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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-24 · 43 (24.10.1930) · p. Seite 561

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
43 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
Seite 561 (sequence 5)
Language
German
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561 Juden, aber wenn Juden sich mit dem Bolschewismus vereinigen, wie es Viele unglücklicherweise tun, so müssen sie als Feinde angesehen werden. Die Partei sei gegen jede Gewalttätigkeit, aber wenn sie angegriffen wird, fei sie bereit, sich zu verteidigen. Wenn das Uniformverbot aufgehoben werden würde, würde es möglich sein, sofort sestzustellen, ob Nationalsozialisten in solche Unruhen wie die gestrigen verwickelt waren. Dann würde es sich zeigen, daß sie immer in geordneten Reihen marschieren und nicht Fensterscheiben cinwürsen." Unseres Wisiens hatten Polizei und Schnellrichter feftgestellt, daß mehr als vierzig der bei den Ausschreitungen verhafteten Personen Mitglieder der NSDAP, waren! von Lorü Ueaüing bis Sir Herbert Samuel Zur Neubesetzung -es indischen Throns Als man in Deutschland das Wagnis unternahm, einem Juden das Ministerium des Aeußeren anzuvertrauen, mußte der Träger dieses Amtes, der feinsinnige Nathenau, sein Leben unter Handgranaten aushauchen. Ganz England feierte jetzt den 70. Geburtstag eines jüdischen Mitbürgers: Lord N e a d i n g, der Sohn des jüdischen Kaufmanns Joseph Jsaacs, Lordoberrichter von England und von 1921 bis 1926 Vizekönig von Indien, wurde am 10. Oktober 70 Jahre alt. Er hat eine der glanzvollsten politischen Karrieren in England gemacht und eine der höchsten Stellungen der Welt bekleidet. Er ist immer ein guter Jude geblieben, und von Attentaten auf ihn hat man nichts gehört. Kaum ist der eine Jude herabgestiegen vorn Throne des indischen Vizekönigs, soll ein anderer ihn unter dem historischen Pomp dieser Zeremonien wieder besteigen: Sir Herbert Sa m u e l, ein überzeugter religiöser Jude, früherer Minister des Inneren, Generalpostmeister Englands und dann Oberkommissar in Palästina, wird von der jetzigen Negierung als einziger aussichtsreicher Kandidat für den hervorragenden Posten des Vizekönigs von Indien nominiert. Damit erhöht sich wieder die Zahl der englischen Juden, die dort zu den höchsten Stellen des Landes aufsteigen konnten! Von Disraeli beginnend, setzt diese Linie sich fort mit den Namen: Sir Philipp S a s s o o n, parlamentarischer Sekretär Lloyd Georges und dann einer der höchsten Beamten des Luftfahrtministeriums, M o n t a g u, Staatssekretär im Ministerium für Indien, Lord M e l ch e t t (Sir Alfred Mond), Gesundheitsminister im Kabinett Lloyd Georges und der oben genannte Lord Reading. F. G-tz. Schillers „jüdische" Räuber Auch die Kunst soll nationalsozialistisch werden! Was die Nationalsozialisten durch Programme und Presfepropaganda, durch Flugschriften und Broschüren, Versammlungen und Umzüge nicht zu erreichen vermögen, soll jetzt auf dem Umwege über die Kunst geschehen. So gibt es jetzt „Deutsche Männerchöre" mit dem Hakenkreuz als Vereinszeichen; es hat sich ein „Nationalsozialistischer deutscher Berufsmusikerring" gebildet; es wird zur Gründung nationalsozialistischer gemischter Chöre für — wie es wörtlich heißt — „musikalische Stimmbesitzer" aufgerufen. Die Kulturabteilung der NSDAP, des Gaues Groß-Berlin benutzt den bevorstehenden Buß- und Bettag dazu, Herrn Goebbels zu einem Schubert-Brahms- Abend einleitende Worte sprechen zu lassen. Den Wert -der Berufung Schultze - Naum -- burgs zum Leiter der Kunstlehranstalten in Weimar erblickt man darin, daß er „die wahrhaft deutsche, allem Orientalismus feindliche Kunstrichtung" vertrete. Unbekannte Graphiker wie Mjölnir und A. P. Weber werden als „Zeichner des Nationalsozialismus" gefeiert. Eine Ausstellung der Juryfreien, die im September in Dresden stattsand, artete ohne Wissen der meisten Beteiligten zu einer betont nationalsozialistisch-parteipolitischen Unternehmung aus. Stärkeres Gewicht als aus Musik und bildende Kunst als Mittel der Parteipropaganda legen die Nationalsozialisten naturgemäß. auf das Theater, da die Bühnenkunst über die am stärksten wirksamen Ausdrucksmittel verfügt. Aus einer im November 1927 ins Leben gerufenen „Nationalsozialistischen Versuchsbühne", die Zunächst in gemieteten Sälen und Theatern in Berlin, dann auch anderwärts den „Wanderer" des „Dichters" Goebbels einige Male aufführte, entwickelte sich die „Nationalsozialistische Volksbühne", die bisher lediglich an Sonntagvormittagen Stücke von W i l d e n b r u ch, Friedrich Friesen, Joseph Stolzing, F. Walter I l g e s u. a. herausbrachte. Mit Beginn der Spielzeit sind die Spieltage auf vier aufeinanderfolgende Abende im Monat vermehrt worden. Damit ist, wie es im ersten „M o n a t s h e f t der Nationals o z i a l i st i s ch e n Bühnen Berlin" heißt, „der Weg betreten worden, der uns dem ersehnten und erstrebten Ziele einer ständigen, wahrhaft deutsch geleiteten Bühne in der Reichshauptstadt in der Tat näher bringen kann". Man rechnet ernsthaft damit, im nächsten Jahre ein eigenes Theater übernehmen zu können. Goebbels kennzeichnet im Geleitwort jenes Programmheftes das eigentliche Ziel nationalsozialistischer Theaterpolitik mit den Worten: „Das landfremde Pack muß aus der deutschen Kunst heraus. Das Schicksal der deutschen Kunst ist unsere gute deutsche Sache." Und an anderer Stelle erklärt die Kulturabteilung der NSDAP, in ihrem Werbeaufruf „An alle Nationalgesinnten!": „Die NS.-Volksbühne organisiert den Kampf gegen den am Berliner Theaterwütenden Kulturbols chewismus. Eine erfolgreiche Abwehr des jüdischmarxistischen Theatergeschästswesens ist nur möglich, wenn sich die nationalgesinnten Theaterbesucherschasten in der NS.-Volksbühnenbewegung zusammenschließen." Diese nicht mißzuverstehenden Offenbarungen enthüllen ohne weiteres, daß die NSDAP, das Theater als Mittel ihrer bekannten Agitation benutzt und somit gewissermaßen Kunstzellen einrichtet. Die Nationalsozialistische Volksbühne Berlin erösfnete die iLpielzeit 1930/31 mit den „Räubern". Es sollte „wahrer Schiller" gespielt werden, die Inszenierung ganz „aus Rebellion der Jugend gegen Unfreiheit und Tyrannei eingestellt" sein. Man bot eine im ganzen dilettantenhasten Leistung. Einige wenige Kostproben nationalsozialistischer Kunst und Kunst- Pflege mögen beweisen, wie man Schiller zu agitatorischen Zwecken systematisch mißbraucht. Spiegelberg ist, wie der „Angriff" vom 5. Oktober ausführt, „der Mensch^ der Schiller vor Augen gestanden hat, der jüdische phantastische Jüngling, der überall hetzt und schreit, dabei immer auf .seinen Vorteil bedacht ist, in gefahrvollen Augenblicken sich feige zurückzieht und selbst einmal ausruft: „O Gott, wär' ich doch geblieben in Jerusalem." Durch die „Gestalt des Juden Spiegelberg", meint Karl Martin Friedrich in seinem in dem Programmheft veröffentlichten Aufsatz „Fanfarensignal!", „als des ewigen Nutznießers und Mißbrauchers idealen Wollens und revolutionären Strebens und Seins" wirke das Werk Austria-Zigaretten sind anders als andere. Wer sie kennt, liebt sie und bleibt ihnen sein Leben hindurch treu. äüsTriä MÜNCH ENI die ideale 6-Pfennig- Ziga rette MEMPHIS.5 Pf. ROSENKAVALIER 5 Pf. KHEDIVE.8 Pf. Wer etwas vonZigaretten versteht und einen hohen GenusSin ihnen sucht, findet unter diesen 4 Austria-Marken seine Standardmarke.

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