Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 38 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- Seite 499 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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A. Herrmann &Sohn BERLIN W 50 Ansbacher Strasse 42/43. B 4, BAVARIA 5947. Schokoladen / Gebäck / Tee Feines Teegebäck von M. 0,98 an Dr. Fromm’s Nährmittel für Zuckerkranke. daß der „Entscheidungstampf zwischen Nationalsozialismus und Bolschewismus . äg nur n o cf) m 11 b e r SB a ff e i n derHand aus - get ragen werde"? Nein, die führenden, besonnenen, Veranüvor- Lungsbewußten Führer des deutschen Volkes werden nicht Arm in Arm mit Hitler und dessen Getreuen in der Politischen Arena erscheinen. Der Sieg des R a d i k a l i s m u s wird B e s i un l i ch k e i t und K a m p f e s m u t auslvse n. A u ch unserer warte n neue, große Ausgaben. An sie heißt es, unverzagt, in klarer Erkenntnis über den gewaltigen Feind, heranzugehen. Unsere Freunde werden große Leistungen vollbringen müssen. Wir werden mit ihnen unser Deutschturn und unser Judentum bis zum letzten verteidigen, und wir werden dabei gesegnet sein. Wie überwindet das deutsche Volk den Nationalsozialismus? Diese Frage haben wir Politikern verschiedener Parteien vorgelegt. Wir beginnen nachstehend mit der Veröffentlichung der uns bisher zugegangenen Antworten. Die Schriftleitung. Reichsinnenminifier Dr. Vieth verweist uns auf die Rundfunkrede, die er Dienstag abend gehalten und in der er u. a. ausgeführt hat: „Wie ist diese politische Explosion im deutschen Volke möglich gewesen? Als Reichsinnenminister sind mir die Psychologie des deutschen Volkes und die politische Auswirkung seiner im Tiefsten berührten Psyche nicht gleichgültig. Man kann in einem Volke nicht von einem gesunden Verfassungsleben sprechen, wenn aus der Tiefe des Volkes Ströme des Radikalismus ausbrechen, die geradezu dem Ausbruch eines Vulkans gleichen. Jede Staatssührung würde danach trachten, diese radikalen Ströme in ein Fahrwasser zu lenken, wo sie vielleicht im Dienste des Staates, wenn auch nur negativ, noch irgendeine Funktion erfüllen können. Möge man das im Ausland beachten, wo man teilweise die Hände über dem Kopf Zusammenschlagt über diese Welle des Radikalismus. Aber so groß sie auch ist, eine überlegene Staatsführung wird sie meistern, und die schon heute eingetretene Betrachtungsweise wird das übrige tun, sie wieder abklingen zu lassen. In allem Ernste sei es gesagt: Wie das deutsche Volk in einer zwölfjährigen harten Schule des Leidens und Opferns und Ertragens ausgehalten hat, das hat seine Grenze erreicht. Wer draußen in der Welt nicht steht, daß die Grenze des Möglichen für das deutsche Volk gekommen ist, der möge sich einmal prüfen, ob er denn selbst einmal jurrg gewesen ist. Jung sein heißt doch Lebenshoffnung in sich tragen. Eine Jugend ohne Hoffnung, ohne Lebensfreude, das ist ein Widerspruch in sich. . . Wir sind von dem Willen beseelt, das deutsche Volk zur Selbstverantwortung Zu führen, das heißt, es zu politisieren im wahrsten Sinne des Wortes. Wir erheben mahnend die Stimme und bitten alle Menschen von politischem Rang und politischem Willen, sich klarzumachen, daß die Entscheidung darüber, ob die deutsche Jugend, die jetzt Zum erstenmal zur Wahlurne geschritten ist, politisch, das heißt für den deutschen Staat, und ob sie auch Politisch für die Form des Zusammenlebens der Völker im Völkerbund und darüber hinaus für den Gedanken des Rechts und schiedsrichterliche Entscheidung etwa aufkommender großer Fragen gewonnen werden kann. Nicht ausschließlich wir sind mit schuld an Dingen, für die die ganze Welt mit verantwortlich ist. Der Appell an die deutsche Jugend ist deshalb ein Appell an die Jugend der Welt." Rechtsanwalt Dr. Wilhelm Runz, -er bekannte berliner Führer -er Deutschen volkspartet, schreibt: Die NationalsoZml'isten haben bei den Neichstagswahlen einen Erfolg erzielt, wie er in der politischen Geschichte Deutschlands noch nicht aufzuweisen gewesen ist. Forscht man den Ursachen nach, so ist sestzustellen, daß die Schuld an dem Anwachsen der Nationalsozialisten außer in der Not der Zeit in erster Linie bei den regierenden Gewalten, aber auch bei dem schlafenden Bürgertum zu finden ist. Die Schuld der regierenden Gewalten liegt darin, daß sie glaubten, eine aus der Not des Volkes geborene Bewegung mit drakonischen Mitteln, mit Verboten aller Art, Bestrafungen von Beamten usw. bekämpfen zu können. Durch derartige Maßnahmen unterdrückt man keine Bewegung, man schasst Märtyrer und verhilst auch einer in sich widersinnigen Bewegung zu unverdienten Erfolgen. Das Bürgertum hat seine Kräfte in der gegenseitigen Bekämpfung vergeudet und bei dieser Gelegenheit den Kampf gegen die herankommende Bewegung des Nationalbolschewismus völlrgaußerachtgelas se n.Lasmanin den letzten Wochen vor der Wahl Zeitungen, die den mittleren Parteien nahestanden, so konnte man mit Entsetzen sehen, daß gerade die nahestehenden Gruppen sich untereinander in einer Weise befehdeten, wie es unglaublicher nicht gedachtwerdenkann. Es war auch meines Erachtens ein schwerer Irrtum, wenn der Führer der Demokraten glaubte, mit Hilfe des Jungdeutschen Ordens einen neuen Samwlungspunkt für das Bürgertum in der Staats- Partei bilden zu können. Es mag für manchen Bürger ein schwer tragbarer Gedanke sein, wenn gefordert wird, daß alle diejenigen Kräfte, die sich zur Bejahung des heutigen Staates durchgerungen haben, soweit sie nicht in der Sozialdemokratie durch den Sozialismus oder im Zentrum durch die katholische Religion gebunden sind, sich zu einem großen Parteiblock zusammensrnden müssen. Man vergißt dabei, daß es ein außerordentlich schwerer Kampf für Männer wie H o e tz s ch, L i u d e i n e r - W i l d a u gewesen sein muß. wenn sie, die solange Jahre in der Bekämpfung des heutigen Staates sich verzehrt hatten, sich zur Anerkennung dieses Staates und für die politische Arbeit für diesen Staat durchgeruugeu haben. Eine derartige Bewegung zu fördern, ist unbedingte Pflicht. Wenn das Bürgertum gegenüber rechts und links überhaupt eine Bedeutung haben will, daun ist es notwendig, daß eine große Front derjenigen sich bildet, die bereit ist, auf bürgerlicher Grundlage am Staate und im Staate mitzu arbeiten. Man wird jetzt nach den Wahlen mit Ruhe an die Sammlung des Bürgertums Herangehen müssen und es wird insbesondere Ausgabe derjenigen Kreise und Gruppen sein, die durch Abgeordnetenmandate oder durch das Streben nach Abgeordnetenmandaten nicht belastet sind, den Weg für die Sammlung des gesamten staatserhaltenden Bürgertums vorzubereiten. Notwendig ist für die Zukunft, insbesondere für die positive Bekämpfung, des National- Bolschewismus, daß man sich mehr als bisher positiv mit der Jugend beschäftigt. Es ist nicht notwendig, wie es gewisse Kreise der jungen Generation, die zwar einen großen Stimmenauswand, aber keine Wühler ausbrachten, forderten, daß nunmehr bei den Kandidatenlisten unbedingt junge Leute im Alter bis zu 80 Jahren erscheinen. Bergißt man doch so oft, daß die Generation, welche wirklich das Fronterlebuis . . . in sich trägt, honte die Jahre von 35 bis 60 umfaßt, und man vergißt, daß gerade diese Kreise, die infolge Aufbau der eigenen Existenz nach dem Kriege nicht in der Lage waren, sich politisch zu betätigen, in erster Linie ein Recht auf Mitarbeit am Staate haben. Nottut a b e r A r b e i t u n d Verstehen der Jugend. Mit großem Schmerz hat man tn den Letzten zehn Jahren die Beobachtung machen können, daß das deutsche SLudententum sich selbst überlassen war, daß man feinen alten Ideen keinerlei Verständnis entgegenbrachte, daß man es als unmündig abtat und daß man vergaß, daß alle diese jungen Leute eines Tages berufen sind, im Staate mitzuarbeiten. Es war einer der heißesten Wünsche des verstorbenen Dr. Stresemann, wie er sich ausdrückte, um die Jugend, um d i e Seele der Jugend kämpfen zu dürfen. Den Kampf um diese Seele hat nmn vergessen. Er muß jetzt erneut ausgenommen werden, um dem Unheil, das uns droht, zu steuern. Notwendig für diesen Kampf ist aber, daß man nicht künstlich Klassenu n d Nass engegensätze züchtet. Nach dieser Richtung hin ist von allen Seiten gesündigt worden. Will man den Kampf gegen den Nationalsozialismus führen, und er muß geführt werden, so ist es notwendig, daß sich die anständigen Menschen aus allen Lagern die Hand reichen und daß sie ihrerseits die verhetzte Jugend aufklären und sie mit Liebe zum Volke und zum Staate erziehen. Die Forderung dev Stunde lautet deswegen: Alle positiven Kräfte heran für die Arbeit an den Staat! Mit schweren Opfern haben wir die Freiheit des deutschen Vaterlandes nach außen erkämpft. Die jetzige Aufgabe ist es, durch Opfer und Arbeit und durch Ueberwindung aller Klassen- und Rassengegensätze die Freiheit im Innern und damit die Ordnung und Festigung unseres Staatslvesens wiederzugewinnen, die eine Nation nun einmal zum Leben braucht. Otto Nuschke, Mitglied -es preußischen Landtages, schreibt: 107 Nationalsozialisten und 76 Kommunisten — das kann auf die Dauer keinen arbeitsfähigen Reichstag geben! Gleichwohl mutz man sich den Gedanken aus dem Kopfe schlagen, daß wir in kürzester Zeit wieder wählen könnten. Solange die wirtschaftliche Lage für viele Volksgenossen so verzweifelt ist wie gegenwärtig, wird sich