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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-26 · 39 (26.9.1930) · p. Seite 517

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
39 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
Seite 517 (sequence 5)
Language
German
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517 Jum (VersüßnMgetag 569t Eon Gemein-erakkmer Dr. Veinhokd Lew in lRomAsKerg i. (Pr.) Wolkenverhüllt und sturmgepeitscht hängt über uns deutschen Juden ein böser Himmel, Es ist uns zu Häupten so trübe geworden wie kaum seit Jahrzehnten. Da verlangt es uns, nach einem Gnadenstern Ausschau zu halten, der die schwärzlich geballten Massen durchbricht, dessen überirdischer Stralst Trost und Kraft in die Seelen gießt. Wohnt solche Leuchtkraft dem Versöhnungstag inne, der in diesem Jahre bei uns erscheint wie ein verkörperter Widerspruch gegen Zeit und Umwelt, gegen unser drohendes Schicksal? Was Israels hochheiliger Tag seit je verkündet, ist nichts anderes als die Ueberzeugung: Im Himmel und auf Erden spricht das letzte Wort der Friede. Alle Feindschaft ist nur vorhanden, um ° geschlichtet zu werden. Zwiespalt und Unvollkommenheit dienen dazu, daß man sie erkenne, läutere und behebe. Nicht minder für den einzelnen als für die Gesamtheit verbürgt ein Gottesgesetz, das recht behalten muß und wird, eine Wiederherstellung der verletzten, geschändeten Harmonie. Und es null bemerkt und verstanden sein: Hiermit wird kein Traum vorgegaukelt, der zu schön bedünkt, als daß man sich ernsthast um seine Erfüllung müht. Der Versöhnungstag enthält keine Verheißung, die einseitig, die blindlings ergeht. Er knüpft sie, damit das Gottessiegel darauf geprägt werde, an E n t s ch l u ß und L e i st u n g des Menschen, der kraft eigenen Strebens an seinem Platze, in seinem Umkreis den Anfang macht. Je stärker Friedenssehnsucht und Friedenswille uns überkommen, je inniger unser Bedürfnis ihre Notwendigkeit bejaht, desto näher rückt die Möglichkeit des Versöhnungswerkes. Vom Himmel wird der Gnadenstern heruntergeholt, wenn sich unser Arm ihm entgegenreckt, bis .er ihn umspannt und niederzieht. Es braucht nicht viel Worte, um verständlich zu machen, weshalb uns deutsche Juden der Versöhnungstag bereit und gewärtig treffen muß. Ter einzelne bedarf seiner, damit er nicht etwa auf die Dauer krank werde durch Argwohn unb Mißgunst, die ihn umgeben. Das wäre für unsere Seele das Schlimmste, ließe sie sich durch die gegnerischen .Kräfte vergiften, die von ihr entweder heillos gefürchtet oder gar in ihrem Verhalten zur Umwelt nachgeahmt würden. Soll unsere geschlossene Persönlichkeit, unsere . f i 11 l i ch c Pflichterfüllu n g nicht leiden, da hilft n u r der unersch ü ttert a ufre ch t e G taube, der Glaube an uns und an die anderen. Der Zusammenschluß mit ihnen, die stets wachsame Bereitschaft, in Hände, die sich von draußen entgegenstrecken, einzuschlagen und zus am men mit ihnen an Versöhnung und Wiederherstellung zu bauen — die Pflicht hierzu, bleibt trotz allem und allem das Losungswort unserer Zeit. Einfach Notwehr und Selbstbehauptung dämpfen entsprechend die wechselseitige Auseinandersetzung innerhalb des jüdischen Lagers. Wenn sie auch nicht gänzlich verstumme, so lege sie sich doch bis auf eiu Mindestmaß Ruhe und Beschränkung auf! Unser winziges, angegriffenes Häuflein, ob es mag oder nicht, wird gewaltsam zusammengepreßt. Freilich darf 'und soll unsere Phalanx bei dem geschlossenen Visier, bei den vorgestreckten Lanzen nicht darmn verharren. Daseins- und Schaffensmöglichkeit, Gegenwartsarbeit und Zukunftsplan müßten uns verkümmern, müßten absterben über kurz oder lang, wofern wir sie nicht mit schöpferischem Hoffen ins Erdreich einer Verständigung einsenken mit allen ringsum, die neben uns atmen und wirken. Die giftigen Nebelschwaden, die ihre Köpfe umdünsten und verwirren, die nicht allein uns zu ersticken drohen, sondern alles Gedeihen in Staat und Heimat verwüsten werden, müssen um unsert- und ihretwillen vor dem Gnadenstern weichen, der am Versöhnungstag über uns strahlt. Ihn grüßt voll Inbrunst unsere Seele. Ihm schlügt unser Gelöbnis entgegen, nicht zu verzweifeln, nicht auszuruhen, sondern zu glauben und zu wirken, bis seine Verheißung wie im Himmel, so auf der Erde recht behält. wesentlichen Punkten ihres Programmes und im Gesamtbilde ihrer bisherigen agitatorischen und praktischen Betätigung sich in groben und andauernden Gegensatz zur Kirche gestellt hat. Tie Herallsstellung dieses Gedanken-ganges ist entscheidend. Die religiös zum kirchlichen Kreise gehörenden Wähler müssen sich in ihrem Gewissen entweder von der Kirche distanziieren: nur dann können sie einer der drei heutigen deutschen sozialistischen Parteien — und dazu gehört der Nationalsozialismus — ihre (stimme geben. Oder die betreffenden Wühler wollen auch im öffentlichen Leben den Prinzipien folgen, die ihnen im religiösen rmd im privaten Leben Richtschnur sind. Tann werden sie sich naturgemäß in erster Linie auf die Seite der Partei stellen, die sich aur ausgeprägtesten benrüht, ihre Politik in Einklang mit den Forderungen des Glaubens zu bringen. In idealer Vollkommenheit wird niemals eine menschliche Einrichtung, wie politische Parteien es sind, diesen Forderungen entsprechen können. Aber verhältnismäßig am nächsten kommt ihnen in Badern die Bayerische Volkspartei, in den übrigen Ländern des Reiches das Zentrum. Die Septembcrwahleu waren Entscheidungswahlen zwischen dem sozialistischen lmd dem nichtsozialistischen Flügel in unserem Parteiwesen. Daß auf der sozialistischen Seite selber drei Gruppen erbittert um die Wählermassen kämpften, ändert daran nichts. Die Weltanschanungssrage war darum diesmal von besonderer Bedeutung. Und dazu kam, daß die Wühler allgemein unter dem Drucke der gesteigerten Not und unter dem Einflüsse einer besonders hemmungslosen Agitation sich nach den radikalsten, nach den entschiedensten Parteien konzentriert haben. Das gjlt auch für das bürgerliche Lager selber, innerhalb dessen in weltanschaulicher Hinsicht für den katholischen Wählerkreis eben die Bayerische Volkspartei und das Zentrum die entschiedenste Linie vertreten. Daher das Wahlergebnis dieser beiden Parteien. In der Beantwortung der Frage, woher Zentrum und Bayerische Volkspartei am 14. September ihr viele überraschendes Wahlergebnis genommen haben, liegt eine Teillösung des Problems mit eingeschlossen, wie das deutsche Volk den Nationalsozialismus überwinden könne. I m k a tholische n Votksteil der deutschen Nation kann der N a t i o n a l s o z i a l i s m it s ü b e r lv n n den w e r d e n, lv cnn d i e Grundsätze des positiven G o t t e s g l a u b e n s i nt B e - lv u ß t f ein d e s B ö l k e s mit alle m Nachdruck Vertieft w erden und wenn alles daran gesetzt wird, bei jedem einzelnen, insbesondere aber bei der Ingen d, V o l l k o nt m e n c Klarheit ü b e r die Bedeutung der lv e l t a n s ch a u l i ch e n G r u n d s ü tz e f ü r bie notwendige E i n st ellu ng z n m gesa m t e n Staats leben z n s ch a s f e n. Wer positiv gottesglünbig ist, wer int Privatleben den Dekalog als bindend für sich anerkennt und lver schließlich vor seiner Entscheidung Programme. Ziele und Taten der politischen Parteien Deutschlands sorgfältig und ernsthaft überprüft, der kann keiner der heutigen drei sozialistischen Parteien seine Stimme geben, auch nicht dem Nationalsozialismus. Es wurde angedeutet, daß die klare Herausstellung der weltanschaulichen Gesichtspunkte int politischen Leben eine Teillösung des Problems bedeute, wie das deutsche Volk den Nationalsozialismus überwinden könne. Ich halte sie sogar für die fundamentalste Lösung. Daneben allerdings wird für die weitere Ausbreitung oder für das Zurückgehen der nationalsozialistischen Bewegung von wesentlicher Bedeutung sein: a) welche praktischen Erfolge für das Wohl des Volksganzen die Betätigung der 107 Mann starken nationalsozialistischen Fraktion im Deutschen Reichstage nach sich ziehen wird, h) mit welchem Geschick und Erfolg die übrigen Parteien Deutschlands ihre künftige Arbeit und ihre künftige Agitation gestalten werden, c) wie die wirtschaftliche und bie' politische Lage des deutschen Volkes im Nahmen der Weltwirtschaft und im Nahmen der Weltpolitik sich entwickeln werden und ä) schließlich auch davon, wie lange und in welchem Ausmaß die Geldmittel aus hochkapitalistischcn Kreisen für deu uationalsozialistifcheu Parteiapparat weiterfließcn werden. hoover beglückwünscht öle Iuöen zum Jahreswechsel Wie alljährlich hat auch in diesem Jahre der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika anläßlich des Neujahrsfestes durch die Jüdische Telegraphen-Agentnr eine Botschaft an die amerikanische Jndenheit erlassen. Sie lautet: ,,Jch sende der loyalen und dem Staate ergebenen jüdischen Bevölkerung, die in den nächsten Tagen das Nenjahrsfest feiern wird, meine herzlichsten Glückwünsche. D i e I it d c n h e i t h a t d u r ch zahllose u u s ch ü tz b a r e W e r k e zu m m e n s ch 11 ch e u Fortschritt beigetrage n; unter diesen Werken ill ihr Beitrag zum geistigen Leben der Menschheit der bedeutendste. Alle Mitbürger ohne Unterschied von Stammes- und Glaubens^ zngehörigkeit vereinigen sich, um den I u b e n anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes ihre freundschaftliche G e s i n n u n g imd ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen."

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