Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 44 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- Seite 569 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5L>Y ^ann Deutschland aus solche Männer nicht stolz sein? Ans De. &mi IieSenzisevs demnächst erscheinendem Vnchr „Anden in dev deutschen wivtschast" (Meltvevlas Vevlin) „Tageaen sind in Oberschlesien bte Juden die Schöpfer der Schwerindustrie geworden. Schon im siebzehnten Jahrhundert werden dort von der Beuthener Standesherrschaft der Grasen Heuckel Inden als Verwalter der Erzgräbereien und Galmeigruben verwendet. Nach der Enmnzipation gründen sie Gewerfidjafteu und sichern sich Beteiligungen an den Gruben. Moritz Friedländer, dessen Vater David Friedlünder als Besitzer einer Lederfabrik selbst schon zu den Fabrikanten gehörte, gründet mit den Kaufleuten Mannheimer unb Löwh die Minervahütte. Sein Sohn Otto Friedlünder errichtet Ende der sechziger Jahre die Heinitz-Grube und die Mori'tzhütte, die heute als Julienhütte das größte Werk Oberschlesiens darstellt. Heinrich und Aloys Kern schassen die Herminenhütte bei Lab and, an der sich ihre Neffen Georg und Oskar Caro beteiligen, die schließlich eine Drahtfabrik in Gleiwitz erbauen. Auch die HuldschiuskyZ und Pringsheims gehören zu den Förderern der oberschlesischen Industrie. Tie Nachkommen dieser Gründerfamilien sind heute längst nicht mehr an diesen Unternehmungen, die' meistens in der Oberschlesischen Hüttenwerke A.-G. zusammengesaßt sind, beteiligt. Fritz von Friedlaender-Fuld und Eduard Arnhold werden zu Pionieren der oberschlesischen Produkte. Auch die M a s ch i n e n i n d u st r i e entfaltet sich erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Hier werden vor allem die Engländer die Erzieher der Deutschen. John Eockerill baut in Berlin 1815 das erste Textilmaschinenunternehmen, das zweite errichtet ein Jahr später ein zweiter Engländer namens Folter. 1834 besitzt Berlin erst drei Maschinenfabriken mit 72 Arbeitern. Erst drei Jahre später macht sich Borsig selbständig, der seine Maschinen noch durch Menschenkraft betreiben muß. Der erste, der die amerikanische PräzinonZmethode einführt, ist Ludwig Loewe. Ebensalls nach ausländischem Vorbild werden Benno Orenstein und Arthur Koppel Begründer einer neuen Spezialindustrie. Die zunehmende Industrialisierung aller Länder zwingt zu stärkerer Umstellung auf die Erzeugung von Qualitätsprodukten. Kohle und Eisen werden Hauptfaktoren für ihre Herstellung. Die umwälzenden Erfindungen der Chemiker schaffen in geheimnisvollen Verfahren aus der Kohle Farbstoffe und Heilmittel. Kohle und Kupfer bienen der Elektrizitätserzeugung. Für den deutschen Export erhält die Ausfuhr an fertigen Qualitätswaren eine iuuner größere Bedeutung. Neben Werner von Siemens wird Emil Rathenau der Schöpfer der deutschen Elektrizitütswirtschast. Sein Sohn Walther Nathenau und seine Mitarbeiter Felix Deutsch und Paul Mamroth setzen sein Werk fort. Auch in der Telephonfabriration (Berliner in Hannover und Fuld in Frankfurt a. M.) sowie in der Kabelherstellung (Cassierer, Berlin) sind Juden tätig. ,Jn Berlin gründet 1826 der jüdische Armeelieferant Samuel Hirsch Kunheim aus Ankuhn bei Zerbst die erste Holzesfigsüurefabrik, aus der unter seinen Nachkommen, die dem Judentum nicht mehr angehören, das große chemische Unternehmen entsteht. In die Firma, die im Jahre 1808 der Friedberger Handelsmann David Löb Cassel in der Frankfurter Judengasse ins Leben ruft, und die später den Namen Leopold Cassela & Co. annimmt, heiratet in den fünfziger Jahren Bernhard Weinberg aus Escheburg ' in Kurhessen ein. Seine Söhne Arthur und Karl von Weinberg, die auch nicht mehr dem Judentum zugezählt werden können, werden die Mitschüpfer des größten Farbenunternehmens der Welt, der I. G. Farbenindustrie A.-G. Die Chemische Fabrik Milch in Posen, die ursprünglich in Berlin als Präparatefabrik entstandene Firma Th. Goldschmidt, die in Essen zu großer Bedeutung gelangt, deren Besitzer auch keine Juden mehr sind, beweisen die Leistungen, die die Juden sich auch aus dem Gebiete der deutschen chemischen Industrie erworben haben. Der jüdische Jurist Maximilian Kempner wird Reorganisator der deutschen Kaliindustrie. Auch die Petroleumindustrie uub der Petroleumhandel zählen Juden z'u ihren Förderern, unter ihnen voran Heinrich Brückmaun, der besonders der Frage der Kohleverflüssigung seine Aufmerksamkeit widmet. Gleich groß als Erfinder wie als Industrieller ist Nikodem Caro, einer der Begründer der deutschen Stickstosfindustrie. Es gibt kaum einen Zweig in der deutschen Volkswirtschaft, in dem nicht auch Juden führende Unternehmungen ins Leben gerufen haben. Der jüngste Zweig der deutschen Metallindustrie, die Aluminiumfabrikation, verdankt der Initiative eines Mannes jüdischer Abstammung, Moritz von der Porten, heute Generaldirektor der dem Reich gehörenden Vereinigten Aluminiumwerke A.-G., seine Entstehung. Die deutsche Porzellanindustrie ist durch Philipp Rosenthal, der dem Judentum nicht mehr angehört, an biederste Skelle gerückt worden. Aber auch in der schmuck-, Bijouterie-, Papier-, in der Zigaretten-, Zigarren- und schließlich in der Filmindustrie, auf dem Bau- und Grundstücksmarkt, im Buchhandel und Buchdruckgewerbe haben jüdische Männer große Leistungen vollbracht, vor allem die Schöpfer der größten denk sch e n Zeitungsun kern ehm ungen, Leopold Ullstein und Rudolf Masse, auch Leopold Sonnentann, der Politiker und Verleger zugleich war. Der jüdische Fuhrherr, in allen Ländern des Ostens eine häufige Erscheinung, spielte auch in Deutschland früher eine Rolle, die er heute verloren hat, während der jüdische Unternehmer seine Stellung im Speditionswesen beibehielt. Schon die Rothschilds und Bleichröders haben sich für den B a h n b a u interessiert. Zu den größten Förderern des deutschen Eisenbahnwesens gehört die eigenartige Persönlichkeit Bethel Henry Strousbergs. Ein Pionier des irrt Osten Deutschlands, aus denr Balkan und in Asien ist Julius Berger geworden. Der Gründer der größten deutschen Privatreederei ift ebenfalls ein Jude: Wilhelm Kunstmann. Sie alle überragt der Schöpfer des größten Handels- und Schifsahrtsunternehmens der Welt, Albert B a l l i n. Neben den jüdischen Bankiers, den Händlern, Kaufleuten, Fabrikanten und Jndustriellen stehen heute die jüdischen Landwirte und vor allem Zahlreiche jüdische Handwerker aller Zweige. 1907 zählte inan deren 40 000. Hinter ihnen aber wächst die große Schar der jüdischen Arbeiter und Angestellten. . . Neuestes aris der Statistik Die jüdische Bevölkerung Preußens 1922—1928 In der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden", die, herausgegeben vom Büro der Statistik der Juden (Berlin), nach mehrjähriger Unterbrechung seit Juli I960 allmonatlich wieder erscheint, schreibt Negierungsrat Dr. Erich S i m o n (Berlin) über „Die Bilanz der jüdischen Bevölkerung Preußens 1922 bis 1928". Dieser aus der Feder eines Fachmanns stammende Artikel verdient, wenn er and) überwiegend zusammenfassender Natur ist, deshalb Beachtung, weil er zu einer Anzahl aktueller Probleme Stellung nimmt. Die relative Zunahme der jüdischen Bevölkerung Preußens, die sich aus einem Vergleich der Volkszählungsergebnisse 1910 (1,04 Prozent) und 1925 (1,06 Prozent) ergibt, erklärt sich im wesentlichen daraus, daß ein erheblicher Teil «der israelitischen Einwohnerschaft namentlich der an Polen abgetretenen Provinzen in das restliche Preußen abgewandert ist, während die christliche, vorwiegend katholische Bevölkerung der verlorenen Ostgebiete zumeist in Neupolen verblieb. Die Annahme, daß die relative Steigerung der jüdischen Bevölkerungsziffer auf den Zustrorn russischer Juden zurückzuführen sei, bestätigt sich deshalb nicht, weil fast alle diese Emigranten in den Teflationsjahren nach Westeuropa und die Vereinigten Staaten von Amerika weitergewandert sind. D i e S t a t i st i k b e w e i st somit, w a s hier s ch ßii wiederholt ausges ü h r t wurde, daß die jüdische B e v ö l k e - r li n o der ö st l i ch e n P r o v i n z e u d u r chwe g deutsch fühlte und sich in K o n - s e q u e n z dessen bei dem V e r l u st jener Gebiete zu m D e u t s ch t u m u n d z u m d e u t f ch e n B a t e r l a n d b e k a n n t h a t. Der G e b u r t e n r ü cf g a n g bei den preußischen Juden hat in den letzten Jahren rapide zugenonnnen. Betrug in den drei letzten Vorkriegsjahren der Geburtenüberschuß jährlich etwa 300 und überstieg er in den ersten Nachkriegsjahren diese Zahl zuut Teil erheblich, so weist die Statistik der Jahre 1925 bis 1928 ein auffälliges Sinken der Geburtenzahl und ihr Zurückbleiben hinter der: Sterbeziffer, also einen sogenannten Sterbeü b e r s ch u ß, auf. Daß der Geburtenrückgang bei den deutschen Juden weit stärker als bei den deutschen Christen ist, geht aus einer Spezialuntersuchung („Zeitschrift des Preußischen statistischen Landesamts", 69. Jahrgang, Seite 2 50) hervor, in der es im Endergebnis heißt: „Die Gebürtigkeit hat bei allen Konfessionen abgenommen, bei den Christen ohne wesentlichen Unterschied, aber sehr viel stärker bei den Juden." Ist dieser Geburtenrückgang ein typisch jüdischer Vorgang oder findet er feine Begründung in andersartigen Erscheinungen? Simon beantwortet diese grundsätzlich, wichtige Frage mit einem Hinweis auf bevölkerungspolitische Untersuchungen, namentlich des Direktors des Thüringer Statistischen Landesamts, Dr. Johannes Müller, die ergeben hatten, „daß die Konfessionszugehörigkeit sehr häufig nicht das Primäre ist, sondern nur deshalb in den Vordergrund tritt, weil die Angehörigen der einzelnen Konfessionen oft auch nach ihrer sozialen Stellung verschiedenen Bevölkerungsschichten angehören." Was hinsichtlich Schone weiße Zahne. „Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine größte Anerkennung und vollste Zufriedenheit über die „Chlorodont-Zcchnpaste" zu übermitteln. Ich gebrauche „Chlorodont" schon seit Jahren und werde ob meiner schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer „Chlorodont-Zahnpaste" erreicht habe." G. Reichelt, Sch .. ./Saalkreis. Man verlange nur die echte Chlorodont-ZahnpasLs, Tube 60 Pf. und 1 M., und weise jeden Ersatz dafür zurück.