Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 507 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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507' Sprachfamilie. Außerhalb Deutschlands wird das Jiddische auch seit langem als deutsch angesehen. So wurden die Juden in Osteuropa während des Weltkrieges immer wieder als Träger einer deutschen Sprache verfolgt. Der französische Forscher Antoine Meillet hebt in seinem Buche „Les langues dans l’Europe nouvelle“ (1918) hervor, daß „das Vorhandensein des Jiddischen für die Geltung der deutschen Sprache ein wertvoller Aktivposten sei". In der „Deutschen Rundschau" (1929, S. 71 ff.) hat Paul von Sokolowski auf „die Bedeutung des Jiddischen als Schrittmacher der deutschen Sprache in Osteuropa" hingewiesen. Aber in Deutschland wurde das Jiddische bis heute wenig beachtet. Kloß untersucht in seiner oben angeführten Arbeit die Gründe für diese Nichtbeachtung zum Schaden der deutschen Sprache. Einmal wirkt die Benutzung der hebräischen Schristzeichen für das Jiddische hemmend; denn dieses Alphabet kennen in Deutschland nur die Theologen und Juden. Weiter aber ist man gewohnt, das Jiddisch als ein „schlechtes" Deutsch, als einen „Jargon", anzusehen und zu verachten. Das ist aber eine falsche Vorstellung, die Kloß mit Recht bekämpft; denn eine falsche Vorstellung über sogenannte Sprachreinheit muß in der Sprachpolitik verhängnisvoll wirken. Außerdem besteht eine Abneigung gegen die Ostjuden, die Träger des Jiddischen, — diese Abneigung wurde aus die Sprache übertragen. Kloß faßt seine Untersuchung dahin zusammen: „So machten es eine über Alphabetenschwierigkeiten stolpernde Trägheit und eine aus falschem Deutschbewußtsein ' und Rnssenabneigung entstandenes Ressentiment möglich, daß die Stellen in Deutschland, die für eine Betreuung des Jiddischen zuständig wären, es fast geschlossen boykottierten." Das Jiddische ist in vieler Hinsicht für die deutsche Sprache von Bedeutung. In vielen Gebieten gibt es zugleich deutsch- und jiddischsprechende Minderheiten. Hier wäre ein Zusammengehen der beiden Sprachen förderlich. Man könnte gegenseitig Erfahrungen, Publikationen usw. austauschen. In Rumänien gibt es zusammen etwa zwei Millionen Deutsche und Juden; . diese Zahl reicht zur Gründung einer deutsch-jiddischen Hochschule aus: ein Ziel, das die Deutschen allein nicht erreichen können. Weiterhin sind die Angehörigen der deutschen Minderheiten, die im allgemeinen geschlossener wohnen, nicht so sehr darauf angewiesen, die Landessprache zu beherrschen; daher wird durch sie die Kenntnis des Deutschen im Ausland weniger gefördert. Die Juden dagegen beherrschen fast überall neben dem Jiddischen die Landessprache; wenn sie daher in noch stärkerem Maße als bisher am Deutschen interessiert werden, dann sind sie die geborenen Mittler der deutschen Sprache. Kloß weist auf die Bedeutung der Zusammenarbeit in den Ländern hin, wo es starke und hochentwickelte jüdische landwirtschaftliche Siedlungen gibt. So zählt Argentinien 40 000 jiddisch sprechende Farmer, die auch über eine wertvolle Fachpresse verfügen. Hier könnteder Einfluß des Deutschen durch Zusammengehen vergrößert werden, und die Zusammenarbeit wäre für die deutschen Niederlassungen ein Gewinn. „Es sollte auch nicht übersehen werden," führt Kloß aus, „daß die Hauptverbreitungs.- gebiete des Jiddischen in Osteuropa außerhalb der Ukraine zugleich die einzigen Gebiete . . . sind, in denen das Deutsche nicht nur als Muttersprache . . ., sondern auch als Verkehrssprache . . . gesprochen wird. Ermöglicht wird das zum großen Teil durch das Vorhandensein des Jiddischen, und sein Untergang würde den Verlust des letztere Herrschaftsgebietes der deutschen Sprache bedeuten." ■" Kloß macht beachtenswerte Vorschläge zur Pflege des Jiddischen. So wäre es nötig, kurze jiddische Texte' in Antiqua herallszugeben, damit Nichtjuden zunächst einmal über die Schwierigkeiten des fremden Alphabets hinwegkommen; ein kleines Wörterbuch für den praktischen Gebrauch sollte dem Deutschen die Kenntnis der wichtigsten freunden Vokabeln im Jiddischen vermitteln. Kloß verlangt eine Zusammenarbeit mit dem Jiddischen Wissenschaftlichen Institut in Wilna, das sich die Pflege des Jiddischen zur Aufgabe macht. Die Ausführungen von Heinz Kloß sind nach jeder Richtung hin beachtlich; mail muß denl Verfasser zustimmen, wenn er sich einen Fortschritt davon verspricht, wenn erst einmal die „Jargon-Psychose" im Deutschtum überwunden sei. In den: gleichen Heft der „Mitteilungen" betont Dr. Franz T h i e r f e l d e r von der Haupt stelle der Deutschen Akademie nochmal die Bedeutung der ganzen Frage in einem Aussatz: „Neue Wege zur Verbreitung die Ihnen durch plöfjHchei Auftreten von Kopfschmerz, Migräne, Neuralgien odei rheumatischen Zahnschmerz vefj loren gehen* Und da müssen Sie Cifrovanille nehmen, denn es hilft Ihnen überraschend schneit und wirk) mild und un« schädlich. Tragen Sie es deshalb immer in der Tasche, das bewährte Mittel, Ihr Cifrovanillei Erhältlich in Apotheken In Pulver- oder Oblaten-Packung zu RMl.15. — Achten Sie aül den Namen und verlangen Sie ausdrücklich CITROVANILLE AHMjJrstoff kiHet.aopre*>ar% ird Jbtrali geführt), Bitte nehmen Sie in allen Korrespondenzen mit den Inserenten unserer Wochenschrift auf die Anzeige in der „C.V.-ZeitimgaBezug. 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