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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-26 · 39 (26.9.1930) · p. Seite 520

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
Seite 520 (sequence 8)
Language
German
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520 liegt etwas, daß die beiden Handwerkssölstre wie der Jude von dem brennenden Wunsche beseelt waren, sich nicht nur durch unerschütterlichen Patriotismus, sondern' ebenso durch Wesen und Manieren zu assimilieren. Es gibt keine demokratischere Aristokratie als die englische, aber auch keine aristokratischere Demokratie..." „Begabtesten Vertreter der Bismarckschen Tradition in der Presse" nennt Bülow H u g o I a c o b y. Paul Lindau, wird „als ein, wenn auch nicht besonders tiefer, so doch als ein unterhaltender und glänzender Vertreter der Berliner Publizistik" bezeichnet. Eine sehr schlechte Note bekommt H u g o P r e u ß. Von Lielmnumn von Sonnenberg heißt es: „Einer von jenen ertremen Altdeutschen, die es geradezu darauf angelegt zu haben scheinen, überall im Ausland Fensterscheiben einzuwerfen." lieber Nürnberger und Selfferich: „Ludwig Vamberger war ein kenntnisreicher Mann tixit den besten Formen, ein feiner Verstand. Damals schon kränklich, ging er in den dunklen Herbsttagen bisweilen, auf meinen Arm gestützt, um die Rousseauinsel und den Goldfisch Leich im Tiergarten. Eines Tages sagte er zu mir: Me haben in Ihrer Kolonialabteilung einen Anfänger, für den ich mich interessiere. Lassen Sie sich den jungen Helfserich kommen, erwirb Ihnen nicht mißfallen? . . . Dieser Helfserich sollte ein nicht übler Staatssekretär des Reichsschatzamtes, ein mittelmäßiger Staatssekretür des Innern, ein mißglückter Gesandter in Moskau werden. Er sollte zeitweise nach dem höchsten Amt im Reiche streben, er sollte endlich mit scharfer und grausamer Dialektik in einem berühmten Prozeß Matthias Erzberger moralisch zur ^treckF bringen und sich selbst zu einer leitenden stelle in der Konservativen Partei emporschwingen. . ." An anderer Stelle erzählt Bülow von einem Gespräch mit dem ehemaligen Kaiser über bas Nationalgesiihl Er fragte ihn, woher es komme, daß dieses innerhalb der deutschen Fürstlichkeit so wenig ausgeprägt sei? Der Kaiser meinte, „das hinge wohl mit dem schwächeren Nationalgefühl der Deutschen zusammen. Dagegen habe ich den leidenschaftlichen Herbert Bismarck einmal sagen hören, der Mangel an Patriotismus bei den ins Ausland geratenen deutschen Prinzessinnen und Prinzen käme daher, daß es das deutsche Volk nie verstanden habe, . *. . eine seine Fürsten einschüchternde Sprache zu führen. Tatsache ist leider, daß auch während des Weltkrieges deutsche Fürsten im Ausland ostentativ ihr deutsches Vaterland verleugneten ... Es ist traurig, feststellen zu müssen, daß im deutschen Volk Mangel an Nationalgefühl sich oben, in uralten deutschen Fürstenhäusern, ebenso breitmachen darf wie unten, in den Niederungen des Kommunismus." Um so erfreulicher ist es, zu lesen, was Bülow über die Gleichberechtigung brr Juden im 5eer und im Staat zu berichten weiß. Im Zusammenhang damit, daß ein Mitglied der Familie R othschild trotz seiner Fürsprache keine Aufnahme in den diplomatischen Dienst gesunden hatte, schreibt er: „Es handelt sich hier um einen Schlendrian, dem gerade deshalb schwer beizukommeu war, tuet! er mehr auf eingewurzeltem Vorurteil als auf bösen Willen einzelner Persönlichkeiten zurückzuführeu war. Dem Kaiser lagen Vorurteile in dieser Beziehung ganz fern." 4- Diesem ersten Bande werden in Abständen von etwa zwei Monaten drei weitere in der Reihenfolge ihrer Niederschrift durch den Für- Marc Rosenberg Zum Tobe -es Renners -er Gol-- schmieSekunst Von Adolph Donath Marc N o s e n b e r g ist eine der wertvollsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstwissenschaft gewesen, ja man darf den Ergebnissen seiner Forschung eine Einzigartigkeit zusprechen, wie sie einem Kenner nur selten Geschieden war. Aus meinem langjährigen Verkehr mit Wilhelm von Bode weiß ich, wie hoch auch dieser unvergessene größte und produktivste unter den Kunstforschern der Welt die Lebensarbeit Nosenbergs eingeschätzt hat. Der Geheime Hofrat Marc Nosenberg stammte aus dem östlichen Kamienetz, kam aber schon frühzeitig nach Deutschland und verbiß sich hier in das Studium der Kunst. Natürlich begann er, wie fast alle Kunstbegierigen, zunächst mit den alten Malern, er, Rosenberg, im besonderen mit den altdeutschen Meistern — er veröffentlichte gelegentlich eine Schrift über Baldung — und spezialisierte sich dann in einem Zweige des alten Kunstgewerbes, der bis dahin noch kaum beackert war: in der Goldschmiedekunst. Und als er, im Alter von dreißig Jahren, die „Quellen zur Geschichte des Heidelberger Schlosses" erschlossen hatte, ging er mit einer Energie sondergleichen an die wissenschaftliche Erforschung der Schatzkammern von Weimar, Karlsruhe, Dessau heran. Hier entdeckte er Meisterwerke der Goldschmiedekuust, die noch nicht „bestimmt", d. h. nach Herkunftsstätten und Meistern noch nicht richtig eingereiht waren. Er ist von außerordentlichem Eifer gewesen. Während er nach Goldschmiedestempeln und Goldschmiedezeichen suchte, habilitierte er sich als Dozent an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Er arbeitete vom Morgen bis in die Nächte, entzifferte die Beschau- und Meistermarken und pauste sie durch. Zwischendurch studierte er die Akten der Städte und Innungen. Und Reisen durch Deutschland und die übrigen europäischen Länder förderten diese sehr mühsame und schwierige Arbeit. Bis eines Tages — es war int Jahre 1889 — das Werk „Der Goldschmiede Merkzeichen" in seiner ersten Fassung fertig dalag. Es enthielt zwar nur ein Fünftel des Materials, das Marc Nosenberg abgetastet, beschrieben und ausgezeichnet hatte, nämlich zweitausend Marken, aber in die zweite Auflage nahm der Kunsthistoriker schon sechstausend Marken auf, und die Zahl der Signaturen erhöhte sich noch, als er sein Werk, das inzwischen für die Erkenntnis der Goldschmiedekunst und für alte Welt grundlegend geworden war, in der dritten Auslage (Frankfurter Verlagsanstalt) im Rahmen von Vier- Bänden publizierte. Begreiflicherweise ist Nosenberg auch angesten Bülow folgen. Sie tragen die Titel: „Von der Marokkokrise bis zum Abschied", „Weltkrieg und Zusammenbruch", „Jugend- und Diplomatenjahre". Schon heute läßt sich sagen, daß dieses Werk eines der iuteressautesteu Dokumente über das kaiserliche Deutschland darstellt. Sein lückenloser Bericht hat die Echtheit des Urkundlichen. Geschrieben von einem glänzenden Beobachter, bietet sich uns eine Chronik dar, die in diesem ersten Band zu einer Zeit der höchsten Macht des Reiches beginnt rlud bis au die Schwelle des Jahrzehnts vor dein Weltkrieg reicht. Ör. feindet worden. Er hatte es wahrhaftig nicht leicht, sich durchzusetzen. Es ist ja immer die alte Melodie: tritt einer mit einer wichtigen Arbeit hervor, die andere, wie sie versichern, „längst" haben schreiben wollen, so werden ihm,' ob er Ehrist oder Jude ist, Steine in den Weg gelegt. Auch Marc Rosenberg machte das mit, doch er schien zufrieden, als der einzige unter seinen Widersachern, der sein Werk überhaupt für „überflüssig" gehalten hat, den „Rosenberg" später eifrig benutzte und „ehrlich zitierte". Heute freilich ist „der Nosenberg" innerhalb der Kunstwissenschaft ein Begriff. Wer sich über die weitverzweigte Materie der Goldschmiedetunst orientieren will, über die Goldschmiede, die von Aachen und Augsburg ab bis nach Zwickau, von Antwerpen in Belgien bis nach Miskolcz in Ungarn geschaffen haben, muß den „Rosenberg" zur Hand nehmen. Name und Werk werden bleiben. Das antike Judentum als AWorrsreligion G e o r g R o s e n, „I u den und P h ö - n i 3i er. Das antike Iu dentum als M i ssio n§ t eli g ion und di e E n tst e h u n g der jüdischen Diaspor a." Neu bearbeitet und e r w >e i t e r t v o n F r i e d r i ch R o s e n u n d v. G e o r g Bertram, I. C. Mohr, Tübingen. Georg Rosen, einer der ersten preußischen Konsuln in Jerusalem, wurde durch die reichen geschichtlichen und die bunten ethnologischen Probleme Palästinas zu eingehenden historisch-archäologischen Studien angeregt. Besonders fesselten ihn zwei Rätsel: die ihrer Zahl und Ausbreitung nach überraschend große a n t i k e jüdische Diaspora und das plötzliche Verschwinden der alten Phönizier in ihrem Heimatland imd ihren zahlreichen Kolonien. Er versuchte, das eine Rätsel durch das andere zu lösen und das Untergehen der Phönizier durch ihr Aufgehen in der jüdischen Bevölkerung, und umgekehrt das Anwachsen dieser durch die Aufnahme der phönizischen Bevölkerung zu erklären. Das Manuskript, in dem diese Hypothese eingehend bewiesen war^ging verloren, und noch nach 40 Jahren sucht sein Sohn Friedrich Rosen, der Präsident der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, der in langjährigem diplomatischen Dienst besonders enge Beziehungen zu den Religionen und Kulturen des Ostens gewonnen hat, diesen Gedanken durchznsühren; der Eießener Neutestamentter Georg Vertraut stellt seine Gelehrsamkeit und seine Sachkunde zur Verfügung, um das Buch auf den gegenwärtigen Stand der Forschung zu bringen, die ja die Tatsache der jüdischen Diaspora in ganz anderer und weit eindringlicherer Weise beleuchtet hat, als es vor zwei Menschenaltern der Fall war. Man kann bezweifeln, ob der Grundgedanke des Buches wirklich bewiesen ist, ob wir tatsächlich erhärten können, daß die phönizische Bevölkerung überall im Judentum aufgegangen und ob ihre Zahl beträchtlich genug gewesen ist, um die Aus- CONSTANTIN BRUNNER PBicliten der Men uni von len Mißten des Staates. Broschiert 6M., geh linden 8 M. GUSTAV KIEPENHEUER VERLAG, BERLIN. Das Werk beurteilt die jetzige Lage der Juden und gipfelt in bestimmten Forderungen an die Juden und an den Staat. Das „Berliner Tageblatt“ schreibt: „Brunner will gehört werden. Er hat nicht umsonst den scharfen, oft dichterisch herrlichen, zuweilen wild testamentarischen Tenor; dies eifervolle Lutherdeutsch schreit ja nach Ohren, nach Menschen . .. Das ist nun eine Predigt, dringender als je. Brunner springt vom Katheder auf die Kanzel, von der Kanzel auf die Markttribüne . . . und je mehr es ihm um die Menschenwürde geht, desto feuriger und desto massloser und lustiger wird er... Man soll das Buch lesen.“ Leo Hirsch. 3

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