Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277676-2277714--06271-2287080- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
504 Vögel, so stellen diese — es handelt sich dann ausnahmlos um Gräber von Müttern — je ein lUnterbliebenes Kind dar, und es ist gewiß hübsch empfunden, daß man die Taube, das Sinnbild der Unschuld, für diesen Zweck hervorragend bevorzugt. (Siehe Nr. 3 und 4, Grabsteine gelehrter Frauen.) Eine andere Gruppe von Todessinnbildern, deren Motive dem Tierreich entstammen, hat einen Löwen im Mittelpunkt, neben dem eine Rosette oder ein Blatt zu schweben Pflegt. (Nr. 18.) Die Rosette bedeutet eine von oben gesehene Blüte, die aus einem gebrochenen Zweige herauswächst. Nun fällt es nicht schwer, den bildlich geschilderten Vorgang dahin zu deuten, daß der Löwe als Sinnbild des Starken, des Ueberwinders, des Todes dem erlöschenden Leben (verkörpert durch die stempellos zur Erde sinkende Blüte oder das fallende Blatt) gegenübergestellt ist. Andere Tierbilder stehen dieser Schönheit einer, wenn nicht erschöpfend, so doch andeutungsweise zu künstlerischem Ausdruck gebrachten Absicht ferner: sie sollen lediglich die Namen der Toten erläutern (Wolf, Hirsch, Bär usw.), aber das scheitert häufig an Zeichnerischen Unzulänglichkeiten. Das Grabsteinbild Nr. 9 gibt ein Beispiel dieser Gruppe (Hirsch), der Name des Toten; die segnend zum Himmel gereckten Hände verkünden, daß der Verstorbene ein Angehöriger des Priestergeschlechts war. Einen Hinweis aus das Gelehrtentum Verblichener enthalten die in vielerlei. Arten der Wiedergabe auf den Grabsteinen erscheinenden Bücher, wie bei den Abbildungen 2, 4, 5, 10, 11, 13, 15 und 17. Grabsteine mit Sabbatlichtern (Nr. 1, 13 und 14) nehmen aus den jüdischen religiösen Brauch Bezug. Die hier abgebildeten Grabsteinsinnbilder find natürlich nur als Beispiele zu werten, herausgegriffen aus einer unendlichen Fülle von Schöpfungen dieser Art, die ich auf jüdischen Friedhöfen Rußlands kennenlernte. Gemeinsam ist allen diesen Grabsteinen die chlichte, oft unbeholfene Zeichnung, die nicht elten ungenaue Wiedergabe der Naturformen owie die geringe Beachtung der Perspektive. (Siehe u. a. die Geldkassette in Nr. 12 oder die Bücher auf den Grabsteinen Nr. 2 und 11.) Nebereinstimmend weisen sie aber einen tiefen religiösen Gehalt aus, der sich trotz der grellen, leuchtenden Farbengebung stark und nachdrücklich durchsetzt. Sammlung Zigöor Ein seltener Leuchter in Ser ■ . s i Im September versteigert das Berliner Auktionshaus Paul C a s s i r e r den umfangreichen Kunstbesttz des Wiener Sammlers Dr. Albert Figdor. Man erinnert sich, daß Figdor im Jahre 1911 seine kostbare Sammlung dem Kaiser Franz Joseph für das Wiener Hofmuseum als Geschenk angeboten hatte — daß jedoch dieses Anerbieten vom österreichischen Staate a b g e l e h n t worden ist, weil Dr. Figdor Jude war! Unter den ebenso zahlreichen wie kunsthistorisch und kulturgeschichtlich interessanten Erzeugnissen des Kunstgewerbes fällt in der Sammlung Figdor eine kleine Chanukkalampe des Mittelalters ins Auge, die, abgesehen von ihrer künstlerischen Bedeutung für die Geschichte des Chanukkagerätes, von hervorragender Bedeutung ist. Während sich die Entwicklung des freistehenden Chanukkaleuchters von den frühesten Anfängen bis zu den modernen Stücken unserer Tage übersehen läßt, ist die Geschichte der kleinen Chanukkalampe noch nicht geschrieben worden. Man weiß, daß sie dazu bestimmt war, an der Wand des Zimmers befestigt zu werden, wozu eine Oese an der glatten Rückwand des Gerätes angebracht wurde. Auch das Exemplar der Figdor-Sammlung, das wohl um 1320 bis 1350 entstanden ist, ist, wie seine Geschwister im Barock, Rokoko und Biedermeier, für den Oelgebrauch eingerichtet. Sein dreieckiger Aufbau gliedert sich in die waagerechte Schale mit den acht Flammen und dem Behältnis für den Diener, dann folgt eine Säulchenreihe — in ihren Formen verraten die Säulen den Geist der Gotik — mit Maßwerkdekor über den Kapitellen sowie die auf das Licht bezügliche hebräische Inschrift, die in der Uebersetzung lautet: „Das Gesetz und die Thora ist das Licht." Diese Inschrift wird von zwei Löwenfiguren flankiert, einem Motiv, das uns von Zahlreichen Thoravorhängen ja hinreichend bekannt ist. Nicht zu vergessen dann in der mannigfaltigen Ornamentierung der Messinglampe die Medaillons aus der eigentlichen Wandplatte, von denen das mittlere größte in Vierpaßsorm einen Drachen zeigt, während die Rundmedaillons von Löwen — in Anlehnung an die die Inschrift tragenden Figuren — ausgefüllt werden. Auch in der Gestaltung dieser Medaillons, deren Formen an die Fensterrosen und Maßwerkdekore der großen Kathedralen gemahnen, wird der gotische Geist der Entstehungszeit des Gerätes deutlich spürbar. Die Chanukkalampe der Sammlung Figdor nimmt in der Geschichte dieses Gerätes eine bedeutsame Stellung ein. Im Volksmunde kannte man zumeist nur Stücke aus Blech gefertigt, die man mit „Chanukka-Eisen" zu bezeichnen Pflegte. In den „Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" (Frankfurt a. Main, Bd. 3, 4, 1903) spricht Heinrich Frauberger im Nahmen einer Betrachtung über Shnagogenschmuck über ähnliche Chanukkalampen aus Bronze, GelbkuPser^Ton und Porzellan. Er erwähnt neben dem Stück aus dem Besitze Albert Figdors, dessen genauere Datierung erst jetzt durch Otto v o n Falke im Auktionskatalog vorgenommen wird, noch mehrere Geräte in der Sammlung Strauß im Museum Cluny in Paris, ferner im Museum der Gesellschaft zur Konservierung jüdischer Altertümer in Wien und schließlich in englischem und deutschem Privatbesitz. Die Form der mittelalterlichen Chanukkalampe, wie sie durch das Figdorsche Stück am .besten repräsentiert wird, hat sich lange gehalten. In der Zeit des Barock und Rokoko wechselte einzig und allein der die hebräische Inschrift umgebende Dekor; alles andere bewahrte den Charakter der frühen Gotik vr. Olga Bloch (Berlin). «MW Heben 8ie die deutsche Wirtschaft durch kauf deutscher br^euZnisse! KRUPP sind deutsche Spitzenarbeit Krupp Registrier-Kaiser Gesellschaft m. b.H.f Essen Musterlager u.Vertreter In allen grösseren Städten. Anthrazit - Lager rr F. Wilhelm Schuitze rr G * m b H Gas-und Schmelzkoks aller Arten / Anthrazite, deutsch und englisch / Sämtliche anderen Brennstoffe □ ^„1’ 0\A/ 11 Fernsprecher: B2 Lützow 1081 —1083 Döriin OVV II B1 Kurfürst 8160 KASSEN