Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 505 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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505 Zum -ln-enken an C-uar- Glaser Offenes Schreiben an Herrn Geheimrat Adolf Erman Mit dem größten Interesse las ich Ihr Werk: „Mein Werden und mein Wirken". Aber Ihre Bemerkungen über Eduard Glaser finde ich sehr bedauerlich. Warum „Forschungsreisender" mit Anführungszeichen? Wer auch nur einen flüchtigen Blick in seine Tagebücher geworfen hat mit ihrem ungeheueren Marerial an geschichtlichen, archäologischen, folkloristischen, linguistischen, topographischen, meteorologischen u. a. Funden — alles mit peinlicher Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit berichtet —, wird sich Ihrem Urteil nicht anschließen können. „Er lebte in der Vorstellung, von Gott eine besondere Mission erhalten zu haben; er sollte Südarabren. die ihm gebührende Stelle in der Geschichte verschaffen." Als Laie glaube ich, daß er zu einem parken Selbstbewußtsein wohl berechtigt war. Bei seiner Beerdigung am 10. Mai 1908 sagte der hervorragende und berühmte Semitist Hommel in Anknüpfung an einen Vers Hamasas (von Rückert übersetzt): „Ja, werte Fachgenossen, euer Ritter ist gefallen! Der uns voranzog, indem er hochhielt das Banner der Wissenschaft, als ein Fürst und Held im Reich des Geistes. . . . Wie er unser Mittelpunkt war, so war, das darf ohne Uebertreibung gesagt werden, München durch ihn und seine durch ihn begeisterten Fachgenossen der Mittelpunkt der südarabischen Wissenschaft in den letzten anderthalb Jahrzehnten für ganz Deutschland. . . . Kein Zweig der weiten semitistischen Studien ist heute ohne Berücksichtigung der Sabäistik zu betreiben, und daß das so ist, ist wieder in erster Linie das Werk Eduard Glasers. . . . Darum gebührt ihm wie wenigen dieser Lorbeerkranz, den ich tiefbewegt hier niederlege." (Vergleiche Otto Webers Schriften - „Forschungsreisen in Südarabien bis zum Auftreten Eduard Glasers" (Leipzig 1907) und „Eduard Glasers Forschungsreisen in Südarabien" (Leipzig 1909) sowie das „Handbuch der altarabischen Altertumskunde" von Detlef Nielsen (Leipzig 1907), insbesondere Kapitel 2: „Geschichte Südarabiens im Umriß" von H o m m e l s; auch ich habe über ihn einiges (im Jahrbuche der jüdischen Geschichte 1909, S. 135 bis 179) mitgeteilt.) „Denn er hatte in seiner Narrheit bestimmt, daß sein ganzes wissenschaftliches Material bei seinem Tode verbrannt und so der undankbaren Welt entzogen werden solle." Wenn er derartiges äußerte (auch mir gegenüber machte er einmal eine solche Aeußerung), so war dies sicherlich nicht ernst gemeint. Von „bestimmen" kann gar keine Rede sein. Vielmehr hat er in seinem Testamente bestimmt (d. h. gebeten), Hommel und ich möchten nach Möglichkeit seinen Erben bei der Verwertung seines wissenschaftlichen Nachlasses behilflich sein. Sollte es so ganz unbegreiflich sein, daß ein Mann wie Glaser, der unter den größten Schwierigkeiten, Entbehrungen, Gefahren „der Wissenschaft neue Bahnen gewiesen" (wie Hommel sich an seinem Grabe ausdrückte), den aber schwere Nahrungssorgen bedrückten, dessen früher Tod wahrscheinlich durch diese Nahrungssorgen mitverschuldet wurde, in einer unbeschreiblichen Verbitterung manche Aeußerung tat, die anderen, materiell erfolgreichen Menschen nie in den Sinn kommen könnte? Noch bedenklicher ist Ihre Bemerkung, daß er „durchaus nicht immer einfach und unschuldig im Handel war". Da Sie keine Tatsachen als Belag anführen, kann ich Sie allerdings nicht widerlegen; aber bemerken darf ich wohl, daß Sie mit diesem Urteil wohl allein stehen dürften; wer ihn kannte, schätzte und achtete ihn, soweit meine Kenntnis reicht, nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen, sondern auch wegen seines Charakters. Vielleicht könnte auch die Staatsbiblio t h e k München, die von Glaser Handschriften erwarb. Ihnen Auskunft geben (obwohl allerdings der damalige Direktor nicht mehr am Leben ist). Geradezu empört haben mich die Bemerkungen des Freiherrn von Vissing in seiner Besprechung Ihres Buches in den „Süddeutschen Monatsheften": Der „Arabist" (mit Anführungszeichen, also Pseudo-Arabist) Glasern Ich bezweifele, ob auch nur ein einziger Gelehrter in Europa solch glänzende theoretische ^und praktische Kenntnisse der arabischen Sprache und Kultur besitzt, wie sie Glaser besah. Gründe privater Natur — das muß zur Ehre von Bifsings betont werden — waren hier sicherlich nicht die Triebfeder. Soviel mir bekannt, waren die beiden Männer niemals persönlich verfeindet. Auch Grund zum Neid ist nicht gegeben: Wenn auch Glaser seiner wissenschaftlichen Bedeutung nach Freiherrn von Vissing überragte, so ist doch auch dieser als hervorragender Gelehrter anerkannt; überdies hat er es „weiter gebracht" als Glaser (letzterer brachte es niemals zur Universitätsprofessur und Akademiemitgliedschaft), er ist ein steinreicher Mann, während Glaser — trotz seines angeblich angeborenen Handelsgeistes — fast vermögenslos war. Kleinliche Motive solcher Art sind also auszuschalten. Nur der große, heilige Gesichtspunkt der „Nass e" diktierte dein Freiherrn seinen Hohn in die Feder. Glaser war ja Jude, hieraus ergibt Gute Bücher für 2.85 M. ROMANE UND ERZÄHLUNGEN » BILLIGE, UNGEKÜRZTE NEUAUSGABEN » HOLZFREIES PAPIER GUTER DRUCK GESCHENK-GANZLEINEN-BKNDE . JEDER BAND NUR 2.85 M, JACOB WASSERMANN: Das Gansemännchen 585 Seiten C. LUDW. 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