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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · p. Seite 488

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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Der Mannigfaltigkeit von Erklärungen, Deutungen und Angriffen, die von außen her auf den jüdischen Menschen zielen, entspricht eine für den Außenstehenden verwirrende Vielseitigkeit von Bestrebungen und Meinungen innerhalb des Judentums selbst. Wir haben es demgemäß als unsere Aufgabe betrachtet, nicht stur die von Nichtjuden, von konfessionellen und von Rassenstandpunkten an das Problem herangetragenen Auffassungen zu sammeln, sondern auch die innerjüdischen Spannungen auszumessen und damit nach Möglichkeit zu einer sachlichen Klärung des Problems beizutragen. Es sind wohl so ziemlich alle grundsätzlich wichtigen Standpunkte zu Worte gekormnen. Vielleicht am wenigsten noch der sich unmittelbar aus den Evangelien und der Apostelgeschichte ergebende, nach dem die Juden, unter denen der Heiland und seine Jünger geboren wurden, an erster Stelle berufen waren, das Christentum aufzunehmen und auszubreiten." Das Heft bietet zunächst einen unterrichtenden Ueberblick über das Wesen des Judentums, insbesondere eine ausgezeichnete Studie über die jüdische Religion in der Gegenwart von Leo B a e ck. Aus reicher Kenntnis der Verhältnisse berichtet Jsmar E l b o g e n über die „Wanderungen der Juden". Unfern Centralverein behandelt Dr. Eva Reich m a n n - I u n g m a n n in einer ausführlichen Studie, die das Grundsätzliche in Gedankensührung und Tätigkeit kurz, aber völlig erschöpfend darstellt. Wir hoffen, diese Darlegungen wenigstens teilweise in der „C. V.-Zeitung" wiedergeben Zn können. Der Zionismus konunt durch Gerhard H o l d h e i m und Israel Cohen zu Worte. H o I d h e i m ist es zu danken, daß er deutlich von dem Gedgnken eines souveränen Judenstaates in Palästina abrückt und sich für eine binationale Siedlung einsetzt. Leider sind die innerjüdischen Gedankengänge, die das Wesen des Zionismus ausmachen, nicht mit der nötigen Vollständigkeit zur Darstellung gelangt. Gerade sie wären im Zusammenhang dieses Heftes wichtig gewesen. Die programmatischen Grundlagen des Verbandes nationaldeutscher Juden entwickelt Max Naumann. Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche nehmen in besonderen Aussätzen zu den Fragen des Judentums Stellung. Im letzten Teil des Heftes sprechen sich Kritiker des Judentums, wie Ernst Jünger, und Judengegner, wie Graf N e v e n t l o w und Theodor Fritsch, aus. Die Aufsätze von I ü n g e r und von R e v e n t l o w werden eine besondere Behandlung notwendig machen.. Der Aufsatz von Fritsch dagegen wärmt nur alte, längst widerlegte Anschuldigungen gegen das Judentum aus. Sehr interessant sinst die Abhandlungen von K o r n i ck e r und e i - b e r t, die sich mit der Stellung der beiden großen antidemokratischen Weltideen des Faschismus und des Bolschewismus zum Judentum befassen. Gerade diese neuartigen und noch unbekannte Tatsachen verarbeitenden Aufsätze verdienen die besondere Beachtung unserer Leser. Jnr ganzen haben die „Süddeutschen Monatshefte" sich mit der Herausgabe dieses Sonderheftes einer Ausgabe unterzogen, für die wir ihnen im Interesse der Klarstellung und des gegenseitigen Sichkennenlernens nur dankbar sein können. L. H. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei. Der Jüdische Buch- und Kunstverlag in Brünn, Rennergasse 20, gibt im Anschluß an das vor kurzem bei ihm erschienene Werk „Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart" von Hugo Gold, eine Zeitschrift in Viertelsahrsheften heraus, die sich zur Aufgabe stellt, die jüdische Heimatkunde der lokalen mährischen Gemeinden, die jüdische Folkloristik, die Familiengeschichte der Juden und ähnliche Gebiete zu pflegen. Die erste Nummer enthält eine Reihe von interessanten Aussätzen, die dem entworfenen Programm entsprechen, und wir können nur wünschen, daß die neue Zeitschrift über Mähren hinaus Anklang und Eingang finden möge. ck. R. 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