Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 39 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- Seite 521 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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521 breitung der jüdischen Religion in der römischen Kaiserzeit zu erklären, aber man mutz in jedem Falle zugeben, datz hier eine neue beachtenswerte Anregung geboten wird, datz das sich ausbreitende Judentum in den Mittelmeerstaaten tatsächlich auf stummes- und religionsverwandte Elemente stietz, bei denen eine Propaganda sofort leichter Anklang finden konnte. Ohne diese Propaganda freilich wären auch diese Bevölkerungsteile nicht zu gewinnen gewesen, und darin liegt für uns die wesentliche Bedeutung dieses Buches, daß es dieser Erscheinung sein Augenmerk zuwendet und sie in ausführlichen Untersuchungen und Nachweisen erhärtet. Das wichtigste Kapitel des vorliegenden Werkes ist das zweite mit der Ueberfchrist „Das antike Judentum als M i s s i o n s r e l i g i o n" (S. 22—68). Hier wird sehr sorgfältig und liebevoll allen Hinweisen nachgegangen, die von den prophetischen Schriften her über die griechische Bibelübersetzung, die Apokryphen und das rabbinische Schrifttum auf universalistische Gedanken und Bestrebungen innerhalb der jüdischen Religion Hinweisen, und die Ausführungen gipfeln Ln dem Satze, datz das Judentum im hellenistischen Zeitalter den engen nationalen Rahmen g e s p r e n g r und sich bewußt als W e l L - und M i s s i o n s r e l i g i o n gefühlt hat. Die diesen Nachrichten widersprechenden Merkmale in der Entwicklung von Religion und Leben im Judentum sind dem Verfasser und den Bearbeitern nicht entgangen, sie werden auch nicht verschwiegen, es wird aber über diesen partikularistischen Elementen der immer stärker werdende und zeitweise vorherrschende universalistische Zug nicht übersehen. Auch in Bertrams Nachwort, das von der heutigen Kenntnis des Quellenmaterials und der heutigen Problemlage ausgeht, kommt diese Betrachtungsweise zum Ausdruck. Er setzt sich mit dem Satz des berühmten amerikanischen Religionshistorikers George Foott Moore auseinander, daß das Judentum „die erste große Missionsreligion der mittelalterlichen Welt war", und kommt schließlich zu demselben Ergebnis: „Das Proselytentum ist von dauernder Bedeutung für die Geschichte des Judentums geworden. Das Judentum ist seit der hellenistischen Periode nicht so sehr Volk als vielmehr Religion. Wenn auch die Entschränkung in Wirklichkeit fast nur rassenverwandtem Volkstum dauernde Aufnahme ins Judentum gesichert hat, den Charakter der Weltreligion, den die jüdische Religion der exilischen und nachexilischen Zeit ausgeprägt hat, hat es trotz aller Berufung auf das Blut bewahrt." (S. 117.) Der Leser wird das fesselnd geschriebene Buch nicht nur mit Nutzen, sondern auch mit innerer Erhebung in sich aufnehmen. Professor J. Elbogen (Berlin). Der Kalenöer öes Jüdischen Frauenbundes Der Jüdische Frauenbund bringt in diesem Jahre seinen fünften Kalender heraus, der, wie seine Vorgänger, wieder unter einem einheitlichen Gesichtspunkt steht. Jüdische Kunst und jüdisches Kunstgewerbe, vom Anbeginn jüdischen Kunftwollens überhaupt bis zu den mannigfachen Äußerungen unserer Zeitläufte, wird in über fünfzig Abbildungen und einem verbindenden Text vor Augen geführt, eine dankenswverte Aufgabe, die einem breiteren Publikum die Forschungen und Funde auf dem Gebiete unserer Kunst eindrucksvoll zu übermitteln weiß. Man hat sich bei Herausgabe dieses Kalenders ganz bewußt nur auf Architektur, Plastik und Kunstgewerbe beschränkt und das bekannteste Gebiet, die Malerei, ausgeschaltet, „weil häufig Kunst mit Malerei identifiziert wurde". Die Berliner Jüdische Kunstsammlung lieferte die Photos vor allen Dingen für die Wiedergabe früher Bauten, der Architektur der Königsgräber, die in ihrer Schlichtheit ein eindrucksvolles Dokument dieses Zeitalters bilden, des sogenannten Grabmals der Rahel mit der gedrungenen Silhouette, die sich Zur Gesundhaltung! Fachinger Versandstelle, Berlin SWllf Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8280/ 61. wirkungsvoll in der palästinensischen Landschaft ausnimmt, oder des am Ende des vorigen Jahrhunderts entdeckten Mosaiks der spätrömischen Synagoge aus dem 3. Jahrhundert, die leider fast spurlos verschwunden ist. Hm so höher ist daher das prächtige Mittelstück des Mosaikfußbodens zu bewerten, in welchem zwischen stilisierten siebenarmigen Leuchtern eine Inschrift begegnet mit dem Namen der Stifterin dieses kostbaren Synagogenschmuckes. Mittelalterliche Kultbauten find in diesem schönen Büchlein in einer Photographie der Wormser Synagoge und in einer Abbildung des Regensburger Baues, den wir nur aus Altdorfers Radierung kennen, vertreten. An diese wirkungsvollen Dokumente jüdischer Architektur reihen sich zahlreiche gute Abbildungen von Werken der Plastik und des Kunstgewerbes. Reich ist die Auswahl, die die Bearbeiter des Kalenders, Ernst Cohn-Wiener und Karl Schwarz, bei der Veröffentlichung der Kuligeräte, der Bucheinbände, der jüdischen Trauringe usw. getroffen haben. Es folgen dann die Arbeiten moderner Meister: Erich Mendels o h n s Friedhofsanlage in Königsberg, Arnold Z a d i k o w s Porträtplakette seines Vaters, Jacob Epsteins Bronzebüste des Dichters Joseph Conrad, Marc Antokolskis erschütternde Spinozza-Statue. Emmy Roth zeigt in sehr sachlich gehaltenem Silbergerät die Einflüsse der „Großen" Kunst aus das Kunstgewerbe. Dr. Olga Bloch. 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