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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · p. Seite 487

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
Seite 487 (sequence 7)
Language
German
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4S7 Mzt in Gjlelbien Warnung an bk Lauen: So wirkt sich der Wirtschaftsboykott aus! Heilwirkend! In der dorn ReichstagZabgeordneLen Julins Moses herausgegebenen Zeitschrift „Der Kassenarzt" lesen wir einen Aussatz „Arzt in Ostelbien", dem wir um fctner prinzipiellen Bedeutung willen nachstehende Ausführungen entnehmen. Sie mögen unseren Lesern zeigen, wohin der politische Weg geht, wenn ihm nicht bitvd) eine besonnene Wahlentscheidung rechtzeitig ein Damm gesetzt wird. Die Schristleitung. Der praktische Arzt Dr. N., ein ausgezeichnet vorgebildeter moderner, junger Arzt, entschließt sich, in einer Provinzstadt Ostelbiens sich niederzulassen. Man weiß, daß heute ein solcher Entschluß einem jungen Mediziner nicht leicht fällt. Ueberall klagt man über die Landflucht der Aerzte. Niemand will aus der Stadt auf das „Land" hinaus. Die Praxis draußen ist sehr schwierig, undankbar: für die geistigen und kulturellen Bedürfnisse eines jungen Intellektuellen, der wahrend seiner Studien in der Großstadt in dieser Beziehung sehr verwöhnt ist, wird wenig oder gar nicht gesorgt. . . . Der Arzt, der das tut, handelt neben wirtschaftlichen Erwägungen gewiß aus Berufsfreude, Idealismus und sozialem Verantwortungsgefühl. Auch unser Arzt, ein gebürtiger Süddeutscher, faßte den Entschluß, in die Provinz zu gehen. Er vertauschte vor zwei Jahren seine schöne Heimat mit dem kalten Norden und ließ sich in dem kleinen, etwa 8000 Einwohner zählenden Städtchen X. in Oftelbien hart an der polnischen Grenze nieder. Hätte er gewußt, was ihm bevorstand, hätte er möglicherwei.se anders gehandelt. Er nahm aber an, daß X, für einen gut ausgebildeten Arzt ein dankbarer Boden sei — und darin irrte er sich leider. - m In seinem Berufe ist er außerordentlich tüchtig. Das wurde uns von Einwohnern des Ortes bestätigt. Der beste Beweis dafür ist, daß feine Privatpraxis die größte in X. geworden ist, im Laufe von zwei Jahren. Die Leute haben 31t ihm Vertrauen. . . . Trotz seiner Tüchtigkeit ist aber unserem Arzt vorn ersten Moment an das Leben in X. zur Hölle gemacht worden. Seine Antrittsbesuche lvurden von den älteren Kollegen nicht erwidert. (Uebrigens: der wirtschaftliche Konkurrenzneid ist so stark ausgeprägt, daß auch die alten Herren Doktoren miteinander nicht verkehren.) Er ist gesellschaftlich versehmt. Niemand will etwas von ihm wissen, er ist für die Honoratioren Lust. Wo es möglich ist, werden ihm auf Schritt und Tritt Schwierigkeiten bereitet. Die Krankenkasse in X. verweigert dem Arzt die Zulassung zur Kassenpraxis. Obgleich er jetzt nach 2% Jahren an der Reihe ist, wird seine Zulassung unter den nichtigsten und fadenscheinigsten Vorwänden immer wieder hinausgeschoben. Gegen N. ist nichts einzuwenden. Er ist tüchtig — feine ständig steigende Privatpraxis beweist das —, er verfügt über ein umfangreiches Wissen, aber der Zulassungsausschuß, drei Vertreter der Kassen, drei Aerzte, wollen von ihm nichts wißen. Er hat was gegen ihn. Was? Das ist leicht zu sagen. Dr. N. pflegt Patienten zur Röntgenuntersuchung einem anderen Kollegen zu überweisen! Dieser andere Arzt revanchierte sich dafür, indem er einem Patienten erklärte: „Sagen Sie mal, weshalb gehen Sie als ehrlicher Christ zu diesem Juden N?" . . . Solche Nadelstiche prasseln unzählig auf Dr. N. herab. Und dieses ganze abenteuerliche, unsäglich kleinliche Kesseltreiben hat nur einen Zweck: den Dr. N. zu zwingen, möglichst bald wieder aus der Stadt zu verschwinden. Man will ihn entnerven) mutlos machen. Und warum dieser Terror? Es ist Ostekbien. . . . Dr. N. hat einen Fehler, der ihn dort unmöglich macht. Er ist zwar ein sehr guter Arzt, ein friedfertiger Mensch, weder juristisch noch menschlich noch kollegial läßt sich etwas gegen ihn einwenden, seine Praxis ist vom volksgesundheitlichen Standpunkt für den Ort ein Vorteil, denn er ist zweifellos der beste Arzt in der Gegend, aber — er ist Republikaner und Jude. Er hängt am Verfassungstag die Fahne der Republik aus dem Fenster. Darf ein Arzt in X. verfassungstreu sein? Darf er Jude sein? Nein! Der Herr Apotheker nimmt es z. B. krumm. Der Herr Apotheker stellt an jedem Geburtstag Ludendorfss dessen Bild, feierlich bekränzt, in das Auslagenfenster und illuminiert es am Abend. Der Herr Apotheker flaggt an „nationalen" Festtagen seine Apotheke mit einem Hakenkreuz, er findet, daß die Verfassungstreue des jüdischen Arztes eine Provokation ist; die anderen Fachinger Versandstelle, Berlin SW LI, Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Liitzow 82)0,61. Aerzte murren, daß am Verfassungstage außer den amtlichen Stellen auch ein Arzt schwarzrotgold flaggt. Muß das sein? Und deshalb beweist der Herr Kollege seine Kollegialität, indem er einen an ihn überwiesenen Patienten fragt: Weshalb gehen Sie als ehrlicher Christ zu diesem Juden? Und er meint damit: Es gibt doch genug christliche Aerzte hier. Eine offene und unverhüllte Boykottausforderung. Diese und noch andere Tatsachen wurden uns von zuverlässiger, objektiver und gut informierter Seite berichtet, die persönlich mit Herrn Dr. N. in keiner Weise sympathisiert, noch die Hetze gegen ihn mitzumachen gewillt ist. Die Bevölkerung ist mit ihm zufrieden, sucht ihn auf. Zahlreicher als die alteingesessenen Kollegen. Und dies ist auch der Hauptgrund der Abneigung der Kleinstadt- Honoratioren. Republikaner, Jude und wirtschaftlicher Konkurrent! Das ist zu viel. . . . Unser Arzt besitzt ein Rückgrat und ist ein Mann. Er läßt sich nicht fortekeln. Er will sich durchsetzen. Es wird ihm gelingen. Und nun erst recht, sagt er. Auch Ostelbien ist ein Teil der deutschen Republik. Auch in Ostelbien wird ein Staatsbürger sein verfassungsmäßiges Recht der staatsbürgerlichen Gleichheit und Freiheit erzwingen. Der Fall ist, wie gesagt, dokumentarisch belegt. Wir verzichten mit Absicht darauf, jetzt, unmittelbar vor den Wahlen, den Namen des Arztes und die Stadt zu nennen, in der sich diese „bürgerliche Tragödie" abspielt. Wir wollen nicht, daß man uns nachfagt, wir hätten den Fall zur Wahlpropaganda ausgenutzt. Wir wollen den gleichen Vorwurf dem Arzte ersparen. Er kämpft nur um sein Recht der Existenz. Aber nach den Wahlen werden wir alle Details und Akten der Öffentlichkeit unterbreiten . . . Dieser Fall ist nicht vereinzelt. Er ist typisch für die unhaltbaren Verhält.-Üsse in gewissen Provinzstädten. In den letzten Monaten sind uns mindestens sieben gleichartige Fälle auch ans anderen Gebieten bekannt geworden. ... kine richtige Wahl trifft wer Österreichische Regie-Zigaretten raucht, Zigaretten von Wohlgeschmack und Rasse Drama 3 Pfg. Pagat 4 Pfg. Memphis 5 Pfg. III. Sorte 6 Pfg. Sie werden unter diesen vier Sorten sicherlich das Ihrem Geschmack Angemessene finden. Bitte erproben Sie unser Angebot! Äübakwcwen. Sec GmbOMüncherr

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