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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 467

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 467 (sequence 3)
Language
German
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^^L^MK^Ä-LL-tt^ssLÄ-k^ L ^i,MT,V ■* ^ILM^Ä fcVäto °-iä«-Lt>L *, LÄ- Aifa,^w"fcJALf^m%ub^eJ^J!rOl . .- - , — Der Aufmarsch der Parteien! Nachdem in den letzte« Nummern unserer Zeitung Vertreter der Staatspartei, der Sozialdemokratie, des Zentrums und der Wirtschaftspartei ihre Stellung zum Nationalsozialismus dargelegt haben, lassen wir heute führende Mitglieder der Deutschen Volkspartet und der Bayerischen Volkspartei zu diesem Thema sprechen. Für die Stellungnahme zn sonstigen parteipolitischen Fragen tragen, bei der traditionsgemäßen Neutralität des Vereins, wiederum die Verfasser die Verantwortung. Die Schriftleitung. DrrSiimbllRMstagswayl Bon Staatssekretär z. D. Kempkes, M. d. R., Vorsitzendem des Geschästssührenden Ansschufles der D. V. P. Der Wahlaufruf der Deutschen Volkspartet at das Ziel des Wahlkampfes klar umschrieen: Es gilt gegen allestaatszerstör e n d e n Kräfte für die Rettung des Vaterlandes zu kämpfen und für die bürgerliche Negierung eine Mehrheit zu schaffen, mit der sie ihre Aufgaben lösen kann. Das stärkste Hindernis für eine auf lange Sicht eingestellte und für Lösung großer Aufgaben fähige Politik liegt in der weitgehenden tersplitterung der staatsbürgerlichen Parteien. er Parlamentarismus reibt sich dadurch selbst aus und bringt sich in Mißkredit, er vermehrt die Zahl der Unzufriedenen und stärkt die extremen Parteien, wenn er infolge der parteipolitischen Zerrissenheit seiner Kräfte oder durch mangelnden Mut zur Verantwortung seine Aufgaben und seine Versprechungen nicht erfüllen kann. Zu den staatszer stören den Kräften gehören in erster Linie die Radikalen von rechts und links, die Nationalsozialisten und die Kommunisten. Gegen beide gilt es im Wahlkampf mit aller Entschiedenheit und Klarheit Stellung zu nehmen. Beiden ist gemeinsam der Kampf gegen die jetzigen verfassungsmäßigen Einrichtungen, fceUden sind gemeinsam die Mittel des Terrors und der Gewalt, beiden der Mangel an jeglicher Einsicht und jeglicher Verantwortung gegenüber den Nöten der Zeit. Die nationalsozialistische Bewegung wird von der Deutschen Volkspartet klar und entschieden abgelehnt. Nicht allein, weil sie sich in einer maßlosen Beschimpfung der Außenpolitik unseres verstorbenen Führers Dr. Stresemann ergeht, sondern auch deshalb, weil die programmatische Zielsetzung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei besonders in den wirtschaftlichen Fragen unseren Auffassungen direkt zuwiderläuft. Was wir heute brauchen, ist nicht ein alter Sozialismus in neuem Gewände, der unserem Volke das Blaue vom Himmel verspricht, sondern die klare politische Einsicht, daß Staat und Wirtschaft nur auf der Grundlage des Privateigentums gedeihen können. Die sozialistischen Anklänge in dem Programm der Hitler-Partei sind hinreichend bekannt, sie brauchen hier nicht ausgezählt zu werden. Der Kamps gegen den Eigentumsbegrisf, die Erweckung von Neid und Mißgunst ist eine der schlimmsten Begleiterscheinungen der nationalsozialistischen Bewegung, die auch in die bisher mchtsozialistischen Kreise hinein Verwirrung trägt. Wer den Gedanken der Volksgemeinschaft ehrlich vertreten will, mutz von allen Parteien verlangen, datz die Berufe und Konfessionen Verständnis füreinander empfinden, darf vor allen Dingen auch anders gerichteten Anschauungen die Achtung nicht versagen. Gegenüber allen diesen politischen Notwendigkeiten verhält sich der Nationalsozialismus scharf ablehnend. Begünstigt durch die wirtschaftliche Notlage vieler Volksschichten, entwickelt er sich zu einem Ueberradikalismus, der eine wirtschaftliche und nationale Gefahr für unser deutsches Volk darstellt. Di.ese Gefahr besteht insbesondere darin, daß die Wähler bei den Nationalsozialisten in bequemer Ablehnung der Nachprüfung ihrer eigentlichen Ziele sich durch Aufmärsche und durch nationale Kraftworte bestimmen lassen und daher auch solche Kreise und Schichten der nationalsozialistischen Bewegung verfallen, die an sich mit ihrem Programm und ihren Zielen durchaus nicht einverstanden sind. Um so mehr wird es die Pflicht und verantwortungsvolle Aufgabe der staatsbürgerlichen Parteien sein, noch vor der Wahl für eine intensive Aufklärung der öffentlichen Meinung mit allen Kräften sich einzusetzen. Bayerische BvlksMtei und RallvimIsoziallsinilS Von Dr. Alois Hundhammer, stellvertretendem Generalsekretär des Bayerischen christlichen Bauernvereins^ Die Bayerische Volkspartei ist eine ausgesprochene Weltanschauungspartei. Ihre Einstellung zu sämtlichen Programmatischen Fragen wird entscheidend beeinflußt von der Richtschnur des Positiven Gottesglaubens, und zwar im christlichen, in erster Linie im katholischen Sinne. Das bringt sie von vornherein in einen Gegensatz zum Nationalsozialismus, der, unbeschadet um gelegentliche agitatorische Anwandlungen anderer Art, im Kerne seines Wesens und seiner Betätigung antichristlich und neuheidnisch eingestellt ist. Die Reden seiner Führer und die Haltung seiner Fraktionen beweisen das zur Genüge. Zu den damit angedeuteten theoretischen Gegensätzen zwischen den beiden Parteien kommt im praktischen Leben ein ununterbrochener und geradezu erbitterter Kampf. Bei dem hemmungslosen Fanatismus der Hitler-Anhänger ist ja schließlich jeder Kampf, den sie führen, unsachlich und leidenschaftlich. Der Bayerischen Volkspartei gegenüber und umgekehrt seitens der Bayerischen Volkspartei gegenüber dem Nationalsozialismus ergibt sich eine besonders scharfe Kampfstellung in folgenden Punkten: 1. Bezüglich der Außenpolitik. Die Bayerische Volkspartei vertritt den Standpunkt dessachlichenVerhandelns. Sie lehnt alle auf gewaltsame Obstruktion und auf kriegerische Verwicklungen bewußt oder unbewußt abzielenden Maßnahmen ab in der Ueberzeugung, daß Deutschland nun einmal Zurzeit nicht die Vorbedingungen habe, um mit Waffengewalt seine Lage zu ändern und Zu verbessern. Die Haltung der Bayerischen Volkspartei zu allen außenpolitischen Fragen ist darum eine grundsätzlich andere als die des Nationalsozialismus, der „es drauf ankommen" lassen will. Am deutlichsten zeigte sich das bei allen mit der Annahme des Joung-Planes zusammenhängenden Ereignissen. Dabei muß aber betont werden, daß die Bayerische Volkspartei den Gedanken der Wehrhaftmachung unseres Volkes, der militärischen Ertüchtigung durchaus bejaht. 2. Innen- und staatspolitisch kommt die Bayerische Volkspartei schon dadurch in einen ständigen Konflikt mit dem Nationalsozialismus, daß sie seit 1919 in Bayern Regierungspartei ist und dadurch gezwungen wird, den staatsgesährdenden, revolutionären Tendenzen des Nationalsozialismus entgegenzutreten. Im November 1923 beim Hitler-Aufstand kamen diese Gegensätze zum ostentativen Durchbruch. Die Bayerische Volkspartei trügt letzten Endes die entscheidende Verantwortung für die Verhältnisse im bayerischen Staate, sie muß sich gegen jeoe revolutionäre, den Staat umstürzende Partei wenden. Und der Nationalsozialismus ist eine solche Partei. Daß die Stellung zum Parlamentarismus, die Betätigung im Sinne einer verantwortungsbewußten oder einer Katastrophenpolitik, und schließlich auch der Kampf um die Wähler, die Gegensätze vertiefen, liegt auf der Hand. 3. An dieser Stelle interessiert besonders auch das Verhältnis der genannten beiden Parteien zueinander in der Judenfrage. Die Bayerische Volkspartei muß aus ihrer grundsätzlichen christlichen Einstellung heraus den Antisemitismus im nationalsozialistischen Sinne ablehnen. Die Behandlung der Schächtfrage hat in der Beziehung die praktische Verschiedenheit der Einstellungen erst vor kurzem im bayerischen Landtag zum Ausdruck gebracht. So stehen Bayerische Volkspartei und Nationalsozialismus aus verschiedenen Gründen heraus in einem ständigen akuten Gegensätze. Die augenblickliche Wahlzeit läßt diese Gegensätze naturgemäß mit besonderer Schärfe hervortreten. Zwei grosse Wahlhunilöeljunöen des C.V. „Die deutschen Juden und die Reichstagswahl.“ 1. Sonnabend, den 6. September 1930, abends 8V2 Uhr, Oberlichtsaal der Philharmonie, Berlin W9> Bernburger Strasse 22/2Z. Die Redner werden noch bekanntgegeben. 2. Dienstag, den 9. September 1930, abends 8 Uhr, in der „Stadthalle", Berlin C2, Klosterstrasse. Die Redner sprechen in folgender Reihenfolge: Dr. Ludwig Holländer, Direktor des C. V., Dr. med. 8. London, Vorsitzender des R.j.F., Ortsgruppe Berlin, Dr. Bruno Weil, stellvertretender Vorsitzender des C.V., Margarete Fried, Martin Sobotker. Jedes Mitglied muss dieses Mal erscheinen und Freunde unserer Sache mitbringen, damit beide Veranstaltungen grosszügige Kundgebungen des Abwehrwillens aller verantwortungsbewussten Juden werden. Die Einladung gilt als Ausweis. Dr. Bruno Glaserfeld, Vorsitzender des Landesverbandes Gross- Berlin des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V.

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