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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 468

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 468 (sequence 4)
Language
German
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46$ Die Entgleisungen -es „Deutschen" Alarstellung -es E.v. abgelehnt. -er christlichen Der „Deutsche", der sich „Tageszeitung für deutsche Volksgemeinschaft und für ein unabhängiges Deutschland" nennt, ist das Organ der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Wie uns aus Zentrumskreisen versichert wird, ist dieser selbst keineswegs als ein Organ des Zentrums aufzufassen. In einer in Nr. 201 des „D e u L - s ch e n" vom 26. August veröffentlichten Betrachtung „Der Maßstab sür den 14. September" setzt er sich mit dem „Vorwärts" auseinander, der in einem Artikel „Teuerungsinsel Deutschland" den Arbeitnehmern hatte zeigen wollen, daß die Regierung Brüning nichts für den Preisabbau getan hätte. Dabei schreibt der „Deutsche": „Vier Wochen theoretische Diktaturverordnung gegen die Kartelle find vergangen, meint der Wahlmacher der Sozialdemokratie im galizischen „Vorwärts", und fügt dem hinzu: „Inzwischen bleibt Deutschland eine Insel der Teuerung in der Weltwirtschaft!" Als der „Vorwärts" sich gegen die. Ausführungen des „Deutschen" zur Wehr setzte, glaubte dieser eine noch deutlichere Sprache reden zu müssen. Er antwortete nämlich am 27. August u. a.: „Der „Vorwärts" ist uns erneut böse geworden. Wir waren so unfreundlich, ihn an das jüdische Gesicht zu erinnern, das er und seine Partei zuweilen recht deutlich zeigen. Und nun schimpft er wieder, obschon er gar keine Ursache dazu hat, denn „haust du meinen Juden, hau ich deinen Juden". Und wenn es gar so viele sind wie bei der Sozialdemokratie und dem „Vorwärts", dann wird es schließlich gar zur Notwendigkeit, mal darauf hinzuweisen, daß die Leute, die sich gar zu ausdringlich als die alleinigen Vertreter der deutschen Arbeitnehmer aufspielen, sehr oft Ausländer sind und mit dem Deutschtum sehr wenig gemein haben. ... . . . Wir sind durchaus nicht ohne weiteres judenfeindlich. Es gibt sicher auch unter den Juden wertvolle, ehrliche Menschen. Aber wir können auch nicht da noch juden freundlich sein, wo Juden mit so viel Unehrlichkeit und volkszersetzendem Eist arbeiten und uns bekämpfen." Und als auch das „Berliner Tageblatt" Seine Verwunderung über diese judenfeindlichen lusfälle des „Deutschen" zum Ausdruck brachte, ließen die christlich-nationalen Gewerkschaften in ihrem Organ ihren ziemlich offensichtlichen Judenhaß am 28. August noch freier die Zügel schießen: „Das „Berliner Tageblatt" sucht dem „Vorwärts" beizuspringen. Es fühlt sich anscheinend auch getroffen, weil wir von dem „jüdischen Ge- 1td)t" des „Vorwärts" und der Sozialdemokratie Ärieben. Das Bedürfnis des „V. T", der Sozialdemokratie hier Hilssstellung zu leisten, liegt ihm natürlich im Blute, und wir würden darüber kein Wort verlieren." Unsere Entgegnung an öen„Deutschen" Wir hatten die vorstehend auszugsweise wiedergegebene Pressepolemik zum Gegenstand einer Erwiderung an den „Deutschen" gemacht. Nachdem der „Deutsche" jedoch -eine Veröffentlichung unserer Entgegnung als „unsachlich" abgelehnt hatte, geben wir sie an dieser Stelle in vollem Wortlaut bekannt. „Der Versuch des „Deutschen", seine politischen Kämpfe nun auch auf dem Rücken der Juden auszutragen, hat in jüdischen Kreisen Ueberraschung und Befremden hervorgerufen. Wenn der „Deutsche" es für notwendig halt, den „Vorwärts" und die Sozialdemokratie an ihr „jüdisches Gesicht" zu erinnern, dann hat er wohl vergessen, daß auch die Konservative Partei durch die Abstammung von Julius Schlesinger, alias Stahl, und die nationalliberale durch die Mitvaterschaft von Lasker und Bamberger ihren jüdischen Gesichtszug erhalten. Der „Deutsche" dürfte also doch wohl nur geringe fachliche Unterlagen dafür haben, wenn er die ihm unangenehme Gegnerschaft des - Eine Zuschrift aus -em Kreise Gewerkschaften „Vorwärts" und der Sozialdemokratie mit deren Verjudung zu begründen.sucht. Und noch etwas fällt uns auf: Der „Vorwärts" und die Sozialdemokratie sind schon ziemlich alt, und der „Deutsche" ist auch nicht von gestern. Wie kommt es da, daß der „Deutsche" die Verjudung erst jetzt und ausgerechnet in dem Augenblick entdeckt, da er in einen erbitterten Kamps mit der Sozialdemokratie eintritt? Am schwersten aber empfinden die Juden eine Redewendung im „Deutschen", die seltsamerweise als Kompliment gedacht ist. Der „Deutsche" schreibt in Nr. 200: „Es gibt sicher auch unter den Juden wertvolle, ehrliche Menschen." Nun ist doch im allgemeinen die Verteilung der wertvollen, ehrlichen und wertlosen, unehrlichen Elemente in jeder irgendwie gearteten Bevölkerungsgruppe f o, daß die Ehrlichen die Regel und die Unehrlichen die Ausnahme bilden. Sollte der „Deutsche" wirklich der Meinung sein, daß es bei den Juden umgekehrt sei? Weil er zufällig mit einer „verjudeten" Partei in einen politischen Kampf geraten ist? Oder sollte er selbst glauben, daß seine jüdischen Gegner in der Sozialdemokratie weniger ehrlich und wertvoll seien als andere politische Gegner? Der „Deutsche" hat sich «darüber entrüstet, daß gewisse Blätter jene Bemerkung mit nationalsozialistischen Ausfällen gegen die Jllden auf eine Stufe gestellt haben. Wir können nicht umhin zu erklären, dast wir feine Beleidigung noch viel bitterer empfinden als eine nationalsozialistische, nämlich als einen Schlag ins Gesicht. Wenn z. B. der „Völkische Beobachter" solch eine Beschimpfung ausspräche, darin würden sie die Juden gelassen hinnehmen, weil sie wissen, daß der Judenhaß die Kraft und die Judenbeschimpfung der Zweck der nationalsozialistrschen Presse sind. Der „Deutsche" aber soll ein Organ „für deutsche, Volksgemeinschaft und für ein unabhängiges Deutschland" sein. Darum wiegt die Beleidigung, die er den Juden angetan hat, um ein Vielfaches schwerer als eine entsprechende nationalsozialistische." Wie stark die Befremdung über diese judenfeindliche Haltung des „Deutschen" auch in nichtjüdischen Kreisen ist, möge schließlich noch folgende Zuschrift fagen, -ie uns aus katholischen Greifen -er christlichen Gewerkschaften zugegangen. Sie bestätigt unsere Auffassung, daß das Zentrum, das bis zu einem gewissen Grade in der christlich-nationalen Gewerkschaftsbewegung vertreten ist, Ausführungen von der Art des „Deutschen" ablehnt. Sie lautet: In der Hitze des Wahlkampfes schlüpft gar manches unter, was in Zeiten ruhiger Ueberlegung vielleicht nicht gesagt wird. Das hat ganz sicher seine Schattenseiten, ist anderseits auch von Vorteil, um in den Tiefen des einzelnen zu schürfen, um ihn zu erkennen und sein wahres Gesicht zu sehen. Eine Entgleisung gröbster Art hat sich der „Deutsche" geleistet, die „Tageszeitung für deutsche Volksgemeinschaft und für ein unabhängiges Deutschland". Das Blatt gilt als Hauptorgan der christlichen Gewerkschaften und vertritt demnach einen überaus großen Teil der christliche n Arbeitnehmerschaft. Um so befremdlicher müssen seine Auslassungen in den Nummern 199 bis 201 erscheinen, in denen der politische Kampf in die Tonarten eines Antisemitismus verfällt, die von Positiv-christlichen Menschen entschieden verabscheut werden. Wenn auch nach dem ersten Angriff auf das Judentum, eine wesentlich mildere Auslegung der Meinung des „Deutschen" erfolgte,' so kann sich die christliche Arbeiterschaft auch mit dieser Meinung des „Deutschen" zur Judensrage nicht einverstanden erklären. Geradezu empörend ist der Satz: „Es gibt sicher auch unter den Jude n wertvolle, ehrliche Mensche n." Wie solche und ähnliche Aussprüche von den katholischen Mitgliedern der Redaktion des „Deutschen" geduldet werden können, bleibt unbegreiflich. Die katholische Arbeiterschaft kann und wird sich mit dieser Haltung nicht einverstanden erklären. Wir können die Empfindung nicht loswerden, daß sich auch in ven christlichen Gewerkschaften die unheilvollen Einflüsse nationalsozialistischer Elements sehr stark bemerkbar machen. Unser katholisches Gewissen zwingt uns, erneut darauf aufmerksam zu macheu. Noch einmal sei es gesagt, die katholische A r b e i t e r s ch a f t m a ch t dieses Treiben nicht mit. Wir erinnern an die Worte des Kanzlers Marx, der in einem Briese, an die Oefsentlichkeit gerichtet, 1922 sagte: „Die vaterländisch gesinnten Juden dürfen rm Kampfe gegen die antisemitische Hetze auf die Unterstützung des katholischen Volkes und auch der Zentrumspartei rechnen." Erzberger, der soviel gehaßte politische Führer der deutschen Katholiken, hat ebenfalls klar und deutlich hervorgehoben, wie sehr „das gewissenlose antisemitische Treiben aus tiefstem Grunde zu verabscheuen" ist. So weit dem „Deutschen" zur Aufklärung und Warnung. Bedauerlicherweise haben diese Entgleisungen auch in der anderen Presse eine irreführende Auslegung erfahren. Auch dafür trägt der „Deutsche" die volle Verantwortung. Sehr entschieden ist von der „Germania", dem Zentralorgan der deutschen Zentrumspartei, betont worden, daß die Zentrumspartei mit diesem antisemitischen Treiben nichts zu tun hat und daß es ein sehr großer Irrtum ist, den „Deutschen" als Publikationsorgan der Zentrumspartei anzusehen. Diese erfreuliche Feststellung dürste, wie auch nicht anders zu erwarten war. allen beteiligten Kreisen darüber Klarheit verschaffen, daß auch die deutsche Zent r u m s p a r t e i den A n t i s e m i t i s m u s entschieden verurteilt. Führend« Mitglieder der Partei stehen auch in einer Linie mit andersgläubigen deutschen Menschen im „Verein zur Abwehr des Antisemitismus". — Wir nehmen an, daß der „Deutsche" sich zur Erklärung seines Verhaltens ausrafst. Audi wer sich am nicht in seinem Wahlbezirk auf hält, 14. September kann und muss wählen! Er besorge sieb "VA 7 11 1 bei seiner zustänrechtzeitig einen ▼ dlll&§LJ.lc:il.l. digen Gemeindebehörde (in Gross-Berlin sind die Bezirksämter zuständig). # m n» «««fl 4 «« + * ■» +++•*** rav « 4M 4 4 *.4 4 Inhaber ^^+.::/3+////$:::12.09$4B

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