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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-03 · 40 (3.10.1930) · p. Seite 529

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
40 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
Seite 529 (sequence 5)
Language
German
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Man hat bisweilen unser Judentum als romantische Religion bezeichnet. Kein Beispiel dürste hierfür treffender sein als die Laubhütte, die uns, von Poesie und Romantik umrankt, nach dem Ernst der heiligen Festtage noch eine Woche in einer schönen freudeerfüllten Ideenwelt gönnt, ehe wir allmählich wieder in die nüchterne Wirklichkeit hinabgleiten. — Gern nützen wir auch die willkommene Gelegenheit, unserer Jugend durch den Nimbus der Festwoche die Schönheit der religiösen Hebungen nahezubringen. Den Kindern, die im Hause die Sabbatfeier mit Lichterglanz lind Liederklang entbehren, gibt die Laubhütte die beste Möglichkeit zur gemeinsamen religiösen Uebung. Nach modernen pädagogischen Grundsätzen wird man hier der Jugend ein weites Feld zur eigenen religiösen Betätigung überlassen. Sie wird selbständig die Hütte ausschmücken. vielleicht-sogar hebräische -Texte m künstlerischer Ausführung § als Wandschmuck für die Hütte Herstellen. Sie wird selber § Kiddusch und Tischgebet vortragen, gemeinsam Schir ha § maalaus singen und durch die Beschäftigung Liebe zur Sache' | gewinnen. | Aber der tiefere Sinn des Hüttenfestes und seiner Hebungen g kann heute nur der sein, daß der Geist der Hütte uns im g Hause erhalten bleibt. Am Ausgang des Versöhnungstages g wurde nach alter Sitte der Barr der Hütte begonnen. Der g seelische Gewinn der heiligsten Tage sollte damit sogleich praktisch Z ausgemünzt und sein Geist hinübergeleitet werden zur Arbeit g des Jahres. Würden diese in ehrlichem Ringen gewonnenen Z Werte des Neujahres und des Versöhnungsfestes nur noch bis g zu den Tagen des Hüttenfestes reichen und nicht weiter, dann g wäre alles Mühen der drei Tage umsonst und zwecklos. Sinn § der Hütte ist es, uns diese Werte zu erhalten und zu mehren g für das Alltagsleben des ganzen Jahres. Das gute Vorbild, Z welches in der Laubhütte die Lauen zur höheren Aktivität ang spornt, soll sich an jedem Sabbat und an jedem Festtage aufs g neue im Elternhaus auswirken. Denn nicht nur die Hütte, g sondern vor allem das Haus soll jüdisch sein, soll Anteil nehmen g ain Gottesdienst, des Jahres, an gemeinsamer Freude und geg meinsamer Sorge, an belehrenden und geselligen Beranstalg tungen. Dann wird der Ausklang des Freudenfestes, der durch g die Beschäftigung mit der Thora die Freude der Jugend steigert, g im jüdischen Haus nachklingen, und die Freude an jüdischer g Pflichterfüllung wird die Jugend begeistern und ihre Kräfte g zu edlem Tun anspornen. g iimiimimimiiiiimitiin :!!!l!lli!ll!!l!!l!!!lli!i!!H! Bekenntnis Eurer hat mu mein Deutschtum bestritten. Ich habe ihn ausgelacht. Es sei gerade so, wie wenn er erklären wollte, ein Baum sei kein Baum. Ich bin als Kind deutscher Eltern auf die Wett gekommen. Die ersten Worte, die ich sprechen lernte, waren deutsch. Deutsch ist meine Muttersprache. Ich habe in der Schule von Abraham und Moses gehört. Sie waren mir verehrungswürdige und heilige Gestalten der Religion, nichts anderes. Eine irgendwie nationale Bindung hatte ich zu ihnen n i e m a l s. In dieser Hinsicht interessierten sie mich nicht mehr als Achilles und Odysseus, Hannibal oder Cäsar. Das deutsche humanistische Gymnasium vermittelte mir das Verständnis für die großen Gestalten der Griechen und der Römer ebenso intensiv als für irgendeine andere Kultur. Die Kant und Lessing, die Goethe und Schiller, die Schopenhauer und Beethoven haben auch so vollständig ersaßt, wie dies bei irgendeinem Deutschen der Fall sein kann. Ich weiß nicht, ob ich „rassenmäßig" mich wirklich entscheidend abhebe vom Durchschnittsdeutschen, der sicherlich ein Rassennnschling ist. So etwas habe ich jedenfalls nie empfunden. Aber auch wenn ich äußerlich noch so „unverdächtig" aussehe und der glühendste deutsche Patriot bin, der Nationalsozialismus läßt dies alles nicht gelten. Aber der reinrassige Wende und Kassube ist ihm hundertprozentiger Deutscher. Wie soll ich mich zur „Judenfrage" einstellen? Die Antwort auf diese Frage entspringt keinerlei spekulativer Ueberlegung. Ich bin ja nicht allein deshalb Deutscher, weil ich es sein will, sondern weil ich gar nichts anderes sein kann. Mit diesem Land, mit dieser meiner Heimat bin ich unlöslich verwurzelt. Ich liebe Deutschland, die deutsche Kultur, die deutschen Wälder ltnb Wiesen und den deutschen Apfelbaum. Man kann auch verärgern imb kränken, aber man kann mir diese Liebe niemals nehmen. Und wie stehe ich zum nationalsozialistifchen Gegner? Ein einzigartiger Tatbestand, ja ein hoffnungsloser Fall. Der Konrmunist kann das deutschnationale Parteibuch erwerben, der Zentrumsmann kann Sozialdemokrat werden, der Sozialdemokrat Nationalsozialist. Jeder Partei ist solcher Wechsel sogar hochwillkommen, mag der Mann im übrigen sein wie er wolle. Darauf ist gerade die politische Agitation gerichtet, Menschen aus anderem Lager zu sich herüber- Zuziehen. Ihre Vergangenheit wird ihnen gern und leicht verziehen. Der politische Gegner von gestern ist dann der geschätzte Parteifreund mit allen Vorzügen; eine menschliche Feindschaft besteht sicherlich nicht mehr, wenngleich sie vorher bestanden hätte. Für den Nationalsozialisten aber bin ich gänzlich „unverbesserlich", und wäre ich eine hundertprozentige Jdealgestalt, schön wie Hermes von Praxiteles, stark wie Achill, tapfer wie Leonidas, edel wi-e ein liebender Gott. Unverbesserlich bleibe ich selbst dann, wenn ich mich um Deutschland und sein Volk, seine Kultur, seine Wissenschaft noch so verdient gemacht, wenn ich im Weltkrieg ruein Leben hin gegeben hätte wie ein Dorsahre im Befreiungskrieg von 1813. Ich bin völlig unverbesserlich. Wahrhaftig, ein hoffnungsloser Fall. Hinter mir, hinter den deutschen Juden, die nicht mehr als 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen, steht keine Machtorganisation. Auch die republikanischen Parteien sind keine,,Judenschutztruppe". Wir sind viel zu unbedeutend und numerisch zu schwach, als daß ganz große Faktoren gerade unsertwegen letztlich eine besondere Rücksicht auf uns nehmen müßten. Wir haben nur einen einzigen Bundesgenossen, dessen gewaltige Stärke wir aber nicht unterschätzen dürfen. Der Gedanke des Rechts gegen klares Unrecht ist auf unserer Sette. Würde Deutschland, unser Deutschland, diesen Rechtsgedankeu töten und damit auch uns tödlich treffen, nun, dann würden wir eben m i t Deutschland ins Grab sinken und unsere unverbrüchliche Liebe zu ihm noch im Tode und durch den Tod besiegeln. vr. E. L. Gau Danzig der NSDAP, durch Hitler aufgelöst Uns wird geschrieben: Auch im Carl Danzig der NSDAP, ist es, ähnlich wie in Berlin, zu einer Rebellion eines erheblichen Teiles der Parteianhänger, und zwar im wesentlichen der SA.- Leute, gekommen. Ihr Führer F r i ck e geriet mit dem Danziger nationalsozialistischen Gauleiter und Volkstagsabgeordneterr H o h n f e l d in Differenzen, in deren Verlaus beide sich gegenseitig Verrat an der nationalsozialistischen Bewegung verwarfen. Hitler löste den Gau Danzig auf und unterstellte ihn dem neugewählten Neichstagsabgeordneten K v ch, als Fricke eine Woche nach den Reichstagswahlen in einer Versammlung der N'L-DAP. die schwersten Vorwürfe machte und bekanntgab, daß der bisherige kommunistische ^Abgeordnete Opitz zur NSDAP, übergetreten sei. Opitz soll wegen Kassenveruntreuungen und unproletarischen Verhaltens aus der KPD. ausgeschlossen worden sein. Cm Beispiel für viele! Aus Rastenburg wird uns geschrieben: Vor mir liegt eine Beilage der „Deutschen Zeitung" vom 26. d. M. Nr. 226a. Darin befindet sich ein Artikel: „Ein zweiter Mordfall Tetzner?" mit einem Bericht aus Rastenburg. Es soll hier nicht davon die Rede sein, daß der Bericht an und für sich nicht objektiv ist. Was aber hier an den Pranger gestellt werden muß, ist der letzte Absatz dieses Berichtes. „Die Polizei hat sofort umfangreiche Ermittlungen angestettt, um des Schwindlers Sasfran habhaft zu werden, der ans einer aus dem Osten eingewanderten Familie stammt (!)." Selbst das Ausrufungszeichen fehlt nicht. Die Tendenz ist offensichtlich. Jeder noch so unbefangene Leser der Zeitung merkt, was damit gesagt sein soll. Denn diese Zeitungen haben ja immer und immer wieder daraus hingewiesen, daß unter Einwanderung aus dem Osten lediglich die „Juden" gemeint find. So wurde mir dieser Artikel der „D. Z." im V-Zug von einem christlichen Gutsbesitzer, der nicht wußte, daß ich Rastenburger bin, mit den Worten gezeigt: „Da haben wir es wieder, die eingewanderten Ostjuden." Wie ist es aber in Wahrheit? Dem Schreiber, der den Artikel aus Rastenburg geschrieben hat und der wohl von dort stammt, muß doch bekannt sein, was ihm in Rastenburg jedes Kind auf der Straße sagen kann, nämlich, daß sowohl Sasfran als auch sein Schwiegervater, der Tischlermeister Platz, alter deutscher und ch r i st l i ch e r Abstammung sind. Sasfran stammte aus der Schippenbeiler Gegend zwischen Rastenburg und Barteustein ltnb war ursprünglich Lehrer. Es ist also bewußte Giftmischerei, wenn dem Beruht über eine solch verabscheuungswürdige Tat ein derartiger Satz angehäugt wird!

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