbenen preussischen Gesandten gezeigt. Sein unliebsames Auftreten wurde vom Volke auf Rechnung seines vermeintlichen Judentums gesetzt. Dr. G r u n w a l d. Gibt es njüdische“ Musik? Hamburg, im Oktober 1930. An die Schriftleitung der „C. V.-Zeitun g“. Es gibt Musiker. Es gibt christliche, jüdische und mohammedanische Musiker. Es gibt religiöse und es gibt nichtreligiöse Musiker. Jazz-Musik ist nicht religiös. Opernmusik ebenfalls nicht. Bleibt also Kirchenmusik• Jeder Musiker, ganz gleich, welcher Religion er ist, wird verschieden empfinden. Bach hat nur religiös empfunden. Für ihn gab cs einfach nur % den Gottesdienst in der Musik. Mozart schon suchte leichtere Ausdrucksformen, um die Musik »»weltlicher“ zu gestalten, während Beethoven den Menschen und das ganze menschliche Leid musikalisch zu erfassen suchte. Die Kirchenmusik wurde zur weltlichen Musik und hat heute in Gestalt der Operette ihren letzten Sinn verloren. Wenn nmn sich nun fragt, ob ein jüdischer oder ein christlicher Musiker religiöser empfindet, so lässt sich darauf nur antworten: Es gibt Juden und Christen, die von Natur aus religiös sind, und Juden und Christen, die von Natur aus nichtreligiös sind. Und so komPon‘ierl Jude wie Christ seinem Gefühl nach. Wenn wir jüdische Komponisten, wie M endelssohn, der die Musik zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ schrieb, betrachten, so finden wir doch wahrlich keinen Unterschied zwischen ihm und anderen Komponisten seiner Zeit. Ist seine Musik religiös? Ist Karl Goldmarks ,,Königin von Saba“, deren ganzes Milieu durchaus jüdisch ist, religiös und spezifisch jüdische Musik? ... Glaubt man etwa, Weil einige Gregorianische Choräle in dieser Oper vorhanden sind, sie wäre jüdisch? Man soll auch nicht glauben, dass das Kol-nidre und der „Barbier von Bagdad“ (der übrigens von einem christlichen Komponisiert stammt), ihrer exotischen, orientalischen Musik halber, jüdisch sind. Man macht, besonders von vaterländisch-kritischer Seite aus, die interessante Aufstellung, dass in jeder Komposition eines Juden sich seine jüdische Eigenart hervordrängen würde; so bei Meyerbecr seine ausserordentliche Prunksucht und kitschig-banale Ausstattung der Bühne, bei Mendelssohn seine „Kopierung Bachs, Weil bei ihm (Bach) das Formelle überwiege“. . . Diese bedeutende Behauptung hat kein anderer als Richard Wagner aufgestellt, der die Juden in der Musik „nur als Schädlinge“ bezeichnet, die die Musik „durch ihr Gelabber verjüdeln *, die Musik als Gewerbe betreiben und überhaupt unfähig sind, die Sprache der Nation, in der sic leben, richtig zu sprechen, geschweige zu singen . . . Hierauf näher einzugehen, erübrigt sich. Es wird jetzt vielfach die Frage erörtert, ob es eine nationale jüdische Musik Abt. Aber auch diese Frage muss ich verneinen, obwohl ich Weiss, dass ich in dieser Ansicht Gegner finden werde. Eine Nationalmusik gibt es z. B. bei Chinesen, Japanern, Indern und Negervölkern. Hier haken wir vollkommen verschiedene, von den unseren abweichende Tonariensysteme vor uns, die uns Europäern fremd klingen, geradezu unverständlich sind. Diese Musjtjjt aber wird in China oder Japan genau so geliebi und als selbstverständlich betrachtet wie bei uns irgendein Lied,* das einem Chinesen in der Reihenfolge der Skalen höchst fremdartig und komisch Vorkommen würde. Rote Hände oder brennend rotes Gesicht wirken unfein. Ein wirksames Mittel dagegen ist die kühlende, reizmildernde und schneeig-weiße Creme l.Godor, auch als herrlich duftende Puderunterlage vorzüglich geeignet. Ueberraschender Erfolg, Tube 1 M., wirksam unterstützt durch Leodor-Edelseife, Stück 60 Pf. 2n allen Chlorodont-Verkaussstellen zu haben. 9030010202020102 A40C

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