Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 40 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- Seite 532 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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532 wollen, zu zerstören. Zusammen „arbeiten ‘ tarn? man erst, nachdem man zusammen „zerstört“ hat.. Dieses Zerstörungswerk wäre der grösste Dienst, den man Frankreich und Europa erweisen könnte. Eine Zusammenarbeit kommt also deswegen nicht in Frage, weil es in Frankreich ko ine v ölki sehen Nationalisten gib k." Dt. Hugo Theodor. M. Grejoire, ein zu-ensremid aus dem \8. Jahrhundert Gegenwärtig interessieren sich in Deutschland größere Kreise als sonst für die Judensrage. Bei einem Rückblick auf die Geschichte ergibt sich jedoch, daß die Stellung der Juden innerhalb der menschlichen Gesellschaft für die andersgläubige Allgemeinheit nur von sekundärer Bedeutung ist. Lediglich Ausnahmemenschen haben sich dort scholl in verflossenen Jahrhunderten intensiv mit diesen „Rand- Problem" beschäftigt. Im Jahre 1785 stellte die Metzer Königliche Gesellschaft für Wissenschaften und Künste die Ausgabe: „Gibt es ein Mittel, die Juden in Frankreich glücklicher und nützlicher zu machen?" Drei der eingelaufenen Antworten wurden 1788, also am Vorabend der französischen Revolution, Preisgekrönt; ihre Verfasser waren der aus dem Osten stammende Jude Salkind Hurwitz, der bekannte Politiker Adolphe Thierrh und der katholische Geistliche M. Gregoire. Die Abhandlung des Abbes liegt mir vor. Sie füllt ein ganzes Buch, das nur einige deutsche Staats- und Stadtbibliotheken besitzen und dem man leider ansieht, durch wie wenige Hände es trotz seines hohen Alters gegangen ist. In diesem „Essai sur la Kegeneration physique, morale et politique des Juifs“ suchte Gregoire den Juden der Vergangenheit und seiner Zeit gerecht zu werden. Es ist erstaunlich, wie modern schon damals, da die Inden überall noch als Angehörige einer entwurzelten, heimatlosen Nation betrachtet wurden, der Autor die Frage behandelt, ^o empfand er deutlich den Unterschied zwischen einem deutschen und einem portugiesischen Juden, und begriff daher, daß die jüdischen Bewohner verschiedener Länder sich ungeachtet des gleichen Bekenntnisses. .und Kultsihrer Umgebung angepaßt haben und seit ihrer Zerstreuung keine Volksgemeinschaft mehr bilden- Gregoire zeigt sich nicht nur als genauer Kenner der Geschichte der Gemeinde von Metz, wo Juden sich bereits 880 niedergelassen hatten, sondern überblickt ebenso verständnisvoll die gesamte historische Vergangenheit der Juden. Er schildert die Unterdrückungen, die sie in der ganzen Welt wegen ihres Glaubens erduldeten, „der ihnen dadurch immer teurer wurde", und bewundert sie, weil sie sich trotz aller Erniedrigungen erhielten. Ihre Mäßigkeit und die ihnen von ihrer Lehre befohlene Sittenreinheit, die auch ihr vorbildliches Familienleben verursachten, gaben ihnen die Kraft zu leiden. Jedoch der Druck, der dauernd auf ihnen lastete, beeinflußte ungünstig Wesen und Moral des einzelnen Juden. „II est meprise, et il est de venu meprisable“, schrieb Gregoire. Ihr Ausschluß von fast allen Berufen machte die meisten von ihnen zu Hausierern, Geld- und Pfandleihern, „obgleich sie von einem Bauernvolk abstammten". Der Abbe fordert eindringlich von ganz Europa, den Juden alle Berufe, auch den des Soldaten, zu erschließen und ihnen gesunde Lebensbedingungen zu verschaffen, um dadurch die Beziehungen zwischen Christen und Juden erfreulicher zu gestalten. Er wünscht, daß sie das Laich, in dem sie wohnen, als Heimat betrachten und lieben lernen, und daß sie aus diesem Grunde uneingeschränkte Glaubensfreiheit erhalten und das Recht, die Früchte ihrer Arbeit zu genießen. Die gegen jüdische Menschen gerichteten Ausnahmebestimmungen hielt Gregoire für Ueberreste aus dem dunkelsten Mittelalter. Deshalb setzt er sich entschieden für ihre Aufhebung ein und verlangt gleiche Bildungsmöglichkeiten für Christen und Juden, um letztere zu wirklichen Staatsbürgern erziehen zu können. Gregoire glaubte, die Wiedergeburt der Juden würde sich erst allmählich vollziehen. Er, der ein Verehrer Moses Mendelssohns war, wandte sich — in der festen Ueberzeugung, einer gerechten Sache zu dienen — am Ende seiner Arbeit mit der leidenschaftlichen Aufforderung an seine Glaubensgenossen, einem unglücklichen Teil der Menschheit zu helfen, ihn nicht nur am Leben zu lassen, sondern es ihm auch lebenswert zumachen. Den Ausklang seiner mistigen Schrift bilden die erg- ..den Worte: „So öffnet den Juden doch; Zustuchtsstätten, . wo sie unbekümmert ihr Haupt niederlegen und ihre Tränen trocknen können;.möge der Jude, dem Christen Liebe mit Liebe vergeltend, diesen als seinen Mitbürger und Freund umarmen!" Die französischen Juden verdanken hauptsächlich Gregoires tatkräftiger Hilfe ihre Emanzipation, die in der Folge das Geschick der gesamten europäischen Juden günstig beeinflußte. Seit dem Erscheinen seiner Abhandlung haben die Juden in all den Ländern, wo man ihnen die vollen Staatsbürgerrechte verlieh, sich dieser in Krieg und Frieden würdig gezeigt; und trotzdem müssen sie immer wieder von neuem ihre Freiheit verantwortungslosen und verhetzten Menschen gegenüber verteidigen. Gertrud Lichtenberg. Geheimrat Professor pasch (Gießen) gestorben Am 20. September starb in Bad Homburg der berühmte Mathematiker Geheimrat Professor Dr. Moritz P a s ch, der Senior der Mathematiker. Pasch wurde 1843 in Breslau geboren und entstammt einer angesehenen jüdischen Familie. Dem Judentum hat der große Gelehrte stets die Treue gehalten. — 1870 habilitierte sich Pasch an der Universität Gießen, wo er 1873 zum außerordentlichen und 1875 zum -ordentlichen Professor ernannt wurde. Bis 1911 übte er seine erfolgreiche Lehrtätigkeit aus, um sich nach seiner Emeritierung ganz seinen wissenschaftlichen Forschungen Zu widmen. Pasch hat durch bahnbrechende Werke die erkenntnistheoretisch-axiomatische Grundlagenforschung der Mathematik in neue Bahnen gelenkt, und heute steht dieser Zweig der mathematischen Wissenschaften im Mittelpunkt des Interesses. Aus der Zahl seiner Schriften seien hervorgehoben: „Vorlesungen über neuere Geometrie", 1882 (2. Auflage 1926), „Einleitung in die Differential- und Integralrechnung", „Grundlagen der Analysis", 1909, „Veränderliche und Funktion" und „Mathematik am Dr. THEINHARDT’S 3)ia&etikec=Diät bietet jede Gewähr für Zuverlässigkeit, da nach Vorschrift erster medizinischer Autoritäten auf dem Gebiete und unter ständiger ehern. Kontrolle hergestellt. Die Erze ugni sse unser er Firma verstoßen in keiner Weise gegen den Ritus. Verkaufsstellen werden auf Wunsch nachgewiesen. Dr. Theinhardt’s Nährmittelgesellschaft A.-G., Stuttgart-Cannstatt. vom Bficherina». Fürst von Bülow, Denkwürdigkeiten, Bd.l, Ganzleinen ...... M. 17,— Lewinsohn (Morus), Das Geld in der Politik, Ganz!. M. 9,50 Alfred Neumann, Der Held M. 7,50 liefert portofrei Philo Mg und Buchhondlung G.m.b.H. John Dos Passos, Der 42. Breitengrad. M. 9,— Lernef-Holenia, Die nächtliche Hochzeit. M. 6,50 Jules Romain, Kumpane.. M. 6,— Schalom Asch, Moskau... M. 7,— Berlin SW68 Lindenstrasse 13. 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