Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 40 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- Seite 531 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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531 (Unlire JJeler Ichreiben: „Nie wird so heiss gegessen, Wie gekocht “ An die Schriftleitung der „C. VZ ei tun g“. Mannheim, den 22. September 1930. Als vor knaPP einem Jahr durch die Presse die Notiz von Ausschreitungen der nationalsozialistischen Studenten in Wien, Frei bürg und Berlin gegen ihre jüdischen „Kommilitonen ‘ ging, da tröstete man sich in weitesten jüdischen Kreisen, dass dies jugendliche Unüberlegtheiten seien. Wären diese Studenten erst einmal in Amt und Würden, so sähen sie von selbst die Unhaltbarkeit ihrer Ansicht ein: überhaupt werde ja „nie so heiss gegessen, wie gekocht In der Folgezeit wuchs die nationalsozialistische Bewegung, nicht nur an den Universitäten, sondern in den weitesten Kreisen der Bevölkerung. Die jüdische Miibürgerschafi aber schenkte dieser Entwicklung trotz häufiger Warnung der politischen und konfessionellen Presse nicht die erforderliche Beachtung. Nun stehen wir vor dem Ergebnis nationalsozialistischer Hetzarbeit und jüdischer Passivität: 107 Rcichsiagsab geordnete repräsentieren sechs Millionen Deutsche im neuen Reichstag! Aber auch jetzt scheint man noch nicht in allen jüdischen Kreisen die Gefahr erkannt zu haben. Man beruhigt sich vielfach damit, dass die Wähler der nationalsozialistischen Listen ja gar nicht so sehr antisemitische Momente in den Vordergrund stellten, sondern sich bei der Wahl lediglich von wirtschaftlichen Ueberlegungen leiten Hessen. Mag dies in gewissem Umfang auch zutreffen, so muss uns doch gerade diese Ueberlegung zu aktivster Aufklärungsarbeit auf rufen! Denn wenn sicher auch nicht diese sechs Millionen Judenfeinde sind, so sehen doch die Männer, die von ihnen gewählt wurden, den Kampf gegen das Judentum als eine ihrer unbedingten Grundforderungen an. Und der Antrag, den die nationalsozialistische Fraktion im März dieses Jahres im Reichstag mit zwölf Leuten stellte, sieht ganz anders aus, wenn er jetzt von 107 Mann unterstützt wird; ein Antrag, dessen § 5 lautete: „Wer durch Vermischung mit Angehörigen der jüdischen Blulsgemeinschafi oder farbigen Rassen zur rassigen Verschlechterung und Zersetzung des deutschen Volkes beiträgt oder beizutragen droht, wird Wegen Rasseverrats mit Zuchthaus bestraft Und darum erkenne endlich jeder Jude die Gefahr, die nicht nur ihn und seine Familie in der Existenz bedroht, sondern auch an seine Ehre greift und ihn entrechten will. Jeder Jude unterstütze die Aufklärungsarbeit; jeder Jude nehme sich die Aktivität und Arbeitsfreudigkeit der Nationalsozialisten zum Vorbild, von denen jeder 10 v. H. seines Verdienstes der Parteikasse opfert. Jeder Jude helfe, dass die Wähler der nationalsozialistischen Listen einmalige Wähler bleiben und nicht für dauernd in die Parieibewegung gezogen werden. Laue Vernünfteleien helfen heute nichts mehr! Wer heute immer noch glaubt, dass „nie so heiss gegessen wie gekocht wirdder hüte sich, dass cf nicht e'mes Tages allzu heiss essen muss. stud. jur. F. L. Auerbach-Mannheim. Jiddisch An die S ehr if il eitun g der „C. V.-Zciiun g". Frankfurt u. M., 22. September 1930. In Ihrer Zeitung Nr. 3S vom 19. d. M. bringen Sie einen Artikel „Jiddisch — eine deutsche Nebenspracheden ich mit grösstem Interesse gelesen habe. Ich erlaube mir, Ihnen zu diesem Artikel folgendes Erlebnis mitzuieilen: Im Frühjahr 1925 unternahm ich eine Gesellschaftsreise auf einem Vergnügungsdampfer, und führte mich u. a. mein Weg auch nach Jerusalem. In unserer Gesellschaft befanden sich auch ein Herr von A. mit Frau und Tochter aus Potsdam. In Begleitung dieser Familie besuchte ich an einem Samstagnachmittag die Klagemauer und die Synagoge. In der Synagoge wurde gerade gelernt, und ein alter Rabbiner unterrichtete. Herr von A. fragte mich, ob der Rabbiner Hebräisch oder Arabisch spreche. Da die Familie zögerte, näherzutreten, bat ich sie, es doch zu tun, was Herr von A. aber ablehnen wollte mit der Begründung, dass er weder Hebräisch noch Arabisch verstehen würde. Ich nahm ihn am Arm und führte ihn unmittelbar an den Lehrstuhl, so dass er genau hören konnte, was der alle Rabbiner sagte. Herr von A. war sehr erstaunt und sagte mir: „Das ist der Höhepunkt meiner Reise, am Samstagnachmittag in einer Synagoge in Jerusalem Unterricht in deutscher Sprache zu hören!“ Ich erinnere mich, dass dieser alte Rabbi aus den Büchern „Die Würdigung der Arbeit“ erklärte. Er sagte etwa folgendes: „Die Arbeit adelt den Menschen. — Da wirst nicht von Menschen geadelt, sondern von dem Herrn, der über uns wohnt!“ Ich kQnn mich natürlich nicht mehr genau an die lautlichen Veränderungen der einzelnen Worte erinnern, doch waren sie leicht zu verstehen.!-l. W. Hätte Hitler in Frankreich Aussichten? An die Schriftleitung der „C. V. - Z ei l u n g“. B euthen (O.-S.), im September 1930. Der grosse Wahlerfolg der Nationalsozialisten hat, wie sich voraussehen Hess, auch in Frankreich die Gemüter stark erregt. Die Rechte sieht in dem ungeheuren Anwachsen der Hitler-Bewegung ein Fiasko der Briandschcn Verständigungspolitik und fordert seinen sofortigen Rücktritt. Die Linke beurteilt die Lage objektiver, ist jedoch ebenfalls stark beunruhigt. Bis zu dieser Wahl hatte man sich in Frankreich mit Hitler nicht übermässig viel beschäftigt, ja, man kunn sagen, dass die Franzosen seinen Gedankengängen und seinen politischen Zielen ziemlich ratlos gegenüberslanden. Wie der Faschismus den Franzosen als eine italienische, so gilt ihnen der Hitlersche „ratisme“ ah eine „deutsche Erfindung“, über die man sich lustig machte und die man ablehnte. Diese Ansicht vertritt auch der wohl einzige völkische Franzose Baron Robert Fabre-Luce. An ihn, den „Stellvertreter Hitlers“ in Frankreich, hatte der Leiter des „Clubs du Faubourg“, der bekannten Pariser „Freien Tribüne“, in der alle wichtigen Fragen der Zeit öffentlich diskutiert werden, die Frage gerichtet: Können die französischen Nationalisten mit den deutschen Zusammenarbeiten? Fabre-Luce hat diese Frage in einem kuriosen Briefe (abgedruckt in „Le Faubourg15. Juni d. ].) beantwortet, in dem es u. ö. heisst: „Da ich „Völkischer“ bin (raciste), kann ich nur eine „völkische“ Antwort geben. Der „racisme“ hat nichts zu tun mit dem „bürgerlichen Nationalismus“. Er erkennt nur Volksvertreter an, die weder semitisch, noch liberal, noch Freimaurer sind. Er ist ebenso Gegner des „liberalen“ Rechberg wie Mahrcuns, der den Juden als Staatsbürger anerkennt. Nationalisten, die nicht völkisch sind, sind nur Pseudo-Nationalisten. Diese kommen natürlich für eine Zusammenarbeit in völkischem Sinne nicht in Frage. Die französischen Nationalisten sind sämtlich liberal, semitisch oder freimaurerisch verseucht. Sie bejahen den französischen Staat, anstatt ihn, wfe die „purs racistes“ Hur zwei Worte: Dritte Sorte! Die ideale 6-Pf.-Zigarette der Oesterreichischen Tabak-Regie. Ihre Freunde werden stets zufriedengestellt sein, wenn Sie ihnen diese seit mehr als 40 Jahren immer in hervorragender edler Qualität hergestellte Regie-Zigarette anbieten, die wir neuerdings auch in 10-Stück-Packung mit Ziehzündern herstellen. Als gute 5 - Pf. - Zigarette empfehlen wir REGIE-MEMPHIS und ROS E N KAVALIER. TabakwarerrSev (AUSlRI^ iS-nr-b-iy-Müncken- ~ ..-,y/__'___' Vir™—■— n.i.V—