Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 43 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- Seite 562 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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562 Wie für unsere Zeit geschrieben. Und nach den dem Pater in den Mund gelegten Worten: „. . . jedem unter Euch soll der Weg zu einem Ehrenamt offen stehen", reißt ihm einer der Räuber in karikiert „jüdischer" Gier das Schriftstück aus der Hand. Zwar lehnen es die Nationalsozialisten ab, einen Gegensatz zwischen Kultur- und Kampftheater anzuerkennen, weil „schon selbst der Begriff eines ,Kulturtheaters' im deutschen Sinne unter Ausmerzung alles Volkstumfeindlichen an sich eine Kampfansage bedeutet, also im Zeichen der heutigen Fremdkultur ein ,Kampstheater' ist" („Völkischer Beobachter", Nr. 170 vom 19. Juli d. I.); dennoch tritt, wie die Zitate aus den „Räubern" Zeigen, die Bühne deutlich als Kampfmittel des Nationalsozialismus in die Erscheinung. Der „Völkische Beobachter" gibt das auch offen zu, wenn er sagt: „Die NS.-Volksbühne wird, ohne von ihrem weltanschaulichen Ziele abzuweichen, auch von größerer Anziehungskraft und Bedeutung für die Kreise der £>£11^)01 Volksgemeinschaft sein, die auf dem Wege der Parteiorganisation noch nicht erfaßt werden konnten, und so vielleicht Wegbereiterin werden zu der langersehnten, aber nie Wahrheit gewordenen .Deutschen Nationalbuhne'." Ernst G. Löwenthal. Störung öes Gottesöienftes in Essen In Essen ereignete sich ein häßlicher Vorfall, der noch ein gerichtliches Nachspiel haben dürste und in jüdischen Kreisen starke Erregung hervorgerufen hat. Am 5. Oktober drangen einige junge Burschen, die die Nacht offensichtlich durchgezecht hatten, in den Betsaal der jüdischen Gemeinde Essen und störten den Morgengottesdionst durch ungebührliches Benehmen und lärmendes Verhalten. Da sie der Aufforderung des Shnagogendieners, den Raum Zu verlassen, nicht folgten, mußte der Gottesdienst unterbrochen werden. Erst dem Eingreifen mehrerer Gemeindemitglieder gelang es, die Eindringlinge zum Verlassen des Betsaales Zu veranlassen. Sie zogen sich unter sehr deutlichen Drohungen Zurück, um sich in einer nahe gelegenen Gastwirtschaft zu verstecken. Die PoliZei fand sie jedoch und hat sie bereits dem Gericht vorgeführt. Bier Mm fielen... In Bert hold von Deimlings soeben im Ullstein-Verlag erschienenen Lebenserinrrerungen: „Ans der alten in die neue Zeit" lesen wir: . . . „Am 24. Juni 1922 ließ eine neue Mordtat die ganze Welt empört ausfahren. Ein Mann von europäischer Bedeutung, Walter Rathenau, dessen Verständigungsversuche als Außenminister gerade begannen ' Früchte zu tragen, wurde von zwei jungen Burschen erschossen, als er im Begriff war, in sein Ministerium zu fahren. Die Folgen waren verheerend. Das Vertrauen des Auslandes zur politischen Konsolidierung Deutschlands erlitt einen schweren Stoß, der durch die Zerstörung unserer Währung allen fühlbar wurde. Der bittere Groll der Massen richtete sich gegen die Geheimbünde. Ihren Geist machte man für die Mordatmosphäre verantwortlich. Auch gegen Philipp Scheidemann wurde ein Attentat unternommen, und nur durch einen Glücksfall entging er dem gleichen Schicksal iuie Erzberger und Rathenau. Diese Geheimorganisationen, wie Orgesch, Oberland, Roßbach, Consul, Schwarze Reichswehr u. a., waren militärisch aufgezogene Verbände. Ihren Kern bildeten ehemalige Militärs, deren Existenz durch den Zusammenbruch entwurzelt war und die nicht die Energie hatten, sich auf einen bürgerlichen Beruf umzustellen-. Sie wollten lieber so eine Art von Landsknechtleben fuhren und waren innerlich vielleicht davon überzeugt, einem Men, patriotischen Zweck zu dienen. Sie warfen die Schuld an dem ganzen Elend nicht auf den verlorenen Krieg, sondern auf die Republik, auf die „Novemberverbrecher" und auf die Juden. Aus Kreisen der Industrie un-b des Großgrundbesitzes wurden sie finanziell unterstützt, um als Kampftruppe gegen die linksradikale Bewegung zu dienen. Mit der Festigung der staatlichen Gewalt gingen die Geheimverbände zum Teil ein oder zerfielen von selbst oder wurden von der Regierung allsgelöst. Zu jener Zeit ging wieder einmal eine starke antisemitische Welle durch die deutschen Lande, die mich als alten Soldaten verpflichtete, für die jüdischen Frontkameraden einzntreten. Vor allem bezichtigte man die jüdischen Kriegsteilnehmer der Drückebergerei. Ileberall seien sie zu sehen gewesen, nur nicht int Schützengraben. Nun habe ich als Kommandierend-er General die Erfahrung gemacht, baß die jüdischen Soldaten und Offiziere ihre Pflicht lind Schuldigkeit genau so getan haben wi-e ihre Kameraden von anderen Konfessionen. Manchem Juden konnte ich das Eiserne Kreuz übergeben, einigen sogar das der ersten Klasse. Es war nicht schwer, die Vorwürfe 311 entkräften, denn die Statistik redete eine 311 deutliche Sprache. Danach haben 80 000 jüdische Soldaten an der Front gestanden, von denen 12 000 auf den Schlachtfeldern geblieben sind. Etwa 35 000 haben Kriegsauszeichnungen erhalten, 23 000 sind befördert worden, darunter 2000 zu Offizieren. Im Flugdienst waren viele hundert jüdischer Soldaten. Auch der mit dem Pom* le merite ausgezeichnete und gefallene Jagdflieger Leutnant Frankl war ein Jude. Im ganzen haben die deutschen Juden das gleiche Bluropfer für das Vaterland dargebracht wie die anderen Konfessionen. Mir selbst ist der Fall bekannt, daß eine jüdische Witwe vier Söhne im Felde hatte, von denen drei fielen. Sie reklamierte darauf den vierten für eine Verwendung hinter der Front. Bevor ihr Antrag zur Ausführung kommet! konnte, siel auch dieser vierte und letzte Sohn. Die Judenhasser mögen sich einmal klarmachen, was in der Seele einer solchen Mutter vorgeht, wenn sie immer und immer wieder hören muß, die Juden seien Drückeberger gewesen. Als ich in dieser Zeit einmal in Nürnberg in einer demokratischen Versammlung sprach, wurde mir zu Beginn ein Brief übergeben. Darin stand: „Herr General! Gegen Sie ist ein Attentat geplant wegen Ihrer judensreundlichen Haltung. Man nimmt in nichtjüdischen Kreisen an, daß Sie von Juden gekauft und KERSTEN&TUTEUR Das Haas der ITDoden Berlin, Leipziger Strasse 3 <3 (Coke Charlottenstrasse) Filialen; (Kurfürstendamm 237 (o.d.Qedächtniskirche) Steglitz, Schlossstrasse 31 (Ccke IDuthesiusstrasse) <Deutschlands führendes Spezialgeschäft für Damen=cKleidung ytURCIOL S’eii 3Wahre ft anerkannt beste auttuiojuinuumuooi färbt echt und natürlich in allen Nuancen vom hellsten Blond bis zum tiefsten Schwarz Probekarton zu 1 Portion.M. 1,85 Probekarton zu 2 Portionen .. 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