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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 470

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 470 (sequence 6)
Language
German
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470 Für den Wahlkampf Das Geld in der Politik In diesen Tagen erscheint im Verlage 8. Fischer ein umfangreiches Buch des unseren Lesern durch seine Beiträge in der „6. V.-Leitung" wohlbekannten Wirtschaftspolitikers Richard Lewinsohn (Morus): „Das Geld in der Politik.“ Das Buch, das von der politischen Bedeutung des Geldes im alten und im neuen Regime, im Ausland und im Inland, im parlamentarischen Staate wie im Faschismus und im Sowjetsystem spricht, zeigt auch die Rolle des Geldes bei der Entstehung der politischen Verbände. Aus diesem unsere Leser hier besonders interessieren- > den Kapitel stellen uns Verfasser und Verlag nachstehende Abschnitte freundlicherweise zum Vorabdruck zur Verfügung. Die Schriftleitung. Hitlers ausländische Geldgeber Während der bayerisch-klerikale Flügel der Münchener Nationalbewegung Ziemlich unbeschädigt und unbeachtet in den bürgerlichen Alltag zurückfand, mußten sich die Hitler- Putschisten immerhin einige Prozesse^ und Untersuchungsausschüsse gefallen lassen. Bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, daß Adolf Hitler auch außerhalb der bayerischen Jndustriezone über viele hilfreiche Hände verfügte. Von Berlin aus unterstützten ihn die Borsig-Werke und, nachhaltiger, der damalige Mitinhaber der Klavierfabrik Bechstein, Edwin Bechstein, aus Sachsen Geheimrat von Phillipps, aus dem Ruhrgebiet sandte der Verein der Eisenhüttenleute erhebliche Summen, und auch die würt- Lembergische Maschinenindustrie hatte Geld für die Hitler-Bewegung übrig. Und endlich fehlte es nicht an edlen Frauen, die Adolf Hitler mit einer bescheidenen Gabe bedachten. « Am überraschendsten aber war doch, in welchem Umsang Adolf Hitler aus dem Ausland finanziert worden ist. Da stellten ihm Schweizer Freunde 330 000 Francs zur Verfügung, da sammelte der Universitätsprosessor Freiherr von Bissing in Holland Gulden für die nationale Tat, da drückten Deutschamerikaner ihm durch Dollarspenden ihre Sympathie aus. Aber auch in der Tschechoslowakei nahmen die Industriellen von Duschnitz, von Arthaber und selbst Direktoren der größten Rüstungsfirma, der von den Franzosen kontrollierten Skoda-Werke, an den Geldsammlungen für Hitler teil. Gewiß versprach sich die Rüstungsindustrie von dem Vormarsch Hitlers, wohin auch immer er zuerst marschierte, manches Gute. Hitler nahm, im Geiste des größeren Deutschlands, die Hilfe von dieser und jener Seite der Reichsgrenze gern entgegen, denn die Vorbereitung des offenen Bürgerkrieges verschlang große mummen. Trotzdem wurde, wie der Kassierer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei eimnal vor Gericht aussagte, jederzeit streng darauf geachtet, daß nicht etwa Juden Geld in die Partei einschmuggelten. Die oft vorgebrachte Behauptung, daß Hitler auch von den italienischen Faschisten Geld bekäme, ist niemals einwandfrei bewiesen worden. Sozialisierung mit Ausnahmen Um sich nicht die Gunst ihrer großkapitalistischen Geldgeber Zu verscherzen, haben die Nationalsozialisten allerdings Konzessionen gemacht wie keine andere politische Gruppe in Deutschland. In dem Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei heißt es: „Wir fordern eine unseren nationalen Bedürfnissen angesmßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung voll Boden für gemeinnützige Zwecke." Ta das Wörtchen „unentgeltliche Enteignung" bei den bürgerlichen Rechtsgruppen viel Anstoß erregt hatte, sah sich Adolf Hitler gezwungen, am 13. April 1928 eine „Erklärung" abzugeben: der Passus „Unentgeltliche Enteignung" beziehe sich nur auf „die Schaffung gesetzlicher Möglichkeiten, Boden, der auf unrechtmäßige Weise erworben wurde oder nicht nach den Gesichtspunkten des Volkswohls verwaltet wird, wenn nötig, zu enteignen. Dies richtet sich demgemäß in erster Linie gegen die jüdischen Grundspekulationsgesellschaften". Um es aber noch deutlicher zu machen, wo die sozialistische Gedankenwelt der Nationalsozialisten aufhört und das Verständnis für den Kapitalismus anfängt, gab der offizielle Kommentator des Parteiprogramms, d^r nationalsozialistische Abgeordnete Gottfried Feder, eine Erläuterung, wer auch von den Nationalsozialisten als Unternehmer anzuerkennen und von Je näher die Reichstagswahlen heranrücken, um so intensiver gestalten sich die Bemühungen der Nationalsozialisten, ihre Jugendorganisationen, die sich aus vorwiegend nicht wahlberechtigten Mitgliedern rekrutieren, in die Agitationsarbeit einzubeziehen. Sie gehen dabei von der vermessenen Annahme aus, daß diese politisch in keiner Weise geschulten Menschen berufen sind, binnen kurzer Zeit als die Träger des ,',dritten Reiches" das Schicksal Deutschlands in die Hand zu nehmen. Am 24. August fand als sogenannte Jungwählerversammlung in Berlin eine von Hitler-Jugend und Nationalsozialistischem Schülerbund veranstaltete Kundgebung, mit den Themen „Fort mit diesem System!" und „Rebellierende Jugend und Reichstagswahl" statt, in der unter anderem erklärt wurde: „Unsere Bewegung ist eine revolutionäre, sie will gründlich die heutigen Verhältnisse ändern. Wir müssen uns darauf besinnen, daß lvir ein wehrhaftes Volk waren, und alles das, was wir wollen, dient nur der Aufgabe, das „dritte Reich" aufzurichten . . ." Wohin solche „politische Schulungsarbeit" führt, beweist wieder einmal der Inhalt eines Flugblattes,"das von den nationalsozialistischen Schülern in Allenstei n (Ostpr.) kürzlich verbreitet wurde. Es heißt da u. a.: „Schüler, Schülerinnen! Wir sollen uns nicht mit Politik beschäftigen, wir seien zu jung, wir verständen davon nichts! Wer sagt das? Die Vertreter der herrschenden Partei und ihre Nachbeter! Warum sagen sie das? Weil sie durch den Poung-Plan das deutsche Volk auf 60 Jahre in die Sklaverei schicken, damit es dort ein Bettelleben führt, um ein paar internatiottalctt jüdischen Fittanzhyänen die Taschen m füllen «. . Es ist unzweifelhaft, daß solche Worte unter der halbwüchsigen, noch mitten in der Schulbildung steckenden Jugend ungeheuren Schaden stiften. Das ist schon nicht mehr als parteipolitische Aufklärung, denn als offensichtliche Verhetzung gegen einen bestimmten Teil des deutschen Volkes zu bezeichnen. Zu dem in diesen Blättern schon mehrfach erwähnten „Aufmarsch", dem Reichsorgan des Nationalsozialistischen Schülerbundes, hat sich seit einigen Wochen eine lediglich für Berlin bestimmte Zeitschrift, der „Berliner Schul- B e o b achte r", gesellt, dessen Inhalt ganz scharf aus Bekämpfung des bestehenden Staates und der Aufhetzung gegen Andersgesinnte zugeschnitteu ist. Der „Schulbeobachter" stellt sich im wesentlichen zwei Aufgaben, eine propagandistische („Kein Berliner Abiturient, der die Schule verläßt, ohne Natronalsozialist zu sein! der Sozialisierung auszunehmen sei. Das sind in erster Lime „die wirklich großen Schöpfer unserer Schwerindustrie, die Krupp, Kirdorf, Thyssen, Abbe, Mannesmann, Siemens. Zwar fordern die Nationalsozialisten in ihrem Programm ausdrücklich die „Verstaatlichung aller bereits vergesellschafteten Betriebe"; und der Federsche Kommentar sagt noch klarer: „Riesenbetriebe (Konzerne, Syndikate und Trusts) werden verstaatlicht." Dass Emil Kirdorf der Gründer des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats ist, daß gerade die Krupp, Thyssen und Mannesmann die schwerindustriellen Riesenbetriebe, Konzerne und Trusts geschassen haben, stört offenbar nicht. Diejenigen großkapitalistischen Unternehmungen, deren Leiter der Hitler-Gruppe politisch genehm und nützlich find, haben also einstweilen von der «Lozialisierungswut der Nationalsozialisten nichts zu befürchten. Ausgenommen Juden und Schlappschwänze!") und eine erzieherische („Bürger? Nein!. — Nationalsozialisten! Unsere Geisteshaltung, unsere Lebensführung fallen dereinst den Bestand der deutschen Nation sichern!"). Daß die Schulbehörden dieses Treiben der nationalsozialistischen Schüler als Schul- und Volksfrieden störende Hetztütigkeit aussassen müssen, ist klar. Zu den Verboten und Anordnungen der Provinzialschulkollegien der Provinzen Hannover, Schleswig-Holstein, Brandenburg usw. kommt neuerdings ein Ruyderlaß des Proviuz i a l s ch u l k o l l e g i u m s für Hessen- Nassau in Kassel, der sich mit der Frage der Zugehörigkeit der Jugend zu staatsfeindlichen Organisationen, besonders zu solchen mit nationalsozialistischer Tendenz, befaßt; er stellt fest, daß „die erstatteten Berichte der Anstaltsleiter leider keinen Zweifel darüber lassen, daß in unserer Provinz die staatsfeindlichen Parteien an manchen Orten in vedenktichem Matze Einfluß ans die Jugend der höheren Schulen gewinnen". Das Provin- Zialschulkollegium macht es vor allem den A u - staltsleitern Zur ersten Pflicht, in ihren Anstrengungen nicht zu erlahmen und für die Reinigung des Schullebens von politischer Verhetzung wie auch für die positive Erziehung der Jugend zur deutschen Republik durch Beispiel, Lehre und pädagogische Führung ihre volle Kraft einzufttzen. Es bleibt jedoch nicht allein bei einer politischen Gefährdung der Fugend; die sittlich einwandfreie Erziehung deutscher Kinder steht auf dem Spiel! Bietet sich doch in einem in Nr. 34 des „Stürmer" vom August d. I. veröffentlichten Inserat ein „Stürmerkehrer" an, gefährdeten Schülern der unteren Gymnasial- und Realschulklassen sowie Schülerinnen der Höheren Mädchenschulen gründliche und erfolgreiche Nachhilfe zu erteilen! Unseren Lesern ist das von den schmutzigsten und niedrigsten pornographischen Texten und Bildern strotzende Nürnberger Hetzorgan des Herrn Streicher zu genau bekannt, als daß die Anzeige noch eines besonderen Kommentars bedürfte. Der Titel „Stürmerlehrer" stellt nur einen klassischen Beweis dafür dar, daß die Nationalsozialisten auch nicht das übelste Mittel scheuen, die Jugend, das wertvollste Gut der Nation, politisch zu vergiften. -th~ Hitlerjugend und Schülerbund Hm Zeitungen und Flugblättern für die nationalsozialistische Jugend

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