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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 570

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 570 (sequence 6)
Language
German
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570 W,wenn man öieMikh mit Kathr einer gemischt lrinkt,w!rö sie richtig veröaut! ... wieöer ein Gmnö mchn immerKalLremer zu trinken/ der Bevölkerungsentuücklung der deutschen Juden festgestellt wurde, sei weniger typisch für das Judentum als vielmehr ein spezielles Merkmal für diejenigen Schichten der deutschen Bevölkerung, denen die Juden in der Hauptsache angehören: der Stadtbevölkerung, dem Kaufmannsstand, den freien Berufen und dem Handwerk. Starker Geburtenrückgang und dazu eine im Vergleich zur Gesamtbevölkerung hohe Sterblichkeit der Juden haben die Verminderung der jüdischen Bevölkerung hervorgerufen. S i m o n glaubt, daß nicht Zuwanderung, sondern eher soziale ll m s ch i ch t u n g der von der Arbeitslosigkeit und Wirtschastsnot betroffenen oder bedrohten Kreise jener unheilvollen Bewegung bis zu einem gewissen Grade Einhalt zu gebieten vermag. Dr. Ernst G. Loewenthal. §ür öie Ehre -er deutschen Heimat Eine -eutsch-jüöifche Stimme aus dem Ausland Anläßlich des Versöhnungstages hielt Rabbi M a x M a l i n a im German Jewish Center in Relv Jork eine Festrede in deutscher Sprache, in der er u. a. die Folgen des Wahlergebnisses in Deutschland für die Inden besprach. Dem Bericht des „New Uorker Herold" vom 2. Oktober entnehmen wir nachstehenden Schluß dieser Predigt. „Dem Gebot der jüdischen Religion folgend, hat der Jude stets die Staatsverfassung seines Landes hochgehalten, selbst wem: er darunter leiden mußte, leiden für Recht und Gerechtigkeit. In unwandelbarer Treue hat der Jude sich für sein Vaterland eingesetzt. Als die Juden im 16. Jahrhundert von mittelalterlichem Fanatismus verfolgt, Deutschland verlassen mußten, haben sie die deutsche Sprache mit in die Länder der Verbannung genommen und dort erhalten. Ter germanische Sprachforscher in unseren Tagen sieht im „Jiddisch" der Ostjuden eine Fundgrube für das Studium des mittelhochdeutschen Idioms. Wir hier in Amerika sehen täglich, wie Männer, die seit Jahrzehnten in diesem Lande leben und zu prominenten Führern der neuen Heimat emporgestiegen sind, ihre Liebe der deutschen Kultur bewahren. Erst kürzlich ist den beiden vornehmsten Vertretern des amerikanischen Judentums, Felix M. Marburg und Julius Rosenwald, vom Museum in München als Dank für das große Interesse, das diese Männer an der deutschen Kunst nehmen, die höchste Ehrung dieser Kunststätte Anerkannt worden. Jüdischen Männern deutscher Abstammung ist der Van des Deutschen Hauses der Columbia-Universität, trt dem amerikanische Studenten deutsche Kultur verehren lernen, zu danken. Immer und überall haben die deutschen Juden sich als würdige Repräsentanten des Deutschtums gezeigt und in guten und bösen Tagen der Heimat die Treue bewahrt. Mehr als 12 000 deutsche Inden haben während des Weltkrieges auf den Schlachtfeldern ihr Leben für das Vaterland geopfert. Walther Rathenau, einer der fähigsten Köpfe seiner Zeit, ist als Märtyrer für' die deutsche Sache gestorben. Unzählig sind die Beweise der Liebe der Juden für die deutsche Heimat, die auch durch die Attacken der nationalsozialistischen Horden nicht ertötet werden kann. In Erfüllung einer dreifachen Pflicht müssen nur uns hier vereinigen, um eine gemeinsame Front mit allen rechtlich denkenden Deutschen gegen den wilden Terror in der alten Heimat zu bilden. In erster Linie ist es die Pflicht der Kinder gegen die Eltern und Angehörigen, die zu schützen höchstes Gebot ist. Dann gilt es, die Ehre des Heimatlandes, mit dessen Kultur wir verwurzelt find, zu verteidigen, und nicht zuletzt führt uns die Einlösung der Schuld zusammen, die wir den Toten, die für die Ehre.des alten.Vaterlandes gefallen sind, zu entrichten haben. . . - Das Gebot des Tages ist, für den Frieden unter den Menschen zu werben. Selten in der Geschichte hat dieses Gebot so viel Aktualität besessen wie heute für uns deutsche Juden, und es .ist deshalb von elementarster Bedeutung, daß nur uns Zusammenschließen, um gemeinsam für die Erhaltung des Friedens in unserer deutschen Heimat zu kämpfen. Einzig nnb allein getragen von dem Gedanken der Versöhnung, müssen alle Meinungsverschiedenheiten vor der großen Aufgabe, die auf uns wartet, zurücktreten, um unsere Eltern, Geschwister und Freunde von der Sorge um ihre persönliche Sicherheit zu befreien und den Toten iuib ihren letzten Ruhestätten den Frieden zu sichern." Uilbre &ler Ichreiben Aufklärung tut not Es geht um die Ehre des Judentums M agdeburg, 29. September 1930. An die Schriftleitung der „C. V. - Z ei tun Jetzt ist es höchste Zeit — noch ist uns Gelegenheit dazu gegeben, dieselben Propagandamiüel zu gebrauchen wie unsere Feinde und Aufklärung in die breiteste Oeffentlichkeit zu bringen. Wir haben alle von dem Judenzoll gehört, den unsere Vorfahren aufbringen mussten — ich erinnere daran, dass auch Mendelssohn ihn zahlen musste an der Sperre von Berlin zugleich mit den Viehireibern für ihr Vieh. Noch sind wir vollberechtigte Bürger in unserem Vaterlande; da ist es unsere Verdammte Pflicht und Schuldigkeit, unseren klingenden Zoll zur Errettung desselben von der Schmach des Antisemitismus zu bringen — aber anders als bisher. Es gilt Aufklärung und Erwiderung zu bringen auf die gemeinen Schmäh artikel, die täglich auf genzen Seiten das Judentum und die Judenheit als Pest darstellen und Gift über Gift cusslreuen. Ganz wie vor der Wahl, als eine Unzahl Flugblätter ins Land gingen und Stimmung machten, so muss auch jetzt jede Woche ein- bis zweimal in Form von Flugblättern oder in ähnlicher Weise massenhaft Aufklärung überallhin ins Land gehen, um sofort die Zeitungslügen zu berichtigen und zu versuchen, auf die Leser auf klärend zu wirken. Wir haben die breiteste Oeffentlichkeit nicht zu scheuen, und bis in die kleinste Hütte wollen wir Wahrheit Verbreiten über das Wahre Gesicht der Juden. Dazu muss aber endlich ein jeder Jude, welcher Partei er auch angehört, sich auf raffen und durch die Tat beweisen, dass die Erlösung von dem Judenhass Jommen muss, und das kostet Geld. Es gilt dieses Mal eine hochidcelle Sache — die Ehre und den Bestand des Judentums; es gilt das verführte Volk aufzuklären und zu entgiften. Es muss möglich sein, reichlichste Mittel aufzubringen, um die Lügen zunichte zu machen und dem gesunden Sinn unserer Mitbürger zu Hilfe zu kommen und sie zu befreien von dem Uebel, das die antisemitische Welle von Lügen um sie gelegt hat. Aufklärung im höchsten Masse ist not, nur das kann Rettung bringen. Darum auf zur Tat! n. W:..,... Von Mund zu Mund Erlangen, im LI erbst / 930. An die Schriftleiiung der „C. V.-Zeiiun g“. Die Ausführungen von Herrn Sanitätsrai Dr. Baron (München) in dem Aufsatz „Praktische Arbeit“ verdienen besondere Beachtung. Seine Auffassung, die Bekämpfung des Antisemitismus auf dem Wege persönlicher Aufklärung zeitige immer noch die besten Erfolge, ist richtig. Herr Dr. Baron stützt sich hierbei auf seine empirische Erfahrung. Man könnte aber noch ein weiteres Argument für die Richtigkeit seiner These heranziehen: Die Tatsache nämlich, dass Urteilsprinzipien in Fragen der Weltanschauung oder der reinen Politik so oft in wechselseitigem Gedankenaustausch kleiner bis kleinster Gruppen wurzeln (Familie, Familienverband, Schule, Verein, Arbeitsgemeinschaft. Interessengruppe u. a. m.). Der Eindruck des unmittelbar und lebendig gesprochenen W ortes ist weit grösser und nachhaltiger als man im allgemeinen im Zeitalter der Presse, des Radios, des Kinos anzunehmen geneigt ist. Hinter dem im kleineren Kreise gesprochenen Wort steht eine Persönlichkeit, die mit dem anderen durch Bande des Bluts, einheitlicher Erziehung, der Erinnerung an Leid und Freud, gleicher geistiger oder kollegialer Interessen verbunden ist, Jurzum eine Persönlichkeit, die in ihrer Gesamtwirkung auf Achtung und Beachtung Anspruch macht. Ihre Gedankenrichtung, ihre Formulierungen wirken daher stärker als das geschriebene Wort. Ein Jurzes Beispiel möge dies erläutern. Unlängst sprach ich mit einem sehr rechtsstehenden Herrn über das Anwachsen der Nationalsozialisten. Dieser Herr führte u. a. aus: „Gerade in den gebildeten Schichten, die dieser Partei auf Grund des geistigen Niveaus ihrer Presse eigentlich etwas kritisch gegenüber stehen müssten, macht sich die Suggestivkraft einer unermüdlichen Werbung von Mund zu Mund in ganz erheblichem Umfange bemerkbar. Wenn eben die nächsten Freunde, geachtete Kollegen, mitmachen, J a n n man n i c h t zurückbleibe n.“ Darin sehe ich die grossen Gefahren der gegnerischen T aktik. ln dieser T a J t i J / i e g / aber auch die grosse Chance ihrer Bekämpfung. Daher müssen die Vorschläge Dr. Barons begrüsst werden. Ihre Realisierung muss, trotz der numerischen Unterlegenheit, zum Erfolge führen, wenn Selbstbewusstsein ohne Uebertreibung und Selbstdisziplin in allen Dingen der Lebensführung Hand in LI and gehen. Erwin Simon, cand. rer. pol.

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